ttslickemr Täglilck.
I;'«. Jahrgang. Lerlaa: Lanaaakke 27. Anzeiacn-Vrei«,
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giß* 60 8. Werlags.Fernsprecher 91 ». 2958.
Donnerstag» den 31. Dezember.
Rebaklionö-Fernsprecher No. 52.
1903.
AbencS Ausgabe.
3um i tum Iahr.
Du altes Jahr, eiM^heir wie im Traum, Bewegten Herzens s»^ wir dich scheiden.
Beim Klang der Glo« grüßten wir dich kaum, Und schon verrinnst »gn dem Meer der Zeiten. Vorbei das Glück, daMchundlich uns gelacht,
Vorbei des Schicksal» Wie Leidensnacht,
Manch Ziel verfehlt, e»^mt manch edles Streben, Im Tod verlöscht mai»^',eitz geliebtes Leben,'
Du fliehend Jahr vM^turm und Sonnenschein, Schlaf' ein! M
i das Angesicht,
>l wir dir entgegen! iht der Blick nach Licht, i Brust sich regen:
verschwieg'ner Schoß? ^künftig Los? ir erringen? gelingen? iheinen Lauf,
Du neues Jahr, verl»
Wie schau'n erwartungs Durch nächt'ges Dunkel Und tausend Fragen in Was mag er bergen,
Wie wird es fallen, un»
Welch hohe Ziele werden Wie viele gute Werke uil Du neues Jahr, begiiis Wach' auf!
O seltsam unergründliM'Nenschenhcrz,
Bald angstvoll klopfend u.itr Furcht und Bangen, Bald hoffnungsselig jauchle d himmelwärts,
Wie magst du so nach Künstgem verlangen? Bedenke, nur der Augenblick ist dein,
Er will genützt, er will genossen sein;
Nicht imm er folg t dem „ heute" auch ein „morgen", "Ze^halb daher dein HosfeiiM vd dein Sorgen?
Es weiß dein Gott, was Mxdir geben will,
Ihm halte still! E. ©reiner.
,c*
Glückauf
Am Ende des Jahres pflegt wärts zu blicken. Man hält gangene Jahr, um die Bilanz z gu ziehen, und man bemüht sic Schleier zu lüften, der unseren kommenden Jahres verhüllt, ein eiteles. Auch wenn wir eul Menschen veranstalten wollten, di berühmt gehalten werden und die
vorwärts und rück- tzsthau über das verlachen Soll und Haben shsohl auch gar, den ■’ en die Ereignisse des ^letztere BemUzen ist —Imfrage bei allen tsterühmt sind, die für ' selbst dafür halten,
In*
so würden wir doch nicht einen Zipfel von dem Schleier zu lüften vermögen, der uns das Saisbild der Zukunft verhüllt. Tie Gewohnheit aber, an der Jahreswende rückwärts zu fä-auen aus das, was das verschwundene Jahr gebracht, ist eine wohltätige, nutzbringende Gewohnheit.
Denn wenn uns das Jahr 1903 auch der Mühen und Sorgen, der Not und der Trübsal ein gut gemessen Teil beschert, einen Trost bietet uns doch der Rückblick auf diese Zeit der Mühen und Sorgen. Eines Teiles jener Übel vermögen wir uns heute kaum noch zu erinnern, und ein anderer Teil, der uns damals unerträglich erschien, will uns jetzt, da er weit hinter uns liegt, schon klein und gering dünken.
Die allerschlimmstc, größte Plage
Wird endlich doch noch überwunden:
Der allerschvecklichste der Tage
Hat anch nur vierundzwanzig Stunden!
lind wer nur mit dem rechten offenen Blick in das vergangene Jahr zurückschaut, der wird neben manchem Unerfreulichen doch auch manches erblicken, woraus er Befriedigung für die Vergangenheit oder wenigstens eine Hoffimng für die Zukunft entnehmen kann. Ist doch unserem alten Erdteil der Friede, so oft er auch bedroht erschien, bisher noch erhalten geblieben. Ist doch auch in der inneren politischen Situation in unserem Vaterlande, die im Jahre 1902 bei den leidenschafllichen Kämpfen um den Zolltarif eine so unheilvolle Wendung genommen hatte, im vergangenen Jahre eine Mstderung der Spannung eingetreten. Und zeigt doch endlich auch die wirtschaftliche Lage, die schon im Verlaufe des Jahres 1903 einige Anzeichen der Besserung aufwies, beim Über- gang in das neue Jahr ein etwas freundlicheres Aussehen, das uns mit Hoffnungen für eine bessere Zukunft erfüllt.
Dieser Hoffnung dürfen wir uns um so sicherer hingeben, als uns auch die schwachen Anzeichen einer Besserung nicht getäuscht haben, die wir schon bei dem Übergang vom Jahre 1902 zum Jahre 1903 seststellen zu dürfen glaubten. In unserer letzten Neujahrsbetrachtung schrieben wir: „Wenn die wirtschaftliche Situafton auch alles in allem leider eine sehr ungünstige geblieben ist, so haben sich doch in den letzten Monaten des Jahres hier und da Anzeichen einer Besserung geltend gemacht, die sich hoffentlich nicht als trügerische erweisen werden. Auch wenn man jedem Optimismus abhold ist, braucht man diesmal in die wirtschaftliche Zukunft nicht ganz so trostlos zu blicken, als dies vor Jahresfrist allgemein, und leider mit gutem Grund, geschah. Freilich wird die Gestaltung dieser wirtschaftlichen Zukunft in sehr wesentlichem Matze von der Gestaltung der künftigen Handelsvertragspolitik abhängen. Und diese Sorge haben wir, wenn auch der Kampf um den Zolltarif selbst im alten Jahre beendet wurde, mit in das „neue Jahr hinüber- genommen".
Wenn uns diese Sorge auch für das Jahr 1904 unverändert bleibt, so haben sich doch die Anzeichen der wirtschaftlichen Besserung, welche wir vor Jahresfrist feststellten, nicht als trügerisch erwiesen. Die Depression, unter der Handel, Industrie und Verkehr Jahre hindurch schwer gelitten haben, beginnt langsam zu weichen. .Und wenn nicht ein ganz unerwarteter Rückschlag erfolgt, so darf man darauf rechnen, daß das Jahr 1904 ein wesentlich günstigeres Ergebnis aufweisen wird als die Bilanz, die wir heute über das Jahr 1903 ziehen. Deshalb sollen wir nicht mutlos verzagen, wenn diese Bilanz sowohl in Bezug auf die Weltwirtschaft wie auch unsere nationale Wirtschaft und endlich auch in Bezug auf den einzelnen Erdenwaller nicht sonderlich vorteilhaft ab- schneidet.
Wenn das vergangene Jahr uns manche Hoffnung unerfüllt gelassen hat, wenn wir ungezählte Wünsche ins neue Jahr mit hinüber nehmen, so ist doch schon der Brauch, den Abschied vom alten Jahre und den Eintritt in das neue festlich zu begehen, an sich ein Beweis des Vertrauens, welches wir in das kommende Jahr setzen, der Hoffnung, daß es uns mehr Gutes als Schlechtes bringen werde. Diese Hoffnung ^erfüllt uns alle und stimmt uns, mag auch manche Sorge unser Herz bedrücken, fröhlich und selig, wenn wir mit Sang und Klang, mit Punsch und Frohsinn ins neue Jahr hinüberziehen und zu gegenseitigerErmutigung einander zurufen:
Prosit Neujahr!
Jur Fuge in Ostasien
I,. Berlin, 30. Dezember.
Ein hiesiges Blatt läßt sich eine fette Sensationsnachricht aus Tokio telegraphieren. Danach soll die japanische Regierung den bei ihr beglaubigten Vertretern der fremden Mächte eröffnet haben, daß die Lage unhaltbar sei, und daß Japan zuschlagen müsse, wenn Rußland nicht die ihn» gestellten Bedingungen annehme. Tie hiesige japanische Gesandtschaft hat dazu alsbald erklärt, daß sie von solcher Zuspitzung der Lage wissen müßte, wenn es sich so verhielte. Indessen verhält cs sich wohl nicht so. Zwar ist die Schärfe des Gegensatzes zwischen Rußland und Japan unverändert, aber die Möglichkeit, den Frieden zu erhalten, besteht noch fort, und solange sie besteht, darf man hoffen. So weittragend die Folgen eines russisch-japanischen Krieges wären, auch wenn er lokalisiert bliebe, so besteht die eigentliche Gefahr der Lage darin, daß sich der Krieg schwerlich lokalisieren ließe. Man kann sich schlecht vorstellen, daß England Japan allein lassen sollte, wenn der ostasiatische Inselstaat eine Meder- läge erlitte. Würde das Kriegsglück für Japan entscheiden, so hätte man in London allerdings keine Veran- lassung zur bewaffneten Einmischung. Aber der Zu-
Die RSvGlMzer.
Roman von Walther Schu (65. Fortsetzm
Sie traten in das Wohnzimm! Gendarm notierte in sein Buch: ,! lief) visitiert. Unter Bett Säbe! schrank 0. Stupp an der Wand, F Wilddieb."
„So, nun kommen wir an die klärte er. „Die Ehefrau des Verbrec. begleiten, das Fräulein von der Pf dies Zimmer nicht zu verlassen." T gefolgt von Mieten, die Agnes ein sie an der Tür aufpassen möge, ustd völlig schloß, so daß das Mädchen den Vorraum blicken konnte.
Der Gendarm stieg die Leiter $ raum hinauf. Es schien ihm davm Mieten dorthin folge, aber sie blieb al ling stehen, und er kehrte dann soglei Dachraum abge sucht, gefunden 6.
„Er scheint wirklich nicht da zu se wieder angelangt und in den kleinen-.,, -prn aus eine Hintertür in den Hof nicht da", flüsterte er leise, „aber i ch und ich mein', ich wär' auch nicht aanu u kt griff er ihr dreist unters Kinn.
„Was Ihr Euch nicht einbildct",sta schlug ihn auf die Hand. 9
»Nur nicht so laut", mahnte er braucht ja nicht zu hören, wenn ich ß cm verdammt nettes Fräuken seid eig fnr so'nen dreckigen Majestätsbeleidig
„Und da meint Ihr wohl, für so'ne ich besser gut?"
„Gewiß mein' ich das, und es ist n i u Meinung. Die Uniform hat doch imm hat seine Gründe. Na, 'nen kleinen B
fl vom Brühl.
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p »en zurück, und der L chlafkammer gründ- o gestochen. Kleider- htling vielleicht mich
Übrigen Gelasse", er- .<rs hat mich dabei zu inten hat währenddes [djritt er hinaus, n machte, daß ie Klinke nicht inen Spalt in
engen Boden- , tun, daß chm ni oberen Tritt- i>>ck und notierte: äU[
sagte er, unten >m tretend, von le. „Ja, e r ist •Q, junge Frau, rächten." Da-
sie laut und
»ie da drinnen W, daß Ihr I) viel zu schad
mdarmen war'
|iiu’ schlechteste |liicf, und das Uiß) auf Ab
schlag könnt' rnan doch riskieren!" Er umfaßte sie und suchte sie an sich zu ziehen und zu küssen.
Sie aber wehrte sich heftig und rief: „Laßt mich in Ruh. Dies ich Eures Amtes nicht!"
„9dce, das ist vors Privatplaisier, Schätzchen", entgegnete er, und leidenschaftlicher werdend, lehnte er die Büchse gegen die Wand, umfaßte Mieten mit beiden Armen und suchte sie nun mit Gewalt zu küssen.
„Ich will nicht für nix und wieder nix den weiten Weg gemacht haben, das mußt du doch einsehen", keuchte er. Da schrie sie laut: „Zu Hülfe!", und ehe noch der Erschrockene Mieten loslassen konnte, stand Agnes schon vor ihnen.
„Sie sind Zeugin, Fräulein von der Pforten, wie er mich mit Gewalt angegriffen hat."
„Ja, ich habe es gesehen, ltrtb ich kann 'nen Eid drauf schwören", sagte das Mädchen.
„Wer hat Ihnen erlaubt, das Zimmer zu verlassen?" schnaubte er sie an.
„Und wer hat Ihnen erlaubt, eine wehrlose Frau zu überfallen?" rief Agnes. „Das kann Ihnen teuer zu stehen kommen."
Er versuchte, wieder in amtliche Haltung zu kommen. Sein Gewehr au sich nehmend, brummte ec etwas von „kleinem, erlaubtem Scherz". und „keinen Spaß der- stehen" und sagte danii dienstlich: „Somit bliebe nur nur noch den Stall zu untersuchen, und dann wäre ich meines Geschäftes hier ledig. Die beiden Damen wollen mir folgen, wenn's beliebt."
„Ja, das Fräulein muß dabei sein. Mit so einem, wie Ihr, geh' ich nicht mehr allein", erklärte Micken, und bedeutend kleinlaut geworden trat er in deii Hof und öffnete die niedere Tür zu dem Ziegenstall. In das enge Gelaß blickend, bemerkte er imHalbdunkel neben dem Stand der meckernden Ziege einen Haufen dürres Laub aufgeschichtet, stellte die Büchse gegen die Wand, zog seinen Säbel und schlug mit der flachen Klinge einige Male auf das Laub. „Wenn hier einer runter ist, so komme er im Namen des Gesetzes hcrvorgekrochen, sonst stech' ich in Dreideuwels Namen mit dem Säbel."
„Na, so stecht nur in Dreideuwels Namen zu!" rief Mieten, ergriff seine Büchse, warf die Tür des Ziegen- stalles zu und schob den eichenen Riegel vor.
„So, den Schruthahn (Truthahn) hätten wir gefangen", jubelte sie.
In dem Augenblick wurde heftig an der Tür gerüttelt, und als sie nicht nachgab, sprang der Eingeschlossene an das Fensterchen neben dem Stand der Ziege, riß es auf und brüllte: „Aufgemacht! Sofort aufgemacht! Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt!"
„Nee, Männeken, das ich S ch u tz gegen die Staatsgewalt", entgegnete Mieken, und Agnes akkompagnierte sie: „Jetzt werden Sie's wohl bleiben lassen, 'ne wehrlose Frau zu überfallen!"
„Heraus will ich, oder es soll Euch schlecht bekommen, Ihr donnerkiehlsche Frauenzimmer!" schrie er toild, aber Mieken höhnte: „Ja, das ist leicht gesagt. Na, das Fenster ist ja offen, so klettert doch hinaus! Doch da seiv Ihr wohl zu dick zu. Was braucht Ihr Euch auch int Dienst fürs Vaterland so 'neu Bauch anzufressen."
„Ich trete Tür und Wände ein!" drohte er.
„Wenn Ihr ausbrecht, dann knallt'S", entgegnete Mieken kalt, spannte den Hahn der Büchse und zielte nach dem Fenster, worauf sich Herr Mespelbach alsbald mit einer schier unglaublichen Vehemenz duckte und aus der Öffnung verschwand.
„Ich fchnied dinner Hippe den Hals met dem Säwel aw!" tönte seine Stimme.
„Tat riskier eiis, bu decke Satan!" antwortete die jiinge Frau, und Agnes rief: „Nachdem Sie im Dienste eine Frau überfallen haben, ist es nicht zu verwundern, wenn Sie anch noch aiidere Verbrechen begehen."
Nun wurde es einen Augenblick still im Ziegenstall. Dann tauchte das Gesicht des Eingesperrten wieder am Fensterchen auf, schwitzend und mit einem künstlich erzwungenen, harmlosen Ausdruck.
„Nun laßt der Geckerei genug sein. Ihr habt Euch mehr als genug für den kleinen Scherz gerächt, Frau Kretzberg", bat der Gendarm.
