1 Der Roman, t
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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts,
Nr. 22 %
Dienstag, 21. September.
(915.
(21. Fortsetzung.)
$ric6d$ Ctcbc. (Nachdruck verboten.)
Roman von Anny von PanhuyS.
Meng,da lächelte, während Mama Bergen ein bißchen geschmeichelt über das Lob, das der Tächter galt, den Schauspieler jetzt freundlicher betrachtete. Sie verstand
S icht ollzuvvcl von der Schauspielkunst, aber sie wußte, as Jbsentheater gehörte zu den teuersten Theatern Berlins, und wenn das Magda engagieren wollte, —> der Graf Buckcnbach brauchte sich gar nicht so herab-' lassend' zu geben, denn das tat ür, Mama Bergen emp- sand^das, Magda ließ seinetwegen, ihre große Karriere im Stiche, und ob ihr «die gräfliche Ehe dafür Ersatz bot, mußte erst die Zukunft lehren. — Magda hatte ihr nie erzählt, daß sich das Jbsentheater um sie bemühte. Magda sprach überhaupt nicht viel zu ihr vom Theater und jetzt ging sie auch «ie .mehr in eine Vorstellung.
Eben sagte der Sämuspieler: „Du besuchst doch
natürlich viel das Theater uno läßt dir Vorspielen?" „Nein!"
„Aber, tveshalb denn nicht? Konckdie spielen und spielen sahen, das ist doch das Allerschönste ans der Welt!"
„Es tvar auch für mich das Schönste, Komödie spielen und Komödie spielen zu sehen", mit halber Stimme wie zu sich salbst, sagte es Magda, „aber spielen darf ich nicht mehr, mein Verlobter wünscht es nicht, und zusehen, wenn die anderen spielen" — sie schwieg einem Augenblick — „nein, WeHmann, das kann ich nicht. Einmal habe rch es getan, seit ich nicht mehr spiele, ein einziges Mal. In „Zaza" bin ich hineingagangen. Zaza, die ich so oft gespielt, so oft, die sah ich von einer, die be- rühnrt ist und gefeiert. Jedes Wort, das sie da oben auf den Brettern sprach, das rodete ich leise mit, und ich fühlte es, wußte es, das kannst du besser, tausendmal besser, ständest du nur da oben- Wie ein Fieber packte es mich da, und es fehlte nicht viel, dann hätte ich laut aufgvweint. Und gar nickt daran denken darf ich, daß ich nienrals" — sie blieb stehen und zwang den Schau- jpioler mit einem Druck auf den Arm, gleichfalls stchen zu bleiben, „niemals wieder die Bretter betreten Werve. Niemals, o, wie das klingt" — und leise schauernd, „wie Schollen, die auf einen Sarg fallen."
„Aber Magda, so komm doch", mahnte Mama Bergen, sie war weitergegangen, -das Kleid einer an ihr vorbeivauschonden Dame hatte ihre Aufmerksamkeit beansprucht und sie nicht mehr auf Magdas Unterhaltung mit dem Schauspieler achten lassen.
Magda ging weiter. Man war inzwischen bis in die Königstraße gelangt. Das betäubende Geräusch der verkehrsreichen Großstadtstraße legte sich lähmend um die Sinne. „Ich verspüre Kaffaoappatit", erklärte Frau Bergen vor einer bekannten Konditorei. Sie glaubte Wellmann los zu werden, doch der sagte: „Mir geht es -ebenso, gnädige Frau", und er schritt den Damen voran, pan ihnen in dem um diese Stunde säst stets überfüllten Lokale Platz zu schaffen- Er fand ein bequemes, gerade frei gewordenes Tischchen. Frau Bergen ging an die Auslage, den Kuchen zu besorgen. Magda und Wellnwun blieben allein.
( „Wer, Bergen, um Gotteswillen, was du da vorhin sagtest, das ist entsetzlich. Wenn dir's so schwer fällt, der Bühne zu entsagsn dann darfft du es einfach nicht tun. Auch als Frau kannst du weitevspielen. Dein Verlobter wird Vernunftsgründen zugänglich sein."
- „Nein, meine Gründe würde er nicht begreifen." Unsäglich bitter (rar der Ton, in den: Magda Antwort gab.
»Nun denn" — er sprach nicht weiter, ober -Magda wußte, was er sagen wollte- Totenblaß ward ihr Gesicht und leise, als vertraue sie ihm ein Geheimnis an, flüsterte sie: „Ich kann nicht mehr zurück, ich habe ihn lieb, über alles lieb."
„Armes Mädel." —
Mama Bergen erschien, hinter ihr der Kellner mit mehreren Tellern voll Gebäck.
„.Hast du >ck)on das neue Stück von Maeterlinck gelesen?" fragte Wellmann und sog aus einen: Strohhalm seinen Eiskaffee.
„Ja, aber ich bin noch nicht zu Ende damit gekommen", erwiderte sie.
„Das Jbsentheater bringt das Stück im November heraus, ich habe eine Bombenrolle darin", sagte der Schauspieler und kippte mH seinem Stuhl. Das tat er rmmec, wenn er behaglich saß und erzählen konnte, man hätte ihm eine Bombenrolle übertragen. „Die Haupt- Heldin wäre übrigens was für dich", fuhr er fort, „dir auf den Leib geschrieben"
„Das gnrpsand ich beim Lesen auch." In den Augen Magdas -glomm ein dunkler Glanz auf, sehnsüchtig heiß. „O, wer die Rolle spielen dürfte —"
„Das liegt noch in deiner eigenen Hand."
Hatte Wellinann so gesprochen, oder hatte sie das nur gedacht? Wie bei etwas Bösem ertappt sah sie den Schauspieler an. Der hatte nicht geredet. Er kippte noch init dein Stuhle und dachte an Bombenrollen. „Den Baumeister Solneß habe ich hier auch gekriegt", plauderte er, „weißt du noch. Bergen, in WürAurg, du spieltest die Hilde. — Was hatten wir Applaus, ach, und die Kritiken! Weißt du noch?"
Ob'ste es noch wußte! Nie würde sie diese Aufführung vergessen- -Das jubelnde Publikum :»nd die vielen, vielen Blumen und Kränze. Es war ihre Abschiedsvorstellung gewesen, ehe sie nach Frankfurt ging. Ach, Frankfurt! Dort hatte man sie auch lieb gehabt, sehr lieb, uud sie war gegangen — ohne Abschied. Das quälte sie oft. Und zu niemand durfte sie darüber sprechen, man hätte sie nicht verstanden außer der Schwester.
„Wer spielt denn am Jbsentheater die Hilde?" fragte sie.
„Fräulein Warlow, eine sehr talentierte Schau- fpie-lerin, die der Direktor irgendwo in der dunkelsten Provinz ausgegraben. Sie spielt gut, aber sie ist keine Magda Bergen. — Sich sie dir doch an. In vier Wochen ist erst Vorstellung. Am 6. Oktober. Ich schicke vir Billetts", schlug er vor,
