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Witsbs-kner

Verlag Langgaffe 21

„Xagilatt-igusS“.

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Zreitag, 24. September 1915.

Morgen - klusgabe.

Nr. 445. » HI. Jahrgang.

wie es steht.

Die Besetzung von Wilna bedeutet noch viel Größeres als das, was sich sichtbar ldarin aus­drückt: wir werden hoffentlich bald neue

frohe Kunde aus dem Osten vernehmen. Das Geschwätz Kitcheners über nniseve ver­meintlich auf den Hund gekommene Strategie und die Beteuerungen der D n m a Parteien, bis zum Siege kämpfen zu wollen, sind für uns nur leerer Wind, wir wissen, wie es in und mit Rußland steht, und die Russen selber wissen es ebensogut- Wenn der Moskauer „Rußkoje Slawo" die Reise des Finanzministers Bark nach London mit der kaum verhüllten Ankündigung be­sprach, daß entweder England Geld geben muß oder Rußland einen Sonderfrieden schließen wird, so ist das mehr wert als alle >von Angst, Verzweiflung, Wut und Selbstbelng erpreßten Torheiten der Feinde. In diesem Kriege bedeuten gute Finanzen so viel wie schlagfertige Heere. Wenn Rußland kein Geld hat, kann es auch nicht länger Krieg führen, wie ja Italien bereits nahe vor dem Ende zu stehen scheint, weil es kein Geld mehr hat. Die Finanzsorgen dieser Staaten sind aber zugleich die schweren Sorgen Großbritan- niens. Frankreich kann schließlich noch auf eigenen Füßen stehen, England kann es selbstver­ständlich auch und sogar noch lange, aber die beiden anderen Verbündeten haben den Bankerott vor !Augen, dessen Strudel England, so stark es ffnanziell list, schließlich werden ins Wanken bringen müssen. Wenn Rußland bisher den Krieg fortgesetzt hat, so ge­schah es, weil der „Weltbankier" an der Themse immer noch notdürftig aus geholfen hatte. Jetzt erhebt sich mit drohender Zuspitzung die Frage, ob England das w e i te r vermögen wird und vermögen will. Wind diese Frage verneint, dann hat es für Rußland keinen Zweck mehr, Krieg zu führen, dann wäre es. wenn es gleichwohl Weiterkümpfen wollte, ein Söldner, der nicht bezahlt wird. Dazu kommt, daß die russischen Hoffnungen auf einen Umschwung der Lage an den Dardanellen und auf dem Balkan sehlgeschlagen sind. Waren die Dardanellen bisher nicht zu nehmen, so werden sie es auch in Zukunft nicht sein, und was sich zwischen Semendria und Gallipoli in bälde sonst noch abspielen wird. daL ist ja kein Geheimnis mehr. Mit alledem kann jedoch nicht gesagt sein, daß schon binnen kurzem eine Lage eintreten wird, die -die Erwartung einer baldigen Beendigung des Krieges "fertigen könnte- Gewiß wird die Front unserer za- eichen Feinde an mehreren ihrer Hauptstellungen <r h fernerhin mit wuchtigen Schlägen gelockert und zertrümmert werden, in Den russischen Ebenen wie in den Meerengen und darüber hinaus, aber andere Stellungen sind noch erst zu nehmen, militärisch wie politisch, d. h. so, daß ii>ie mili­tärische Bezwingung dazu mitwirkt, die bisher feh­lende Neigung zur U n t e rw e r s u n g unter ein un­entrinnbares Schicksal zu erzeugen oder, wenn sie in Ansätzen vorhanden ist, zu stärken! An unserer West­front ist noch so gut wie alles zu tun. Es gibt Be­urteiler, nach denen wir den Frieden leicht haben könn­ten, wenn wir den Engländern in erkennbarer Weise die Sorge um das Schicksal der Gebiete an Der west­lichen Nordsee nehmen wollten. Möglich, daß dies Urteil zutrifft, aber wir sind der Meinung, daß wir dann erst recht zwingende Gründ « hätten, ge­rade das n i ch t. zu tun, was unserem Haupt sein de als willkommener Ausweg aus seinen ungehsner ver­mehrten Schwierigkeiten erschiene. Wir können war­ten und wir wollen es. Der bisherige Verlaus des Krieges hat gezeigt, daß w i r dabei a m b e st e n fahren. Und immer wieder verweisen wir auf die leicht zu machende praktische Probe, die darin beruht, daß man sich fragt, wie es geworben wäre, wenn wir schon vor Monaten, als unser Sieg bereits seststand, groß­mütiges Entgegankominen gezeigt hätten. Es wäre so gewesen, daß wir mit sehr viel geringeren Er­gebnissen, als wir sie jetzt zu beanspruchen haben, hät­ten zufrieden sein müssen, eben well die damalige Lage größere Ansprüche nicht wohl gerechtfertigt haben würde. Deshalb auch kann es uns nur recht sein, wenn in Ruß­land, das der Nächste zum Fall ist, immer noch sein trotziger Kampfwille wenigstens verkündet, wenn auch vermutlich nicht mehr gehegt wird. Unser Ziel muß es sein, den Feind dahin zu briugen, daß er überhaupt keine Wahl mehr hat. Das wird mit Rußland in absehbarer Zeit geschehen, dahin müssen auch E n g- sand und Frankreich kommen, aber bis sie dahin kommen, werden wir noch s ch w e r e Arb eit zu leisten haben..

Ruhe in Gstgalizien. — Zurückgehen auf das Westufer des Styr in Wolhynien. — Das „Ergebnis" viermonatiger italienischer Rriegs- führung.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 23. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 23. September, mittags:

Russischer Uriegsschaupiatz.

An der Front i» O st g a l i z i e n verlief der Tag im allgemeinen ruhig. Es fanden nur Kämpfe vor­geschobener Abteilungen statt- An der I k w a und am Sthr kam es an mehreren Stellen zu heftigen Kämpfen. So wurden südöstlich von N o w o- Poczajew zwei russische Angriffe blutig zurückge­schlagen. Ein feindliches Infanterieregiment, das nachts nahe der I k w a - Mündung über den S t v r vorge- drungen war, mußte nach einem von unseren Truppen durchgesührten Gegenangriff unter großen Verlusten auf das O st u f e r zurückgehen.

Unsere bisher östlich Luzk befindlichen Abteilungen wurden in die Stellungen am W e st n f e r des Sthr zurückgenommen.

Italienischer Rriegsschaupiatzi

Im Tiroler Grenzraum fanden mehrere kleine Käulpsc statt. Angriffe schloächerer italienischer Ab­teilungen im Tonale- Gebiet, dann nördlich und öst­lich von C o n d i n o wurden abgcwiesen.

Die Hochflächen von Vitgereuth und Labraun standen wieder unter dem Fei,er der feindlichen schweren Artillerie.

Unsere tapfere Besatzung des Monte Coston, die diesen weit vor unseren Linien gelegenen Grcuz- berg monatelang gegen einen der Zahl nach bedeutend überlegenen Gegner behauptet hafte, räumte heute zeit­lich früh ihre nunmehr von mehr als zehnfacher Übermacht angegriffene und fest umschlossene Stel­lung.

Die Artillcriekämpse im D o l o m i t e n - Gebiet dauern mit großer Heftigkeit fort.

An der K ä r n t n e r Front versuchte vorgestern abend eine Alpini-Abtcilnng am Monte Peralba durchzn- breche», stc wurde mit Verlusten heruntergeworfen.

An der k ü st e n lä n di s ch c n Front beschränkte sich die Tätigkeit unserer Truppen ans Geschützsener und einige erfolgreiche Unternehmungen des Stellungs­krieges.

Heute läuft der vierte Monat des Krieges gegen Italien ab. Der Feind raffte sich in diesem Monat zu keiner Kampfhandlnng größeren Sttls auf, sondern machte nur gegen einzelne Abschnitte An­griffe mit Kräfte» bis zur Stärke mehrerer In­fanteriedivisionen; alles vergebens. Unsere Front steht fester denn je.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf e r» Feldmarschalleutnant.

*

Die Eingeständnisse der französischen Presse

zum Kalle Wilnas.

W.T.-B. Paris, 23. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Presse erklärt, es sei unnötig, di-e Bedeutung des Falles von Wilna zu verheimlichen. Seit dem Falle von K o w n o war Wilna ein äußer st wichtiger Knoten­punkt für die Russen. Die Presse erkennt an, daß die russische Armee, die Wilna verteidigte, sich in einer äußerst gefährlichen Lage befand, sie hoffst jedoch, daß es ihr durch einen beschleunigten Rückzug gelingen wird, der neuen Zange Hindenburgs zu entrinnen.

weitere Ausbreitung der Cholera kn SKdrutzland.

Sr. Tschernowitz, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Trotz der russischen Vertuschungsmaßnahmen wird die Tatsache doch bekannt, daß in Südrußland die Cholera große Fortschritte macht. Ganze Dörfer und Landstr iche Bessarabiens, Podolieus, Chersons -und Tauriens sind ver­seuch t. In zahlreichen Ortschaften sind mehr als 10 v. H. der Bevölkerung erkrankt, wovon mehr als 50 v. H. sterben. Infolge Mangels an Ärzten, die sich beim Heere befinden, sind die sanitären Maßnahmen äußerst ungenügend. Die polizei­lichen Maßnahmen versagen ganz.

Die neue Möglichkeit der Terpcntinölbcschaffung aus Brest, Luzk und Kowel.

Berlin, 22. Sept. Die „Voss. Ztg." meldet aus Wien: Durch die Besetzung von Brest, Luzk und Kowel sind wichtige Gewinnungsstätten von Terpentinöl gewonnen worden, was für die österreichische Industrie von größter Wichtigkeit ist, die ein Drittel ihres Verbrauches an Terpen­tinöl aus den besetzten Gebieten cinsühren mußte.

Die Mobilmachung Bulgariens.

Einigkeit aller Parteien in Bulgarien.

W. T.-B. Sofia, 23. Sept. (Nichtamtlich.) Viel bemerkt wird ein in dem Blatt der Geschowpartei erschienener Aufsatz eines der eifrigsten Vorkämpfer der russenfteundlichen Richtung in der Sobranje, des Abgeordneten Boris W a s o w, in dem es heißt: Für Bulgarien hat die Stunde geschlagen, in der aller Parteihader ruhen solle, in der alle, welche auf­richtig dem Vaterlande dienen, sich die Hände reichen und vertrauensvoll um die Regierung scharen müßten. Vaterlän­dische Bürgerpflicht eines jeden sei es, mit staatlicher und nationaler Manneszucht den kommenden Ereignissen zu be­gegnen. Sobald die Fahne des bulgarischen Heeres entfaltet sei, müßten alle Parteifahnen eingerollt werden. Die nationale Vereinigung aller Bulgaren könne nur durch ein geeinigtes Bulgarien erreicht. werden.

Sofortiges Hanseln Buigarieus.

W. T.-B. Mailand, 23. Sept. (Nichtamtlich. Dvcht- bericht.) In Kreisen, die bulgarischen Diplomaten nahe stehen, spricht man davon, daß die bulgarische Mobil­machung die sofortige Besetzung Mstr z c- d o n i e n s bis M o n a ft i r bezwecke nnd das deutsch- östcrreichisch-ungarische Vorgehen gegen Serbien in enger Verbindung mit der bulgarischen Mobil­machung stehe. Ministerpräsident Radoslawow sei ent­schlossen, ohne Aufschub zu handeln. Er habe sogar den Vorschlag einer vorübergehenden Besetzung der ab- zutretenden Gebiete durch die Bierverbandsmächte ab­gelehnt. ^

ver bulgarische Generalissimus einer der tüchtigsten Balkanheerführer.

Br. Genf, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Don Pariser Fachkritikern wurde Der gitcra bulgarischen Generalissimus auserisehene Saw ow wiederholt als einer der allertüchtigsten unter den Heer­führern der Balkanarmeen gewürdigt. Bekanntlich wollte der Zar Nikolaus Sawoiw ein großes r uss s i- sches Kommando anvertcauen. Erst als Dreiser mit den Worten „Mein Degen gehört Bulgarien wie meine Seele" ablehnte, entschloß sich Der Zar, das Anerbieten Radko Dimitriews anzunehmen, eine Wahl, die sich als unglücklich erwies.

Oie grötzte Bestürzung in Nisch.

Br. Sofia, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) „Balkanska Poschta" erhält falzendes Telegramm aus Nisch: Hier aus Sofia eingetroffene Nachrichten rufen die größte Bestürzung wegen der Gefahr eines bewaffneten Konfliktes mit Bulgarien hervor, welche gleichzeitig mit dem Beginn einer deutsch - österreichischen Offen­sive zusammenfallen würde und daher als s c h r e r n st an­gesehen wird. Das Organ der Sozialisten veröffentlicht einen Artikel, in welchem nicht verhehlt wird, daß Serbien vor einer Katastrophe stehe, die nur durch eine rasche Amputation beseitigt werden könne. Sämtliche Blätter berichten von ge­heimen Kriegsvorbereitungcn Bulgariens und erklären, daß die türkisch-bulgarische Verständigung ein Beweis für das Zu­sammengehen Bulgariens mit den Zentralmächten sei.

Die Befürchtungen in Italien.

Keine Hoffnungen mehr ans Rumänien und Griechenland.

Br. Lugano, 23. Sept. (Eig. Drcchtbericht. Zenf. Bln.) Die italienischen Blätter stellen den Zusammenhang der bul­garischen Mobilmachung mit der Offensive der Ver­bündeten gegen Serbien fest. Sie befürchten das Schlimmste, wen» nicht im letzten Augenblick ein Wunder ge­schehe. Von Griechenland und Rumänien wird kaum mehr Hilfe erwartet, zumal eine Bnkarestcr Depesche der offiziösen „Giornale d'Jtalia" nreldct, Rumänien werde schwerlich mehr losschlagen. Die einzige Rettung erblickt der „Corriere della Sera" in der sofortigen Forcierung der Dar. danellen.

Der Eindruck in Londoner diplomatischen Kreisen.

Sclbstbcruhigungsbemühungcn.

W. T.-B. London, 23. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) (Reuter.) Der Bericht, daß Bulgarien mobilisiere, hat in den diplomatischen Kreisen natürlich viel Unruhe verursacht, obwohl man aus eine derartige Entloicklnng vorbereitet war. Über die Bedeutung der Mobilisierung ist man sich augenblick­lich noch nicht im klaren. Die bulgarische Gesandtschaft erhielt die Nachricht erst am 21. September, spät abends. Sie erklärte, Bulgarien werde weiter Neutralität bewahren, aber eine bewaffnete Neutralität. In anderen Kreisen wird erklärt, Bulgarien versetze sich lediglich in denselben Zu­stand wie einige seiner Nachbarn, die Schweiz und die Niederlande.

Oie deutsche Gffsnsivs gegen Serbien stein

Grund Zum Einschreiten Griechenlands.

W. T.-B. Bern, 23. Sept. (Nichtamtlich.) Laut dem „Cafforo" soll die halbamtliche „Patris" in Athen er­klärt haben, daß Griechenland keinen Grund zum Einschreiten haben würde, wenn Deutschland durch den Balkan ziehe, otzne