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fil. Jahrgang.

Erscheint tu zwei Ausgaben. — BezugS-Prei»; durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post * Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 87.

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für die Abend-Ausgabe bi» 12 Uhr mittags, für die Morgen -Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächst» erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigeu-Äufnahme an befümmt vorgejchriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, lebock nach Mogltchkctt Sorge getragen.

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Berlags-Fernfprecher No. 2958.

Mittwoch» den 23 . Dezember.

RedattionS-Ferufprecher No. 52.

1903 .

Abend-Ausgabe.

Pont MeiKmmnißwrjen in Preußen.

Der Entwurf eines neuen Ftdelkommitzgcsetzcs wird Maussichtlich noch einmal die alte Streitfrage nach der Notwendigkeit oder Berechtigung der ganzen Einrichtung aufrufen. Welche Stellung die Regierung in dem neuen Gesetze grundsätzlich einnimmt, braucht wohl nicht erst ge- zu werden.

Ganz abgesehen von >dem Inhalt des Gesetzes, muß auch seine Einbringung selbst schon anregend auf die Fideikommißgründung wirken. Mancher wird sich, ohne das Gesetz zir studieren, zur Fideikommitzgrüitdung ent­schließen, der bei unverändertem Weiterbestehen des alten Rechtes nicht daran gedacht hätte.

Liegt nun diese Zunahme der Fideikommisse, die erste und wichtigste Folge des neuen Gesetzes, im Inter­esse der Allgemeinheit? — Eine Beurteilung, die der Abg. vr. Potthvsf im Dezemberhefte der „Deutschen Wirtschaftspolitik" veröffentlicht, macht die Entscheidung Wer die Notwendigkeit oder Zweckmäßigkeit einer Ver­mehrung der Fideikommisse in erster Linie abhängig von der Vorfrage: Welche Bedeutung haben die Fidei­kommisse heute schon in Preußen?

„Am Schlirsse des Jahres 1900 umfaßte die Gesamt­fläche der Fideikommisse in Preußen 2,2 Millionen Hektar oder 6,2 Prozent der Gesamtfläche des Staates mit einem Grundsteuerreinertrage von 26,7 Millionen Mark — ö Prozent desjenigen der gesamten Staatsfläche". Diese Gesamtfläche verteilt sich bekanntlich sehr ungleichmäßig auf die eiirzelnen Teile des Staates. Der Anteil des fldeikommissarisch gebundenen Besitzes am gesamten Grundeigentum steigt bis auf V, bei den Provinzen, Vs bei den Regierungsbezirken, % !bet einigen Kreisen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß bei den Fidei­kommissen der Waldbestand eine wesentlich größere Rolle spielt als beim ungebundenen Besitz, und daß für Wal­dungen die Festlegung zusammenhängender Flächen in einer Familie noch eher gerechtfertigt ist als bei land­wirtschaftlicher Flüche, da Waldfläche „im Großbetriebe besser zu verwerten ist und bei garantierter Dauer des Besitzes in derselben Hand weniger leicht dem Raubbau ««fällt."

Auch unter Berücksichtigung dieses Umstandes wird m zu dem Ergebnis kommen, daß der Anteil der Fideikommisse an der gesamten Grundfläche zweifellos genügt, um die im Jutcresse der Gesamtheit etwa wün­schenswerte Zahl von „hervorragenden Familien in ihrem

Glanze zu erhalten". Jede Vermehrung und Be­günstigung der Einrichtung müßte daher mit z würgenden Gründen zunächst gerechtfertigt werden,) denn daß für die Landeskultur, die Bevölkerungsdichtigkeit usw. die Fidei­kommisse besonders vorteilhaft wirken, läßt sich doch im Ernste nicht behaupten. Der Beweis für die Notwendig­keit einer Vermehrung der Fideikommisse fehlt nun in der amtlichen Begründung: die folgenden Erwägungen aber führen mit einiger Bestimmtheit zu der entgegen­gesetzten Forderung.

1. Die Zahl der Fideikommisse ist auch unter dem bisherigen Gesetze schon in ständigem Wachsen begriffen. Falls also wirklich ein Bedürfnis nach Vermehrung der Fideikommisse bestehen sollte, was von der überwiegenden Mehrheit der Volkswirte und Politiker sicherlich ver­neint wird, so würde die schon jetzt bestehende Zunahme von durchschnittlich 15 000 Hektar jährlich diesem Bedürf­nisse sicher genügen.

2. Der mehrfach angedeutete Zweck der Fideikommisse kann naturgemäß nur erreicht werden, wenn das ge­bundene Gut eine bestimmte, nicht unbeträchtliche Größe erreicht. Es ist ja auch eine bekannte Tatsache, daß die meisten Fideikommisse sich in der Klasse des Großgrund­besitzes finden, ihre Inhaber Angehörige des hohen und niederen Adels sind: Unter den 983 Ftdeikommiß-Jn- habern, die am Schluffe des Jahres 1899 innerhalb der preußischen Monarchie ermittelt waren und deren Besitz 1102 Fideikommisse umfaßte, befanden sich, abgesehen von 24 Mitgliedern regierender Häuser und 38 deutschen Standesherren, 26 Fideikomnnßbesitzer aus fürstlichen Häusern, 243 Grasen und 556 sonstige Adlige, während nur 97 bürgerliche Fideikommißbesitzer vorhanden waren.'

Im Osten war von den großen Gütern schon 1886 ein sehr erheblicher Teil, bei den größten rund die Hälfte, fideikommissartsch gebunden. Das sollte doch auch dem rabiatesten Verteidiger des Fideikommißwesens als einer Stütze des Glanzes hervorragender Familien genügen.

8. In den letzten Jahrzehnten zeigt die Statistik eine sehr bemerkbare Tendenz zur Schaffung kleinerer Fidei­kommisse. Am deutlichsten zeigt sich das bei den adligen Fideikommissen in den sieben östlichen Provinzen Preußens.

Diese Entwickelung ist sehr bedenklich, denn — was man sonst auch Schlimmes gegen den Großgrundbesitz sagen mag — die Nachteile des Fideikommißwesens treten bei Latifundien am wenigsten in die Erscheinung, weil diese ihrer Größe wegen verpachtet oder administriert, also im allgemeinen auch dann sachgemäß bewirtschaftet wetzden, wenn der Inhaber des Fideikommisses keine

Oie Kevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(60. Fortsetzung.)

^ Andern Tages kamen dann ruhigere Erwägungen.

sollte Gewißheit darüber haben, wer Gottfried bei- ^ Behörden denunzierte, und zu schicklicher Zert stellte üblich auf dem Landratsamte in Mühlbach ein.

Herr von Rettern-Zackerlin empfing sie mit Zuruck- _ tung.

^ »Haben Sie etwa wieder die Absicht, mich ans Den ^chaafsberg zu schicken?" frug er. „Nun, ich weiß jetzt ^Rebellen auch ohne Ihre werte Mithülfe naher zu ^°en. Sie haben ja vorgestern erst einen Beweis davon galten, daß man da nicht weit zu gehen braucht 9

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öMng Ihnen zu verdanken?" sagte sie mit erhobener Mwle. „Das wäre allerdings eine echt ritterliche Wt dafür, daß ich Ihnen und den« Vaterlande gefällig «n wollte und daß Sie dann, ohne meine Schuld, einen

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ärgerlichen Mißerfolg hatten. . , , . .

.. »Sollten Sie wirklich so unschuldig daran sein, daß ™) mit leeren Händen von meiner irächtlichen Exkursion ^kehrte, zu der Sie mich listig ansüfteten? Die Tat. ■I daß Ihr eigener Vetter und Hausgenosse sich alo höchst verdächtige Persöiüichkeit entpuppte, lbrrcht i.“- 1 Sie, mein Fräulein, und ich habe es bereits bitter daß ich Ihrer Ml sich sehr liebenswurdrgen Person- ^est Vertrauen schenkte." ^ y _ 6 A _.

:• "@te haben es keiner Unwürdigen geschenkt , heuchelte opi wenn Sie wüßten, wie oft ich nur int ftiucri Mgt habe: Dieser arme, liebenswürdige Herr Landrat I L5 lst er in Nacht und Nebel auf die Rebellenjagd ge- Mn und erntet nichts als Spott und Hohn dafür., Es doch bekannt geworden, daß Ihre Bemühungen der- waren. So was spricht sich immer bald rund, was kann ich dafür, daß die scheußlichen Rebellen SSW Wind von Ihrer Absicht bekommen haben, oder mich vielleicht gar verhört habe, als ich damals das tx.» wch der beiden Männer an der Hecke belauschte, ^ch ® "L-j'&nen nützlich sein, und nun ernte ich Vorwürfe Mißtrauen. Das schmerzt, Herr von Rettern, ,ba* M sehr." Sie sagte das so wehmütig, daß die kühle Haltung des Landvats zu schmelzen beaann.

„Sollte ich Ihnen wirklich Unrecht tim, Fräulein von der Pforten?" srug er, sie forschend betrachtend.

„Ja, Sie tun mir Unrecht," entgegnete sie mit un- schuldigem Augenaufschlag. „Oder genügt es Ihnen nicht als Beweis, wenn ich Ihnen sage, daß wem Unglücks- Vetter unser vatriotisches Haus sogleich verlassen mutzte und daß ich nichts tat, um ihn zurückzuhalten?"

„Hm, das läßt sich hören," äußerte er. „Nun, seines Bleibens wäre wohl nicht lange mehr gewesen. Er ist Hannoveraner und der Umstand, daß verdächtige Schriften bei ihm gefunden wurden, genügt, um ihn als lästigen Ausländer auszuweisen."

Sie erschrak, doch faßte sie sich schnell und lachte: „Mso das ist die Wsicht. Gestehen Sie's, Herr Landrat, daß Sie es waren, der mir meinen Vetter beseitigen wollte. Ah, jetzt wird mir die Sache klar! Und ich, ich glaubte eine ganz andere Fährte zu haben, ich hatte einen ganz andern im Verdacht. — Nun, so will ich Ihnen denn bekennen, daß ich mir persönlich gar nichts daraus mache, daß Gottfried nicht mehr bei uns ist, gar nichts! Aber das sage ich Ihnen, daß ich es schändlich finde, wenn solcher Absicht wegen diese Blamage der Haussuchung für unser HanS inszeniert wurde, ivenii man einen patriotischen Mann, wie es mein Vater ist, durch ein solch' unmotiviertes Vorgehen in der tiefsten Seele kränkt und trenn man ihm imn am Ende gar noch die Schande antun will, seinen Neffen des Landes zu verweisen. Nur zu, nur'so weiter, Herr Landrat! Oh, ich verstehe! — Und ich, ich konnte mir einbilden, in Ihnen einen Ritter und Freund gefunden zu haben, ich konnte Ihren Ver­sicherungen Glauben schenken! Oh — oh!"

„Ich versichere Ihnen, mein Fräulein, daß ich an dieser Affäre völlig schuldlos bin. Die Denunziation ging von ganz anderer Seite aus," verteidigte sich der Beamte.

„Wenn ich Ihnen das glauben soll, so beweisen sie e? durch die Tat."

„Wie könnte ich das?"

„Einfach dadurch, daß Sie unserm Hause nicht den Schimpf antun, daß nach allem, was schon_ geschehen ein so naher Verwandter meines Papas ausgewiesen wird — .Wie schon gesagt, inir persönlich ist die Wwesenhei: Gottfrieds nicht schmerzlich. Meinethalben kann er in Rom oder in Memel leben, aber es ist genug, daß er aus

Ahnung von der Landwirtschaft hat: „wie das denn wohl zu Zetten kommen mag". Wo es sich aber um kleinere Güter handelt, bei denen der Besitzer im allgemeinen auf Selbstbewirtschaftung angewiesen ist, wird durch die ge­setzliche Voransbesnnnnun g des Inhabers atif lange Zeit hinaus die Auswahl eines tüchiigen Wirtschafters nahezu ausgeschlossen oder vom Zufall abhängig gemacht. Zu­gleich dürfte bei kleineren Betrieben mehr als bei Lati­fundien die wirtschaftliche Schwäche sich empfindlich! gel­tend machen, die in der durch die engen Schranken der Verschuldung bewirkten Kreditunsähigkeit liegt.

Die neue Ordnung wird dahin wirken müssen, die schon jetzt bestehende Neigung der selbstwirtschafteuden Gutsbesitzer, ihre Güter fideikommiffarisch festzulegen, erheblich zu stärken, eine Entwickelung, die zweifellos nicht im Interesse der deutschen Volkswirtschaft liegt.

Jur Fuge in (Mafien.

hd. Berlin, 22. Dezember. Die neuesten Depeschen über die Lage in Ostasien lauten alles andere als be­ruhigend. In London wird die Situation in Japan, nach einer Depesche des „B. T.", als äußerst gefährlich angesehen. Die täglich steigende Versicherungsprämie gegen Kriegsgefahr wird als bester Maßstab hierfür be­trachtet. Japan ist es offenbar gelungen, für den Kriegs­fall die öffentliche Meinung für sich zu haben. Nach Depe­schen aus Schanghai konzentriert England seine Flotte vor Wei-hai-wci. Rußland lasse jede Unze Gold ausprügen. Es kaufe Münzmaschinen in England und präge auch privatim in Brüssel. Chirurgische Instrumente werden von Rußland und Japan in großen Quantitäten in England gekauft. — Wie dem „B. L.-A." aus Lon­don gemeldet wird, erhielten dortige Blätter Nachrichten aus Tokio, die japanische Regierung habe Befehl gegeben, alle Trockendocks für die Flotte bereit zu halten. Einem Gerücht zufolge werden die japanischen Transportschiffe bei Hiroschima konzentriert. Der chinesische Gesandte in Tokio soll seiner Regierung telegraphiert haben, der Krieg stünde unmittelbar bevor. — Nach einer Meldung aus Paris sind, nach privaten Meldungen aus Tokio, die japanischen Vertreter im Anslande vertraulich ver­ständigt worden, daß der gute Wille des russischen Ge­sandten Rosen zur Beilegung der schwebenden Streit­fragen nickst zu bezweifeln sei. Auch der Statthalter Alexejew zeige bis zu einem gewissen Grade Entgegen, kommen.

M. London, 22. Dezember. „Daily Mail" berichtet aus Peking, der französische Gesandte habe erklärt,

unserm Hause ausgewiesen wurde. Mehr hat er wahr­haftig nicht verdient."

„Hm, ich bin allerdings zum Bericht über ihn auf- gefordert worden. Aber was könnte ich zu seinen Gunsten Vorbringen?"

„Zunächst, daß es sehr unpolitisch war, durch die Haussuchung in unserm Hause einen einflußreichen und königstreu,en Mann zu verletzen, zumal in einer so gärenden Zeit, wie die jetzige. Zum andern, daß sich der verdächtige junge Herr schon durch den Nachweis staats­gefährlicher Treiberei, wie es doch die Verbreitung des revolutionären Liedes war, in patriotichem Sinne ver­dient gemacht habe, drittens, daß der Besitz einiger nicht zensurierten Schriften bei einen: sonst einwandfreien Studenten zwar bedauerlich sei, aber noch keinen Beweis liefere, daß der Betreffende eine staatsgefährliche Persön­lichkeit wäre, daß vielmehr Ihre Erhebung die politische Harmlosigkeit des Herrn Gottfried Hülskamp ergeben habe."

„Donnerwetter!" rief der Landrat verwundert, „Sie reden ja für Ihren Herrn Vetter wie ein Adpokat."

„Nicht für den Vetter, sondern für die Sache und nur um eine hochlöbliche und hochweise Regierung wieder ein­mal abzuhalten, eine Dummheit zu begehen."

„Nun, ich werde Ihre Vorschläge in Überlegung zichen. Und was wäre mein Lohn für eine derartige Verwendung meinerseits?" frug er zögernd, aber mit einem dreisten, verliebten Blick in ihr erregtes Gcsichtchen.

„Ihr Lohn? Ist es nicht Lohn genug, wenn ich Ihnen verzeihe, daß Sie Zweifel in meine Absicht setzten, verzeihe, daß Sic den häßlichen Verdacht gegen mich hegten, ich hätte Sie boshafter Weise auf den Schaafsberg geführt? Finden Sie überdies Ihren Lohn in der Tat­sache, 'daß ich Sie jetzt wieder für den liebenswürdigen und ritterlichen Herrn halte, der mir vordem so wohl­gefiel."

„DaS läßt sich immerhin schon hören", schmui^eltc er. „Aber dies eine werden Sie mir für heute auch nicht ver- sagen." Er ergriff ihre Rechte, streichelte flüchtig darüber sin und drückte einen Kuß darauf.

„Sie sind ein Schwerenöter, Herr Landrat", sagte sie lächelnd. „Ach, ich bin nun doch wirklich froh, daß ick: Sie wegen der Haussuchung in einem falschen Verdacht hatte. Plan wollte diese häßliche Sache noch einem andern