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fto. 598 . 51 . Jahrgang.
LLZiesbadener Tazblatt (Avenv-Ausgabe). Verlag rtranggafse 27 .
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o. Schwindler. Ein Mensch, welcher seit geraumer »eit eine ganze Anzahl hiesiger Geschäftsleute und Wirte aeprellt hat, die ersteren namentlich zur Hergabe von Uhren, Schmucksachen und Kleidern zu bestimmen wußte und uni nicht unbedeutende Summen schädigte, ist in der Person eines Bäckergesellen namens Hans H e r r m a n n ausfindig gemacht und gestern nacht durch den Schutzmann Zesch vom vierten Polizeirevier in einem Caf6 verhaftet worden. — Bon einer Kunstanstalt in Rixdvrf Werden in letzter Zeit durch Reisende Haussegen vertrieben, deren Preis zu dem Wert derselben in gar keinem Verhältnis steht. Um aber diese Überforderung zu bemänteln, operieren die Reisenden mit der falschen Vorspiegelung, der Verkauf geschehe zum Besten eines Arüppelheimes. Dabei handelt es sich um weiter nichts als um einen ganz gewöhnlichen fabrikmäßig hergestellten Massenartikel, und von dem Erlös soll zwar ein Betrag verkrüppelten Kindern zugute kommen, derselbe aber so verschwindend klein sein, daß er gegenüber dem Geschäft, welches die Unternehmer machen, gar nicht in Betracht käme. Vor diesen reisenden „Wohltütigkeitsaposteln" sei hiermit gewarnt.
— Das Liebesdrama in Frankfurt. Zu dom Liebes
drama, das sich Niddastraße 62 in Frankfurt a. M. ab spielte, verlauten folgende Einzelheiten: Leutnant
Hermann Laubrecht unterhielt schon seit einigen Monaten ein Liebesverhältnis mit der 27 Jahre alten Julie L ö w y, geh. Kuttner, aus Baden bei Wien, die feit einigen Jahren geschieden ist und bei ihren Brüdern hier wohnte. Die beiden sind vermutlich deshalb in den Tod gegangen, weil sich ihrer Verheiratung Hindernisse in den Weg stellten. Laubrecht hat zuerst seine Geliebte und dann sich selbst erschossen! den Revolver hielt er noch in der Hand, als man ihn als Leiche fand. Die Tat ist vermutlich schon am Montagabend geschehen. Am Dicns- tagvormittag wollte der Bursche den Leutnant wecken. Als er keine Antwort bekam, drang er in das Zimmer ein. Leutnant Lanbrecht lag, wie schon berichtet wurde, tot auf der Chaiselongue, die Läwy auf dem Fußboden -es Zimmers. Die Leiche von Leutnant Laubrecht wird nach Erfurt überführt, wo seine Eltern wohnen. Die Löwy wird auf dem israelitischen Friedhof in Frankfurt beerdigt. Zwei hinterlassene Briefe wurden von der Mitärbehörde beschlagnahmt. Leutnant Laubrecht galt für einen tüchtigen Offizier: erst vor einigen Wochen hatte er vom Kaiser als guter Schütze eine Auszeichnung erhallen.
— Eingebrochen wurde am 21. Dezember zweimal: Nachmittags in den Häusern Oranienstraße 60 und 62, «nd zwar in den Mansarden, mittags y 2 2 Uhr und abends 514 Uhr. Gestohlen wurde dem einen Hausherrn ein Militärrock, dem Dienstmädchen Geld, Medaillon, Ringe mit roten und grünen Steinen. Anscheinend war der Täter dasselbe Individuum, welches in der Wilhelmstraße einbrach. Bon Nachbarsleuten wurde derselbe auf den Dächern verschiedener Häuser in einem schwarzen Hut und Überzieher, einen Ausschlupf suchend, gesehen.
- ..Tagblatt"-Samml»ngen. Dem „Tagblatt"-Berlag ginnen Mi Für Kohlen für Arme: von G. N. 8 M.. von M. W. 5 M.
|i 6 SW., von E. B. 8 M. - Frühstück für Schulkinder: H* ®- W. 8 M., von ®. B. 4 M., von I. B. W. 6 M. — Die «»ttEeilanstalt: von I. B. W. 5 M. - Die Kinderbewahran- Mti von I. B. W. 6 M„ von Loos 10 M., von M. W. 3 M., ?f n ®« ^M. — Die Krippe: von I. B. W. 6 M., von Loof »Ja 5?" ®- B. 5 M., von G. N. 2 M. — Die Blindenschule:
B. W. 5 M. — Das Paulinenstift: von I. B. W. 0 M. r ®te Jdiotenanstalt: von M. A. 20 M., von P. A. 10 M — v«k B-rsorgungShaus für alte Leute: von M. W. 8 M. — Den »mderhvrt: von M. W. 8 M., von Cr. W. 4 M., von G. N. 2 M.,
n*' m' 1 dl., von W. N. 1 M. — Die Herberte zur Heimat:
2 M., von M. W. 3 M. - Das Nettungsbaus: von
® • ~ Die Schrippenkirche: von E. W. 8 M., von M. 91.
1 » zl-' "on P. 9t. 10 M. — Den Gefänanisvercin: von M. A. ,JP. A. 10 M. — Das Mädchenheim Oranienstraße: «m HJl. U. 20 M., von P. A. 10 M.
~~ Slleitte Notizen. Behufs Herstellung des Kanal-9lnschl»sses
Entwässerung des Neubau-Grundstücks sAnbau des kJ: :t ® e * n,c 6 au der Sonnenberger st ratze, Ecke D°„^""erg, wird der letztere für den Fuhrverkehr sür die «wer der Arbeit polizeilich gesperrt.
«em.^^be«heim, 22. Dezember. Auf Anregung des Lc hier ^^^^ueins wirb Herr Oberinaenienr Heinrich Stein
_ Lokai-
---..ueueremg wird Herr Oberinaenienr Heinrich Stein von p. „E". kommenden Dienstag, dcn 2». d. M., abends um t t V«T ^?ale des Gasthauses „Zum Schwanen" einen B o r - über das Thema: „Die Elektrizität im Dienste der sotnriiis 1 ’ Da auch die hierzu erforderlichen Erperimeute »»t «?» m™ cr i l “ sollen, so wird der interessante Vortrag nicht ies m," .Mitgliedern, sondern auch von Freunden und Gönnern Vj(>, s^ms wohl lebhaft besucht werden. — Herr Maurermeister tiöiinea $ 8 n verkaufte sein in der Mühlstraße bclegenes zwei- iieve» m^binhaus zum Preise von 12 500 M. an Herrn Polizei- .^Richard Breiteubach.
K» „ ’®ä< 23. Dezember. Rheinpegel: 88 cm gegen ^ am gestrigen Vornnttag.
Grrichlssaal.
23. Dezember. <S t r a f k a m m e r.s Vor- lißviaiil, Landgerichtsbirektor de Niem,« Vertreter der üi Staatsanwaltschaft: Herr Assessor. D i l l g e r. — Der ftter,;.; 1 , 1 .. R. hatte im Sommer d. I. die schwankende
Ninnnw ^ uitt der solideren Landstraße vertauscht: er war ^Wdw,^"n?^ordeii und staub bei dem Geschirrhündler und rin-»„Z. Eeorg Hartmann zu Schierstcin in Diensten. R. ist vorbestrafter Mensch, jetzt sitzt^ er in Aachen in ..pUngshaft. Der Sohn seines Schiersteiner Diensthevrn Az sDei Pferden, er lenkte einen Gaul und das empfand er E. Z-„i„6uvücksetzung, die er nicht überwinden konnte. Am ?työ)i5l/ r n * ^«iüe in der Nähe Schicrsteins einem fahrenden sih Je„ I ovs Wägelchen um: wer konnte, ging hin und besah rBfnheit 0 eJt und so auch die Familie Hartman», Diese Ge- M Dn» benutzte der R., um zu zeigen, daß man einem Seemann «Wer,b^llespann anvertrauen kann: er kaufte sich ein scharfes schnitt allen drei Gäulen die Schwänze bis an die trtonej!,, . th dieser Heldentat verschwand er. Das Schwänze- den, ?-?bllte eine Sachbeschädigung dar, denn das Pferd ist e»ihe. i.. ?kmsgeseybuch nicht mehr und nicht weniger als «eine »"ßemsi» bt hier nicht über einem Lattenzaun oder einem Stück jä „ild- ' Das Schöffengericht sah den Streich des R. zicm- ü»: es verurteilte den Pscrdcbeschädiger zu 28 Tagen A, demselben noch zu viel, er legte Berufung
Pflen i“ r * t( 9 ohne jeden Erfolg. — Von einem Faß Freibier W, h-i,,, 4' Nacht zum 12. September einige Männer und eine M um“' Die waren gut gelaunt und obwohl es bereits drei C icjji &• Wai ' nahmen sie sich doch noch die Zeit, mit einem -^Adet, «"?ng des Walhalla-TheaterS in der MauritiuSstraße °sli,kenr„!.üftcher ein interessantes Gespräch über eine frühere 1880 0 '»k anzuknüpfen. Sie sprachen noch nickt lange, als 4, ein Sr 0 , r euc und schon verheiratete Taglühner Georg A. von | - oreimal wegen Körperverletzung bestrafter Mensch, mit
einem Kameraden ans der „Walhalla" kam und sich in das Ge- sprach der anderen mischte. Er wurde gleich grob und im Handumdrehen hatte er dem Jnstallateilr v. Heyn in den Leib gestochen und ihm eine lebensgefährliche Verletzung beigebracht. Der Messerheld behauptet, man habe von allen Seiten auf ihn geschlagen und deshalb habe er zum Messer gegriffen. Die Beweisaufnahme widerlegte jedoch diese Schutzbehauptung vollständig und der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu 1 Jahr Gefängnis.
* Kiel, 23. Dezeniber. Das MarinekricgSgericht verurteilte -den Obermatrosen Kürzel und den -Heizer Schelm wegen tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte, die sie wegen Nichtgrützcns anhielten, zu 1 bezw. I 1 /j Jahren Gefängnis, den Matrosen Stelzis, der Kürzel aufgeretzt hatte und das Publikum zum Angriff gegen die Vorgesetzten angcseuert hatte, zu 6 Monaten Gefängnis.
Sport.
* Homburg v. d. H., 22. Dezember. Das Gordon-Bennet- Rennen wird in der Zeit vom 15. bis 21. Juni ausgetragen werden. Die genaue Festsetzung des Tages hängt von den Dispositionen des Kaisers ab.
Kleine Chronik.
Unangenehmer Theaterbesucher. Während der vorgestrigen Vorstellung im Berliner Opernhause zielte ein im zweiten Rang sitzender ehemaliger Miitelschnllehrer mit einem geladenen Revolver auf einen anderen Theaterbesucher. Er wurde aus dem Hause eutfernt und auf die Polizeiwache gebracht, wo ein Arzt feststeüte, daß es sich um einen bösartig Geisteskranken handle. Derselbe wurde nach der Irrenanstalt Dalldorf gebracht.
Flüchtig. Nach Unterschlagung von 30 000 M. ist der 26 Jahre alte Bankbnchhalter Linsener in Berlin flüchtig geworden.
Erdstöße. Vorgestern nachmittag und gestern nacht erfolgten in Asch und in ganz Westböhmen mehrere starke Erdstöße. An mehreren Orten wurden Häuser beschädigt. Im Erzgebirge wurden mehrere Erdrisse bemerkt.
Die Liebestragödie in Zürich. Uber den bereits gemeldeten Selbstmord des Assistenzarztes am Kantonsspital vr. Hans Mahler und der Oberschwester Toni Cruse gehen zwei Versionen um, die wir beide im „Bund" finden. Zwischen dem 28jährigen Arzte und der bildschönen, aus Brannschweig stammenden Krankenpflegerin bestand ein Liebesverhältnis; nach der einen Version habe die Oberschwester geglaubt, daß sie Ursache zur Eifersucht habe; am letzten Donnerstagabend nahm sie Gift. Nach der anderen Version soll die Vorgesetzte Spitalbehörde die beiden aufmerksam gemacht haben, daß ihr Verhältnis nrit ihrer Stellung am Spital unverträglich sei; das habe zu einer Auseinandersetzung geführt, infolge deren die Oberschwester ihre Entlastung erhalten habe. Das ging ihr so zu Herzen, daß sie Hand an sich legte. Di*. Mahler wollte sie nicht überleben; tags darauf nahm auch er Gift. Vorgestern nachmittag wurde er unter großer Teilnahme der Bevölkerung beerdigt.
Dynamitattentat. Aus Charleroi, 22. Dezember, wird gemeldet: Gegen das Wohnhaus des Brauerei
direktors Vrichart in Vanverlee wurde ein Dynamitattentat verübt. Das Haus wurde vollständig demoliert. Menschen sind nicht verunglückt. Eine Untersnckuna ist eingeleitet. _
Letzte Nachrichten.
Konti nental-Telegraphen-Komvagnte.
Berlin, 23. Dezember. Nach den „Berliner Polittschen Nachrichten" erbrachten die preußischen Staatsbcchnen ln den ersten acht Monaten des Jahres 1903 im ganzen 1031 Millionen Mark Betriebseinnahmen, das ist über 86 Millionen mchr als im Vorjahre. — Der „B. L.-A." will wissen, der preußische Landtag werde aus den 16. Januar einberufen werden. — Die „Nationalzeitung" meldet, die Hochzeit des Großherzogs bon Mecklenburg-Schwerin findet Mtte Mai statt. — Ter „Vorwärts" meldet aus Crimmitschau: Ein Geheimer Regierungsrat in Dresden machte der Leitung der Ausgesperrten die Mtteilung, daß er nach Crimmitschau kommen und Vorschläge zu einer Einigung machen werde. — Das „Berl. Tgbl." meldet aus Kiel: Die Stadtkollegien beschlossen einsümmig, die Staats- regiernng um Einführung der fakultativen Feuer- b e st la t t u n g in Preußen zu ersuchen. (Damit werden sie allerdings kein Glück in einem Staat haben, in dem Konservative und Zentrumsniänner das Prä haben.) — Der „Berl. Lok.-Anz." meldet: Die Kutsch er-Aussperrung erstreckt sich nun auf 3000 bei den Mitgliedern des Verbandes der Taxameter-Droschkenbesiher beschäfsigte Kutscher. Die anderen Kutscher, die Eigentümer sind, und die Kutscher der außerhalb des Verbandes stehenden Fuhrherren fahren weiter.
Berlin, 23. Dezember. Die „Nationalztg." meldet: Der Kultusminister sagte eine wohlwollen>de ErwäMNg des Gesuches des Vorstandes des Verbandes der deutschen Nordseebäder um Verlängerung der Sommerserien an den höheren Schulen Preußens zu.
Berlin, 23. Dezember. Der „B. L.-A." nreldet aus Dresden : Ter Crimmitschau er Weber-
st r e i k hat den Wohlstand der Stadt bereits stchwer geschädigt. Bei einem Jahresumsatz der 80 Textilfabriken von über 40 Millionen Mark beträgt der bisherige Produktionsausfall über 13 Millionen Mark.
Berlin, 23. Dezember. Die „Berl. Morgenpost" meldet ans Wien: Aus angeblich guter Quelle ver
lautet, Österreich, Deutschland, Rußland, die Türkei und England teilten in den letzten Tagen der serbischen Regierung mit, ihre Gesandten würden nicht vor dem tatsächlichen Rücktritt der Königsniörder nach Belgrad zurück- kehren.
Berlin, 23. Dezember. Das „Berl. Tgbl." meldet aus Petersburg: In hiesigen Finanzkreisen wird davon gesprochen, daß die russische Regierung gegenwärtig in Berlin Sondierungen vornehmen l»sfe, um auf dem deutschen Markt ein größeres A n l e h e n unterzubringen. Angeblich handele es sich um 580 Millionen Mark. — Der „Berl. Lok.-Anz." mekdet: Me Regierung in Posen erließ an sämtliche Schulauffichüö-
beamte ihres Bezirks eine Verfügung, in der sie polnischen Lehrern die Erwerbung der Mitgliedsch«ft in polnischen Banken und die zinsbare Anlegung von Geldern in diesen Banken untersagt. Durch diese Maßregel will die Regierung die dem d«utschen Geschäftsleöen feindliche Förderung der polnischen Volksbanken unterbinden.
Depeschenbureau Herolt.
Berlin, 23. Dezember. Die endgültige Entscheidung des preußischen Staatsministeriums über die Eröffnung des preußischen Landtages ist, wie der „B. L.-A." erfährt, in letzter Stunde zugunsten des 16. Januar gefallen auf Grund des staatsrechtlichen Gesichtspunktes, daß die letzte Legislatur-Periode erst am 16. Januar einberufen wurde, weshalb die gegenwärtige Landtags-Sestion auch am gleichen Tage zu beginnen sei.
Berlin, 23. Dezember. Die Hochzeit des Prinzen Alexander von Teck und der Prinzessin Alice von Albany findet, nach einem Telegramvi des „B. am 15. Februar in Windsor statt. Der König und die Königin von Württcmbera, sowie die drei Schwestern der Herzogin von Albany wenden dazu erwartet.
Berlin, 23. Dezember. Aus K i s ch i n e w berichtet das „B. T.", daß die Rechtsvertreter der während der Krawalle geschädigten Juden bereits einen Protest gegen das Verfahren in Obesia bei Verneinung der Zeugen, sowie gegen die Ablehnung des Antrages ans Vertagung der Verhandlung zwecks Ergänzung der Voruntersuchnna eingelegt haben. In diesen Tagen wird außerdem eine Strafanzeige gegen diejenigen Polizeioffiziere und Schutzleute erstattet werden, die sich der Teilnahme an den' Krawallen und der Plünderung schuldig gemacht haben. Die Spannung in der Stadt ist sehr groß und es werden neue Krawalle befürchtet. Die Behörden uMerlassen nichts, um die Juden einzuschüchtern.
Berlin, 23. Dezember. Nach vimir Mailänder Depesche ist der Zustand des früheren Ministerpräsidenten Zanardelli infolge zunehmender Schwäche besorgniserregend.
Paris, 23. Dezember. 2500 Schweinemetzger-Ge- selten nahmen gestern in einer Versammlung, die zahlreich besucht war, eine Niesolution an, worin beschlossen wurde, hegte abend die Arbeit e i n z u st e l l e n , wenn nicht bis dahin ihre Forderungen angenommen würden. Die Bäcker sind bereits teilweise in den 9luSstand getreten. Aus Lyon wird gemeldet: Gestern veranstalteten die streikenden Färber einen Straßen- Umzug und hielten dann in der 9lrbciterbörfe eine Versammlung ab. Hierauf zogen sie wieder durch die Straßen der ©taM. Die Ordnung wurde jedoch nicht gestört. Infolge des Referendums der Färbereibesitzer haben von 9000 Färbern bereits 4000 sich jut Wiederaufnahme der Arbeit gemeldet. Infolge dessen wird wahrscheinlich die 9lrbeit heute wieder aufgenounnen.
Sofia, 23. Dezember. In seinem Expose betont der Finanzminister, daß die Negierung sich gezwungen sehe, die Steuern zu erhöhen, um nicht neue Schulden zu machen. Gleichzeitig ersucht der Finanzminister um die Bewilligung von Schatzscheinen in Höhe von 8 Mill. Auch wolle man nicht über 7% Verzinsung hinausgehen, um die schwebenden Schulden zu decken.
Konstantiuopel, 28. Dezember. Die Gerüchte, daß in einer Versammlung von Muselmännern beschlossen worden sein soll, am Bairam-Fest Demonstrationen gegen die Reform-Mächte zu veranstalten, veranlaßleu den österreichischen Botschafter, die Pforte aufzufordern, daß sie in ihrem eigenen Interesse die umfassendsten Sicher» heits-Maßregeln treffe.
bd. Berlin, 23. Dezember. Aus Düsseldorf wird gemeldet: Der Rentner Hornsberg vermachte in seinem Testament der Stadtverwaltung 100000 Mk. zur Unterstützung verschämter Armer. — Ter „B. L.-A." meldet aus Nürnberg: Der als Hasardfpieler bekannte frühere Kaufmann Neidhardt, der mehreren jungen Leuten hoheBeträge, darunter einem verheirateten Manne beim Spiel über 15 000 Mark abgewann, ist flüchtig geworden. Es sind noch andere notorische Hafardspieler in die Affäre verwickelt. Me Geschädigten sind meist Söhne hiesiger angeschener Bürger.
wb. Berlin. 23. Dezember. Die „Boss. Ztg.*' meldet an» Budapest: In dem Bahnhofe Ais bei Komorn wurde dem Postboten ein Geldbeutel mit 75000 Kronen gestohlen.
rvd. Berlin, 23. Dezember. Der „B. L.-A." meldet aus N e w P o r k : Vor einem hundertköpsigen geladenen Publikum ^and gestern in der Metropolitan-Opera die einen großen Erfolg versprechende Generalprobe zu Wagners „P a rs if a l" statt.
Kolkswirtschrrstliches.
Hanbel und Industrie.
Münster, 23. Dezember. Im landwirtschaftlichen Hauptverein für den Regiernngsbezirk Münster hielt der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins OrniS, Kanfmann Krüpcr aus Münster, einen Bortrag über „E i e r v e r k a u f nach Gewicht. Nach seinen AnSksthrungen sei eine derartige Neuerung sehr geeignet, die Geflügelzucht zu heben, da die Geflügelzüchter dann genötigt sein würden, die durch Inzucht sehr ciyartctcu Hühner durch rein- rassige zu ersetzen. In den Städten Bielefeld und Herford sei der Eicrverkaus nach Gewicht durch die Marktordnung vorgc- schrieben und bewähre sich vorzüglich. Nach einer eingehenden Erörterung wurde eine Entschließung mit großer Mehrheit angenommen, wonach der Regierungspräsident ersucht werden soll, nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß auf allen Märkten im Regierungsbezirk Münster der Verkauf der Eier nach dem Ge- wicht angeordnet werde.
Marktberichte.
Gr»ß-Gera«, 23. Dezember. Auch der letzte Ferkel) markt zeigte einen großen Verkehr. Es waren 546 Tiere ausi getrieben, die in ganz kurzer Zeit bis auf einige Springer verkauft waren. Die Preise hatten eine wesentliche Änderung nicht crlahren und kosteten Ferkel 8 bis 14 M., Springer 18 bis SO M., Einlcgschwcine 34 bis 50 M. Ter nächste »nd letzte Ferkclmarkt in öicfem Jahre wird am Montag, den 28. d. M. abgehalten »nd ist mit Sicherheit auf einen gretzen Auftrieb zu rechnen, so daß auch hier wieder der Nachfrage Ware in genügender Menge gegcnüberstehen wird.
Geldmarkt.
Frankfurter Börse. 28. Dezember, mittags IVst Uhr. Kredit- 9lklicn 217.10, DiSkznto-Kommandit 198.40, Staatsbahn 145.75, Lombarden 17.85, Lanrahüttc 289, Bochumer 191.25, Gelscn- kirchcner 219, Harpener 201.75. Tendenz: still.
Ki- Aßrn»--«»g«t»r umfaßt 16 Seiten.
Leitung: W. Schulte vom Brühl in Wiesbaden.
Sttanmoxtltycc R,dollem für HoIltjT unb 8cuiflet»n: W Schulte vom Brühl: für brn übrige» rebokN»»eIe» Im: K. Jl äff t r b t; fc die Anzeigen und NeNamr»: H. Dirnaul. Mullkch « LMMubeu.
Druck unb Verlag der L. Schrlleubcrgltzcn HchMWmtcreret In Wiesbaden-
