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Erscheint in »»ei Ausgabe«. — BezugS-PreU: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch du ~ — Mk. SO Pfg. vierteljährlich für betbt

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Verlag: Langgaffe 87.

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Abend-Ausgabe.

§tür öas 1. gmcnrfctC 1904

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„Wiesbadener Tagblatt"

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im Uerlag Langgasse 37, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen

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bei sämtlichen deutschen ^eichsyostanstaltrn.

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Deutschland im Jahre 1903.

i Wie das Jahr 1902, so ist auch das Jahr 1903 in Teutschlcmd ein politisch bewegtes gewesen, «stand >eneo M Zeichen des Zolltarifkampfes, so stand dieses im Zeichen des Wahlkampfes. Der Kampf um den Zolt- iorif hatte in der neunzchnstündigen Reichs tags- jitzung vom 13./14. Dezember 1902 durch die An­nahme des Zolltarifs auf Grund des Kardorff-Kom- promisses sein Ende gesunden, aber bicfc Erregung . zitterte noch im neuen Jahre nach und sie führte m der Sitzung vom 23. Januar, als der Reichstagsprastdent ^wf Vallestrem dem Abg. v. Vollmar die Erwähnung ls Falles Krupp untersagte, zu einem heftigen Zu- mmenstoß, der den Grafen Ballestrem zur Niederleguiig Ines Amtes veranlaßte. Trotzdem die Mehrheit des „eichstags das Verhalten des Grafen Ballestrem^gemiß- Mgt hatte, wurde diesem doch durch seine am 29. Januar erfolgte Wiederwahl ein Vertrauensvotum erteilt. Der Mistag brachte in seiner letzten Tagung, dre am jg. April geschlossen wurde, noch 4 bedeutsame Gesetze zu- lande, die Wanderung des Wahlreglements behufs größerer Sicherung des Wahlgeheimnisses, die der den Reichstagswahlen bereits in Tätigkeit getreten rst, das Herbot des weißen Phosphors bei der Zundholzer-Her- Mlmg, das Kinderschutzgesetz und bte Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes, welche letzteren berde am 1. lammt 1904 in Kraft treten. ^ .

I Am 16. Juni fanden die Hauptwahlen und am 23. Juni die S t i ch w a h l c n zum R e r ch s t a g e statt,

die, abgesehen von der Verstärkung der Sozialdemokratie und der Niederlage des Bundes der Landwirte, eine nennenswerte Verschiebung im Bestand der Parieren sucht ergaben. Am 3. Dezember wurde der neugewahlte Reichstag durch den Reichskanzler Grafen Bulow er­öffnet und am 15. Dezember nach der Arrnahme des ver­längerten Handelsprovisoriums mit England urrd der Er­ledigung der mit der Finanzreformvorlage verbundenen ersten Etatslesung bis zum 12. Januar 1904 vertagt. Ter Kaiser, der sich infolge des Auftretens eines glück­licher Weise nicht bösartigen Stimmlippenpolypen am 8. November einem kleinen operativen Eingriff unter- ziehen mutzte, ist erfreulicherweise bereits so völlig her- gestellt, daß er schon am 14. Dezember das Rerchstags- präsidium empfangen rrnd am 19. bei der Feier rn Hannover eine Ansprache halten konnte. Auch der lli>- sall, deir die K a i s e r i rr am 27. März durch einen Sturz mit dem Pferde erlitt, wobei sie sich einen Armbrnch zn- zog, ist erfreulicherweise ohne jede üble Nachwrrkrmg ge­blieben Bon der diesjährigen Tagung des p r e rr tz r - scherr Landtags, welche ebenfalls die letzte der Legislaturperiode war, ist, abgesehen von dem sogenann­ten „kleine,r Kulturkampf", der infolge des nachher znrückgenommcnen Erlasses des Bischofs Korum von Trier entbrannte, nicht sonderlich Wichtiges zu berichten. Am 12 November fanden die Urwahlen, am 20. No- vember die Abgeordneten w a h l e n statt, ivelche ieine wesentliche Änderung im Bestand des Hauses er­gaben und die von sozialdemokratischer Seite gehegten Hoffnungen unerfüllt ließen. Im Bestand des Preutzi- sthen Ministeriums trat eine Änderung em durch dre arn 14. August erfolgte Ersetzung des Kriegsmimsters von Gotzler durch den Generalleutnant v. Einem. Polrtrsch bedeutsamer war derMinisterwechsel, der sich in B a Hern vollzog Im Anschluß an die Landmamr-Krrsrs von 1902 t rü t der Ministerpräsident Graf Crailsheim am 18 Februar zurück und machte dem Nachfolger des früheren Kultusministers v. Landmann, dem Freiherrn v. Podewils, Platz, während Staatsrat v W eh ne r Kultusminister wurde. In Sachsen, wo dre Wahlen ebenfalls keine Änderung im Bestand des Landtags her- keifiihrten, bildet die ungelöste Frage der Wahlrechts­reform noch immer die Harrptsorge. Die sächsische „Ehe- irrmna" fand am 11. Febrriar ihren Abschluß durch dre Ehescheidung des sächsischen Kronprin­zen von seiner Gattin Luise. Im übrigen zeichnete das Jahr 1903 sich durch eine größere Anzahl sensationeller Prozesse aus, durch die zirgleich mancherlei beklagens­werte Mißstände ans Licht kamen. Wir erinnern zu-

nächst an die llntat des Seekadetten H ü s s e n e r, der am 11. April in Essen den Artilleristen Hartmann er- stach. Hüssener wurde irr erster Instanz zu vier Jahren Gefängnis, in zweiter aber nur zu zwei Jahren sieben Tagen Festungshaft verurteilt, doch wurde dies auffallend milde Urteil durch die am 24. November erfolgte Ein­lassung Hüsseners aus den: Militärdienst wieder halbwegs gut gemacht. Die Verurteilung des Soldatenschinders Breidenbach zu acht Jahren Gefängnis veranlaßte _ tnt Verein mit noch zahlreichen anderen M i I i t ä r - Mi ß - handln ngsprozessen und den im F a l l B i li e äufgedeckten 'Mißständen eine Erörterung dieser Fragen im Reichstag. Großes Aufsehen erregten auch der Prozetz gegeii den barbarischen Hauslehrer Dippold, das Ver­fahren gegen den oldenbnrgischen Oberlehrer Ries und der Kwilecka-Prozeß, welch letzterer mit der Freisprechung aller Angeklagten endigte. Unter deii großen Toten dieses Jahres haben wir neben dem am l. Februar ge­storbenen früheren preußischen Staatsminister Delbrück vor allem den großen Historiker Theodor Mommsen zu erwähnen, dessen am 8. November erfolgtes Hmscheiden von der gesamten Kultnrwelt betrauert wurde.

Auf deni Gebiet der auswärtigen Politik hatten wir als Restbestand des vergangenen Jahres die Venezuela-Angelegenheit in das Jahr 1903 übernommen. 9cach der Besetzung Puerto Cabellos am 3. Januar und iiacb dem Bombardement der Forts von Maracaibo am 19 Januar wurden die deutschen Forderungen in dem vorläufigen Abkommen von, 14. Februar anerkannt, doch sind die Verhandlungen vor dem Haager Schiedsgericht über die endgültige Regelung noch immer in der Schwebe. Von politischer Bedeutung waren mich die Reisen des Kaisers nach Kopenhagen zu Anfang April, iiach Rom Anfang Mai, wo der Kaiser auch dem unterdes ver­storbenen Papst Leo XIII. einen Besuch abstattete, und irach Wien im September, sowie die Zusammenkunft zwischen dem Kaiser und dem Zaren in Wiesbaden und Wolisgarten Anfang November und der am 17. Dezember erfolgte Besuch des Königs von Dänemark am deutschen Kaiserhofe. _ __

Jur Fuge in Wüsten

lid Berlin, 28. Dezember. Einem Londoner Tele, gramm des „B. T." zufolge ist während der Feiertage eine wesentliche Änderung in den russisch-japanischen Be­ziehungen nicht eingetreten. Rußland versichert dauernd seine Friedensliebe und Japan bereitet sich für einen Krieg vor. Aus Japan laufen Meldungen von einer Be-

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Die Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(63. Fortsetzung.)

So wunderte sie denn gleich nach dem Mittagessen, angezogen zürn Schutze gegen den stEgen^anuar- <i*, das wohlumschnürte Kästchen mit den Schleifen term Arm, davon. Über einsame, von schneidendem itannk überstrichene Höhen hinweg, über entlegene ife, wo hin und wieder nur ein frierender Hund sie an- stste, durch Wälder und Täler wanderte sie, bis sie Aich starr von Frost und ganz erschöpft, vor dem Eiken- r. Asten anlangte und von Mieten mit großer ^erwun- ? öerung empfangen wurde, die sich allerdings schnell m le Weste Sorge umwandelte, als die junge Frau merkte, wie | ttwatiet das Rkädchen war. . ^ ^ , w

M. »Die scharfe Luft und der weite Weg! bm^da.'

Mn nicht gewohnt", sagte Agnes leise und ließ sich m Ms wohlig durchwärmte Zimmerchen fuhren imö des 'Utes und Mantels entledigen. .. . man

..Ist etwas Neues geschehen, daß Sw sich diesen Weg mir in die Einöde gemacht haben? fnig Mieten

Mnrichigt. . m.

..Neues? Nein. Die Haussuchung bei meinem Vetter ar das letzte. Es sind doch erst zwei -vage her. Aber 'te Missm wohl schon darum?" .

»Natürlich, so etwas erfahre ich gleich . entgegnet ueken nicht ohne Stolz. „Wer cs kann Sw nicht ivun- 'sti, daß tch erstaunt darüber bin, das Fräulein von cer Pforten hier bei mir zu sehen. — Doch Sie stnd ia noch klamm. Wärmen Sie sich mal erst ordentlich, ^ch sll derweil einen guten Kaffee machen, der sw batt ueder munter machen wird. Aber was sagt denn >ck)r Papa dazu, daß Sie sich, diesen Weg machen? v »Er ist verreist. Er darf natürlich auch Nicht.' von Mer Sache wissen, ebensowenig wie er etwas von den ^chlüppchen, weiß, die ich nicht gerne mehr zu Hause ö°tte. und die ich deshalb zu Ihnen her tragen wollte »Das ist doch nicht der einzige Grund? forsthte 'ken. „Ich hält' sie ja doch in diesen Tagen abgeholt. Sie setzte ein Wasserkesselchen auf den Ofen, mahlt- Kaffeebohnen, deckte das Kirschenholzü^^ i kud Agnes sah ihr zu und wunderte fich. ww hübsch ste m einfachen, dunkelblauen Drucktleidchen Mit den > Tupfen aussah, und wie gnt chr das glatte weiß

Krügelchen stand, aus dem sich ihr Hals so schlank und ein erhob und den hübschen Kopf mit deni aschblonden Haar trug. Und wie nett und geschickt die einfache Frau alles bereitete.

„Ja ja, wie konnten Sw auch den weiten Weg bei der Kälte riskieren, zumal Sie den Wind doch meistens im Gesicht hatten?" sagte Meken während ihrer Hantierung.

In Agnes regte sich eüvas wie Eifersucht gegen das junge, in ihrem Wesen so gesichert und fast überlegen ausschanende Weib.

„Was ist da groß dabei", entgegnetc sie. „Wenn ich rnich erst an die Luft und das Gehen mehr gewohnt habe, werde ich, wenn's sein muß, auch schon das meinige drin leisten können. Oder glauben Sie, daß Sie allein der Sache dienen könnten, indem Sie Ihre heimlichen Wan­derungen machen."

BUeken stutzte. „Was wissen Sie von meinen Wan­derungen, Fräulein?" frug sie erstaunt. „Oder sollte der Herr Hülskomp . . .:

Der Herr Hülskamp tut und sagt nichts, was er nicht verantworten könnt'. Wenn er mir manches anvertraut hat, dann wird er wohl gewußt haben, daß es gut aufge­hoben war." . _ r

„Nun ja, nun ja", beruhigte sie Mieten. ,,^ch weiß ja auch, daß Sie sich der Sache schon nützlicher machten, als durch das Schlüppcheranfertigcn. Es ist ja zum Tot­lachen, wie Sie den Landrat auf den Schaafsberg gelock. haben. Ja ja, Sie haben sich auch schon verdient gemacht. Jedes in seiner Art, ich in der meinen, Sie in der Ihren, und ich denk', da soll keins vor dem andern was voraus haben wollen. Meinen Sie nicht anch, Fräulein von der Pforten?"

Sie sagte das so lieb und streckte dem kleinen Fräu­lein so treuherzig die Hand hin, daß sich Agnes bezwungen gab. Sie nahm die Hand, drückte sie kräftig und sagte: '„Ich will's Ihnen nicht neiden, Frau Krctzberg. Mit Ihnen ist es doch noch was anderes. Bei mir ist es viel­leicht mehr Spaß gewesen bis jetzt, mehr Laune, irnd weil mein Vetter mit im Spiel war. Aber Sie sind groß iind mutig und fest. Nein, ich kann mich mit Ihnen nicht messen. Sie sind ja mir eine einfache Frau, aber wenn ich bedenk', was Sie für diese Sache taten, und wenn ich Sie denn so anseh', dann muß ich doch sagen, daß Sie viel höher stehen als ich, und daß der Herr SchUiertfeger wohl recht hat, wenn er so begeistert von Ihnen isl."

„Was sagen Sie da, Fräulein?" frug Mieken, heftig

errötend. ^ _ .

„Nichts, als was wahr ist. O, mein Vetter hat es mir oft gesagt, lute der Kaufmann von Ihnen spricht, und er hat auch selber gemeint. Sie wären was Besonderes und würden jeden Tag größer in eurer Zlu.fgabe, so daß m> wahrhaftig etwas eifersüchtig auf Sie geworderr bm. Nicht wahr. Sie sind mir nicht bös .darum?"

„Wie könnte ich das!" rief Mieken aus. „Aber glauben Sie es, der Herr Schwertfeger denkt viel zu gut von mir. Was bin ich denn gegen ihn, den klugen femen Herrn? Es muß mir schon eine bohe Ehre sein, daß ich ihm ein bißchen nützlich sein kann."

„Sie sind seine rechte Hand, das ist doch geimß. Und er weiß das sehr genau."

„Wer ich bin doch auf zuletzt nichts weiter, als eine gewöhnliche, arme Schleifersfrau", rang es sich da fast stöhnend von den Lippen des jungen Weibes, so daß Agnes erstaunt zu ihr aufschaute. Da begegnete sie einem Blick, so schmerzlich und entsagend, daß es wie eine Offen- Garung, wie ein tief inniges Verständnis über sie kam. Der Eingebung des Augenblicks folgend, sprang sie empor, legte den Arm uni den Nacken der jungen Frau und sagte leise: „Sie haben ihn wohl sehr, sehr lieb,

Mieken." ^ r .

„Ja, sehr lieb!" stöhnte sie und barg ihr Gesicht heftig schluchzend am Halse des jungen Mädchens.

lind Agnes streichelte leise ihr Haar und flüsterte: „Mir, mir dürfen Sie es ja sagen, Mieken. Ich verstche Sie ja. Es ist ja dasselbe bei uns beiden. Ich Hab' ja den Gottfried auch so lieb, und ich bin ihin nichts, gar- nichts, als sein kleines, dummes Kousinchen."

Nun schluchzten sic beide herzzerbrechend und vergossen viele Tränen zusammen, bis sich Mieken energisch empor- raffte. „Wer so hübsch und lieb und reich und gebildet ist, wie Sie, Fräulein Agnes, der braucht sich keine so trüben Gedanken zu machen, das dürfenSie mir glauben", sagte sie. „lind ich? Vergessen Sie, was ich da Dummes und Törichtes sagte. Es muß ganz unter uns bleiben. Es ist etwas Böses, etwas Schlechtes, was da so manch­mal über mich kommt. Denken Sie, es kam' von meinem Schicksal und von meiner großen Einsamkeit, in der ich so lebe."

„Es ist nun einmal gesagt, und wir wollen nichts daran ändern, gärnichts". entgegnetc Agnes leise. „Wir i wollen zusammenhaltcn, Mieten, und froh sein, daß jedes