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I. Beilage zum Mestmüener Tagblatt.
. 601. Worgen-Ansgade.
Freitag, den 25. Dezember.
51. Jahrgang. 1903.
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Das göttliche Gebot der Liebe, wie es das Cbristentum verkündet, ist vielleicht das Gewaltigste, was die Meuichireit an wirklichen Fortschritte» im Gebiet der großen absolut Wichen Ideen geleistet hat.
Treilschke.
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(84. Fortsetzung.)
Goa Keoni.
Roman von Marie Bernhard.
Wurde es mir sehr schwer, meinen leidenschaftlich ge- stxn Lieblingsgedanken: eine große, berühmte Künst- ferin zu werden, ganz zu entsagen? Ich kann es nicht sagen, tarn wahchaftig, ich fand keine Zeit zur Einkehr in mich :! Den Kopf voll von Toilettensorgen, — mußte ich , immer zu all' den Festlichkeiten elegant gekleidet erscheinen, und meine hübschen Robeir waren Clemens Günthers Stolz! — die Ausgabe, meine verschiedenen gMigen Verpflichtungen mit der jederzeit zu knapper: Zeit in Einklang zu bringen, die Frage, lvann und wo ich es heute einrichten könnte, mit meinem Verlobten zu- sMiMnzutreffen, die Beratrnrgen mit Susi, die mir stets imitwilligst half, aber auch behauptete, ihrerseits ohne meine Hülfe nichts tun zu können, .... das waren die Dinge, die damals meine Zeit ausfüllten, und unruhig mfgeregt war ich und blieb ich, selbst mitten in luftiger Gesellschaft. Umringt von galanten Herren und freundlichen, jungen Damen konnte es mir begegnen, b-afe eine seltsame, unerklärliche Bangigkeit mich plötzlich ergriff, md ich mir sagte: „Das ist alles nicht, wie es sein soll, — , was du jetzt erlebst und treibst, kann unmöglich Ziel H Endzweck deines Lebens sein; dir fehlt etwas Großes,
etwas Wichtiges,-was ist es nur? Aber du hast
Wfl Grübeln keine Zeit, und hättest du sie auch, es würde dir nichts Helsen, £m wüßtest doch nicht, was es ist! Daher taifc nicht nach, — tbe best of life is but intoxi- cation 1"-
U Auch wenn ich Clemens Günther hatte, kam ich nicht zur Ruhe; er tändelte mit mir und sagte mir tausend schöne Dinge, und ich sah wie verzaubert in dies herrliche AuMpaar und dachte, ich müßte ihn etwas fragen . . . über dazu kam es nicht, — die Zeit drängte immer, und frrniib^ Menschen hasteten dazwischen, vor denen man .®omöbie spielen und fremd tun mußte, — dann wieder wt heimlich geraubter Kuß, ein verstohleires Liebeswort, ros hastige Verabredung auf morgen, und das Bei- Mmenseiir war zu Ende, und wenn ich zurückdenken Mts an das, was er zur mir gesprochen, um es in meinem Atzen festzuhalten, dann fand ich nichts als Schmeichelte und Pläne für diese Gesellschaft und jenen Ball! .Wenn wir verheiratet sind", sagte ich mir, „dann wird Inders werden, — ja, auch dann schon, wenn unsere «rlobung bekannt gemacht wird, wenn jedermann es Wrt, daß wir einander angehören wollen, — dann — dahin tröste dich!"
sind ich sah es mit an, wie die Damenwelt meinen »lkmens Günther — ja meinen! — bevorzugte und wie ^ Jü ir .Aurd auszustrecken brauchte, um die schmach- . r „Undine", das blonde Mädchen mit dem kolossalen
Vermögen, die einzige Erbin eines vielfachen Millionärs, zu gewinnen. Sie. war von Freiern umringt, aber sie wollte nur diesen einen, just diesen, und kam er nicht nach ihr, so wollte sie überhaupt nicht heiraten, das stmrd fest!-
An meine Tiroler Erlebnisse, an die Menschen, bte ich dort in der: Salzburger Alpen gefunden, dachte ich zurück, wie an traumhafte Dinge! Was damals mein Leben, mein Denken und Empfinden ausgemacht, war so himmelweit verschieden von meiner jetzigen, ruhelosen Jagd nach Genuß, daß ich die Bilder von dort, wenn sie wir kamen, geflissentlich zu verschleiern strebte. Es wäre mir hier in Berlin ein leichtes gewesen, Vernons wahren Namen zu erfahren, ich brauchte nur in eine renommierte Kunsthandlung zu treten und mir die Porträts der Musik- größen unserer Zeit vorlegen zu lassen, — vielleicht hätte ich beim aufmerksamen Studium der Schaufenster schon Aufschluß erhalten — aber ich wollte keinen Aufschluß! Es lag etwas wie bange Furcht in mir, die sich an den Namen Vernon knüpfte, ich wußte es, er würde mit mir, so wie ich jetzt war, unzufrieden sein, er würde auch meine Verlobung mißbilligen, — und was focht mich das an? Nichts, gewiß gar nichts! Ader darum eben war es besser, ich suchte alles, was irgend an ihn erinnerte, zu vergessen, — da ich seine Schülerin nicht werden, unter seinem Schutz nicht die Laufbahn einer Künstlerin betreten würde, .... was sollte es mir, sein Andenken weiter zu pflegen und diese sonderbare Furcht, die sich daran kniipfte, zu steigern?
Ich konnte mich auch nicht überwinden, zu Clemens Günther jemals von.Vernon zu sprechen, — freilich, hatten wir denn ruhige Stunden ungestörten Gedankenaustausches miteinander? Ich will versuchen, einen Tag zu schildern, an dem durch allerlei kleine Listen und Jntriguen die seltene Ausnahme eintvat, daß Clemens Günther für ein Paar Stunden zu seinem Onkel Richthofen kam.
Ter Freiherr ist bei seiner: Altertümern, er stäubt alles selbst ad und ordnet jede Kleinigkeit selbst an. Ich sitze mit Sennora Coldras, nach dem hastig eingenommener: Diner, im Salon, sie stickt auf violettem Samt mit Goldfäden etwas im Rahmen, ich bin arrfgesprnngen, stehe vor den: Spiegel, stecke ein Sträußchen Edelweiß an rrreine stahlblaue Atlasbluse rmd trete zurück, um den Effekt zu prüfen. Wer das Edelweiß erinnert mich an die Salzburger Alpen rmd ich nehme es fort und ersetze es durch ein Paar blasse Teerosen; die neue Toilette ist kleidsam — was wohl Clemens Günther dazu sagen wird? — Welch' ein Glück, daß ich in Tirol kein Geld ausgeberr durfte, nun kann ich nrir kaufen, was mein Herz begehrt! llrrd mein Herz begehrt jetzt wirklich nichts, wie eitlen Tand, aber natürlich sagte ich mir das in diesem Augenblick nicht!
Draußen ist cs heute rauh und stürinisch, — der Ok- tober hat begonnen, unfreundlich faßt der Wind rnit rauher Faust'die Bäume und Büsche im Vorgarten und rüttelt sie. tvie ärgerlich, daß sie immer noch den vollen, grünen Blätterschmuck tragen. Die Sonne ist lange hinunter, noch aber ist es hell.
Draußen rasselt ein Schleppsäbel, klirre,: Sporen, — ich fliege zur Tür. Neben der dunflen Velourportiere steht eine schlanke, schöne Gestalt, nimmt meine beiden
Hände, küßt sie zärtlich, verneigt sich vor der Sennora^ läßt mich los und tritt zurück.
„Laß dich anseheu, kleiner Schatz! Ein reizender Am zug und so kleidsam, —- freilich, was kleidete dich nichts Die Lieferanten haben leichtes Spiel mit dir, mein Engel!"
„Ach, hör' auf!" sagte ich zwar, aber ich meine es nicht im Ernst, — ich bin es so sehr gewöhnt, daß er mir schmeichelt, und ich liebe es, ich möchte es vermissen, wenn es anders wäre!
„Was hat das Strärrßchen Edelweiß verbrochen, das da aus der Spiegelkonsole liegt? Es steht dir nicht so gut zu Gesicht, meinst du? Aber, Liebling, wie ist dem: das möglich? Komm' einmal her, wir wollen's probieren! Ta, sieht es nicht prächtig aus? Freilich, wenn du dre Teerosen vorziehst" ... . t _ r
„Ja, ich ziehe sie vor, — entschiede,:! Tu das Edelweiß weg, .... so! Was hast du gestern nach der Oper noch getan? Gingst du gleich nach Hause?"
„Nein, dazu war ich noch zu munter! Wachtberg und ich, — Wachtberg ist ganz kolossal in dich verliebt, mein süßes Kind, er hat mir auf dem ganzen Wege von dir vorgeschwärmt, und ich habe ein kostbares Gaudium daran gehabt! — also, Wachtberg und ich, wir waren noch ein paar Stündchen im Klub und machten ein kleines jeu" —
„O, Clemens! Wieder gespielt! Du sagtest mir doch, seit du mich kennst —"
„Ja, aber Liebchen, wie soll man denn beim besten Willen seine Zeit totschlagen? Sieh' dich doch nur um,
— die Kameraden tun es alle! Unsereinem bleibt wirk- lich nichts anderes übrig, als der Klub! Und du . . . - ja, wenn ich dich erst hätte! Wär' ich verheiratet oder auch nur offiziell verlobt, wär' es ja ein anderes Drng,
— aber so ein heimlicher Bräutigam ist nicht Fleisch und nicht Fisch! Wildau wollte Revanche haben —"
„Und du hast sicher Unglück gehabt, — du hast einen ganz nervösen Zug im Gesicht!"
„Laß dir deine schönen, klugen Augen küssen, — so'.
— und Hab' keine ernsten Gedanken und kerne Sorgen; das ist nichts für meine reizende Libelle! Weißt du's denn nicht, was das Unglück in: Spiel für eine andere Bedingung nach sich zieht? Nun? Was senkst du dern Köpfchen?"
„Ach, Clemens ■— wirklich — du bist —"
„Ich bin dein Sklav', der dich anbetet, rneme iunge Schönheit! War's gestern nicht hübsch in der Oper und hat die Lucca nicht Prächtig gesungen?"
„Ja, gewiß! Dabei fällt mir ern, du hast mrch noch nie aufgefordert, dir etwas vorzusinger: oder vorzusprelen,
— freilich war auch bis jetzt nie die Zeit dazu da! Heute hättcm wir sie — willst du?"
„Ganz zu deinen Diensten, mein Herzblatt! Aber laß es nrir ein kurzes Liedchen fei::, — ich liebe es, deine kleinen Händchen und deiner: süßen Mund in anderer Weise beschäftigt zu sehen, wenn dein Schatz bei dir ist!"
„Wenn bat die Musik nicht liebst", sagte ich etwas beleidigt, „so kann es ja unterbleiben! Ich dachte, d:r eine Frerrde zu bereiten —"
„Aber, mein Goldkiird, die ist mir's ja auch! Nur kein schmollendes Gesichtchen, um des Himmels willen! Darf ich bitten?"
(Fortsetzung folgt.) _
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•u - Herr J, Meier, Taunusstr. 28, gestattet Kunstfreunden die Besichtigung obigen Bildes. ■ I8l! 'irtenj)roiB 1 Mk. Der Ertrag des Kartenverkaufs wird dem Wiesbadener Fonds „Gaben | '"'arme Frühstück für arme Hchuikinder“ zugewendet. Kartenverkauf bei Herrn Hof- A. Bark, Musoumstr, 1, Herrn August Engel, Taunusstr. 14 und Wilhelmstr. 2, sowie ' Roth, Wilhelmstrasse 54,
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Am Neujahrstage, Abends von 8'/s Uhr ah:
Grosser Fest-Ball
mit einleitender Weihnachtsfeier
in den oberen Sälen des „Casino“, EYiedrichstrasse.
Wir laden unsere verehr). Mitgliedschaft, sowie Inhaber von Gastkarten ergebenst ein.
Oer Vorstand.
N. 8. Wegen Einführung von Nichtmitgliedern wolle man sich an Herrn Erit* Saueressiy, Rhoipptrasse 20, wenden, woselbst auch die Karten in Empfang genommen werden
(BalB-Anzug Vorschrift.) F35 5
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Sonntag, den 27. Dezember 1903, Abends von 8 Uhr ab:
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