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si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-Preis: durch den Verlag 6» Pfg. monatlich, durch di« Post » Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 27.

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BerlagS-Fernfprecher N». 295S.

p. 592 «

Abend-Ausgabe.

Der ostasmtischc Krirgslärm.

„Die Politik Rußlands ist stets gewesen, seine Über.

■ fftiffe so weit gehen zu lassen, wie die Apathie oder der Mangel an Festigkeit auswärtiger Regierungen es er­laubt, aber stets zurückzuweichen, wenn es auf enr- schlossenen Widerstand stößt, und auf die nächste Gelegen­heit zu warten, um einen Sprung auf sein Opfer zu machen. Für diese Politik hat die russische Regierung stets zwei Sehnen au ihrem Bogen, gemäßigte Sprache und Versicherungen der Uneigennützigkeit in Petersburg und London, tätigen 'Angriff durch seine Agenten auf dem Schauplatz der Handlung."

So schrieb einst Lord Palmerston an Clarendon. Man könnte meinen, daß diese Sätze auf den derzeitigen Kon- flikt zwischen Rußland und Japan gemünzt seien, wobei man nur das Wort London durch Tokio zu ersetzen braucht. Sowohl in der Mandschurei- wie in der Korea- Zrage hat Rußland seine alte Taktik verfolgt, immer gerade so viel zu erstreben, als sich eben durchsetzen läßt. Die russische Politik pflegt um irgend einen Besitz nicht zu kämpfen, wenn das Objekt auch ohne Kampf zu er- langen ist. Desw ausgiebiger pflegt aber die russische Diplomatie mit der Politik der kleinen Mittel zu arbeiten, die sie eventuell bis zu dem größeren Mittel der Kriegs­drohung steigert.

Auf Grund dieser Methode hat sich Rußland langsam, aber sicher in den Besitz der Mandschurei gesetzt, wobei es China gegenüber die Methode jenes Mannes anwandte, der seinem Mops den Schwanz stückweise abschnitt, damit er es weniger merke. Me Mandschurei ist eine russische Provinz geworden, die von russischen Eisenbahnen durch­zogen und deren Verwaltung bereits völlig rufsifiziert ist. Das verrottete, ohnmächtige und zerbröckelnde China ist hierbei nicht gefragt worden und es hat auch kaum mit- zuredm gewagt. Die hin und wieder nach Europa ge­engten Meldungen, wonach der eine oder andere Gouver­neur der oder jener chinesischen Provinz mit dem oder jenem unaussprechlichen Namen ein Heer zum Einmarsch in der Mandschurei und zur Vertreibung der Russen aris­chste, haben nirgends Glauben gefunden. Und in der Tat sind die angeblichen Rüstungen dieser „Unaussprech­lichen" nichts als chinesische Fastnachtsscherze. Zum «iegführen gehört Mut und Geld; China hat keines

ton Heiden.

So weit von seiten Chinas überhaupt ein zahmer Ein-

Kamstag» de« 19 . Dezember.

spruch gegen die Okkupation der Mandschurei erhoben wurde, ist dies auf Betreiben Japans geschehen. Japan fühlt sich als ostasiatische Vormacht, und als das länder­gierige Rußland mir nichts dir nichts die Bkandschurei ein- steckle, da mögen die Japaner wohl gedacht haben: „Du fingst mit einem heimlich an, bald kommen ihrer mehre dran!" Aber der Einspruch Chinas blieb auch trotz der moralischen Rückendeckung durch Japan erfolglos, und die japanischen Staatsmänner hatten offenbar keine Neigung, die Mandschureifrage zu einem Konfliktsfall mit Rußland zu machen. So wäre die Frage vielleicht versumpft, wenn nicht die unersättliche Begehrlichkeit der russischen Politik sie weiter verschärft hätte.

Nicht zufrieden mit der Einsackung der Mandschurei, streckte Rußland seine begehrliche Hand auch nach Korea aus. Das war für die aufstrebende japanische Nation, der nran einst den Titel „das Preußen Ostasiens" der- liehen hatte, zu viel. . Mochte auch die Mandschurei den Japanern Heknba sein, so handelt es sich doch bei der Korcafrage für sie nahezu um eine Existenzfrage. Die Japaner haben das angeblich unabhängige Kaiserreich Korea, welches mit seinen 218 200 Quadratkilometern Flächeninhalt und mit seiner Bevölkerung von nahezu 10 Millionen einen leckeren Bissen darstellt, von jeher als ihr Einflußgebiet betrachtet und die allmähliche Anncktion Koreas für das Hauptziel ihrer Politik erklärt. Als nun die Russen begannen, sich auch in Korea, zuerst unter der harmlosen Firma sogenannter Handelsnieder­lassungen, festzusetzen, da begann der russisch-japanische Gegensatz sich so zu verschärfen, daß die Gefahr einer kriegerischen Zuspitzung dieses Gegensatzes immer näher zu rücken schien.

Dieser russisch-japanische Gegensatz ist trat so ernsterer Natur, da er schon weit älteren Datums ist, als die Mandschurei- und die Korea-Frage. Ist es doch in erster Reihe Rußland gewesen, welches die Japaner in dem japanisch-chinesischen Kriege von 1894—1895 um die Früchte ihres Sieges gebracht hat. Seit der Zeit ist die russische Politik in Ostasien unermüdlich tätig gewesen, um den japanischen Einfluß zugunsten des russischen zurückzudrängen. Dieses Vordringen Rußlands ist die Ursache des 'ostasiatischen Bündnisses gewesen, welches Japan und 8^1^' im Jahre 1902 mit einander schlossen. Wer man hat unterdes in Japan erkannt, daß man sich im Ernstfall auf den unsicheren englischen Bundesgenossen nicht verlassen kann, und das ist der Grund, weshalb die japanische Regierung der kriege­rischen Volksstimmimg nicht nachgibt und voraussichtlich auch in Zukunft nicht nachgeben wird.

Redaktions-Fernsprech« No. 52.

1993 .

Aber auch Rußland hat keine sonderliche Neigung zum Kriege. Tenn wenn auch die russische Feldarmee mit der Ziffer von 2 150 000 Mann figuriert, während die japanische Feldarmee nur auf 200 000 beziffert wird, so hat doch einmal Japan den Vorteil des Terrains und andererseits fehlt es beiden am Notwendigsten, am Geld, Und deshalb spricht die stärkste Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich die beiden Gegner trotz alles Kriegslärms doch schiedlich-friedlich verständigen werden.

*

lick. Berlin, 18. Dezember. Die gestern aus Japan über London eingetrosfenen Nachrichten lauten, einer Meldung des „B. L.-A." zufolge, sehr pessimistisch. Man glaubt in Tokio allgemein, daß Rußlands Antwort einer Ablehnung der japanischen Forderungen gleich komme. Es verlautet, der Rat der Ältesten und das Kabinett seien entschlossen, aus der Erfüllung der japanischen Forde­rungen zu bestehen. Die Sitzungen des Rates der Ältesten unter dem Vorsitz des Königs dauern fort.

M. Berlin, 18. Dezember. Nach einer Meldung aus London berichtet „Morning Leader" aus Washington, vom 17. Dezember: Zum erstenmal, seit der Konflikt' zwischen Japan und Rußland besteht, räumte heute die hiesige Regierung ein, daß der Ausbruch des Krieges wahrscheinlich sei. Ein Beamter, der Zugang zu den Meldungen aus dem fernen Osten hat, erklärte, daß der Friede nur aufrecht erhalten werden könne, wenn Ruß­land das japanische Protektorat über Korea anerkennt.

wb. New York, 18. Dezember. (Neutermcldung.) Eine aus S o e u l hier eingegangene Depesche besagt: Die Haltung der Russen deutet darauf hin, daß Rußland entschlossen sei, Japan daran zu verhindern, einen Stütz­punkt in Korea zu erlangen. Die Russen zeigen sich auch unangenehm berührt von dem tätigen Vorgehen der Ver­einigten Staaten hinsichtlich der Öffnung von Widschu und erklären, daß die Vereinigten Staaten die Geschäfte Japans besorgen.

hd. London, 19. Dezember. Aus Tokio wird ge­meldet: Die Lage wird ernster. Der Korrespondent des „Daily Mail" meldet, daß das aktive japanische Geschwa­der den Hafen von Sasebo am 16. d. M. verlassen hat. Es heißt, das Geschwader begebe sich nach den koreanischen Gewässern. Andererseits wird behauptet, das Ziel sei ein weit entfernteres, die Kommandanten hätten ver­siegelte Order. Die Regierung dementiert die Meldung, daß sie beabsichtige, Truppen auf Korea zu landen.

llck. Berlin, 19. Dezember. Nach Meldungen aus London erführt die „St. James-Gazette", daß die Lage in Ostasien von britischen Regierungskreisen ernst auf­gefaßt und daß der Krieg für unvermeidlich erachtet werde. Rußland erkenne zwar die Forderungen Japans

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Die Nevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brithl.

(57. Fortsetzung.)

Uh "f e ? froh, lieber Ohm, daß dir der Herr nicht etwa oejne Bibel oder dein Gesangbuch oder über feine Manschen Fachschriften kommt, denn es wäre möglich, 2?$ Behörde auch deren Lektüre nicht besonders er- hat", höhnte Gottfried.

"Wnn mir die Weisung erteilt wird, nach solchen 'on zu fahnden, sollte mich auch Ihr Spoft davon Whalten, Herr Studiosus Hülskamp", sagte der ’ m Abgehen, und Agnes machte dreimal das des,Kreuzes hinter den Beamten her. l 7 q B diese Albernheit. Die Sache ist viel zu ernst l'Ä'verwies ihr Manuel ihr Gebühren. Dann wandte itfj; + öftiernd vor Aufregung, an seinen Neffen: „Ihr mir diese Sache überhaupt ziemlich leicht aufzu- ? "ud Euch den Teufel was drum zu kümmern, daß lack heut' abend noch an allen Biertischen in Mühl- wird: bei dem Manuel von der Pforten sei kn Polung nach verdächtigen Schriften gehalten wor- i öl. . Natürlich wird alles ums Vierfache . un ^ so wird man wissen wollen, daß ?c gefährlichen Pamphlete gegen König und ksjS Kunden seien und daß ich jeden Augenblick ver- er[J> Worden könne. Die Schand', die Schand'! Ich nicht!«

"n dir wird doch keine Seele zweifeln können, auf r»;i t nnangetastet als ein großer Patriot 'da, und j sried allein fällt alles das", entgegnete ihm Gött­ersuchte ihren Vater zu trösten: „Ja, an ein vif §owiß keiner, und kein Vernünftiger wird auch einrz^"^chen darin sehen, wenn zwischen den Büchern fmde/tmr Mannes sich mal ein paar Schriften Mandarinen und Bonzen im Staat nicht isl!>gzZM ssiid. Und was die Haussuchung anbetrifft, so hx srqr® 0c o heutzutage nichts Auffälliges, wo das Kind in toiw 'ge nicht sicher davor ist, daß ein Schnüffler her- sticht» 11110 sein Bettchen nach verbotenen Dingen durch-

nicht so verächtlich von solchen Sachen, von ' r h ^ Frauenzimmer nichts verstehst", fuhr Herr m 1 ieme Tochter an. „Es ist schlimm genug, wenn

die Aufsässigkeit gegen König und Regierung schon so weit verbreitet ist, daß sich der Staat so vorsehen inuß. Ich empfinde es überdies als eine unauslöschliche Schande, daß in meinem Hanse etwas gefunden irmrde, was nran nie darin hätte finden dürfen. Und noch schlimmer ist für mich, daß ich etwas entdeckt habe', was dem Faß den Boden ausschlägt."

„Was schlägt denn dem Faß den Boden aus, Ohm Manuel?" frug Gottfried, und Agnes ftpähte ver­stohlen nach dem Päckchen aus, das sie durchs Fenster ge­worfen hatte; aber sie sah nichts dergleichen zur Seite des Gartenhauses liegen.

„Komm mit mir ins Kontörchen, ich Hab' mit dir zu reden", beschred der Gärtner seinen Neffen kurz und scharf.

„Tu bleibst", fuhr er feine Tochter an, die den beiden Männern folgen wollte. Aber Agnes ließ sich nicht ab­weisen.

„Was du mit Gottfried zu verhandeln hast, darf ich doch hoffmtlich auch noch hören", sagte sie mit ent­schiedenem Ton,

„Na, so geh' meinetwegen mit, damit du dir später nicht wieder einbild'st, es sei einem ein Unrecht geschehen, wie dn's dir wegen dein Rebell, dem Klaas Pitter, in deinen dummen Kopf gesetzt hast. Was ich bestimm', das hat unter allen Umständen seine gute Begründung, darauf könnt Ihr Euch verlassen."

Sie folgten ihm in das enge Zimmerchen, wo er als­bald den Deckel seines kleinen Stehpultes aufschloß und das Päckchen hervorholte, welches Agnes kurz vor­her so listig beseitigt hatte.

„Kennst du das?" frag er seinen Neffen mit heiserer Stimme und schlug mit der flachen Hand knallend ans das Papier.

„Ja, es ist mein Eigentum", entgegnete Gottfried und langte nach den Schriftstücken, aber Manuel riß das Paketchen wieder arr sich und schrie: „Nee, so einfach geht das nicht. Ich weiß, was drin ist. — Und du, du", wandte er sich an seine Tochter, „du hast dich unterstanden, ihm behülflich zu sein und das hier zu beseitigen! Das läßt mich Schlinimes vermuten, das sagt mir, daß dieser Unglücksmensch dich ani End' gar eingcweiht hat in sein verbrecherisches Treiben."

„Mäßige dich etwas in deinen Ausdrücken, Ohm", sprach Gottfried, in Zorn geratend. „Wenn hier über­

haupt von irgend einer Schuld die Rede sein kann, bin ich der einzige, der in Frage kommt. Agnes hat nichts damit zu tun."

„So, so", höhnte der Gärtner. „Und wie kommt es denn, daß mir dies Paketchen an den Kopf flog, als ich in Sorg' und Not wegen der verdammten Gefchichte um das Gartenhaus herumlauf', in dem oben bte von der Polizei herumsuchen? Und wie kommt's, daß ich meine Tochter grad an dem Fenster stehen scheu mußt'? Willst du noch leugnen, daß du das hier hast beseitigen wollen, Agnes? Du bist seine Helfershelferin gewesen, da ist kein Zweifel. Sag', weißt du, daß sehr, sehr gefährlick)« Sachen in dem Ding hier enthalten sind, Sachen, Sachen! Mit der Zang' sollt' man so was nicht anpacken."

„Etwas Schmutziges wird wohl nicht drin enthalten sein, Papa", entgegnete Agnes. „Und wenn^ ich dem Gottfried durch Beseitigung dieser Schriftm nützlich sein konnte, so reut mich das nicht."

„Nein, Agnes ist zu anständig, ein Denunziantin zu sein. Nur dich versteh' ich nicht, Ohm, daß du das dir so verdächtig erscheinende Paket nicht jenen Schnüfflern ausgeliesert hast. Du hättest dir ja einreden können, du begingst dadurch eine patriotische Tat, die sich doch noch mal bezahlt macht", höhnte Gottfried, ergrimmt über das Gebühren seines Onkels.

„Die Schonung, die ich dir angcdeihen ließ, hattest du auch wirklich nicht verdient", schrie der Gärtner. „Meinen Augen glaubt' ich nicht zu trauen, als ich mit zitternden Händen hier das Ding aufmach und so 'ne Art von Konzepten drin vorsind', Konzepte von gewissen hoch­verräterischen Schriften, die unsere Gegend so aufgeregt haben. Junge, Junge! ich Hab' da einen ganz schrecklichen Verdacht gefaßt, einen Verdacht, den ich nicht anszu- sprechen wage. Tu hast Flammen unter mein Dach ge­bracht, du hast Giftbrocken gelegt, du hast das heilige Gastrecht schmählich verraten, du du!"

„Ich habe nichts Unehrenhaftes getan und vielleicht einen besseren und dabei weit unbequemeren Patriotis­mus geübt, als du. Nebstbei habe ich mich für dein Ge­schäft ehrlich verdient gemacht. Und wenn ich nun dein Haus heute verlasse, so tu ich'S zwar mit Trauer, aber doch auch mit dem Empfinden, lieber Ohm, daß ich dir nichts Wesentliches schuldig bleiben werde."

„Du darfst nicht so von uns gehen. Gottfried", rief Agnes erschrocken und schmerzlich. „Papa ist nur ans-