1. Beilage Min Wiesbadener Tagblatt.
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Die stille Herzensfreude Jst's, die nicht leicht verglimmt;
Sie gleicht von Kork dem Schifflcin,
Da? immer oben schwimmt. ft.
Tief mag es untertaucdcn, »
Doch immer fpringt's heraus — *
Und stille Herzenchreude T
Lacht Sturm und Sorgen ans. j*
Georg Knauer.
_ ♦
(73. Fortsetzung.)
Eva Leon!.
Roman von Marie Bernhard.
Wir traten hier zuerst ein. — zwei Hängelampen aa&en reichliches Licht, ein paar Stühle und Tischchen, mit Tuch bezogen und mit bunter Seide bestickt, standen in gv- Miger Anordnung umher; von einem dieser Stichle erhob sich ein kleiner, dürrer, ältlicher Herr in vollständigem Gesellschaftsanzug und verneigte sich feierlich vor uns.
„Freiherr von Richthosen, niein Oheim!" stellte Susi tor.
Fand der im stilleir von mir etwas gefürchtete Onkel Wohlgefallen an Hannahs und meiner Erscheinung oder hatte Susi in ihren Schilderungen von ihm stark übertrieben. -unsere erste Begegnung verlief unge
wöhnlich günstig, und als mein Blick beifällig auf einer allertümlich geformten Tonvase haften blieb, die, ein Bankett roter und gelber Rosen enthaltend, auf einem der steinen Tische stand, da hatte ich mir die Sympathie des rlten Herrn mit einem Schlage gewonnen.
„Sie sind Liebhaberin, vielleicht sogar Kennerin so seltener Sachen, meine Gnädige, wie ich soeben bemerke. Meine Nichte lacht mich um dieser meiner Vorliebe willen aus, aber mein ganzes Interesse hängt daran. — jedem freilich ist die Beurteilung solcher Dinge nicht gegeben! Dies ist ein überaus kostbares Strick, eine etrurische Vase, völlig rein in der Form und in den strengsten Verhältnissen ausgebaut; ich darf Sie vielleicht näher führen?"
Damit bot mir der alte Herr mit etwas umständlicher, veralteter Galanterie dm Arm und geleitete mich zu dem Gegenstände seiner Bewunderung, den er mit behutsamen Händen Md triumphierenden Blicken aushob und mir
Präsensteste.
Susi ließ ein anrüsiertes Lachen hören.
»Das nenn' ich einen glücklichen Treffer tun. Everl". flüsterte sie mir bald darauf zu. „aus Diplomatie ist's nimmer geschehen, dazu liegt kein Talent in dir. — aber ssjni hast du den Onkel fest am Bändel! Ah. hier komnrt
vennora Coldras, meine dame d’lionneur,-
mein Schwiegervater und Manuel bestanden darauf, das; ste hierher zu mir zog bis zu meiner Verheiratung!"
Sennora Coldras war eine etwa fünfzigjährige Süullanerin mit zitronengelber Gesichtsfarbe, hoch hiii- aufgezogxnen. schwarzen Brauen, die ihrem Blick eüvas in « i? Erstauntes verliehen, blauschwarzen, dicken pussenscheibeln und eineni stereotyper!., verbindlichen kacheln um die schmalen Lippen. Wir wechselten ein paar
Samstag, de« 12. Dezember.
höfliche Redensarten, dann führte Susi Hannah und mich in die für uns bestimmten Zimmer.
„Hier ist Ihr Logis, liebe Madame Bertram. — vis-ä-vis von Eva! Die Zimmer neben ihr nehm' ich in Beschlag bis zu meiner Hochzeit. — von da an können Sie Ihr Pflegekind wieder für sich haben, — aber solang' gönnen Sie sie mir. nicht jo?"
„Mit tausend Freuden. Sie liebes, herziges Fräulein! Wie sollte ich rneiner Kleinen eine Nachbarschaft nicht gönnen, die sie selbst so glücklich macht?" —
„Zu liebenswürdig! Bitte, hier ist die elektrische Leitung, falls Sie Bedienung wünschen; in einer guten halben Stunde wird gespeist. Ms dahin auf Wiedersehen!"
Sie warf Hannah ein Kußhändchen zu und zog mich mit sich fort in mein behaglich ausgestattetes Zimmer.
„Sieh', hier sollst du wohnen. — wie gefällt dir's? So gut sich's mit deu vorhandenen Möbeln einrichten ließ. Hab' ich's bewerkstelligt. Welch' eine liebe Dame ist deine Frau Bertram. — ganz anders, als meine sage- nannte Tante. Sennora Coldras! Die ist nämlich eigentlich nur eine als Spanierin angezogene große Attrappe!"
„Susi!"
„Tu kannst mir's glauben und wirst nach einer halben Stunde mein Urteil bestätigt finden. — längere Zeit braucht man nicht, um sie gründlich kennen zu lernen. Zu dumm, daß man sie meinetwegen aus Sevilla hierher verschrieben hat. — nun ist meine Hochzeit viel früher, sie ist dann vollkommen übrig und jedem bloß im Wege, denn so rasch kann sie natürlich die weite Tour bis nach Spanien nicht wieder zurücklegen, und da niemand weiß, wohin mit ihr, wird der Onkel sie wohl oder übel noch eine Weile bei sich behalten müssen, was ich ihm im Grunde genommen gönne."
„Aber Susi, dein Onkel macht inir einen ganz angenehmen Eindruck!"
„Freut mich zu hören. — du ihm auch, das steht fest, die Sach' mit der Base war geradezu genial! Mein Fall ist er nicht! Aber du wirst dich hier im Haus' ganz gut zurechtfinden, ma blonde, wenn's nicht — wenn's nicht — anders mit dir kommt! Musizieren könntest du hier von früh bis spät, der Flügel steht eine halbe Melle weit von Onkels Wohnzimmer entfernt, dich stört keine Katz'! Und morgen früh fahren wir aus. ein schönes Kleid für dich zu bestellen, in aller Hetz'. — es muß feudal aus- fallen. das siehst du ein, eine Doppelhochzeit findet sich nicht alle Tag'!"
„Doppelhochzeit? Wer in aller Welt heiratet denn noch außer dir?"
„Nun. der Paradiesvogel wird seinem Charles Nelson, Carl of Summermore angetraut!"
„Davon hast du mir ja aber kein Wort geschrieben!"
„Habe ich nicht? Daraus siehst du. welch' eine Rolle dies interessante Menschenpaar in meinem Leben spielt. Nun, jedenfalls weißt du's jetzt, und ist das nicht am Ende genug?"
„Bewahre! Ich habe kein Hochzeitsgeschenk —"
„Tn liebe Zeit! Das kaufen wir morgen Unter den Linden im Vorüberfahrcn ein. — irgend ein unnützes Zeug, ein paar Champagnerkühler oder Bronzekandelaber oder Elfenbeinfiguren! Hast du kein Geld dazu, geb' ich dir welches."
31. Jahrgang. 1803.
Was ist denn der Earl
„Q doch, ich habe genügend! für ein Mann?"
„Himmel. Evi. du bist schreckhaft gründlich. — jetzt soll ich dir gar noch den Earl beschreiben! Er geht lang und langsam einher, spricht lang und langsam, denkt lang vnd langsam, liebt lang und langsam —“
„Um Gotteswillen, Susi, hör' auf!"
„Ich denk' halt auch. Du sichst ihn zeitig genug, glaub' es mir! Und nun lass' mich dir helfen, deme Kleider herauszunch inen; wir läuten uns kerne Zofe herbei, denn da könnten wir kein ungeniertes Wort reden, die Frauenzimmer verstehen alle französisch, das hüls' uns also auch nichts! Heut' will ich dich 'mal bedienen! Was haben wir hier? Weißen Kaschmir mit bunten gestickten Borten. — das wird dir reizend passen, das wirst du anziehen!"
„Ja aber, Susi, mir scheint das zu geputzt! HM Ihr denn Gesellschaft zum Abendessen?"
„Gesellschaft? Nein, du kleiner Narr, aber ich will eben, daß du dich schön inachst! Du sollst gefallen, verstehst du? Her mit dem Kleid, und nun wart'!"
Damit lief Susi eilfertig ins anstoßende Zimmer und kam gleich daraus mit zwei entzückenden, halb aujge- brochenen Teerosen zurück, die sie mir triumphierend entgegenhielt.
„Schön, nicht wahr? Die steckst du seitwärts oben fest, das wird aöldig anssehen. So! Setz' dich daher, ich werd' dein Lockenhaupt ein bisserl stutzen!"
Neben mir in dem großen Toilettenspiegel tauchte Susis reizend belebtes Gesichtchen auf, ihr goldbraunes üppiges Haar, ihre strahlenden Mauaugen, das sutze. plaudernde Mündchen; ich kam mir gegen sie wie eine Marmorstatue vor. Sie lachte und redete fast ohne aufzu- hören, — aber immer noch kein Wort von ihrem
Bräutigam! ^ .
„Susi, erzähl' mir etwas von demem Manuel! bat ich. „erzähl' mir viel von ihm!"
Ja __ also" — Susi ließ den Kamm, mit dem sie nicht sehr sanft mein Haar bearbeitete, sinken und sah nachdenklich vor sich nieder, „er ist hier in Berlin bei der portugiesischen Gesandtschaft angekommen und hat gleich da§ Haus in der Wilhelmstraße gekauft und einrichten lassen'' auf eine Hochzeitsreise müssen wir natürlich verzichten, well er, seinem kranken Vater zulieb', ohnehin schon einen so langen Urlaub gehabt hat. das ist am Ende kein Malheur, denn in kurzem fängt ja auch hier die Saison an. All' die alten Tänzer und Anbeter vom vergangenen Winter wieder um mich zu sehen, das wird nur kolossalen Spaß bereiten, — 's ist so ziemlich ein und derselbe Kreis. Manuel reitet viel und gern mit mrr aus. er ließ nach Teplitz zwei von seinen Pferden und seinen Groom kommen und erteilte mir ganz regelrechten Reitunterricht. denn in Wien fing der gerade bei mir an. als die ganze Herrlichkeit dort zu Ende ging! — Da. nun sieh' einmal hinein, ob das nicht ein süßes Fratzerl ist mit
der niedlichen Figur..nur. ich bist' dich, Kind.
sich' nicht so ernsthaft aus. das kann ich jetzt nicht brauchen, du sollst schön und heiter sein. Komm', jetzt legen wir das Kleid an. — Geschmack hast du immer gehabt, das muß ich anerkennen!"
(Fortsetzung folgt.)
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Guttmann
