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Erschein» m zwei Ausgabe». — Bezugs PreiO; durch den Verlag SO Psg. Monatlich, durch di« “ " 1 Mk. SO Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Berlag: Langgasie 27.

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m für die «bent». Ausgabe bi, 12 Uhr mittag», für die Morgen-«««gäbe bi» 3 Uhr nachmittag». — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächst.

erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgejchnebenrn Tagen w»rd feine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragm.

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Berlass-Fernfprecher No. 2953.

Dienstag» den 22. Dezemdrr.

Redaktions-Fernlprecher Ro. 5».

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Mandschurei, Korea und Met.

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Wird es in Ostasien zum Kriege kommen ober wer- sjch die beiden Hauptkonkurrenten um die Erbschaft M, Rußland und Japan, jchiedlich-friedlich vertragen? Diese Frage harrt noch immer der Antwort. Mag aber die Antwort so oder so cmssallen, so steht doch eines schon jetzt fest, daß China die Zeche des Streits be­zahlen wird, und zwar in noch größerer Münze, als es der Mandschurei-Korea-Streit an sich bedingen würde. Denn schon ist als Dritter im Bunde England auf den Plan getreten, um sich im Hochland von Tibet für die Er­folge Rußlands in der Mandschurei und Japans in Korea schadlos zu halten.

Daß das chinesische Riesenreich, welches mit seinen Nußenländern über 11 Millionen Quadratkilometer um­faßt, d. h. noch um 1 Million Quadratkilometer größer st als Europa, denr allinählichen Zerfall entgegengeht, dm zunächst seine Außenländec zum Opfer fallen wer­den, kann füglich nicht mehr bezweifelt werden. Durch den japanischchinesischen Krieg von 1804/95, der durch den Streit um Korea entstanden war, verlor China seine Ansprüche auf Korea, wenn auch Japans koreanische Pläne durch den Einspruch der Mächte, welche Korea zu einem „unabhängigen" Kaiserreich machten, vereitüt toirben. Aus dem gemeinsamen Feldzug der Mächte per: China vom Jahre 1900 entwickelte sich der Vorstoß mßlands gegen die Mandschurei, wo es sich im Laufe dieser drei Jahre so festgesetzt hat, daß die Mandschurei sich langsam, aber sicher zu einer russischen Provinz enr- bilkelt. Und jetzt meldet sich als Dritter im Bunde Eng­land, welches die Beschäftigung Rußlands in der dschurei und seinen Konflikt mit Japan benutzt, um lange geplanten Vorstoß in das Hochland von Tibet Mtzuführen. dessen äußerster westlicher Zipfel bereits Bntisch-Judien gehört.

Kn allen diesen drei Fällen handelt es sich um Ge­bete von ungeheuerer Ausdehnung. Tie Mandschurei 939 280 Quadratkilometer mit Wer 6ss> Millionen »hnern. Das Kaiserreich Korea ist kleiner an Um- , aber größer an Einwohnerzahl; es umfaßt ein Ge- von 218 200 Quadratkilometer mit einer Bevölke- , die auf nahezu 10 Millionen geschätzt wird. Das and von Tibet endlich, in welches soeben eine eng- Expedition vordringt, zerfällt politisch in drei Teile, äußerste westliche Zipfel gehört unter dem Namen ch zu Britisch-Jndien und der östliche Teil zur sischen Provinz Sze-tschwan. Der Hauptteil des >larides Tibet aber gilt als sogenanntes chinesisches

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1901

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Oie Nevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(59. Fortsetzung.)

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ote Briefpost in Wirksamkeit trat. Wie Agnes gegen den M lockte, indem sie Herrn Manuel Bescheid sagte. Wie sie ^verrn v. Rcttern-Zackerlin wiederum heimsuchte und diese» "“ten bewog, ihren Beiter Gvttsried amtlich sür einen nüy- t ernstlich zu fordernden jungen Mann zu erklären. Wie "rauf den Mähnen diente und dem Herrn v. Kleibach eine böse Suppe einbrockte.

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Eine Beruhigung war Agnes bald geworden. Schon 5 Morgen des übernächsten Tages, an dem Gottfried Msbusch unter so ärgerlichen Umständen verlassen -■entdeckte sie neben dem Gartentorpfeiler ein großes >vkenhmls, das Zeichen, daß der Engels-Pittcrs-Ober- , einen Brief in den Weidenstumps hinterlegt, habe, liebte cs, sich täglich ein Wertelstündchen in den en oder die einsame Straße lang zu ergehen, und 1 es weiter nicht auf, daß sie bei dem schönen, trockenen rlerwetter, einen. Baschlik um den Kopf, allein die dahinschlcnderte. Sie fand den Brief in der ^ ^n.en abgebrochenen Aststumps unauffällig Ver­ben Höhlung vor und konnte es kaum, erwarten, Mfn. Daheim schloß sie sich in ihrem Ziamnerchen ish? öffnete ihn mit zitternden Händen, nachdem sie ouchpg ihre Lippen darauf gedrückt hatte, toar^ein ausführliches Schreiben. Gottfried

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strg ihre Lippen darauf gedrückt hatte, var ein sehr ausführliches Schreiben. ^ .

I{ - daß er, obgleich noch keine zwanzig Stunden !>en feien, doch schon eine große Sehnsucht, nach sich empfände und daß ihn all die Arbeit, die ihn all das Neue, das ihn bedrängen würde, wohl ,dold von dieser Sehnsucht heilen könnten. Ihr ^ Zusammensein, ihre gemeinsamenllnterhaltungen, vsame Pläne und Arbeiten hätten ihn so fest mit elt "einen Kameraden verknüpft, daß ihm- Agnes ^ Innenleben geradezu notwendig geworden sei.

sie sich denn darauf gefaßt machen, daß sie sehr den Gang nach dem Weidenbaum unternehmen denn alles, was ihn bewege und was er erlebe,

Nebenland und umfaßt 2 109 000 Quadratkilometer mit zirka 2s^ Millionen Einwohnern.

Das erste dieser drei Gebiete, die Mandschurei, ist für China endgültig verloren, denn die wiederholten Abmachungen zwischen Rußland und China über das Schicksal der Mandschurei sind nur Spiegelfechterei. China, dieser Koloß mit den tönernen Füßen, ist außer stände, den Russen irgend welchen Widerstand entgegen­zufetzen. Und Japan hat längst aufgehört, sich um das Schicksal der Mandschurei zu sorgen, denn es hat gerade genug zu tun, um sich in Korea des russischen Einflusses zu erwehren.

Der Streit um Korea war die eigentliche Ursache des Krieges zwischen China und Japan, der mit dem Siege Japans endete, welches jedoch im Frieden von Shimonoseki, in dem Korea zu einem, unabhängigen Staate gemacht wurde, um die Früchte seines Sieges ge­bracht wurde. Wer Japan hat den Kampf um Korea seitdem mit zäher Energie fortgeführt, denn die Halb­insel, welche dem japanischen Reiche unmittelbar vorge­lagert ist, bildet den direkten Zugang zu ihm, und ,es ,ist ein Lebensinteresse für Japan, die strategisch hochwichtige Halbinsel nicht in den Besitz Rußlands kommen zu lassen. Daß Japan jetzt bereits seine koreanischen Pläne in vollem Umfang durchsetzen wird, ist angesichts der Haltung Ruß­lands, welches sich nicht völlig aus Korea verdrängen lassen will, nicht wahrscheinlich. Tie größere Wahrschein­lichkeit spricht dafür, daß beide Mächte in irgend einer Form ein vorläufiges Abkommen treffen werden und daß der eigentliche Entscheidungskampf um die Herrschaft über Korea vertagt werden wird.

Was England anbetrifft, so benutzt es, statt sich in den Streit um die Mandschurei und Korea zu mischen, die Gelegenheit, seinen Einfluß in T i b e t zu verstärken, um welches England und Rußland seit langen Jahren in einem eifrigen Wettstreit begriffen sind. Wie Rußland vorher die Gebundenheit Englands durch den Burenkrieg benutzt hat, um sich in der Mandschurei festzufetzen und seinen Einfluß in Korea m verstärken, so macht sich jetzt England die Gebundenheit Rußlands für sein Vorgehen in Tibet zunutze. Zu Anfang dieses Jahres hatte Ruß­land zwei Expeditionen nach Tibet abgefandt, die jedoch keine sonderlichen Ergebnisse gezeitigt haben. Die jetzige englische Expedition dagegen ist ziemlich weit in Tibet vorgedrungen, und man verspricht sich in England wich­tige Abmachungen politischer Natur von -dieser Expedition. Jedenfalls wird man mit Interesse die weitere Entwicke- lung der ostasiatischen Politik Japans und Englands ver­folgen müssen, die sich in freier Umänderung jenes be­kannten Sprüchleins nnt den Worten kennzeichnen läßt:

Was du nicht willst, daß Rußland tu',

Das füge China selber zu!

das müsse er ihr ansplaudern, als, dem einzigsten Menschen, dem er so recht nahe stünde, nicht nur aus Ver­wandtschaft und gleichen Ansichten, sondern weit, mehr noch aus innerster Sympathie. Sie würde niemals jemand finden, der so viel Freundschaft für sie empfinde wie er, und er bäte sie recht herzlich, das nie zu ver­gessen und diese Freundschaft nie erkalten zu lassen, denn bas sei wirklich das Schönste und Tröstlichste, was man im Leben finden könne. Sie sollte nur ganz fest an ihm halten und niemanden zwischen sich und ihn treten lassen.

Agnes ließ das Schreiben sinken, lächelte leise und blickte ein Weilchen träumerisch vor sich hin. „Melleicht hat er mich im Grunde des Herzens doch so lieb, so ganz lieb, wie ich es einzig haben möchte", flüsterte sie. Dann las sie weiter, was er ihr schrieb, wie sein Freund ihn herz- lich ausgenommen habe und wie er nun wohl vorab in Söhlig bleiben werde. Neue Perspckftven täten sich ihm auf, an die er bisher noch gar nicht gedacht hätte. Gerade das, daß er sich bisher keiner Wissenschaft dauernd in die Arme geworfelt, aber von allen gekostet habe, daß er auf diese Weise eine gewisse Vielseitigkeit errungen, das käme ihm nun zu gute und mache ihn, zumal er sich ja literarisch schon versuchte, wohl geeignet, sich dem Journalismus zu widmen, dem nach der hoffentlich bald eintretenden Aufhebung der Zensur zweifellos ein großer Auf­schwung blühe. Freilich möchte mancher und vielleicht der Ohm Manuel am ersten, die Nase darüber rümpfen, daß er es nicht zu einem abgeschlossenen Studium ge­bracht habe, das aber kümmere ihn nicht, was die Philister darüber dächten. Sein vielseitiges Interesse, selbst wenn es nicht überall Zeit und Gelegienheft finde, so tief zu dringen wie ein Fachstudium, sei trotzdem keine ober­flächliche Zersplitterung und er werde schon Sorge tragen und die Geschicklichkeit entfalten, sein Wissen in der rech­ten Weise auszuprägen. Sein Freund, der doch ein prak­tischer Kops sei und wirkliche Gediegenheit in Charakter, Wissen und Talenten über alles stelle, hätte diese Um- sattelung auf das Flügelroß nicht nur durchaus gebilligt, sondern sie sogar veranlaßt. Er habe Verbindung mit einer angesehenen, liberalen Zeitung und wolle ver- ucitteln, daß er dafür Artikel schreiben könne, welche an- ständig honoriert würden, und überdies trüge sich sein

hd. Berlin, 21. Dezember. Obwohl die Gerüchte über die japanisch-russischen Beziehungen sich noch ivider- sprechen, so scheint doch wenig Hoffnung auf eine fried­liche Lösung vorhanden zu sein. Selbst bei der japanischen Gesandtschaft in London ist man, einem Telegramm des „B. T." zufolge, nicht mehr so durchaus optimistisch, wie es bisher der Fall war. Daß jedoch Rußland ein japa- nisches Nltimatnui rundweg abgelehnt habe, wie die „Daily Mail" meldet, wird als wenig glaubwürdig an­gesehen. Auch das Gerücht, wonach daS britische Kreuzer- geschwader Segelorder nach dem fernen Osten erhallen habe, bestätigt sich nicht. — Nach einer Londoner Depesche des „B. L.-A." hat sich die Meldung ans Tientsin, datz Japan an Rußland ein Ulttmatum gesandt habe, über­haupt nicht bestätigt, doch gilt dort die Lage als ernst. — Eine Tokioer Meldung besagt, Japan ersuchte Rußland, seine Antwort, die nicht ein einziges greifbares Zuge­ständnis enthält, in nochmalige Erwägung zu ziehen. Diese Antwort Japans auf die russische Note ist, nach einer Depesche des Londoner „Daily Expreß" aus Kobe, sein letztes Wort in dieser Sache. Wenn Rußland nicht nachgebe, würde Japan nicht zögern, zu kämpfen.

hd. Berlin, 22. Dezember. Nach einem Telegramm des Petersburger Korrespondenten des „B. T." mißt man den alarmierenden Nachrichten aus Ostasien in dortigen informierten Kreisen keine große Bedeutung bei, da man der Ansicht zuneigt, Japan werde sich nicht zum äußersten Schritte entschließen, selbst wenn Rußland die japanischen Forderungen in Korea unberücksichtigt ließe. Man hegt die Überzeugung, daß jedes Nachgeben in betreff Koreas seitens Japans nur zu weiteren Forderungen führen würde. — Weiter wird behauptet, an der viel besprochenen Holzkonzession in Aongampho seien mehrere Personen des Kaiserhauses beteiligt, und der Zar selbst habe über eine Million zur Einrichtung der Gesellschaft hergegeben, wodurch es erschwert sei, irgend welche Konzessionen zu machen. — In London dagegen scheint sich die Ansicht zu erhalten, daß in allernächster Zeit es zu einem Kriege zwischen Rußland und Japan kommen werde. — Es wird in industriellen Kreisen als ein Zeichen dafür betrachtet, daß in Cardiff neue Aufträge zur Lieferung von Kohlen nach Ostasien eingetrofsen sind, deren Umfang streng ge­heim gehalten wird. In den englischen Regierungsdocks wird mit Überstunden gearbeitet.

wb. London, 21. Dezember. Das „Reutersche Bilreau" erfährt, es sei keine Änderung der Lage in Ost­asien, welche kritisch bleibe, eingetreten. Da Japan die Antwort Rußlands nicht akzeptiere, werde es jetzt nach- suchen, datz letzteres nochmals seine Vorschläge erwäge. Weml dies zngestanden würde, könnte cs zu weiteren Verhandlungen zwischen beiden Ländern führen.

wb. Tokio, 21. Dezember. (Reuter.) Heute nachmittag war in der russischen Gesandtschaft eine Besprechung zwi­schen dem Minister des Äußern, Baron Komura, und dem von seinem Unwohlsein ziemlich iviederherges tellten

Freund selber mit der Idee, eine freiheitlich gesinnte Zeitung oder Zeitschrift ins Leben zu rufen, die er dann redigieren solle. So schmerzlich ihm auch der Wschied von Eigersbusch geworden sei, das Gute habe er nun doch schon in dieser kurzen Zeit bewirkt, daß er, Gottfried, eigentlich zum erstenmal in seinem Leben ein festes und schönes Ziel vor Augen sähe, dem er nun unablässig ent­gegenstreben wolle. Sie, Agnes, möge ihm nur tüchtig das Däumchen halten, dann würde aus allem Sturm und Drang, aus Irrungen und Wirrungen doch noch etwas Gutes und Schönes entstehen und nichts von ate dem ginge verloren, was er jemals suchend betrieben habe. Vor allem aber solle sie ihm nun gleich schreiben, was sie zu seinen neuen Plänen und Aussichten sage, und dann solle sie ihm versichern, daß sie seine treue Freundin bleiben wolle, denn dies Bewußtsein würde seinem ganzen Streben erst einen festen Halt geben.

Sie fühlte sich so glücklich und zufrieden über seinen Brief, daß sie jeden im Hause hätte mnarmen mögen. Selbst Herr Manuel, der mit einem bösen Gewissen um­herlief und dies hinter einer recht mürrischen Miene zu verbergen strebte, wunderte sich über ihr frohes Gesicht, als er aber die Meinung verlautbarte, sie habe inzwischen wohl selber eingesehen, wie recht er gehabt habe, den ge­fährlichen Hausgenossen zum Weiterwandern zu bewegen, da kam er schön an. Ob der Vater denn glaube, was er Mer Negierung und Staat denke, das sei ein Evan­gelium ? Sie habe in Gottfried stets einen sehr gescheiten und gelehrten jungen Mann gefunden, der nicht sein Leben lang zwischen Dornsträuchern gesessen, sondern ein gut Sttick vou der Welt gesehen habe, und da müsse sie sich denn doch fragen, ob der kein Recht hätte, sich über die Dinge seine eigene Meinung zu bilden. Rechthaberei, das sei noch lange kein Beweis von Recht haben und wenn man noch so sehr auftrumpfe und alle die zum Hause hinaus oder aus dem Dienste jage, die anders dächten. Ob der Gottfried rebellische Neigungen und staatsfeind­liche Ideen habe, das kümmere sie gar nicht, er würde wohl seine guten Gründe dafür besitzen. Jedenfalls sei er ihr genau so lieb wie früher, und je mehr man über ikm herzöge und ihn und seine Sache schlecht niache, um so lieber hätte sie ihn, und um so beachtenswerter würde sie