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Wiesbadener Tsgblsti

41. Jahrgang.

Orfchetnr tn zwei Ausgabe». — Dezu-S-Prei»: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Potz » Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 27.

20,000 Abounrnten.

für auswärts 1 Mk.

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. 583.

Berlags-Fernsprecher No. 295».

Sonntag» den 20. Dezemder,

Redaktions-Fernsprecher N».

1803.

Morgen-Ausgabe.

Politische Wochenschau.

Wr stchen bereits im Zeichen der fröhlichen, seligen, Mdeirbringenden Weihnachtszeit, im Stadium » Vorbereitungen zu diesem Fest, das bei uns zu einem «oamlienfeft in ganz besonderem Sinne des Worts ge- Mden ist. Wr stehen im Zeichen der großen und der Mm Heimlichkeiten, und nicht bloß die Kinder, sondern cch die Erwachsenen harren freudig der Überraschungen, Klche ihnen liebende Hände unter den Zweigen des vom traulichen Lichtschein bestrahlten Tannenbaumes aufbauen. Lgure Wochen, frohe Feste; und je saurer sie waren, desto Mmrmcner und wohltuender wird uns die Muße des Veihnachtsfeftes sein.

Auch die Vertretung des deutschen Volkes, die sich noch bis zum Anfang dieser Woche in so heftigen Redekämpfen jittg, hat dem Weihnachtsfest ihren Tribut gezahlt. Der eichstag hat am Dienstag Schluß der Debatte ge- iij und sich bis zum 12. Januar vertagt, damit die m Volksvertreter sich von den Strapazen des ersten _ .ionsabschnittes im Kreise der Familie erholen können. £■* Strapazen waren freilich nicht übermäßig. Zwölf Lage hat der erste Sessionsabschnitt gedauert, und W Tage dauern die Ferien. Da wird manch ein Dolks- fcertreter von seinen Sprötzlingen beneidet werden, denn in der Schule fällt die Bilanz zwischen Soll und Haben rüder günstig aus.

Auch war das Pensum, das der Reichstag in dem tnweihnachtlichen Abschnitt erledigt hat, nicht sonderlich groß. Außer der Annahme des Handels Prodi- ioriums mit England, das auf weitere zwei Fahre verlängert worden ist _ gegen die Stimmen der «begründeten sogenannten wirtschaftlichen Vereinigung, hat der Reichstag lediglich die erste Lesung des Etats BetoÖItigt. Hierbei ist es zweimal zu einem interessanten Rededuell Bülow-Bebel gekommen, wobei der Reichskanzler dem heißblütigen Führer der Sozialdemo­kratie eine kleine „Abfuhr" beibrachte. Einmütig war ch Reichstag in der scharfen Verurteilung der be­klagenswerten Militärmißhandlungen. Hoffentlich wird Mn nun auch bald etwas von der angekündigten Mgischeren Bekämpfung dieser schweren Mißstände feen statt stets neuer Gerichtsverhandlungen über Massenmihhandlungen.

Sehr bemerkenswert war es auch, daß der Reichs- lattaler auf dem Gebiet der auswärtigenPolitik kw Sozialdemokraten, die sich hier als Scharfmacher auf- Men, dämpfend entgegentreten mußte. Wenn es nach M Wünschen der Bebel und Genossen ginge, dann wür- kü wir, um einen Bülowschen Ausdruck zu gebrauchen,

den „Hans Dampf in allen Gassen" spielen und hier gegenüber Rußland, dort gegenüber einem anderen Staate intervenieren; nur daß die Sozialdemokratie nicht die nötigen Soldaten bewilligen will. Ihnen gegenüber be­tonte der Reichskanzler, daß die deutsche Politik keine Neigung habe, sich da die Finger zu verbrennen, tvo für sie nichts zu holen ist.

Diesen bei aller Festigkeit friedlichen Geist atmet auch das Expose, welches dev österreichisch-ungarische Minister des Äußeren Graf G o l u ch o w s k i im ^Aus­schuß der ungarischen Delegation über die auswärtige Lage gegeben hat. Wie vorher schon in der italienischen Teputiertenkammer der Minister des Äußeren Tittoni, so betonte auch Graf Goluchowski, daß das Leitmotiv seiner Politik das treue Feschalten am Dreibund sei, woran auch durch die jüngsten. irredentistischen Kund­gebungen in Österreich nichts geändert werde. Gang be­sonders bemerkenswert in den Darlegungen Goluchowskis war ein kalter Wasserstrahl, den er an die Adresse Bul­gariens richtete, und die in höflichster Form vorgebrachte Mahnung, daß König Peter von Serbien sich von den Umschlingungen der S1cmTg§möri)er freimachen möge.

Freilich es steht dahin, ob König Peter überhaupt in der Lage ist, diese Mahnung zu befolgen, denn fürs erste haben die Herren 5lönigsmörder in Serbien noch das Heft in der Hand. Wie bedenklich die Lage dort ist, das gel)t aus den einander förmlich überstürzenden Krisen und aus den sensationellen Gerüchten hervor, die von Belgrad aus in ununterbrochener Folge in die Welt gesetzt werden.

Mehr Erfolg dürften die an die Adresse Bulgariens und gleichzeitig der Türkei gerichteten Mahnungen Goluchowskis haben. Die Verhandlungen mit der Türkei über die makedonischen Reformen rücken vorwärts, wenn auch mit erschreckender Langsam^ keit Es wird immerhin noch manches Druckes seitens der Mächte bedürfen, bis der Punkt hinter das make- dänische Reformprogramm gesetzt werden kann. „Da unten" in der südöstlichen Wetterecke Europas spukt es überall Der Ruhm der Serben, Türken und Vulgaren hat die G r i e ch e n nicht schlafen lassen und so sind sie wieder mit einer der dort üblichen Kabinettskrisen auf den Plan getreten.

Sehr kritisch sieht auch noch immer die Siüiation in Ostasien aus. Sowohl von russischer wie von japanischer Seite werden unausgesetzt Alarmnachrichten in die Welt geschickt, als ob die Schwerter bereits zum Entscheidungskampf in Korea geschliffen werden. Da aber dieser Kriegslärm seit Monaten bereits unverändert fortdauert, so spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß man die gezogenen Schwerter nicht in das Herz des Feindes, sondern, was auch menschenfreundlicher ist, in die Scheide zurückstoßen wird!

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Feuilleton, vor Weihnachten.

Von Willy Widmann.

SNömt herbei, ihr Käuferscharen, f "w Läden, groß und kletzc, tausend bunte Waren u« bestimmt zu Christkindlein, lc das in den Fenstern blinket!

W das lockt auf Schritt und Tritt!

W^ll es ruft und winket:

'emich! O nimm mich mit!" ^tche Lust, des Wegs zu ziehen +

die Menge frohbewegt,

:nn die Lichter glühen, - K7T“ "" Verkehr sich regt.

» IM), Guste, Klara, Iettchen,

Lflch, August. Valentin - Nt tragen heim Paketchen |F I * * * S dem Weihnachtsmagazin.

w^ret die Frauen ! Sie häkeln und sticken, Mw" zum Feste uns innig beglücken M Erzeugnissen eigener Hand! tzWMgen Deckcheu, Täschchen und Mäppchen, ^ummerrollen, Pantoffeln und Käppchen

stlhalter und ähnlichen Tand.

tzjfdr etdie Frauen! Sie malen und brennen >md Holzschmuck, so viel sie nur können,

L^t« and boffcln zu freundlichem Zweck!

auch köstliche Teig-Skulpturen, tz^ngeriein, Zimmetsterne, Mandelfiguren, l " "es, herrliches Wcihnachtsgcbäck!

w^ude herrscht im K i n d e r st ii b ch c n, sm i"belt laut der Hans;

K? Mädchen, alle Bübchen F sich des Weihnachtsmanns. —

Seid ihr denn auch brav gewesen?

Wollt ihr künftig artig sein?

Sonst kommt Rnpprecht mit dem Besen, Statt mit Gaben, reich und fein!

H elen chen liegt zur Morgenstnnd'

Noch tief in süßen Träumen,

Sie träumt von frohem Ehebund,

Von eignen Wohnungsräumen;

Sie träumt, daß diesmal ihr beschert Das Christkind den, den sie begehrt:

Ihr Ideal des Mannes,

Den wackeren Johannes!

Und träumend spricht sie vor sich hin: „Johannes, sei mir gnädig,

Erkür' mich zur Gebieterin,

Bin lang genug schon ledig!

Frohlocke, Herz! Es ist kein Wahn!

A m C h r i st f e st h ä l t e r u m m i ch a n ! O fel'ge Weihnachtsfeier!

Bald heiße ich: F r a u M a i e r !!"

Wenn du noch eine Mutter hast,

Die weilet in der Ferne,

So schickst du ihr gewiß zum Fest Ein paar Geschenke gerne.

O packe gut dies Christkindlein!

Das Päckchen fest verschnüre!

Und groß und deutlich und genau Nach Vorschrift adressiere!

Denk' an die Niesenlast der Post!

Recht zeitig darum trage Zum Schalter dein Paketchen hin,

Nicht er st am letzten Tage!

Welch Gewimmel Und Getümmel Bunter Scharen In den Lüden und Basaren!

Türen knarren,

Käufer harren,

Ladensungfern ohne Zahl Schleppen Muster bei zur Wahl.

Ausland.

* Italien. Papst Pius nimmt die vor vier Jahren wegen der Friedenskonferenzen unterbrochenen Be­ziehungen zu Holland wieder aus und wird Monsig­nore Ocatelli als Jnternuntius an den Haag senden. — Die Klage des Publizisten Spadoni gegen den Jesutten- general Martin auf Schadenersatz wegen der Kosten einer angeblich im Aufträge Martins von Spadoni unter­nommenen Kampagne zur Verhütung des Älbfalls der amerikanischen Kirche von Rom scheint sich immer mehr als ein höchst unsauberes Geschäft zu erweisen. Auf eine Bitte um Details in dieser Angelegenheit schreibt dem römischen Korrespondenten des „Bert. Tagebl." der Jesuitengeneral Martin: „Ich empfange grundsätzlich keinen Journalisten, hätte also auch Herrn Spadoni jenes einzige Mal nicht empfangen, falls er sich mir als Journalist vorgestellt hätte. Alles, was Spadoni von mir gehört, alle Versprechungen, die er von mir erhalten haben will, alles ist fatsch. Ich gebe mein Wort, das einzige Mal, als ich mit ihm sprach, sowie als ich ihm auf sein Gesuch um eine neue Unterredung brieflich antwortete, habe ich ihm gesagt und wiederholt, daß ich mit seiner Angelegenheit nichts zu schaffen haben könnte noch wollte. Dies ist die pure Wahrheit." — Der Prozeß gegen den Jesuitengeneral wurde vertagt.

* Schweden «nd Norwegen. Die gesetzgebenden Körperschaften Norwegens haben dieser Tage ein Gesetz gntgeheißen, daß vom 1. Februar 1904 an während der nächsten 10 Jahre an den norwegischen Eismeerküsten innerhalb der internationalen 7-Kilometer-Seegrenze Walfische weder gefangen .noch ans Land gebracht werden dürfen. Es ist wohl noch nicht dagewefen, daß eine Ge­setzgebung einen Industriezweig des eigenen Landes ans solche Art vernichtete. Das Verbot ist eigentlich nur auf Drängen der Fischereibevölkerung zustande gekommen. Die Fischer sehen nämlich in den Walfischfängern (Eis- wiklingern) ihre geschworenen Feinde. Sie behaupten, daß die Walfische die Fifchschwürme zur Küste treiben, und schieben es nun der Verringerung der Walfische zu, wenn die Fischschwärme ansvleiben. Das war beispielS» weise im vorigen Winter der Fall, wo die Fischer, wie erinnerlich, in ihrer Wut eine der Walfifchfcmgstellen Finnmarkens dem Erdboden gleichmachten. Der Fisch, der den Walfisch anlockt, ist der Lodde, der nordische Stink, und feinen Spuren folgt der Dorsch, der eben den Reich, tum der Fischer bildet. Bleibt aber der Lodde der Küste fern, dann erscheinen auch die Dorschschwärme nicht. Ber- gebens haben die norwegischen Gelehrten nachznweisen versucht, daß sich die Loddenschwärme ihren Weg nicht von den Walfischen vorschreiben lassen, ebenso wenig wiet Raubvögel die Richtung der Zugvögel bestimmen. Die Loddenschwärme, so meinen die Naturforscher, folgen einem Naturgesetz, indem sie zum Laichen an die Küste kommen, ferner spielten dabei die Beschaffenheit des

I „Ist der Pelzstoff auch reell?"

"„Sicher! Echtes Biberfell!"" - , „Was beliebt dem jungen Herrn?"

„„Damen-Handschuh hätr' ich gern."

„Darf ich fragen, welche Nummer?"

„„Weiß sie nicht, zu meinem Kummer?

Kann nur sagen: elegant Und sehr klein ist Elsas Hand!""

„Was ist Ihr Begehr, Madame?"

„„Möchte einen Schildkrötkamm."" e- „Sie, mein Herr?" — „„Für mein Elvirchen Ein recht hübsches Souvenirchen,

Fein und gut, voll Schwung und Stil,

Aber — kosten darf's nicht viel!""

„Du hast Diamanten und Perlen,

Geschmeide, kostbar und schwer,

Die schönsten Kleider und Spitzen,

Hast alles, was Weibes Begehr.

Töff-töff, sowie Pianola Besitzest du auch schon, ma cMre;

Was' könnte man dir denn noch schenken?

Mein Liebchen, i ch f i n d e n i ch t s m e h r l"

Max schnitt cs gern in jeden Biertisch ei«,

In alle Telephone möcht' er's schrei'«,

Verkündigen in jedem Zeitungsblatt,

Und ausposaunen durch die ganze Stadt,

In jeden Haufen Sand möcht' «r es graben:

Zn Weihnachten will ich ein Fahrra»

haben!!

Ein Jnnggcsell' sitzt einsam In seinem Kämmerlein,

Er träumt von einer Jungfrau,

Die er schon lang wollt frei'n.

Bisher hat er gezaudert,

Bang vor der Ehe Joch,

Nun dünkt ihm das Alleinsein Das größ're Übel doch!

Vor Weihnachten im Wirtshaus,

Ihm diesmal ernstlich graut,

Drum schwürt er: Morgen werb' ich Susanne mir zur Braut!"