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Niorgen.Beilage des Wiesbadener Tagblatts,

Nr. 222. Donnerstag, 22. September. »vio.

(28. Fortsetzung.) CtsBC. (Nachdruck verboten.)

Roman von Anny von PanhuyS.

Der Inspizient, ein magerer, scheinbar sehr nervöser Herr, empftng die Damen in dem Gang, her -hinter den Logen entlang führte. Er machte nur eine Ver­beugung und ein flüchtiger Blick nahm von Magoas Schöntieit Notiz, und als Magda fragte, ob er -wisse, worum es sich handle, erwiderte er: „Jawohl, aber

Herr Wellmann möchte Ihnen das lieber selbst sagen!"

Da fragte,Magba nicht mehr.

Schweigsam kletterte man eine Treppe hinunter, ging kreuz amb quer durch verschiedene Korridore nnd dann öffnete der Inspizient eine Tür: „Kvnversations- zimmer" stand auf einem Sök-ild.

Wellmann, in langem, geklebten Baumeister Solnetz- Bart, trat hastig auf Magda zu, so daß sie zunächst den schlanken eleganten Herrn, der ein paar Schritte hinter ihm stand, nicht bemerkte- „Ach. liebe Bergen, du kommst, welches Glück! Höre schnell, warum ich dich bitten ließ!"

Jetzt schob sich die Gestalt des eleganten Herrn vor: „Direktor Ohlendorf."

Magda sah in ein ernstes snrnpathisches Männer­gesicht. Das also war d-"- Direktor des Jbs-entheaters, über dessen Äi: ist e rv o r st e ll n ngen es nur eine Wimms -des LobeS gab. Magda neigte sich zu leichtem Gruße.

„Bitte, nehmen Sie doch Platz, meine Damen", der Direktor schob den Schwestern -iwei StüWe hin.

Wellmann ward ungeduldig und lächelnd sagte er: „Sohr verehrter Herr Direktor, lassen wir ein bißchen die Galanterie beiseite, ich muß Fräulein Bergen doch unsere Bitte vortragen:" und, sich zu Magda wendend: „Kurz heraus, denn unsere Zeit ist sehr gemessen, die Warlow, unsere Hilde, ist vorhin ohnmächtig geworden und liegt in ihrer (Harderobe, sie ist unfähig, anszu-' treten, nun fiel mir plötzlich ein, daß du sa im Theater sein müßtest, ich hatte dir Billetts für Loge sieben ge­schickt. Schnell redete -ck> ein paar Worte mit dem Direktor, ich meinte, du würdest uns vielleicht helfen können. Du bist doch in der Hilde studiert und könntest einfpringen", er wollte weitersprechen, doch Magda unterbrach ihn: „Laß, Wellmann, es hat keinen Zweck, ich kann leider nicht Helsen."

„Mer, mein gnädiges ^räitfetn, ich bitte Sie, warum denn rächt. Sehen Sie, wir standen -doch schon zwecks Ihres Engagements mit einem Agenten in Ver­bindung. Gar zu gern hätte ich mich Ihrer künstlerischen Kraft versichert. -Sie verließen die Biihne und gingen damit auch uns verloren, aber ein einziges Mal kön­nen Sie doch deshalb noch auftreten. Ich weiß, in Frankfurt schieden Sie abschieds-los, nützen Sie die Ge­legenheit und treten Sie in einer Ihrer besten Rollen vor unser kunstverständiges Publikum. Das ersetzt Ihnen den Abschied, den Sie nicht nehmen dursten." Eindringlich und war-m klang -die sonore Männerstimme.

,ä8esinne dich doch nicht, Magda, schnell, was kann es schaden", ermunterte Gertrud, sie merkte, des Direk­tors Worte hatten die Schwüler aepackt. „Dein Kostüm paßt ja gerade und kann allenfalls als Touristenanzug

gelten. Jck> stecke den Rock mit ein paar Sicherherts- nadeln zurecht."

„Stur das Gesicht noch geschminkt, dann kannst du> hinaus auf die Bretter", sprach überreidend Wellmann.

Der Direktor hatte inzwischen die Garderobiers hevbeigeholt, „bitte, für das gnädige Fräulein die Gast­garderobe, es ist alles vorhanden dort", setzte er hinzu.

DLagda atmete schwer: „Rein, nein, ich kann nicht, ich darf nicht, mein Verlobter — —" Weiter kam sie nicht, von allen Seiten stürmte man auf sie ein, nnd willenlos folgte sie der Garderobiere, eine große freu­dige Erregung schüttelte sie förmlich, vergessen war ln diesem Augenblick, was sie Hans versprochen, sie durfte spielen, weiter dachte sie nichts. Gertrud schloß sich an, um ihre Lippen zuckte Triumph.

Hans Buckenbach, sei auf der Hut, der Thoater- teufel streckt -die Fangarme aus, deine schöne Braut zu- rückzuyolcn in sein Reich! —

Die Garderobe für weibliche Gäste war fahr hübsch und bequem eingerichtet. Große und kleine Spiegel, ein bequemer Tisch, verschiedene Stühle und eine Chaise­longue befanden sich -darin. Auf dom Tisch stand eine eleigante, gut gefüllte Schminkkassette, die hatte Fräu­lein Warlow herg-egeben. Ebenso den -einfachen Hut und den Ranzen, sowie Plaid und Bergstock, die Ibsen i-m ersten Akte für -die Hilde vorgöschrickben. Hier in -dieser Umgebung kam es plötzlich über Magda wie ein Erwachen. Gedanken in ihr sprangen auf und stürmten wild-durcheiimirder. Was war sie im Begriff, zu tun?

Sie ergriff die Hand -der Schwester. ,Mas wird Hans sagen, wenn er es erfährt? O Gertrud, du durf­test es nicht leiden, -daß man mich überredete!"

(Sertruib lachte: „Aber, Liebling, was passiert denn Schlimines. Es ist doch kein Verbrechen, das du be­gehen willst, wenn du einmal austrittst und den Direktor vor der Verlegenheit bewahrst, -die Vorstellung aussallen lassen zu müssen. Komm flink, setze dich."

Mechanisch gehorchte Magda. „So hier schiebe ich dir den Spiegel -her, nun hänge ich dir ein Handtuch mm, das ist -das -Schminktuch, nun -los, zeig den 'Ber­linern, wie schön Magda Bergen ist und zeige ihnen, was Magda Bergen kann." Da stieg es in Magda wie ein Taumel aus. Gewiß, das wollte sie. Gertrud hatte recht, ivas tat sie -denn Schlimmes- Hans mußte sich eben mit der Taff-ache, daß sie noch -einmal gespielt, ab­surden, vielleicht erfuhr er es überhaupt nicht; er las in den Zeitungen nur die Rennberichte nnd das war ja auch egal. Sie würde noch einmal ans die Bvetter stei­gen und ihre Lieblingsrolle würde sie spielen. Und dann eine lähmende Angst, das Bühnenfieber kroch über sie hin wie vievfüßige Spinnen. Sie hätte fliehen mögen. Weit fort, weit fort und -dabei verteilte sie mit der Hasenpfote ein zartes Rot ans den Wangen und über- pnderte dann das ganze Gesicht. Sie zag die Brauen hoch und tupfte mit dem kleinen Finger Rot aus die Lippen Sie tat das alles automatisch, wie immer, wenn sie sich vor irgend einer neuen großen Rolle zu-