u'slmüt'tu'r TaadlaN.
Morgen-Ausgabe.
Samstag, den IN. Derember.
31. Jahrgang. 1903 .
V^Ma»' andern Freude! Du wirst erfahren, daß Freude L
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(79. Fortsetzung.)
Eva Keom.
Roman von Marie Bernhard.
<Da fiibrt die Gräfin Rohbach, — oh. was für einen
Für den, müßt' Pftmuel mit seinen Millionen darckend quittieren. Mb spielt bei denen die Hauptrolle, — die Rohbachs srnd sckrecklich herunter, aber ich werd' ein gutherziges Trerle und dre ztoei abgeblühten Komtessen zu meinen großen Guts einlad-en, wozu Gott und die Welt Zutritt haben soll- vielleicht findet sich was in der Finanz für sie. was M Emporgestiegenes. das über dem Abel und dem Kmfmtitel die Mitgift vergißt! Da! Der portugiesische Gesandte, Manuels hoher Vorgesetzter! Freut rnich sehr, liebe Exzellenz! Wir zwei sind gute Freunde, muht du jrflen! Schade, daß es heute mit uns per Mitzzug geht, vir könnten sonst da und dort anhalten. und ich ließ' dich Lckanntschasten machen! Bah. — du siehst ja das alles Kimeiner Hochzeit! Hier kommt die Undine. — schau dir das blasse, blonde Fräulein an. — immens reich, ein- »iges Kind eines der ersten Berliner Börsenfürsten.— m toll verliebt in meinen Clemens Gürrther. hat ihm kolossale Avancen gemacht. Wie empressiert sie grüßt. - immer noch Händewinken. Kußfingerchen. Zurück- gmßen. hilft alles nichts. Undinerl. der Herr Bruder ist bereits vergeben! Ein Kapitalspaß ist's für mich! Fürst Wachtberg, der Garde-Husar, hübsch, aber zu puppen- hast, — du Evi, nicht wahr, deine Großmutter ist aber doch sehr reich?"
So sprunghaft Susis Unterhaltung auch gewesen^ so ,r ich ihre verblüffende Art rannte — diese plötzliche
jmge brachte mich doch ein wenig außer Fassung.
,Run?" drängte sie.
„O ja", sagte ich langsam, „alles, wa? ich von chr sehe und erfahre, läßt mich darauf schließen, daß sie sehr »ich ist. Sie besitzt auch noch zwei große Landgüter, die von Verwaltern bewirtschaftet werden, — und dann das prachtvolle Haus in Dresden. — die Villa, in der ich meine Andersahre verlebte. — ihre ganze Lebensweise. — sie -'ch sehr reich sein!"
^„Natürlich!" sagte Susi beruhigt. „Das konnte man «Ach an der feudalen Perlenkette zu deiner Konfir- müon sehen, da steckt ein Vermögen d'rin. aber du kleine llnschuld machtest dir nichts daraus. Daß du sie ja zu «einer Hochzeit antust, ich bitt' mir's aus! So. — da Uten wir den Großen Stern!" Und da hatten wir «ich Clemens Günther! Auf einem schnaubenden Gold- ftchs. der ungeduldig in den Zügel knirschte und den siinm Kopf zurückwarf, ritt er im Schritt auf und nieder; Mt hielt er still und überschaute das Terrain.
Von dem Hintergrund der vollbelaubten, dunklen Mime hob seine ritterliche Figur in der weißen Uniform sch herrlich ab, — er schien wie in eins gegossen mii Mcni Pferde, die Sonne glcnrzte auf dem spiegelnden manken des prächtigen Tieres und auf dem blonden Kopfe Reiters. — es war, wie ein lebendes Bild, ein Anblick, ich nie vergessen konnte, und wie jetzt Leben und Bergung in dies Bild kam, wie der schöne Offizier uns
gewahr wurde, die Hand zum Gruß an dre Mutze hob. und mit einem glücklichen Aufblitzen seiner Augen, leicht die Zügel lockernd, uns entgegensprengte, da ftng wieder das ungestüme Herzklopfen bei mir an. das mrr dre Überlegung raubte! . , _ _ .
„Lange gewartet. Clemens? Böse?" fragte Susi m schmeichelndem Tone. ^ . , r ,
„Lange gewartet. — ja — böse, wenn du rn solcher Gesellschaft kommst. — nein! Da bleibt der sch«ütende Bruder daheim, und nur der Kavalier hat das Wort! We geht es Ihnen, mein gnädiges Fräulem? Ruhrg. Queen Bessie. ruhig! Wonniges Wetter heute, wie? Hat es Ihnen gut geträumt während dieser ersten Nacht
in Berlin?" ^ „ , .. ... r
„Ach nein!" sagte ich ehrlich. „Ich träume meist so dummes, konfuses Zeug, daß ich es nicht einmal bis zum andern Morgen behalten kann!" . ^ ..
„Warst du gestern noch lange im Klub? Und wre hast du den heutigen Tag hingebracht?" fragte Susi.
„Im Klub? Mir gegen zwei Stunden. — rch war
Salfttz Revanche schuldig.wurde aber nichts
Rechts daraus ! Und den heutigen Tag? Nun. tote bringt ein preußischer Offizier seinen Tag hin? Dienst, meine Damen, Dienst! Und hätte ich nicht die Vorfreude aus diese jetzige Stunde gehabt, dann wär' das Ganze ein öder Kram gewesen!"
Er hatte sein Pferd an meine Seite gelenkt und ritt nun dicht neben meinem Wagenschlag; ich sah zu ihm eirrpor, wie wir miteinander sprachen, er sah zu mir herab. .... sah geradewegs mit seinen wimderschönen. glücklich leuchtenden Augen in die meinen und mußte immer wieder von Susi lacheird gewarnt und gemahnt werden. Me zahllosen Bekannten zu grüßen, die uns zu Fuß. zu Pferde rmd zu Wagen entgegenkamen.,
Was wir miteinander sprachen? Ach. glerchgrrlttge Dinge, nichtiges Zeug. — wie kann man denn ein ge- haltvolles Gespräch fuhren, wenn man im Fluge durch die belebtesten Straßen saust. Auge und Ohr andere Ein- drücke aufznnehmen genötigt werden, jeden Moment Unterbrechungen eintrcten. die eine Wiederanknüpfung der Konversation ersätzveren? —
Aber ich fühlte, während ich plauderte und lachte und zuhörte, daß dies das Leben war. das volle, reiche, bunte Leben, von dem mir Clemens Günther gestern gesprochen, das mich zu beanspruchen ein Recht habe. — und das nun in berauschendem Zuge von mir genossen wurde, ohne Frage, ohne Rückblick, was dahinter lag. So immer -dahinjagen, ohne Aufenthalt, durch die schöne, belebte, großartige Stadt, durch den freudig funkelnden Sonnen- scksein. in jeder Ader, jedem Nerv prickelnde Erregung, das Herz geschwellt von einem seltsam gebieterischen Ver- langen nachGennß. nach Freude. — und dieVerkörpernng alles dessen dicht neben mir, das Ziel ager Blicke, das
Ziel vieler Wiürsclie. ohne Zweifel.-und dach einzig
in meinem Dienst, einzig bemüht, mir zu gefallen! — Sollte ich nicht glücklich sein? — Zweimal war Susi aus dem Wagen gestieqen. um kurze Bestellimgen in Läden zu machen. „Bleib' du nur auf deinem Platz, ma blonde aux veux noirs, ich kann dich da driunelt nicht brauchen, gleich bin ich wieder da! Langweilt Euch nicht ohne mich, meine Lieben!" Das rief sie mir mit einem schelmischen Angenwinken zu rmd sprang leicht, wie eine
berdige Queen Bessie kurz und scharf in dre Zugel, .egiö eine Hand aus meinen WagenschlaH rmd plauoerte vorgeneigt mit mir. -— So auch eben jetzt. — ©uit toar ui der Leipzigerstraße in ein prachwolles Lokal. dasBronzeNq Majoliken und dergleichen enthielt. getreten, gerade sagtq Clemens Günther etwas Lustiges zu mir. und seine schonen
Zähne blitzten.sich, da kam es langsam dre brerte«
prächtige Straße herauf, wie eine große, schwarze Wolken mitten im Hellen Sonnenschein — ein langer,_ dunster Leichenzug. Der r klare Lust langsam . .
geschlossener Wagen folgte. .. - a
sich die schwarzen und weißen Aüasschlerfen an den Lor
beerkränzen. . . ... _
Und es ging durch meine Seele wre ein zwelschnerdiges Schwert! Wer da begraben tvurde, ich wußte es mcht, er rnochte alt und lebenssatt gestorben sein, und rh-m und den Seinigen geschah es vielleicht wohl, daß er endlich Ruhe fand, .... aber ich mußte an chn denken. der zung, reichbegabt und hoffnungsvoll hatte von Humen mus.en, dem das Scheiden so schwer geworden war. der es mrr selbst geklagt hatte mit seiner armen, müden ©trmme,. Tränen in den großen, gramvollen Augen: „Ach. mchtv genossen, nichts, geleistet zu habm. und schon hinweg zu müssen!" —’ au ihn, der vielleicht jetzt in der dustern. russischen Familiengruft beigesetzt wurde, wahrend ms Weihrauchwolkerr schwer unter der gewölbten ^-e hm. zogen und der Pope die Gebete murmelte. konnte hier im Wagen sitzen, eitel Freude und Lebensgenuß. als wäre nichts geschehen? Ich konnte lachmr und scherzen, und hatte vor kaum achtTagen em reiches, junge!» Dasein auslöschen gesehen, hatte es erlebt, wre Kammer und Verzweiflung über meinen besten ^vermd kam? War ich so leichtsinnig, so herzlos. — verstand rch es so garnicht, mich zu wahren gegen dre neue, fremde GSoalt, die unwiderstehlich von meinem ganzen Sem Besitz ergriffen hatte? „ ... „ .
„Also weiße rmd dunkelrote Rosen — schon! sagw Clemens Günther an meiner Seite, — er hatte mich soeben um meine Toilette ausgefragt. ^ „ Wa rn m bn trat Sie denn plötzlich so fürchterlich ernst d rern. Ach sol Da kommt ein Leichenzug!" „ *
Über sein schönes, lachendes Gesicht kam enw gesammelte Ruhe, die ihm sebr gut stand; er hielt regungslos auf seinem Pferde rmd sprach kein einziges Wort, während ich mich innerlich in Reue quälte, — em paar schwere Tränen fielen mir von den Wimpern, so ,sehr tf? mich mühte, sie zurückzuhalten, und mein Begleit« sah dies und sagte leise: „Sie haben ein weiches Herz.Fraulem Eva'" — Ach rrein. ich hatte ein leichtes, ein flatterhaftes, ein unbeständiges Herz, und ich zürnte ihm schwer rmd rang mit ihm und fülflte doch, ich müßte unterliegst Der Abend fand mich ziemlich abgespannt; dre Reis» ermüdnng, der angreiserrde Tag. meine in hohm Wogen gehende innere Erregung, das alles machte ferne Rechte geltend und ließ mrch ziemlich apathisch Toilette a/utat Souper machen rmd einigermaßen gleichgültig der Bekanntschaft von Susis Verlobtem entgegensehen. Da» war unrecht von mir. gewiß, und ich schalt mrch dafür. — aber der Kopf war wirr und durch mein neues, aufregendes Glücksgefühl enrpfcmd ich es immer wie einen schärfen Schmerz, der mir keine Ruhe ließ.
(Fortsetzung folgt.)
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