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«. Jahr-««-.
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gfo. 594* Berla»S.Fernsprecher No. 288». Montag» deN 21. DeZkMÜer.
Redaktions-Fernsprecher No. 82.
1903.
Abendausgabe»
DuWlle - eine soziale Gefahr.
Man braucht, heute keine politische Gespensterfrircht zu jp&en, um daran zu glauben, daß auch die Tage der zollfreien Fluhschiffcchrt gezählt sind. Wir leben nun ein- naJ in einer Zeit, in der die Errichtung von allerhand Fchlagbäumeu das Kulturideal gewisser Kreise geworden ist, deren geringe wirtschastspolitische Einsicht und Selbstlosigkeit im umgekehrten Verhälftus zu dem Einfluß sicht, welchen sie im Staat besitzen! Unter dem Einfluß dieser Kreise ist der Staat allmichlich fast zu einer Kampf- mstitzlsion gegen die gedeihliche Entwickelung von Handel und Industrie geworden, während gerade Handel und Industrie die Grundlage des modernen Staatslebens bilden, das ahne sie noch in mittelalterlichen Kultur- sowM stecken würde! Die gute alte feudale Zeit, wo der Bauer dem gnädigen Herrn zur Frone ging, ist leider gar manchen einflußreichen Politikern die Richtschnur für ein Staatswesen, wie sie es verstehen. Ihnen ist jeder Schritt rückwärts zu diesem Zeitalter ein Fortschritt, und auf diesem Krebswege sind sie jetzt auch zu der Forderung gelangt, die Zollfrerheit der Flußschiffahrt zu beseitigen.
. Hätte man vor zwanzig Jahren eine ernsthafte Erörterung dieser Forderung für notwendig gehalten? Sicher nicht, aber daß man heute in Deutschland auch in dieser Forderung eine ernste Gefahr erblicken muß, beweist, auf welche abschüssige Bahn wir wirtschaftspolitisch geraten sind. Mit dem gleichen Recht, wie Schissahrtsab- gaben auf den deutschen Strömen, kann man die Schlag- bäume auf unseren Landstraßen wieder einführen. Wirtschaftlich und sozial gibt ein Schlagbaum vor jedem Tors sicher zu viel geringeren Bedenken Anlaß. Nur mit kmem gewissen Gefühl der Beschämung geht der ernsthafte Wirtschafts- und Sozialpolitiker heute daran, die Freiheit der deutschen Ströme zu verteidigen. Diese Freiheit ist ein Fundament nicht nur des Reichsgedankens, sondern aarch mseres wirtschaftlichen Lebens. Auf dem Rücken der deutschen Ströme werden jene Massengüter befördert, die eine teure Eisenbahnfracht schwer vertragen können, sichre Flußtäler sind durch die Freiheit der Schiffahrt ^gestaltet. Die Verhältnisse der Weltwirtschaft, der steigende Mitbewerb des Auslandes, unsere Volkswohl- ichrt fordern gebieterisch die möglichste Verbilligung der Produktion. Neben den technischere Hülssmitteln ist hier don wesentlicher Bedeutung eine billige Fracht für den M>g der Rohstoffe und für die Versendung der fertigen ■K. Aus diesem Grunde hat sich die Industrie in
Die Nevolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(58. Fortsetzung.)
SJoIb saßen sie in dem durch des Mädchens Geschmack Aaglich eingerichteten Wohnzimmer hinter der dampfen- Mnerneu Kaffeekanne, und Agnes stellte die großen, Wr demalten und mit Gold verzierten Tassen unter W Krähnchen und ließ sie vollausen, gab Milch hinzu warf ein paar Sfticke klaren Kandiszucker in sein Mtrank.
Wichst du", sagte sielwehmütig, „das kannst du mir xAen, daß öit das nicht so bald wieder so gemütlich wirst. Ich weiß genau, wie du es gern hast und MÄ Milch drl haben willst und wieviel Zucker. Und dir das immer so gerne hineingetan rmd für dich sich ZEsit kommst du wieder unter fremde, kalte
das, warum willst dir mich denn weich machen", pjtorts er. „Es ist doch nun mal nichts an der Sache
empfindest das doch nicht so", klagte sie. . „Tu Sw* »J?. 8iel. Du wirst weiter arbeiten in diesen Dingen, lluger, vorsichtiger sein wie bisher, wirst die Be- mit Stolz wachsen sehen und deine Arme rühren. ^m du bald nicht mehr an dein kleines dummes ^Mhen in Eigersbusch denken. Und ich? . Ich Hub' ‘einen mehr auf der Welt. Ter Vater ist so ganz
ich und hat kein Verständnis für mein Wesen, k ^ohneil sind mir ganz tont de ineme, und was sonst Verwandtschaft und Bekanntschaft noch da ist, ist mir
einerlei. An dir aber Haft' ich doch meinen Du warst mir ein lieber Mensch nn>d Vetter. Ich - s mich nicht, daß ich dir das sag'."
^.mno.dn, du warst «nir eine kleine, lieble Freundin, kin'^Ues Kousinchen, ein tapferer Kamerad und auch »^5 Mückchen Mitschuldige bei meiner Sache. Was- istln L te 9t soll gewiß geschehen, daß das alles so bleibt, böxx ; C Ü Mch Eurem Eigersbusch den Rücken kehren muß.
du dich, ferner in Verkehr mit einem so Vu'r 11 Menschen zu bleiben, wie ich bin?"
lachte sie wieder. „Na, du kennst mich doch", ,le selbstbewußt. „Grad weil der Vater so eklig war,
den letzten Jahrzehnten wieder mehr an den Ufern schiffbarer Ströme angesiedelt; sie nutzt die Wasserstraßen, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Gleichseitig haben aber auch die von schiffbaren Strömen berührten deutschen Städte schwere Opfer für die Entwickelung der Schiffahrt gebracht. So sind unter teilwerfer Beihülse des Staates in Mannheim, Cöln, Worms, Magdeburg, Dresden usw. große Hafenanlageu entstanden, in anderen Orten, so bei den gewaltigen Hafenbauten in Krefeld, sind die Arbeiten noch nicht beendet. Diese Aufwendungen stehen im schärfsten Widerspruch zu .den Schiffahrtsabgaben, die den Verkehr ailf den deutschen Strömen beschränken werden. Alle Orte mit Binnenhäfen haben also gleicherweise wie die deutscheJndustrie im allgemeinen ein Recht, gegen jene Forderung Widerspruch zu erheben. Man hat diese als ungefährlich hinzustellen versucht durch die Versicherung, die Abgabe werde eine ganz geringfügige fein. Man nannte einen Mertelpfennig für das Tonnenkilometer. Wie harmlos so ein Viertelpfennig aussieht! Aber man rechne nur einmal nach. Dieser harmlose Viertelpfennig verteuert die Fracht von Mannheim bis Rotterdam um «in Drittel. Und wenn man selbst nur einen Achtelpfennig verlangte — hier darf kein Handel sein, hier darf es kein Entgegenkommen, sondern nur eine schroffe Zurückweisung geben, denn hier gilt es einem der wichtigsten Grundsätze unseres öffentlichen Löbens. Flußzölle bedeuten, daß man von dem Körper unserer modernen Kultur abermals ein wichtiges Glied abhackt. Hier ist jeder Prinzipienschachex verhängnisvoll, Leun geringe Wgaben werden gerade auf diesem Gebiet ständig zur Erhöhung reizen. Sind sie erst einmal da, so hindert nichts, diese neue Steuer so „auszubauen", daß sie für den Staat auch etwas Erkleckliches abwrrft. Aber sie ist auch ein ständiger Anreiz zur Erhöhung der Eisenbahnfrachten, die auf den Mitbewerb derWasserstraßen dann wenigerRücksicht zu nehmen haben, ja, uns scheint, als ob diese schöne Aussicht gewissm Ämtern das Vorhaben recht schmackhaft macht. Fiskalismus ä l’outrance!
Jede Erschwerung der industriellen Täftgkeit wirkt heute in Deutschland auf das soziale Wohl übel zurück. Sie verteuert die Ware und beschränkt den Konsum, sie vermindert die Arbeitsgelegenheit, drückt dm Lohn und damit die Lebenshaltung breiter Bevölkerungsschichten. Darüber hinaus würde die Einführung der Flußzölle auch für die kleine Binnenschiffahrt verhängnisvoll werden. Man befürchtet, daß diese Zölle bei der gesetzgeberischen Erledigung der großen Kanalfrage der Landwirtschaft gewissermaßen als Entschädigung gegeben iverden sollen. Das würde eine sehr kurzsichtige Politik
soll alles so bleiben, ihm zum Trotz. Und dann mich, weil es mir doch Freude macht, dir behülflich zu sein. Also zunächst: Wir bleiben in Verbindung, nicht wahr?"
„Unbedingt! Ich geh' doch nicht aus der Welt. Einstweilen wandere ich nur bis Söhlig, wo ich heute noch mit dem Herrn Schwertfeger sprechen werde. Wahrscheinlich bleibe ich einstweilen dort oder sonstwo in der Nähe. Und unsere Boten kennst du ja."
„Den Engels-Piüers-Oberam, und in besonderen Fällen vielleicht auch das Kretzbergs Mieten. Wenn mir der Vater gegen den Oberam keinen Verdacht schöpft. Er weiß, daß du oft mit ihm zu tun haftest."
„Für den Fall richten wir uns ein eigenes Postbureau ein. Unten in der Wiese bei der Bachunterführung, da, wo dein Vater den berühmten Fuchs schoß, steht ein alter Weidenbaum. Er wird wohl irgend eine Höhlung haben. Keinem Menschen Ivird es einsallen, darin was Interessantes zu vermuten. Da hinein kann der Oberam meine Briefe hineinpraktizieren und die deinen herausholen. Daun noch irgend ein anderes Zeichen, vielleicht einen Kiesel oder so was an der Hecke dort neben dem Gartenpförtchen, woraus zu sehen, ob auf unserem Postbureau etwas abzuholen ist. Wie denkst drt über die Sache?"
„Famos, famos!" jubelte sie und klatschte in die Hände. „Also sagen wir mindestens einen. Brief für jedes in der Woche, abgesehen von extra Fällen. — Herr Gott, wenn sie dich nur nicht verhaften wegen der heutigen Haussuchung!" unterbrach sie sich erschrocken.
Er aber beruhigte sie schnell. Es würde wohl bei der Beschlagnahme der paar verdächtigen Schriften bleiben, alles Gravierende gegen ihn habe sie ja so geschickt beseitigt, und Papa Manuel würde sich wohl hüten, etwas zu verraten. Übrigens könne sie zur besonderen Vorsicht noch einen Gruß an den ausrichten und bemerken, sein Geschäftsgeheimnis würde genau so lange bewahrt, wie das Geheimnis der Papiere bewahtt bliebe.
„Ich bin ja sehr, sehr traurig, daß du fortgehst", sagte sie, „aber ich glaube, unser Briefwechsel kauu sehr nett werden, besonders, wenn wir uns alles initteilen, was wir tun und treiben, so daß wir auf diese Weise doch eigentlich Zusammenleben. Nur keine Überschrift und keiue Unterschrift und überhaupt nichts, too§ uns oder unsere Pläne verraten könnte. Und dann: ein Rendez-
sein, die sich schließlich gegen die Landwirtschaft selbst richten muß. Das Wohl der deutschen Landwirtschaft ist unzertrennbar init der Gesundheit unseres Staatsganzen verbunden. In diesem Falle würde aber die Landwirtschaft ganz unmittelbar empfindlich getroffen werden.. Sie bezieht und versendet auf den deutschen Wasserstraßen fast ebensoviel Güter wie die Industrie, denn man hat berechnet, daß sie an dem llmschlagverkehr von den Wasserstraßen auf die Eisenbahnen und umgekehrt mit etwa 43 v. H. beteiligt ist. Ihr leistet man also mit der Einführung von Flußzöllen einen schlechten Dienst.
Aber man glaubt vielleicht, daß die Erschwerung des Bezuges ausländischen Getreides und anderer Nahrungsmittel den etwaigen Schaden ausgleicheu soll. Es ließe sich leicht Nachweisen, wie falsch diese Rechnung ist, und doch ist sie wohl im wesentlichen die Ursache, daß man besonders in agrarischen Kreisen die Wiedereinsühruu« jener Zölle lebhaft befürwortet. Sie widersprechen auch der Verfassung des Deutschen Reiches, die derartige W- gaben nur dann erlaubt, wenn besondere Anlagen für die Erleichterung der Schiffahrt geschaffen sind. Bisher betrachtete man als derartige Anlagen lediglich Häfen, Niederlagen, Schleusen, Kräne, Kanalisierungen, die den Weg abkürzen, nicht aber, wie die heutigen Verteidiger jenes Zolles wollen, die Regulierung der Stromläufe, Ausbaggerungen, Ufermauern, Brücken. Will man von den Ausgaben für die Unterhaltung der schiffbaren Stromstrecke die Zollpflichtigkeit herleiten, dann kann man mit den gleichen Gründen die Landstraßen durch Schlagbäume sperren, denn auch sie fordern sehr erhebliche regelmäßige Unterhaltungskosten. Aber nicht nur die Reichs- Verfassung, sondern auch internationale Staatsverträge müssen aufgehoben werden, und zwar Mt Österreich und den Niederlanden. Der 1862 zwischen diesen letzteren, Frankreich und den Rheinuferstaaten abgeschlossene Wer- trag verbietet, daß für die Benutzung des Rheins ÄS Wasserstraße an sich Abgaben erhoben werden. Dieser Vertrag besteht noch heute, und wenn die Niederlande ferne Anwendung verlangen, so bleibt die Auslandschiffahrt auf dem Rhein frei und nur die inländischen Schiffe werden, abermals als Illustration des Wortes vom „Schutz der nationalen Arbeit", belastet.
Nachdem zahlreiche industrielle und andere Körperschaften gewichtige Bedenken gegen die Wiedereinfirhrimg der Flußzölle erhoben haben, beeilte man sich heute, die Befürchtungen als grundlos hinzustelleu. Die Preußische Regierung erklärte dem Ausschuß des Deuffchen Hanbels- tages, daß sie einen Gesetzentwurf zurErhebung derartiger Zölle nicht vorbereite, der Reichskanzler betonte im Reichstage, es sei nicht daran zu zweifeln, daß seit der
vous wird sich auch, wohl bald einmal ermöglichen lassen. Ich Hab' Bekannte in Söhlig und der Vater wird jetzt bald seine kleinen Geschäftsreischen antreten. — Ja, ja, das werden wir schon machen, da laß mich nur sorgen. Und wegen der anderen Geschichte, da bleibe ich unserer Fahne treu, mag der Papa auch noch so sehr auf die anderen eingeschworen sein. Wenn du meine Mithülfe vielleicht auch ein bißchen niedrig taxierst, du hast ja doch gesehen, wie prächtig ich den Landrat an der Nase herumgeführt Hab', lind den, der dir diese Haussuchung eingebrockt hat, den lrieg' ich auch noch hieraus, verlaß dich drauf. Paß' auf, ob es nicht der Kleibach gewesen ist. Na, da kann er sich vor mir in acht nehmen. Geschenkt würd' ihm der Streich nicht. Außerdem: bis Fastnacht ist's nicht weit."
Sie zeigte sich ordentlich aufgeräumt in der Gewißheit, daß die Trennung von dem Hausgenossen doch nicht so schlimm werde und offenbar neue Reize bieten würde. Und so half sie Gottfried denn auch tatkräftig und ohne Klage beim Zusammenpacken seiner Sachen, die der Engels-Pitters-Oberam andern Tages abholen sollte, und gab ihm manche Ermahnung mit dazu. Dann inquirierte sie ibn erst mit einiger Schüchternheit, dann aber desto eindringlicher, wie es mit seinen Geldberhältnissen stünde. Sie wollte ihm absolut ihr Sparbuch aufdrängen, und nur seine bestimmte Versicherung, daß er sich nicht in finanziellen Schwierigkeiten befinde und in Söhlig Gelegenheit habe, aus der Klarendahlschen Konkursmasse etwas für sich herauszuzwacken, beruhigte sie über diesen Paukt. Er mußte ihr jedoch versprechen, sich im Falle der Not zuerst an sie zu wmden. Überhaupt zeigte sie so viel Sorge um sein Wohlergehen, daß er ordentlich gerührt wurde.
„Du bist ja fast wie meine Mutter", meinte er, „ganz abgesehen von deiner äußeren Ähnlichkeit. Sie wird deshalb auch nicht böse sein, wenn ich einem Andenken von ihr in meinem Medaillon eins von dir beifügen möchte. Er öffnete die kleine silberne Kapsel an seiner Chatelain- kctte und zeigte ihr unter bcnt Glasrähmchen ein Löckchen zusammengeflochtcncr Haare seiner Eltern. Und sie stellte sich vor den Spiegel, schnitt sich einige Härchen ab, knüpfte aus einem Seidenfaden, den sie sich aus ihrer Bluse zupfte, ein Schleifchcn darum und brachte es geschickt unter das noch freie Glasrähmchen.
„So, mm darfst du das Gefühl haben, als sei ich
