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Wiesbadener Tanblstt.

Verlag Langgaffe 21

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Zreilag» 24. September 1973.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 44b. . 63. Icrhrgans.

Unser neuer Milliardensieg.

Ueber 12 Mllliaröen gezeichnet!

Ein über Erwarten glanzendes Ergebnis»

W.T.-B. Berlin, 24. Sept. (Nichtamtlich.) Die Zeichnungen auf die dritte deutsche Kriegsanleihe haben nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen eine Summe vo« 12 030 Millionen Mark erbracht. Einzelne kleine Teilergebnisse stehen noch aus.

O

Znm «dritten .Male hatte sich die Negierung cm das deutsche Volk gewendet, um «die Mittel zur weiteren «ftsg- reichen Fortführung des Krieges zu gewähren, pn dritten Male aber sollte auch dem feindlichen Auslande der Beweis erbracht werden, wie wir selbst in finan­zieller Hinsicht weit besser gerüstet als sie «dastetzen. Run ist unL auch dieser Sieg gelungen, nun dürfen «wir auch über diesen Erfolg, den wohl niemand Voraussagen konnte, triumphieren. Denn wenn .auch in -den letzten Lagen wngestellte Vergleiche mit Einzelergelbnissen aus den beiden vorhergehenden Anleihen darauf «hinwissen, daß wir diesmal mit einem noch weit höheren Betrag zu rechnen hätten, eine solche Riesensirrnme, eine Über­zeichn u n g des angeforderten Kredits von 10 Milliar­den um volle zwei Milliarden und 30 Millionen, das ist denn doch ein wirtschaftlicher Sieg, .der iroch mehr bedeutet: zugleich einen großen politi­schen Erfolg.

Etwas mehr als 4 Milliarden hatte die erste Anleihe im September v. I. ergeben, weit über 9 Milliarden wurden im März d. I. gezeichnet und nun «werden gar mehr als zwölf Milliarden zur Verfügung des Reiches gestellt- Wahrhaft ein Sieg, wie er schöner nicht gedacht werden kann, ein Ergebnis, das gewonne­nen Entscheidungsschlachten auf blutgetränkter Wcchl- statt gleichkoimmt; ein neuer und immer festerer Be­weis des «deutschen Glaubens au die eigene Siche, des felsenfesten Vertrauens in das Heer und seine Führung, aber auch ein Sieg der deutschen Arbeit, welche die Werte schafft, die jetzt mit so staunenswerter Schnellig­keit bereit gestellt wurden. Denn nicht allein die Groß­kapitalisten, die Aktiengesellschaften «und Millionen- nnterneHmungen haben ihre Gelder zur Verfügung ge­stellt, auch der kleine Mann und der kleine Sparer haben ihr Scherflein hevbeigebracht und «mit Zeichnungen von einigen hundert Mark die Riesenfumme zuisamim-enzu- «bringen geholfen. Schwerer aber noch als die Milliar­den selbst, «wiegt der Geist, der diese Tat vollbrachte, der Geist der unbegrenzten Opfevbereitschaft unseres Volkes und der unbedingte Wille zum Siege, der ein neuer .Be­weis zum Durchhalten der D-ahermgebliebenen ist und der auch seine moralische Wirkung im Auslände, besonders auch bei unseren Feinden und jenen Neu­tralen, die uns noch immer nicht allzu günstig gesinnt gegenüberstellen, nicht verfehlen wird.

Dom wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet, ist dieser neue Milliardenerfolg ein weiterer Beweis des gesunden und starken Zustandes in unserem wirt­schaftlichen Leben. Unsere Feinde haben Deutschland wirtschaftlich isoliert, haben uns das Meer gesperrt und glaubten mit der Behinderung des Leutscheu Außen­handels ihren stärksten Trumpf in Händen zu haben. Aber weit gefehlt. Die Produktionskraft «des deutschem Wirtschaftslebens wuchs unter dem Druck, der von außen her gegen sie geübt wurde, und der Geist «der Technik sorgte überall sür Ersatz, wo «der Feind durch Entziehung der Rohstoffzufuhr «verwundbare Stellen zu schaffen sich bemlihte, Der Aushungerungsplan, durch den die Gegner uns zu allererst zugrunde zu richten ge­dachten, fft elend zuschanden geworden. Wir wurden zwar gezwungen, «was wir für Heer und Flotte und für di? Ernährung von Kriegern und DaheimgMi«cbe- nen brauchten, dem eigenen Lande zu entnehmen, aber so blieb auch das Gold, anstatt nach draußen zu wandern, im eigenen Lande. Es rollt «das Gold im immer wech­selnden Kreislauf nur innerhalb der eigenen Grenzen und wird so immer wieder zu einem neuen Born, aus dem wir unerschöpffich weiter «die Kassen des Reiches füllen. Und wenn jetzt der Kampf um .die silber­nen Kugeln, von «denen einst «Sir Edward Grey sprach, heißer denn je entbrannt ist, so «brauchen wir nicht üne REcmds ZmcmWWÄster Bark von Pmrtizrs

zu Pilatus zu laufen oder wie seine anderen Verbünde­ten im neutralen Amerika mit dem Bettelsack vor der Tür zu sichen, um die notwendigen Kredite aufzubrrn- gen- Wir schaffen alles aus eigener Kraft, weil der Wohlstand im eigenen Lande bleibt. Die Zeichner haben unter dem Eindruck der Ereignisse erkannt, daß ihnen eine fünfprozentige Anleihe zum Kurse von neunundneunzig Prozent eine «weit ertrags-reicheve Kapitalsanlage als etwa vor dem Kriege bietet. Wir wollen aber auch nicht vergessen, daß die im Laufe der Zeit besser entwickelte Organisation wesentlich zum «größeren Erfolge beigetragen hat, denn indem sich auch die kleinste Postanstalt im kleinsten Dorf in «den Dienst der Anleihezeichnungen stellte, wrrrden Kapitalien -heran- ,gezogen, die sonst manchen beschwerlichen «Weges wegen «vielleicht auf der Bank oder in der Schublade liegen «ge­blieben wären.

Zwölf Milliarden! Wir taoSen uns diches

neuen herrlichen Sieges freuen, «wir wollen desto mehr frohlocken, je mehr die Feind«? Deutschlands darüber in erneuten Ärger und erneute Schimpfereien und miß­günstige Unterstellungen verfallen. Während sie im merkwürdig neutraten Amerika mit Mühe und Rot ein Bankkonsortium für ihre Anleihe Msanrmenbringen und seit Wochen noch nicht über die ersten Vorbereitungen «dazu hinausgekomimen sind, «hat das «deutsche Volk ohne fremde Mitwirkung eine Suinme weit über die gehör- «derten Kredite hinaus aufgebracht. Wir «haben alle Ver­anlassung stolz erh«obenen Hauptes über unsere Gegner hinwegzuschen und «wir sind überzeugt, daß der Kaiser auch diesmal wieder «das erhebende Wort finden wird, das er bereits anläßlich der zweiten Kriegsanleihe prägte: „Ich bin stolz darauf, der erste Diener eines solchen Volkes zu sein!" Di«. A. H.

von den ofMÄen lKsregsscharrpEtzen,

Die grenzenlosen Grausamkeiten der Ruffen gegen die eigenen Untertanen.

Wien, 23. Sept. Aus dem Kriegspressequartier wird ge­meldet: Ein Bericht des in Ki siel in errichtet gewesenen österreichisch-ungarischen Kommandos enthält folgende Dar­stellung: Von den zahlreichen in Kisielin lebenden deut­schen Kolonisten wurden sehr viele von den Russen vor und während des Rückzuges in das Hinterland geschleppt. Dar­unter befand sich ein Kolonist mit seiner ruhrkranken Frau und sein«em ein Jahr altem Knaben. Die schwevkranke Frau, die sich in gesegneten Umständen befand, wurde auf einenr landesüblichen Fuhrwerk verladen. Der Mann nrutzte mit dem Knaben, notdürftig bekleidet, gegen 50 Werst zu Fuß zurücklegen. Infolge der übermenschlichen Anstrengungen, Entbehrungen «und Schrecknisse der Reise trat bei der völlig erschöpften Frau Frühgeburt ein. Das Kind starb einige Stunden nach der Geburt und wunde von den Russen im nächsten Walde aus dem Wagen geworfen, ebenso bald darauf die arme Mutter, obwichl sie noch lebte. Dem Manne gelang es, in der darauffolgenden Nacht, mit dem Knaben am Arm, zu entwischen und seine halbtote Frau in dem versumpften Walde wiederzufinden. Unter unsäglichen Schwierigkeiten verbrachte er sie mit einem Wagen« in das mittlerweile von uns besetzte Kisielin und in ein Feldfpital. Die Wahrheft der Angak^n des Kolonisten bestätigten der über seine Frau abgegebene ärztliche Befund und die Aussagen zweier zu gleicher Zeit «dort eingetrofsenen kranken Krlonisten, denen es ebenfalls gelungen war, den Russen zu entwischen. Die schwer ruhrkranke, durch die Frühgeburt und die fürchterlichen Entbehrungen hcrabgekommene Frau war nicht imstande, sich irgendwie verständlich zu machen, doch war Hoffnung vor­handen, ihr Leben zu erhalten. Die von dem Felds,vital er­haltmen Arzneien, Eßwaren, Wein und Wäsche wollte der arme Kolonist, dessen gcmzeS Hab und Gut vollständig ver­nichtet war, mit dem letzten ibm verbliebenen Gelde bezahlen und konnte kaum begreifen, aus Feindeshand beschenkt zu werden. Alle diese Kolonisten, durchweg Deutsch sprechende Leute, erzählen entsetzliche Einzelheiten über die grenzenlose Grausamkeit der K o s a k e n, die alles nieder- brennen und verwüsten.

Lebensmittel- und Zeuerungsnot in Petersburg

W. T.-B. Kopenhagen, 24. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) Nach dem „Njetsch" verschärfte sich der Lebensmittel­mangel in Petersburg infolge der Störung der Haupt- eisenbahn st recke wiederum außerordentlich. Die Bäckereien haben chre Tätigkeit bereits wieder eingeschränkt. Es find noch für eine Woche Lebensmittel vorhanden.

Die maßgebenden Kreise hätten schon vor eratgen Wochen dich Regierung aufmerksam gemacht, daß man vor einer wirk--! lichen Hungersnot stände. Der „Rjetsch" führt eine Statistik über die Eisenbahnwagen zum Beweise dafür an. dast der Mangel an Zufuhr an der Hungersnot schuld jeh Im Mai kamen 2132 Wagen Weizenmehl, im August noch 153 Wagen; Roggenmehl im Mai 1455, im August 173 Wagen cm. Der Verbrauch in Petersburg ist täglich IM Wage« Mehl, die Zufuhr erreichte aber nur 13 Wagen. Massen vor» Flüchtlingen seien eingetroffen, die auch Verpflegung haben müßten. Erwähnenswert ist auch der Kartoffel»« mangel. Im Mai kamen 777, im August nur 6 Wagen an. Das Matt fordert die ernstesten Maßnahmen, andernfalls würden Huugeraufstände entstehen. Genau so liogen die Verhältnisse in Pskow. Aus der Eisenbahnlinie Dünaburg - Petersburg ist weder Zucker, «och Solch noch Petroleum und Tabak vorhanden. Der Stadthauptmann Tolstoi erklärte, es seien mindestens 400 000 Kubikfaden Feuerung erforderlich. Hiervon seien nur 13 00«0 beschafft! worden, so daß vorläufig nur die Lazarette befriedigt werden könnten u«nd nicht daran zu denken sei, an Privat­leute zu verkaufen. Außerdem seien 26 Millionen Rubel für die Anschaffung der Feuerung erforderlich, die die Stadtver- waltuug nicht besitze.

Ein nordamerikanisch-russisches Handelsabkommen.

W. T.-B. Washington, 23. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt,) Reuter meldet: Staatssekretär L an sing uuterzeich- «niete ein ?lb kommen mit Rußland, nach dem das A u s f u ßoch verbot nach den Vereinigtere Staaten aufgehoben wird.

Rußland in der Geldklemme.

Barks Forderungen an die Verbündeten ein Ultimatum?

Berlin, 24. Sept. (Zeus. Mn.) Verschiedene Morgen­blätter erfahren: Die Forderungen des russischen Finanz- Ministers Bark in London sollen einem Ultimatum an die Bundesgenossen Rußlands gleichkommen. Bark fordert die Bezahlung der russischen Staatszinsen, ferner die Be- zechlung aller russischen KriegsbeftÄlungen durch England und die Gewährung von 2 Milliarden Franken bares Geld zur Fortsetzung des Krieges.

Oie Regierung verzichtet auf die Verätzungen des vumaausfchuffes.

Berlin, 24. Sept. (Zens. Mn.) Die russische Regierung teilte, wie verschiedene Morgenblätter erfahren, dem Bor- sitzenden des Heeres- und Munitionsausschnffes der vertagte« Duma mit, daß die Regierung auf die Beratungen des Aus­schusses vorläufig verzichte.

Der Zeitpunkt «der Wiedereinberufung der Duma.

Swckholm, 24. Sept. (Zens. Bln.) Die „Rjetsch"' vor« 19. September erzählt, daß im Taurischen Palast das Gerächt sich halte, daß die Reichsduma viel früher als im Novembep einberufai werde. Die Leitung „Djen" schreibt, ein hervor­ragendes Mitglied des Kabinetts habe geäußert, daß ganz wahrscheinlich die Einberufung der Reichsduma am 14. Oktober! stattsinden werde, und ztoar infolge einer privaten Minister, beratung.

Das rvf'ffche Gesamtkabinett gegen Goremchkiir

Br. Stockholm, 24. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mm) Wie der Petersburger „Courier" meldet, sind mehrere Minister, unter ihnen General Polimanow und Fürst S e r b a t o w, ins kaiserliche Hauptquartier zum Zaren ab­gereist. Man vermutet, daß sie dem Zaren den Entschluß des Kabinetts übe«^rinoen sollen, en blae zu demissio­nieren, falls nicht Goremykin auf den Posten emes Ministerpräsidenten Verzicht leiste.

Belgrads neue Befestigung.

Br. Wien, 24. Sept. (Eig. Drcchtbericht. Zens. SSfeiOi Der „L.-A" meldet aus Belgrad, «daß die Fesstungs» werke der Stadt unter der Leitung englischer In­st rwkt eure teilweise ganz erneuert und umg ebautz wurden. Die an «der Save gegen Sernlin vorgeschobenen Werke wurden mit schwerer Artillerie versähe», die von englischen Artilleristen bedient werden. Der« frühere Spiötz>latz wurde in eine Festunpsanlage rnit b o«mb ensich er en Unterständen MNgewrar- delt- Die Häuserreihe längs der Salve ist van der Zsvrlbcv-ölkerung geräumt worden.

Höchstpreise sür Kartoffeln in Österreich.

W. T.-B. Wien, 23. Sept- (Nichtamtlich.) Durch Ministe, rialverorduung werden ab 1. Oktober Höchstpreise küp Kar los fein diesjähriger Ernte festgesetzt. «