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s». Jahrga««.

Grscheinr im zwei Ausgabe«. — BezugS-PreiS: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasie 27.

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«nzrigen-Prei»,

Die einspaltige Petitzeile für lokale Suzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklame» die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

ttHitltmit für die Abend.Ausgabe bis 12 Uhr mittags, für die Marge«.Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächst» £^'**Wl**j*w* erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgelchriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

600. Berlags-Fernfprecher No. 2958. Dstttterslttgz dkN 24. DeZewKer.

RedaktionS-FeruIprecher No. 52. 1903.

Abend - Ausgabe.

Weihnachten.

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Zo ertönt auch diesmal wie seit neunzehn Jahrhunderten der zuerst von Engellippen erklungene Weihnachtsgesang. Freilich die holde Botschaft, welche die Klänge des Weih- «chtsliedes verkünden, steht nicht überall in Überein­stimmung mit den Tatsachen, vor welche die rauhe Wirk­lichkeit uns stellt. Und manch einer mag wohl mißmutig ^ fragen, wo denn der Friede auf Erden herrsche und woran in der Welt er Wohlgefallen finden solle.

In der Tat, vollkommener Friede hat auf Erden nie geherrscht, wenn auch, wie zur Zeit, sich nirgends Völker in erklärtem Kriegszustand befinden. In Ostasien hat die unersättliche Ländergier desselben Reiches, dessen Oberhaupt die Tragikomödie der Friedenskonferenz ins ffierf gesetzt hätte, einen Zustand geschaffen, der zu den mstesten Besorgnissen Anlaß gibt. Nicht zufrieden mit kr Beschlagnah nie der Mandschurei, hat Rußland seine Fänge nach Korea ausgestreckt und dadurch das auf- strebmde Japan zur Verteidigung seiner bedrohten Jirter- . essen gezwungen. Wenn auch noch immer die Hoffnung ! gehegt wird, daß der ostasiatische Konflikt eine friedliche i Beilegung erfahren werde, so enthält dieser Konflikt doch unverkennbar zahlreiche Keime zu späteren neuen Rer- vickelungen, welche die ostasiatische Frage noch auf Jaöre hinaus in den Vordergrund der internationalen Politik stellen werden.

p Aber nicht minder bedenklich wie die Lage im neuen Orient ist die im alten Orient, auf dem Balkan. Die ifMkedonische Frage hat die Eigentümlichkeit, daß wir I ihrer als eines friedensstörenden Elementes seit etlichen i fahren in jedem unserer Weihnachtsartikel gedenken, und bir sind fest überzeugt, daß dies auch in der Folge nicht Mbers sein wird. Eine Zeitlang war die Spannung auf hem Balkan so groß, daß der Ausbruch eines Krieges Wischen der Türkei und Bulgarien, diesem Hecht im süd- : hteuropmschen Karpfenteich, unvermeidlich zu sein fäfien. ® n den Bemühungen der Mächte, insbesondere Öster- Mch-UngarnS und Iinßlands, gelungen, den drohenden im Keime zu ersticken, aber es ist doch noch auf M Balkan Konsliktsstoff genug übrig geblieben. In i Pa ffem Gegensatz zu der Botschaft, welche Frieden auf ; ! r ™ und den Menschen ein Wohlgefallen verkündet, i auch die schaurig-blutigen Vorgänge in Serbien, letzte der Obrenowitsch ein blutiges Ende fand Wbie Linie der Karageorgiewitsch durch eine Mordtat

Weihnachten.

Des Jahres letztes Fest — der Liebe Feier —

Senkt feine Schwingen über alle Welt.

^rhüllt der Winter auch mit grauem Schleier,

Mn du schaust, Stadt, Wiese, Wald und Feld,

^ jeder Hütte strahlt heut' Kerzenfeuer «om Tannenbaum: das leuchtet, wärmt, erhellt.

2** Liebe Fest, das schönste, hehrste, beste,

^vlretzt ab des Jahres froh verrauschte Feste.

Dw Liebe Fest. . . Entziehst du dich dem Banne, ^en diese Stunde über dich verhängt,

W sich die eig'ne Jugendzeit dem Manne Muernd vor das geist'ge Auge drängt?

^gang'ner Jahre Glück erzählt die Tanne,

M buntem Tand und Flitterwerk behängt.

T" Mcnschenalter hast du's schon gesehen, stets wirkt neu auf dich der Liebe Wehen. x?luch su warst jung, der heut im weißen Haare E» gold'ne Kerzenfeuer starrt und sinnt.

eilt so schnell der rasche Fuß der Jahre . . .

D l u ihwmju iiqujc tyup "

2? Mb die Zeiten, die vergangen sind?

»T* bwg ist's her, daß noch beim Elti Weihnacht feiertest, ein munt'res Kind,

Und Dankesworte sprachst mit freud'gem Herzen?

^ war derselbe gold'ne Glanz der Kerzen . . . Liebe Fest... Die Stunden fimö verronnen, Zeit verging, die Liebe doch blieb jung.

Liebe ist der ew'ge Jugendbronnen,

. Kr ihr wandelt die Erinnerung.

A wird der Lebenssaden abgesponnen,

^ kommt des Alters graue Dämmerung, Ki^Loffnnngsfrisch wie Tannengrün soll bleiben Liebe in uns, blüh'n und Wurzel treiben.

Kerzen schimmern durch das Grün der Aste,

^ üold'nem Glanz erfüllen sie den Raum. ^,."wllich-warm ist's heut' im HetmatSneste, §^besdüfte atmet aus der Baum.

•*. Kinderlied ertönt zum frohen Feste. . .

«w'ge Liebe spinnt den gold'ne» Traum . . . von den Türmen rufen es die Glocken: aller Welt ein Jubeln und Frohlocken!" - Erwin Köller.

zirr Herrschaft gelangte, die noch heute ungesühnt ist und die so dem Gerechtigkeitsgefühl der Nationen einen schweren Schlag versetzt hat.

Doch wir brauchen nicht in jene Ferne zu schweifen, „wo hinten weit in" der Türkei die Völler aufeinander schlagen", um die Erfüllung der holden Friedensbotschaft zu vermissen. Auch im Leben unseres Volles sehen wir nur zu vieles, was weit entfernt ist von dem ersehnten Frieden, und worüber wir Wohlgefallen nicht zu emp­finden vermögen. Die Heftigkeit, mit der bei uns, w-ie freilich bei fast allen Nationen, die politischen, wirtschaft­lichen und sozialen Gegensätze aufeinander prallen, ver­mag zaghafte Gemüter wohl in Schrecken zu setzen.

Die Worte, welche Ludwig Fulda in seiner Märchen­dichtung „Der Talisman" den alten Habaknk sprechen läßt: „Ich aber mag mich nicht in alles fügen, und daß ich gründlich unzufrieden bin, das ist mein einziges Ver­gnügen!" entsprechen einer heutzutage weit verbreiteten Weltanschauung. In unserer Zeit überwiegen die Pessimisten. Sie sehen mit mehr oder weniger prophe­tischen Blicken und- Geberden unsere heutige Welt in Trümmer fallen, und sie versprecheil, jeder nach seiner Art, eine neue, eine glücklichere Welt. Die einen ver­heißen die Rückkehr zu jener „guten, alten Zeit", die „sich nie und nirgends hat begeben". Und die anderen fordern ungestüm "die Umwandlung nilsercs „verkommenen kapitalistischen Klassenstaates" in jenen sagenumwobenen Zukunstsstaat, von dem sie, wenn sie im Reichstag über das Wo und Wie dieses Zukunftsstaates interpelliert wer­den, wie dies jüirgst in der Bülow-Böbel-Tebatte geschah, mit Loheugrin singen: „Nie sollst du mich befragen!"

Die pessimistische Weltanschauung verschließt ihr Auge teils bewußt, teils unbewußt vor den gewaltigen Fort­schritten, die unsere Enwickelung auf allen Gebieten zu verzeichnen hat. Sie will nicht anerkennen, wie außer­ordentlich sich die Nahrung, die Kleidung, die Wohnnngs- verhältnisse auch der ärmeren Volksschichten im Vergleich zur „guten, alten Zeit" verbessert haben, und welchen Fortschritt die kulturellen und geistigen Verhältnisse zeigen, unter denen wir heilte lebeir. Wir wissell sehr wohl, daß wir liicht in vollkommenen Zuständen leben, und wir wissen, daß wir solche vollkommenen Zustände niemals erreichen werden. Allein die großeli Fort­schritte, welche wir gemacht haben, nehmen wir zum Pfände dafür, daß nils auch in Zukunft solche Fort­schritte beschieden sein werden.

Und ganz besonders soll das Weihnachtsfest, dieses Fest des Lichtes und der Hoffnung, uns ermahnen, daß wir in den Kämpfen der Gegenwart nicht verzagen, son- dern voll unsere Pflicht tun, jeder au seinem Platze, sei dieser auch noch so bescheiden. Und wer in allziüpessi-

Die NeVOlutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(61. Fortsetzung.)

„So, das wäre gründlich besorgt", sagte sie drallßen auf der Straße mit großer Genugtuung. „Jetzt wollen wir weiter sehen. Jedenfalls soll Gottfried noch erkennen, daß ich auch für meinen Kopf allein etwas machen kann. Und dieser dumme Junge, dieser Kleibach. Na warte!"

Um sich ihrem Vater gegenüber wegen des Gange- nach Mühlbach ausweisen zu können, besuchte sie nun die Mähnen, die wie eine Schar Spatzen über sie Hersielen, sie mit Fragen bedrängend. Die Haussuchung in Eigers- busch war natürlich bekannt geworden und gewährte alich den alten Tanten einige Genugtuung, so sehr sie sich auch zu entsetzen schienen.

„So'u gefährlicher Rebell, dieser Herr Vetter", seufzte Tante Binchen, und Tante Manchen nahm eine besonders große Priese und meinte: „Ja ja, er hat so verfluchte

Augen im Kopp. Er ist mir gleich verdächtig vorge­kommen. Der endet gewiß noch mal im Zuchthaus oder wird vielleicht gar 'neu Kopf kürzer gemacht."

„Der ist ja 'ne Schund' für die ganze Famillje", äußerte sich die Möhn Gusken in ihrem kräftigen Alt, und Dante Malchen gab der Meinung Ansdruck, daß Agnes nun gewiß eine rechte und wohlberechtigte Wut auf daZ Vettermännchen habe.

„Ich 'ne Wut ans den Gottfried?" lachte Agnes. „Nee. damit habt Ihr kein Glück. Im Gegenteil, jetzt ge­fällt er mir erst recht. So einer, der kein Wässerchen trüben kann und der nix riskiert und der nix weiter will, als sich wie beS Färbers Gaul in seinem engen Kreise 'rumdrehen, so einer, der gemächlich Morgen für Morgen sein Brötchen in den Kaffee stippt und abends im Wirt- Haus seine paar Glas Bier hernntertrinkt und sich um sonst nix kümmert, der kann mir keinen Respekt einflößen. Aber der Gottfried, das ist doch einer!"

„Nee, nee, nu hört mal dat Kind!" verwunderte sich Tante Malchen, und nur die Möhn Binchen nickte ver> ständnisinnig mit dem Kops und meinte: „Ja, ja, so bis! du NU mal, Angenies. Du bist immer ein besonderes Kind gewesen. Ich will auch wahrhaftig nix gegen den

mistischer Gesinnung und nicht gedenkend der Tatsache, daß jede Zeit von denen, die in ihr leben, für die „schlimmste" gehalten wurde, diese Gegenwart als allzu trübe und trostlos empfindet, den mahnt die Botschaft des Weihnachtsfestes zwar nicht an eine Umwälzung, aber an eine allmähliche, schrittweise Verbesserung der Zustände zu glauben, in denen wir leben!

Zur Lage in Ostasren

wb. London, 23. Dezember. Die „Times" meldet aus Tokio vom 22. Dezember: Es ist nichts Wahres an dem Gerücht, daß Japan versuche, in New Aork eine Anleihe auLzuuehmen. Die Finanzlage Japans gehört zu den besten. Die Reservemittel der Zentralbank in bar betragen 113 Millionen Aen, außerdem besitzt die Bank 40 Millionen in London. Das Privileg der Bank zur Ausgabe von Noten wird am 1. Januar um 35 Millionen erweitert. Fm Staatsschätze befinden sich 50 Millionen, außerdem einige Millionen in London. Endlich sind in allen Banken des Landes beträchtliche noch unverwendets Summen vorhanden.

hd. Berlin, 23. Dezember. Die „National-Zeitung" schreibt: Die in maßgebenden Kreisen Japans konstatierte Spannung der Beziehungen zu Rußland hat in den letzten Tagen unzweifelhaft abgenommen, so daß die Aussichten auf eine friedliche Lösung gewachsen sind. Auch wird hervorgehoben, daß England es in Petersburgs an diplo­matischen Schritten nicht hat fehlen lassen, die aus die eingetretene friedliche Stimmung schließen lassen. . Dem Vernehmen nach ist der Versuch Japans, eine Anleihe in England aufzunehmen, erfolglos geblieben.

red. Berlin, 23. Dezember. Eine hiesige Zeitung ent­hält heute früh eine Depesche aus Petersburg, m welcher von Sondierungen betreffs einer neuen russischen Anleihe in Berlin erzählt wird. Nach eingezogenen Er­kundigungen in hiesigen finanziellen Kreisen ist von der­artigen Sondierungen oder Verhandlungen auch nicht das Geringste bekannt und man hält die betreffende Mit­teilung für vollständig erfunden.

wb. Peking, 23. Dezember. (Reuter.) In gutunter, richteten Kreisen werden die Aussichten auf friedliche Bei­legung des Streits zwischen Rußland und Japan als weniger hoffnungsvoll betrachtet. Es heißt, Japan wolle keine weitereir Zugeständnisse hinsichtlich der Punkte machen, die seine vitalen Interessen berühren. Man glaubt, daß ein weiterer Notenaustausch, wenn nicht Ruß­land wichtige Zugeständnisse inache, die Krisis beschleuni­gen und Japan es ablehnen werde, dem Übereinkommen

Vetter sagen, aber schön is et nit, nee, schön is et nit, wenn durch die Polizei bei einem hansgesucht wird."

„Und dabei hat der Manewel doch erst vor ein paar Monaten den Orden gekriegt. Nee so was!" seufzte die Möhn Malchen.

Agnes war froh, als sie die Möhnen wieder verlassen konnte. Ihre Stimmung schwankte zwischen Zorn und Genugtuung, und als sie daheim angekommen war und nach der Wanderung durch die frische Winterluft in ihrem gemütlichen Zimmerchen, in dem das Feuer in dem kleinen Mantelöfchen so lnsüg flackerte, anfing, sich wieder beha-g- lach zu fühlen, wußte sie nicht recht, welchen Gefühlen sie die Vorhand lassen sollte, bis sie überlegte, daß man sich das Beste immer bis zuletzt aufheben müsse. So setzte sie sich denn hin uird schrieb zunächst einen Brief an den Freiherrn von Peitersbroich, des Inhalts, daß sie ihn persönlich als einen vollendeten Kavalier und Freund ihres Hauses hoch schätze, daß sie sich aber gedrungen fühle, über seinen Neffen, den Herrn von Kleibach, ihrer vollen Verachtung Ausdruck zu geben. Sie habe sich die Gewiß­heit verschafft, daß dieser vielversprechende junge Mann (das Vielversprechend setzte sie in Gänsefüßchen und zog einen dicken Strich darunter) durch eine ganz gewöhn­liche Denunziation gegen ihren Vetter Gottfried die Hans- snchung bei demselben veranlaßt habe. Über die Motive zu dieser Tat wolle sie sich keiner weiteren Betrachtung hingebcn, aber sie könne nur ihrer Freude darüber Ans- druck geben, daß ein gütiges Geschick sie verhindert habe, neulich der Werbung dieses königlichen Beamten und Edelmanns Gehör zu sclsenken.

„So, der Mosjöh wird schon sein Fett von dem Onkel lriegen", sagte sie mit Genugtuung, indem sie den Brief an den Freiherrn Zusauuncnfaltete und petschierte.

Dann kam sie zum zweiten Teil ihres Rachewcrkes, das sich einigermaßen schwieriger gestaltete, denn es handelte sich um einen Beitrag für eine vielgelesene liberal- gefärbte Zeitung in Köln, mn ein „Eingesandt". Lange arbeitete und feilte sie an der ungewohnten Arbeit herum, bis sie endlich mit ihrem Konzept so weit gediehen war, daß sie es abschrerben konnte. Dies b-esorgte sie dann mit großer Wichtigkeit, irachdem sie ihr Werk wieder und wieder geprüft und für gut befunden hatte.

„Zn der leidigen Wildfrage", so begann das Elaborat, „ivird uns aus einenl streng konservativen Hanse ge-