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Erscheint m zwei Ausgabe». — BezugS-Pre»: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post s Mk. s« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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602. BerlagS-Fernsprecher No. ASS. Montag, den 28. Dezewüer. RedaktionS-FernIvrecher No. 82. 1903.

Abend-Ausgabe.

Eilentmhnfragen.

®er gefährlichste Partikularismus ist immer der I mubische, hat Fürst Bismarck einmal gesagt. Wie recht ^^lüe, zeigt sich bei den Schwierigkesten, die dem deut- i Eisenbahnwesen mit jedem Jahre mehr erwachsen, l Lie preußische Staatseisenbahnverwaltung ist so über- Müg, daß sie es nicht nötig hat, den partikularen >Mahnverwalt:mgei: Entgegenkommen zu beweisen. E " ttttebsgemeinschaften ist sie bereit, und nach dem Vor­der Gemeinschaft mit Hessen würde die bayerische, im lächsische, die württembergische, die badische Staats- Äenöahnverwaltung jederzeit in ein engeres Verhältnis Ressort des Herrn Budde treten können. Aber weder I pr ZXtrchführung des Reichseisenbahngedankens noch I mer Reichseisenbahnbetriebsgemeinschaft unter der Kon- trotte des Reichstags würde sich Preußen jetzt entschließen, t darf hinzufügen: die preußische Regierung hat das nur nicht nötig, sondern sie würde auch gar nicht in hie Lage kommen, solchen Plänen gegenüber Stellung kp nehmen, da es bisher immer nur vereinzelte Theore- l Äer gewesen sind, die die Wiederaufnahme des Reichs­lasenbahngedankens oder die Betriebsgemeinschast von ISieichs wegen empfehlen. In den süddeutschen Staaten und in Sachsen ist man weit davon entfernt, dem hesfi- Ischm Beispiel zu folgen. Zwar würden Einsicht und I Augheit gebieten, sich die Vorteile nicht entgehen zu lassen, I k Hessen aus der Betriebsgemeinschaft zichen darf, aber I «n empfände ein entsprechendes Anerbieten als De- Iwngung, und so kann es sich Preußen nicht nur aus IiMrlichen Rücksichten des eigenen Interesses, sondern zu- 1 gleich ohne Gewissensskrupel leisten, ruhig abzuwarten, lis man von Dresden, München, Stuttgart oder Karls- I ich an Berlin herantritt. Ist also der preußische Parti- I kularismius in diesem Falle wirksamer, als es der eines I wderen Bundesstaates jemals sein könnte, so hat man mzuerkennen, daß Preußen sich eigentlich nichts vorzu- | inerfett hat. Die Ablehnung des Reichseisenbahnplans ! dm 1876 ist den mittleren und kleineren Bundesstaaten I dicht zum Segen gediehen, und wenn Preußen davon ! profitierte, so ist das eigentlich gegen seinen Willen ge- Itett; heute ihm zuzumuten, daß es die Grundlagen ! seines finanziellen Gedeihens wieder zerrütte, hieße, eine ! Wiche Opferwilligkeit voraussetzen. Im Jahre 1901 Mmsten sic!, die preußisch-hessischen Bahnen mit 6,43 D»zent. die säst,fischen mit 3.18 Prozent, die württcm- »«rstischen mit 2,60 Prozent, die hayerischen mit 2,57

Prozent, die badischen mit 2,51 Prozent. Würden alle

diese Eisenbahnverwaltungen in einen Topf geworfen, so müßte Preußen es schwer büßen. Gemäß dem preußi­schen Eisenbahngarantiegesetz leistete die preußische Staats­eisenbahnverwaltung zu den etatsmäßigen Ausgaben des preußischen Staates im Jahre 1896 die Summe von 185 358 000 Mark, im Jahre 1901 die Summe von 326 638 000 Mark. Wollte man die Eisenbahn vom preußischen Finanzwesen loslösen und entweder im Wege des Verkaufs oder auch nur im Wege einer Reichseisen­bahnbetriebsgemeinschaft das Reich zum Herren des ge­samten deutschen Eisenbahnwesens machen, so wäre die Folge eine vollkommene Zerrüttung der preußischen Finanzen, und es wäre alsdann besser, lieber gleich die selbständige Etatswirtschaft der Einzelstaaten anfhören zu lassen und sie alle zu Kostgängern des Reichs zu machen, das alsdann freilich Aufgaben von unübersehbarer Trag­weite übernehmen müßte. Bei dieser Lage der Ver­hältnisse wird den widerstrebenden Bundesstaaten zunächst doch wohl nichts übrig bleiben, als eine Eisenbahn­gemeinschaft mit Preußen so nachzusuchen, wie es Hessen getan hat, und wenn die Bundesstaaten das nicht wollen, so schadet es schließlich ja nur ihnen. Können sie sich mit der jetzigen geringen Verzinsung begnügen, so ist ja alles in Ordnung, und namentlich von Preußen aus hat keiner dreinzureden. Wir haben diese Verhältnisse hier einmal wieder kurz skizzieren wollen, nachdem jüngst offiziös mitgeteilt worden ist, wie bedeutend sich die preußischen Staatseisenbahneinnahmen int letzten Etatsjahre gchoben haben, während die entsprechenden Nachrichten ans den süddeutschen Staaten und aus Sachsen bedauerlicher­weise das Gegenteil von Aufschwung und Ertrag ergeben. Wie lange das noch so fortgchen soll, weiß niemand, uner­quicklich aber sind diese Dinge, nur daß man sich immer vor Augen halten sollte, daß es nicht Preußens Schuld ist, wenn in diesem Falle sein begreiflicher Partikularismus zu besonderem Nachteil für andere Bundesstaaten aus­schlägt. _

Zur Lage in Ostasien

M. Berlin, 24. Dezember. An unterrichteter Stelle erfährt die „Nat.-Ztg", daß die Aussichten auf eine friedliche Lösung der Spannung im äußersten Osten fortdäuern. Die Äußerungen hervorragender russischer Staatsmänner lauten in dieser Hinsicht durchaus be­ruhigend, und auch diejenigen englischer Staatsmänner lassen keinen Zweifel darüber obwalten, daß die alarmie­renden Meldungen gewisser englischer Blätter auf purer Erfindung beruhen.

wb. Tokio, 25. Dezember. (Reuter.) Bei dem Fest­mahl der Orientgesellschast sagte gestern abend der frühere Minister des Auswärtigen, Kato, der den Vorsitz führte, er bedauere aufs tiefste, daß die Regierung das Volk über die Lage der Dinge nicht ins Vertrauen zöge. Den­noch wäre, wenn der Kaiser den Krieg erklären sollte, die Nation bereit, einmütig zu ihm zu stehen. Der ehe­malige Ministerpräsident Gras Okuda stimmte Kato bet und fügte hinzu, er meine, es sei hohe Zefi, das Volk die gegenwärtige Lage erkennen zu lassen. Nicht allein Ritterlichkeit, sondern die Selbsterhaltung erforderten, daß Japan die Integrität Chinas schütze. Beide Redner bemerkten, sie hielten die Lage für äußerst kritisch. --- (Agence Havas.) Hier sind ungünstige Nachrichten ans den Häfen Koreas eingegangen, in denen vollständige Anarchie herrsche. In den Kriegshäfen werden um­fassende Vorbereitungen getroffen zur Entsendung von Truppen nach Fusan, Masampho und Tschemulpo, welche dort die Ruhe wieder Herstellen sollen. Diese Maßregeln polizeilicher Natur sollen im Einverständnis mit Ruß­land getroffen werden. Die japanische Regierung hat dem japanischen Gesandten in Petersburg, Kurino, Ant­wort auf die russischen Vorschläge zugehen lasten. Die Antwort ist in freundschaftlichen Ausdrücken abgesaßt, welche den Weg zu einer neuen Besprechung offen lasten.

wb. London, 26. Dezember. „Daily Mail" meldet aus Kobe vom 26. d. M.: Dem Vernehmen nach setzt di« letzte japanische Note an Rußland eine Frist von 14 Tagen zur Beantwortung fest. Man sehe daher dem 7. Januar mit Besorgnis entgegen.

bä. Rom, 27. Dezember. Dem „Messaggero" zu­folge hat die Regierung für die Eventualität, daß es zum Ausbruch kriegerischer Verwickelungen zwischen Rußland und Japan kommen sollte, ein Kriegsschiff be­ordert, im Hafen von Nagasaki zu ankern.

bä Berlin, 28. Dezember. Aus Petersburg wird dem „B. L.-A." telegraphiert: Trotz dem allgemein bekannten Ernst der Lage in Ostasien wird aus dem Hofe nahestehenden Kreisen versichert, der Zar sei durch­aus gegen den Austrag des russisch-japanischen Konflrk- tes auf kriegerischem Wege, wie überhaupt gegen jedes angriffsweise Vorgehen Rußlands gegen Japan. Ruß­lands Haltung soll zwar fest bleiben, doch nicht heraus­fordern. Militärische Kreise halten die jetzige Jahres- zeit für durchaus ungeeignet zur Kriegführung und hoffen, Japan werde mit diesem wichtigen Faktor eben­falls rechnen müssen. Die japanische Gesandtschaft hüllt sich allen Fragen gegenüber in undurchdringliches Schweigen.

bä. Berlin, 28. Dezember. Wie die „Morgenpost aus P e k i n g meldet, haben der britische und japanische

Die Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(62. Fortsetzung.)

XXIII.

&tr Freiherr v. Peitersbroich nach Eigersbusch kam und erst ^ .Strnesien, dann aber sehr nett gegen Agnes war. Bon Wns Herzensnöten, item von denen Mtekens. Bon einem sch preußischen Land- und Fnßgendarmen und von Met tütißen Frauenzimmern, eine ernsthaste Sache, aber lustrg zu vernehmen.

L^Schon am andern Morgen, bald, nachdem er den wf von Agnes erhalten, stellte sich der Freiherr von Mersbroich'aus Eigersbusch ein. Er fand das Mädchen bor, denn Herr Manuel, dem es nach dein Fortgang Mneds nicht geheuer in Gegenwart seiner Tochter war, eine kleine Geschäftsreise vorgeschützt, um einige ?e zu^verdusten. Entging er dadttrch doch auch allen Fragen über die Hanssitchung.

,^er Freiherr war sehr ernst. „Sie haben", sagte er barsch zu der jungen Dame, „eine so häßliche Be- Mdigung gegeir meinen Erbeit und nächstenBerwandten «JMttodjen, daß ich mir vor allen Dingen Gewißhert ^Aasten muß, ob diese Beschuldigung nickst mit der Wrügkeft >der Jugend erhobm worden ist." „

Äer Agnes zögerte nicht, ihm ihre Gründe für den Avcht klarzulegen, und als sie schließlich noch die M?Mg des Landrats ins Gefecht führte, konnte Z^ersbroich die starke Möglichkeit, daß Kleibach der WsUMut gewesen, nicht mehr ilt Zweifel stellen.

H "'5$ habe wenig Freude an dem jungem Herrn", sagte ist ebenso stolz und anmaßend, wie er innerlrch kd® 1 stt. — Sie haben nteurem Hause kürzlich die Mrß- MNg mmefeit, die Werbung meines Neffm abzulehncn. .L^stch.ich diese Verbindung gerne gesehen häfie, schätze

g 'eser Ablehnung wegen um so höher, und ich trage !swegen nichts nach, Fräulein von der Pforten. , daß es Ihnen genügt, wenn ich mein herzliches t ausdrücke, daß Sie und Ihr Vater, vor allem Hr Herr Vetter, durch das nnqualifizierbare Be- S? des verdammten Jungen in Mßhelligkeitm ge- sind. Ich werde meinonr Neffen den Kopf schon Wdstch waschen, wenn ich auch fürchten muß, daß er sich

mir gegenüber aus das hohe Roß setzert und sich die traurige Tatsache zu Gemüte führen wrrd, daß er mem Gut doch einmal unter allen Umständen erben wrrd, wenn ich mich nicht etwa verheirate und Familie bekomme, ein Umstand, der einstweilen noch nicht auf meinemProgramm steht. Die Gesinnung, die aus Viktors Vorgehen spricht, ist eines Edelmannes nicht würdig. , Als kleine Entschul­digung seines Gebahrens könnte höchstens der Umstand gelten, daß er die durch Ihren Korb empfangene Kränkimg jmem jungen Herrn zuschrieb."

„Wer wie könnte er zu dieser Idee gekommen seini frug Agnes, heftig errötend.

Der Freiherr lächelte. „Na, so 'n bißchen Schuld trägt der Herr Hülskamp doch wohl? Ich für meinen Teil bin ihm nicht böse drum, und wenn ich das Fräulein Agnes von der Pfortm zu sein das Vergnügen und die Ehre hätte, würde ich jenen interessanten jungen Mann vielleicht auch dem uninteressanten Herrn von Kleibach vorgezogeil haben, und wenn jener interessante junge Mann noch so sehr Rebell und Tyrannmtöter ist."

„So glauben auch Sie, daß Gottfried . . ." stotterte sie.

Da ergriff er ihre Hand und klopfte sie leise, glaube nicht nur, sondern ich weiß sogar,

Kind, daß . . ." .

„Was wissen Sie, was wollen Sie wissen?" blickte ihn erschrocken an.

„Ich habe ihn eines Nachts bei einer geheimen Der- sammluna erkannt. Und weiter, ich ahne in ihni den Dichter eines gewissen Liedes und den Verfasser gewisser, schwungvoller, staatsgefährlicher Manifeste, utid fast der- mute ich, daß auch Sie um seine verschwiegene Tätigkeit wissen. Ist es nicht so?"

Sie wich einen Schritt zurück. „Herr Freiherr!" rief sie.

Er aber angelte wieder nach ihrem Händchen und lachte: „Sehen Sie, so Hab' ich Ihnen doch einen ordent­lichen Schrecken eingejagt zum Lohn für den ärgerlichen Brief, detr ich von Ihnen empfangen Hab'. Nun sind wir quitt! ... Es ist übrigens ein recht gefährliches Spiel, das der gewisse junge Herr treibt, und ich will ihm nur wünschen, daß es ihm nicht übel ausschlägt. Vor meiner Wissenschaft braucht er keine Angst zu haben. Und wissen Sie, Kind, obgleich ich auf einem ganz, ganz anderen

„Ich

liebes

Sie

Standpunkt stehe als er, und aus bester Überzeugung das oder vieles von dem vertrete, was er mit jugenÄtchem Enthusiasmus vernichten möchte, das sage :ch Ihnen: dieser Umstürzler und seine politische Gesinnung sind mrr doch weit sympathischer als mein Herr^ Nesse mrt fernem stumpfsinnigen, unkrifischen Konservatismus, der nrchts anderes gelten läßt, als sich selbst, und der jedes Jdealrs- mus bar ist. Besser ein überzeugter Tyrannentoter, als ein streberhafter, egoistischer Schützer des Throns. Achtung nur der ehrlichen Überzeugung ehrlicher Menschen! Und nun haben Sie doch wohl keine Furcht mehr vor mrr?

„Nein, Herr Freiherr", sagte sie, blickte ihm frei ms Auge, ergriff seine Hand und schüttelte sie kräfttg.

„Sehen Sie wohl, nun sind wir doch wieder gute Freunde, trotz dieses bitterbösm Kiraben Wtor von Kleibach. Und so mag sich denn der Roman ruhig Wester spielen: „Agnes, oder die Braut des Rebellen", sprach ec mit Lachen. Sie aber seufzte und senkte den Kopf. „Ich glaube", sagte sie schüchtern, „das ist ein falscher Titel. Es wird wohl nur heißen müssen: „Agnes, die Kousine des . . . des . . . Freiheitskämpfers".

„So so, steht die Sache nur so?" meinte er gedehnt. Dann aber legte er vertraulich die Hand auf ihre Schulter und rief: „Nur Mut, Kleine! Dieser Vetter wird doch kein Unmensch sein. Ich taxier' ihn schon recht, wenn ich sag': er hat gute Augen im Kopf. Halten Sie nur treu zu ihm aus, denn er geht, wie mir scheint, einen recht steinigen Weg. Sie werdet: seh>m, wie bald er vor Treue, Freundschaft und jugendfrisLer Schönheit ganz» lich die Waffen streckt, wenn er es im Geheimen nicht viel- leicht schon getan hat. Na, wir beide sind ivenigstens nun gute Freunde, Fräulein Agnes, nicht wahr?"

„Ja, ich denke, Herr von Peitersbroich", sagte sie herzlich.

Da zog er sie an sich, küßte sie leise auf d:e Sttrn und flüsterte: „Sie sind ein liebes Geschöpfchen und Sie wer» den noch einmal recht glücklich werdm, trotz allem drohen- den Sturms und Wetters und solch eines Hartkopfs, wie der Herr Manuel von der Pforten ist. Und wenn Sie mal nicht aus noch ein wissen, dann kommen Sie nur ruhig zu den: alten Peitersbroich hergestiefelt, der wird Ihnen und, wenn es seit: muß, auch dem bewußten, rote:: Revolutzer gern raten und helfen, so viel er nur kann und darf."