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21 wöchentlich 12 Ausgaben. „T-gbl-tt^aug" Nr. 6 K 50 -S 3 .

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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

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Donnerstag» 23. September 1913.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 444. ♦ 63. Jahrgang.

Das Oardanellengrab.

Ein Heer von einer halben Million will die englische Regierung, so versichern Londoner Blätter, nach dem Dardanellen schassen, um mit ungeheuren Kräften die Lösung der Ausgabe zu versuchen, an der sich die Engländer und ihre mehr oder minder farbigen Hilfstrupipen seit dem Frühjahr in immer erneutem Ansturm verbluten. Woher die halbe Million kommen soll, weiß freilich niemand, es sei denn, daß man in Eng- land die allgemeine Wehrpflicht einftrhrt, wozu noch zu bemerken wäre, -daß man die Dardanellen nicht mit der Wehrpflicht, sondern, wenn es überhaupt möglich wäre, höMtens mit den ent'prechenden Massen aus- gebildeter Truppen und mit dem entsprechenden Einsap von Flottenkrästen nehmen könnte- Oder hofft man, daß, nachdenr die Iren, die Australier, die Neuseeländer, die Inder und die Franzosen sich auf Äallipoli verblutet haben, nunmehr die Italiener doch noch, dem britischen Druck weichend, sich zu diesem tür­kischen Abenteuer verstehen werden?

Aber wie dem auch sei, ob noch eine Portion farbi­ger oder nichtsarbiger Hilfstruppen auf der blutgetränk­ten Halbinsel aufmarschieren wird, so kann das doch an der Tatsache nichts mehr ändern, daß die Dardanel- lenaktion endgültig gescheitert ist- Ja, es ist heute kaum zu begreifen, wie die Strategen 'des Kabinetts Asguith sich jemals einroden konnten, daß ihnen, besonders angesichts der Abneigung, einen wesentlichen Teil der britischen Flotte bei di-es-em Ver­such einzusetzen, ein solches Unternehmen je gelingen "önnte. Man -kann wohl auch heute getrost sagen, daß sie sich das nie eingeredet haben, und daß die Ab- '.rchung innerhalb des Dreiverbandes, wonach Kon- rntiuopel und die Meerengen -dem Zarenreiche zu­llen sollen, nichts war als Land in die Augen ir Nikolaus und seine lieben Russen.

Die Herren Grey, Churchill, Asguith und Genossen -linden es sich wohl selbst gehörig verbitten, daß sie .>rcn Landsleuten dies ungeheure O v f e r für u s s i s ch e Interessen zugeurutet batten. Eng- >.mds Politik ist heute durchsichtig genug. Es leitete -die .Iktion gegen die Dardanellen nicht ein, um den Russen ur Erreichung desjenigen Zieles zu verhelfen, welches England seit Jahrzehnten leidenschaftlich bekämpft hatte, nämlich Konstantinopel unter das nioskowitische Joch zu bringen, sondern lediglich, um die Türken vom S u e z k a n a I und Ägypten abzulenken, wohin diese bereits ihren Bovinarsch angetreten hatten. Nebenbei verfolgte man, da die britische Diplomatie überhaupt gern zwei Fliegen mit einer Kappe schlägt, dabei das Ziel, einen verstärkten Druck aus die heiß umworbenen Balkan st aaten auszuüben. Das erstere gelang, Jas zweite mißlang. Jmuierhin, England konnte - riuniiphieven, denn die Türken hatten den H a n p t- ieil ihrer -Streitkräfte nach den Dardanellen u r ü ck n e h m c n müssen. Allein „den Bösen seid ihr 's, die Bösen sind geblieben." Die aus Tripolis fort- a-ezogienen Senussi hatten sich aus den Kriegspfad gagen England begeben und bedrohten deren Stellungen in Ägypten und am Suezkanal- Da griffen die Londoner Staatsmänner zu einem neuen Trick. Sie zwangen durch die Verweigerung von Geld und Kohle Italien zur Kriegserklärung gegen die Pforte und erstrebten und erreichten damit, daß die Senussi wieder nach Tripolis zurückzogen, wo man -die Reste der italie­nischen Herrschaft in bälde begraben wird. Daß die Engländer nach alledem die Italiener auch noch zwin­gen wollen, neue Truvpenmassen in dem Dardanellen- arab beizusetzen, das ist wirklich roh, aber die treulosen Italiener haben es nicht besser verdient.

Aber ob auch neue Scharen farbiger und nicht far­biger Engländer oder Italiener nach Gallipoli geschafft werden sollten, die Partie ist verloren, und das weiß man auch in England. Wenn man die hoffnungs­losen Versuche trotzdem noch sortsetzt, so -geschieht -das lediglich in -der Erwägung, -daß die türkischen Truppen, die an den Dardanellen fest-gehalten werden, nicht nach Ägypten marschieren können. Und im übrigen, was liegt England an den Hekatomben, welche am Hellespont die Neuseeländer, Austr-alier, Franzosen, Italiener und Genossen dardring-en. Es ist sogar da­mit zu reckmen, daß demnächst der Sturm aus die Darda­nellen mit erneuter Heftigkeit einsetzen wird, denn es naht die Zeit heran, wo -höhere Gewalt, wo -das Wetter diesem Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt ein Ziel setzen -wird. Den Versuch, mit Hilfe der Flotte durch die Meerenge selbst durch­zubrechen. hat England seit dem Auftreten unserer Unterseeboote auf dem Dardanellenkriegss-chau- platz wohl oder übel aus-geben müssen. Zu Lande haben sie zwar etwas Terrain gewonnen, soweit sie durch die schweren Geschütze -gedeckt wurden. Wenn aber jetzt im Herbst die der Äanruoktia-litürme ein­

setzt, wird für die gelandeten oder noch zu landenden Truppen, die völlig aus die Munftions-, Proviant- usw.° Zufuhr von der See aus angewiesen sind, die Lage höchst kritisch, da der Verkehr -der schwer beladenen Boote und Leichter bei -einigem Seegang besonders an­gesichts eines mit Artillerie versehenen Gegners so gut -wie unmöglich wird. So geht das Dardanellenabenteuer bald seinem Ende entgegen und eben deshalb dürfte man in letzter Stunde, um wenigstens etwas „Prestige zu retten", Wohl noch einige kräftige Kanonaden und Vorstöße zum besten geben. So könnte die Rühe, -die zurzeit an den Dardanellen herrscht, Wohl die Stille vor oe-m Sturm sein, aber auch vor dem Aguinok- tialstur-m!

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Der frühere bulgarische Generalissimus nach Sofia berufen.

Genf, 23. Sevt. (Zens. Bln.) Hierher wird die Berufung des früheren Generalissimus der bulgarischen Armee, Sawow, nach Sofia gemeldet. Man bringt diese Berufung mit einer für Sawow bestimmten Aufgabe in Zusammenhang.

Bulgarien übt vorläufig bewaffnete Nentraiität.

Radoslawow über die Beziehungen zu den anderen Ballan- staaten.

W.T.-B. New York, 23. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Associated Preß" m-eldct aus Sofia: Ministerpräsident

Radoslawow hatte vorgestern eine Besprechung mit den Regierungsparteien, in der er ihn-cn einen vertraulichen Über­blick über die allgemeine politische und militärische Lage aus der Balkauhalbinsel und in Europa gab und aussührte, daß Bulgarien n-uumehr bewaffnete Neutralität übe. Bei der Berührung der serbisch-bulgarischen Be­ziehungen sagte Radoslawow: Serbien bietet uns jetzt die so­fortige Besetzung von Mazedonien bis zum Wardar durch uns an. Serbien macht die Abtretung von Mazedonien jenseits der Wardar davon abhängig, daß es selbst Bosnien, die Her­zegowina, Kroatien und Dalmatien erhält. Diese Bedingun­gen sind für uns ungenügend. Rumänien und Grie­chenland werden neutral bleiben. Der Minister sprach nicht von Kawalla und Sercs, die jetzt im Besitze Griechen­lands sind. Das Übereinkommen mit der Türkei sei von den beiderseitigen Staatsoberhäuptern sanktioniert. Bul­garien bekommt etwa 3000 Quadratkilometer, kauft die Eisen­bahn ab uud wahrt mit der Türkei die freundschaftlichsten Be­ziehungen.

Bulgarien will die Erinnerung von 1913 ausgeriigt sehen.

Br. Sofia, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Das halbamtliche „Echo de Bulgare" schreibt: Während man uns einerseits cinreden will, daß Serbien die Note des Merverbauds annimmt und damit die bulgarischen Forde­rungen erfüllt, betont man andererseits die unerschütterliche Bündnistroue Griechenlands zu Serbien und die Not­wendigkeit für beide Län-der, -eine gemeinsame Grenze auch in Zukunft zu behalten. Unter diesen Umständen braucht man nicht nach dem zukünftigen Wege Bulgariens zu fragen, der liegt offen da. Die Lehre von 1913 ist so hart für uns gewesen, daß sie uns von unserer Sentimentalität geheilt hat. Die Betonung des Bestehens des griechisch- serbischen Bündnisses in einem Augenblick, wo es sich darum handelt, die Balkanfrage zu regeln, ist ein bezeichnender Hinweis auf die Verfassung, in der sich Griechenland und Serbien befinden. Friede und Sicherheit kann auch im Balkan erst dann herrschen, wenn die Erinneruu-g von 1913 voll­kommen ausgetilgt sein wird.

Kundgebungen der bulgarischen Studenten in Berlin.

Für Bulgarien und für Deutschland.

W. T.-B. Berlin, 23. Sept. (Nichtamtlich.) Die bulgari­schen Studenten in Berlin begaben sich in oorpors auf die bulgarische Gesandtschaft, um ihre pattiotischen Gefühle auszudrücken, ehe sie zu den Fahnen eilen. In der Gesandtschaft empfing Exzellenz Rizow die Studenten, in deren Mitte sich auch ein Sohn des Ministerpräsidenten, Stud. jur. Radoslawow, befand. Nitfchkoff, Sind, jur., be­glückwünschte namens der Erschienenen den Gesandten Bul­gariens, Gesandter in Berlin gerade in dem Augenblick zu sein, da unter dem Beifall Deutschlands die mazedonische Heimat des Gesandten für Bulgarien zurückgewonnen werden solle. Die bulgarische Studentenschaft werde ihrer Dankes­schuld an Deutschland und besten gastfreundliche Hauptstadt stets eingedenk bleiben. Mit einem brausend aufgenommenen Hoch auf das große vereinigte Bulgarien, den König Ferdinand und die bulgarische Armee schloß die Ansprache. Die Abord­nung begab sich darauf nach dem bulgarischen Konsulat, wo Stud. med. Ftitscheff sagte, die bulgarische Jugend trete mit Begeisterung und mit der festen Hoffnung auf den Sieg der gerechten Sache in die Aktion für die Verwirklichung des nationalen Ideals, erfüllt und beseelt von dem glorreichen Beispiel deutscher Einigkeit sowie deutscher Disziplin, und an- gesporni durch das warme Interesse des großen Deutschlands an den Schicksalen Bulgariens. Die Rede klang in ein be­geistertes Hoch auf Kaiser Wilhelm, die kaiserliche Frmnlie und ganz Deutschland aus.

vie Gesandten des vierverbanües beab­sichtigen Sofia zu verlassen.

Berlin, 23. Sept. (Jens. Bln.) Daß die Gesandte« des Bierverbandes demnächst aus Sofia abberufen werden» meldet dem „B. T." zufolge der Bukarester „Seara" mit de« Zusatz, die englische Gesandtschaft habe ihre Aktive zunächst nach Saloniki schaffen lasten.

Die Wut über Bulgarien in Italien.

Br- Lugano, 23. Sept. (Eig. Drcchtbericht. Zerrs. Bin.) Die Nachricht von der Mobilmachung Bul­gariens hat die italienische Presse in größte Auf­regung versetzt. Die Blätter ergehe« sich iu deu wütend st eu Drohungen und Schmäh uugeu gegen die bulgarische Regierung. Die „Jdea Nationale" will von einem Ultimatum Bulgariens an Serbien wissen, das am 23. September, abends 6 Uhr» abläuft.

venizelos auf dem Wege zur alten Politik' Der neue Gegensatz zwischen Negierung und «Snig.

W. T.-B. Athen, 23. Sept. (Nichtamtlich. Van eine« Privatkorrespondmrten des W. T.-B.) Die verschiedenen Ver­fahren, deren sich Venizelos bedient, um unauffällig in die Bahn seiner kriegerischen Märzpolitik zu-, rückzugelangen, erregen hier in weiten Kreisen enrflnßveichey Politiker des Volkes größtes Mißfallen, besonders» nachdem Venizelos sie durch seine Äußerung gegenüber dem Vertreter des „Petit Parisien", daß er schon -den Weg zu! seiner ehemaligen Politik zurückfinden werbe, bestätigt hat. Die Lage erinnert cm diejenige vor Venizelos' Rücktritt iM März. Märchenhafte Nachrichten über türkische Niederlagen, Verfolgungen der Griechen in Kleinasi-en, in Verbindung mit Verdächtigungen Deutschlands und Österreich-Ungarns, bilden den Inhalt -der Venizelos-Preffe. Allerdings besteht de« Unterschied, daß sie und Venizelos seitdem die Hälfte ihres Einflusses verloren haben. Weite Kreise sind der Ansicht, daß Venizelos -bereits den Beweis geliefert habe, daß er n i ch t beabsichtige, die hauptsächlichste Verpflichtung, bte er seit der Bildung des Ministeriums übernommen hat, närnlich Wahrung der Neutralität, zu erfüllen. Das führende Oppo­sitionsblatt ,.N-ea Jmera" drückt diese Ansicht aus, indem es feststellt, daß der latente Gegensatz zwischen der Krone rrntz Venizelos -wieder zutage getreten sei.

weiteres von der Stimmung in Griechenland

Sr. Athen, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln§ Der Abschluß des türkisch-bulgarischen Abkommens war hie« schon seit langer Zeit ein so offenes Geheimnis, daß di« Meldung über die stattges-undene Unterzeichnung hier ganz gleichgültig ausgenommen wurde. Mit besonderem In­teresse wird die Haltung Rumäniens verfolgt. Es ver, lautet, daß die letzten Schritte der Entente sowie die Versuche der griechischen Regierung, mit Rumänien «ine engere Fühlungnahme herbeizuführen, an dem Festhalten Rumäniens an der Neutralität scheiterten. Die bevorstehenden Vor­schläge der Ententemächte an Griechenland lassen drö öffentliche Meinung ebenfalls kalt, indem sie nur mehr als eine verzuckerte Pille für Griechenland und als ein letzter Versuch gelten, der dem Vierverbcmd nicht mehr helfe« kann. Selbst die Venizelos-Blätter betonen, daß de« Heraustritt aus der Neutralität jetzt, obwohl Venizelos <m! seiner eigenen Politik festhält, -unmöglich sei. Die ganze Aniivemzolistenpreffe aber ergeht sich in heftigen Be- schwerden gegen die Entente. Das Blatt „Embros" schreibt in einem Leitartikel, -daß Griechenland mehrvonDeutsch, land als von England erwarten dürfte, und daß die Be­fürchtung einer Ausrottung des Griechentums bei der Vor­herrschaft Deutschlands auf dem Balkan und in der Türckei lächerlich sei.

Die nordepirotischen Abgeordneten wollen in Athen anerkannt werden.

W. T.-B. Saloniki, 23. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Demnächst wird eine nordepirotische Abordnung nach Alben abgehen, um die Erklärung abzugeben, daß die Regie­rung, falls sie die nordepirotischen Abgeordneten nicht anerkenne, sich auch fernerhin nicht mehr mit der Ange­legenheit des betreffenden Gebiets befassen möge.

Die englische Gewaltherrschaft auf griechisch«« Insein.

Wien, 22. Sept. (Jens. Bln.) Aus Saloniki wird der Politischen Korrespondenz gemeldet: Wie sehr sich diel Engländer als Herren der Ä-gäischen Inseln betrachten, be­weist die Rücksichtslosigkeit, mit der sie Griechenlands amtlich« Organe behandeln. Bukalaris, Gendarmeriehauptmcmn vonl Tenedos, wurde während Ausübung seines Amtes von einem! englischen Offizier mit dem Revolver bedroht, festgenommen und gewaltsam von der Insel entfernt. Es handelte sich um! die Verhaftung eines griechischen Flüchtlings, den der Eng­länder durch eine englische Patrouille befreien ließ. Auf Lemnos wurde die Landung einer größeren Gendarmerreab- teilung durch die englischen Militärbehörden von Mudros verhindert.

Lin deutscher Goldiransport durch RumSnien nach der Türkei.

Berlin, 23. Sept. (Zens. Bln.) Wie Bukarester Blatte, berichten, soll dieser Tage durch Rrnnänien ein deutsche»