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eint t# zwei Ausgabe«. — BrzugS-Prett: ben Verlag L« Pfg. monatlich, durch du «Jft , Mk S« Pfg. vierteljährlich für beide
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fit deutsche MdpolareWedilmn.
o Iu a Anlatz der jüngst erfolgten glücklichen Rückkehr w Rutschen Südpolarexpedition in bic Hermat rst wohl Übersicht über den GesamtverlEf der Ldrston von ihrer Ansrerse bis W chrer Ä^eor gegeben, nicht aber eine Darstellrmg ^ Tätigteit der Expeditton in den autark- tifcken Gebieten nach dem Verlassen von KLvstadt. Gerade dieses Gebiet jedoch um« fofet das eigentliche Arbeitsfeld der Expedition weshalb wir es unseren Lesern ber- siebend durch eine Kartenskizze vorfuyren.
In dem Gebiet sind, wie die Zerchen- ecklärung oben rechts in der Karte erkennen läßt, autzer der Fahrt des deutschen Expech- tionsschisfS auch die Routen der hauptsachlrch- sten früheren, zum Teil ebenfalls deutschen Expeditionen (Tiefsee-Expedition, Gazelle- Expeditton) eingetragen, so daß m an ern übersichtliches Bild der Tätigkeit derselben in dem südpolaren Arbeitsfelde erhalt.
Über die deutsche Expeditton ist, sowert der Raum es hier erlaubt, speziell folgendes zu sagen:
Die Expedition langte am 23. November ISO! in Kapstadt an.
Der Aufenthalt daselbst währte bis zum 7. Dezeniber. Aus der Weiterfahrt wurde am 25. Dezember die Crozet-Juselgruppe besucht, und am 2. Januar 1902 ankerte der „Gautz" in der Observatory-Bai der Kerguelen, wo eine wissenschaftliche Station errichtet war. Die Teilnehmer dieser Station, die Metersologen Enzensperger, der Biologe I>r. Barth und Dr. Luyken nebst zwei Matrosen, warm im Oktober 1901 durch den D-mpfer „Tcrnglin", der gleichzeitig die Schlittenhunde und sonstige Ausrüstung ftir die Drygalskische Expedition an Bord hatte, nach den Kerguelen gebracht worden, wo die Ankunft am 9. November erfolgte. Als StÄionsplatz wählte :mm die Observattons- HMinsel nördlich von dem Royal Sund, wo im Jahre 1874 eine englische Expedition den Venusdurchgang beobachtete. Tie Beobachtungsstelle aus den Kerguelen war vorzüglich Ausgerüstet; die klimatischen Einflüsse des Südpolarwinters sind trotzdem so verderblich gewesen, daß eines der Mitglieder,
4>r. Enzensperger gestorben, ein anderes, ... . .
Dr. Barth, eine Zeitlang schwer erkrankte.
Die Station ist länger als ein Jahr in Tättgkeit gewesen und hat somit die im Programm der deutschen Südpolarexpedition vorgesehene längere Reihe magnetischer und
Am 31. Januar 1902 verlietz der „Gautz" die Kerguelen, um nun seinem eigentlichen Reiseziele, der südpolaren Zone, zuzusteuern, hierbei berührte man die Heard-Jnseln. Noch ehe die Expeditton den Südpolar- lveis überschritten hatte, gelangte sie an deir Nordrand eines ausgedehnten Festlandes, wohl den der gesuchten Antarktis. Hier wurde das Schiff von dem herandringenden Scholleneise besetzt und bis zum 8. Februar 1903 fest
‘-lyjae wer augerp marrrcyen rrenninrv uoer ore merevrv- wgischen Verhältnisse der Antarktis sind diese Forschnn- der Kerguelenstatton von größtem Werte.
gehalten. Dieses Land wurde Kaiser Wilhelm II. -Küste getauft. Hier war früher die gesichtete Küste als Dermi- nationsland bezeichnet worden. Dasselbe bildet dien Mittelpunkt der hier angetroffenen Landmassen, und in dessen Nähe, auf 66 Grad 2 Mn. südliciser Breite und 89Grad 48 Min. östlicher Länge, überwinterte die deutsche Südpolarexpedition vor dem neu entdeckten Land. Hier
hatte sie somit, seitdem sie imJanuar 1902 von denKergu- dm aus südwärts gegangenwar, ihreStaüon. Man mutzte hier das Winterquartier zu Schiff über einer Moeres- tiese von rund 400 Meter in 66 Grad 2 Min. S. und 89 Grad 48 Min. O. beziehen, denn das Land, auf dem man die Station anzulegen gehofft . hatte, lag noch 90 Kilometer weiter südlich, eine bis dahin unbekannte Küste^ die bis auf eine vulkanische Kuppe unter dem Eise begraben lag. Der „Gaußberg", wie die vulkanische Kuppe genannt wurde, ist auf wiederholtenSchlittenreisen besucht und erforscht. Dahinter dehnte sich, nach Süden zu langsam ansteigend, unabsehbar ins Unbekannte hinein das Inlandeis aus. Die vorläufige Bestimmung für die geographische Lage des Gautzberges ist 66 Grad 48 Min- S. und 89 Grad 30 Min, O.
Ist die Expedition somit auch nicht in hohe südliche Breiten gelangt, so hat sie doch wissenschaftlich hochinteressante und bisher unerforschte Gebiete erschlossen. Sp^iell gilt dies von dem Gaußberg, über den Drygalski sagt: „Er ist uns mit seiner großartigen Ruhe und Weite, mit seinen Eisgebirgen, die er in langen Pausen löst, mit seinen rasenden Stürmen, viele Meter klaffenden Spalten, über die man ahnungslos hinschreitet, bis hier oder da eine Schneebrücke stürzt, mit seinen zu Mauern vereisten Schneewehen, seinen zu Brocken zertrümmerten Gesteinen und seinen Lavahöhlen, in denen Sturmvögel nisten, unauslöschlich ins Gedächtnis geschrieben. Zum Erebus und Terror waren schon andere gefahren und werden noch andere kommen; kaum aber wird ein Schiff dem Gautzberg auch nur in Sichtweite nahen, ohne dann dort auch immer zu bleiben, und kaum wird die Urkunde, die wir dort niedergelegt, noch von anderen gelesen unö vervollständigt werden."
Vom Gaußberg wendete man sich östlich, drang jedoch nicht weiter nach dem Pole zu vor. Ä!m 16. März gelangte der „Gautz" aus der Region des Schollen» eises. Da der Versuch, südwärts vorzudringen, um eine geschützte Stelle Hu einer zweiten Überwinterung zu erreichen, nicht gelang, entschloß sich Professor von Drygalski am 9. April, nunmehr seinen Kurs wieder nordwärts zu nehmen. Man ging über die Macdvnald- Jnseln nach den Kerguelen, von dort nach Neu-Mmsterdam und dann nach Durban an der südafrikanischen Küste, wo man am 31. Mai eintraf. Am 9. Juni erreichte die Expeditton dm Hafen von Simonstown, wo das Schiff der erforderlichen Reparatur unterzogen wurde. Am 2. August konnte es dann von neuem in die See stechen und steuerte nun, seine ozeanographischen Arbeiten im atlantischen Ozean wieder ausnehmend, über St. Helena, Ascension und- die Azoren der Heimat zu.
Politische Übersicht.
Kaufmännische Schiedsgerichte.
Für die Notwendigkeit der Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte zur raschen und billigen Entscheidung der aus dem kaufmännischen Anstellungsverhältnisse her- rührenden Streitigkeiten zwischen Prinzipal und Gehülfe hat sich zuerst der „Deutsche Verband kaufmännischer Vereine" ausgesprochen, und zwar auf seiner Hauptversammlung zu Görlitz im Jahre 1868. Seitdem ist diese
FemUeton.
Sektor Nerlioz.
13» seinem 100. Geburtstag e.)
Am 11. Dezember jährt sich der Dag zum 100. Male, dem der genialste Musiker, den Frankreich hervorge- hat, in dem kleinen Städtchen Cüte-Saint Andr<- Licht der Welt erblickte. Vielseitiger als in seinem ^»terlande wird man bei uns in Deutschland diesen wichen Gedenktag feiern. Denn ttefer als bei seinen Lands- lwten wurzelt bei uns Deutschen das Verständnis für ötf Kunst Hektar Berlioz'. Berlioz ist mit seinen Werken gekommen, als er fühlte, daß die Pariser ihn nicht Erstanden. Es ist richtig, daß man dem eigentlichen seiner Kunst in Frankreich lange Zeit hindurch Mmd gegenüberstand, doch keineswegs hat man den »ceister in seinem Streben, in seiner äußeren Bedeutung verkannt. Man wußte zu seinen Lebzeiten sehr wohl, einen wie großen Etnslutz Berlioz auf das französische ^nnstteberr ausübte. Man versäumte auch nicht, den iwmvonisten nach außen hin zu ehren und zu feiern. Es mutet daher wie schnöder Undank an, wenn man vernimmt, wie scharf sich Berlioz stets über seine Landsleute ^klagt hat. Er fühlte sich zurückgesetzt und verkannt, vb- iGon er von der Regierung mit den ehrenvollsten Ans- ^agen bedacht wurde, so dah dieserhalb der Neid und di« griffe von selten der komponierenden Akademiker kein «»de nahm,. ' Möglich, daß ihm diese fortwährenden 'ultrigen und ' Gehässigkeiten seitens seiner fachgenösst- Gegner Paris und schlicstlich Frankreich verlc^e- Bon Natur aus war Berlioz ja stark pessimistisch
veranlagt. Er redete sich gern in weltschmerzliche, unglückliche Stimmungen hinein, um sich selbst und anderen gegenüber den tragischen Helden zu spielen. Berlioz schonte freilich auch die Gegner nicht mit seiner Feder. Die bissige, sarkastische Kritik, die er als langjähriger Mitarbeiter des „Journal des Debats" an seinen mehr oder weniger bezopften Widersachern und ihrem Schaffen, zum größten Teil mit voller Berechtigung, übte, mutzte die Herren Kollegen nur noch mehr reizen. Doch das allesist wohl nicht der eigentliche Grund für seine verbitterte Stimmung. Er empfand es sehr wohl, daß man ihn von offizieller Seite ans nur seiner Erfolge und seiner repräsentativen Bedeutung halber feierte, baß man aber in Wirklichkeit für sein Schaffen nur wenig Verständnis hatte. Der eklatante Mißerfolg seiner Oper „Benvenuto Cellini" bei der Erstcinssiihrung in Paris, der zu einem Theaterskandal führte, bestärkte ihn in seiner llber- zcnguug noch mehr. Er ging alsbald nach Deutschland hinüber, hoffend, daß er dort, in dem Vaterlande seines Ideals „Beethoven", einen fruchtbareren Boden für seine Kunst finden würde. Er täuschte sich in dieser Annahme nicht. Seine erste deutsche Reise brachte ihm große, wahrhaft künstlerische Triumphe. In einer Reihe von Städten, wie in Berlin, Dresden, Braunschweig und Stuttgart, wurde er geradezu enthusiastisch ausgenommen. Große Erfolge hatte er später auch in Breslau, Wien, Prag und Aachen. In letzterer Stadt führte man 1854 gelegentlich eines niederryeinischen MusikscsteS seine jetzt leider stark vernachlässigte geistliche Trilogie <„Die Kindheit Christi") auf. Am meisten aber sorgte des Meisters Freund, Franz Liszt, von Weimar aus für die weitere Verbreitung seiner Werke. Während nach Berlioz Todc (8. März 1869) die Franzosen die Werke ihres Lands
mannes vernachlässigten, nahm man sich bet uns der
Schöpfungen des genialen Kopfes mit um so größerer Liebe an. Später ging dann auch den Parisern das wahr« Licht über die eigentliche Bedeutung ihres großen Sohnes auf. Die vor kurzem erfolgte Enthüllung des Berltoz- Denkmals in Grenoble zeigte zur Genüge, wie enthusiasmiert man jetzt über die Berliozsche Kunst urteilt.
Für unsere musikalische Entwickelung ist das Schaffen Berlioz nicht ohne Einfluß geblieben. Franz Liszt nahm intensiver, als man vielleicht von seiten der enragierten Wagnerianer und Lisztianer zugcstehen will, die neuen Ideen Berlioz' in sich aus. Für ihn sprach Berlioz das erlösende Wort, ans das er selbst harrte: Freiheit des musikalischen Gestaltens, Abstreifcn der konventtonellcn sinfonischen Form. Biel haben wir Deutschen auch von ihm als Instrumentator gelernt. Gerade aus dieser mehr äußerlichen Seite seines Schaffens zeigte sich Berlioz als ein Neuerer voll erstaunlicher Originalität. Ähnliche instrumentale Experimente und Anforderungen in bezug auf die Klangmassen sind in gleicher Kühnheit bisher nie wieder versucht worden. Fordert doch Berlioz für die Wiedergabe seines großen Requiems fünf Orchester mit zusammen 16 Posaunen, 16 Trompeten, 12 Hörnern, 16 Kesselpauken usw. Die Original-Partitur der „Trauerund Triumpbsinfonie" (1840 gelegentlich der Einweihung der Bastillen-Düule und der Mcrführung der Juliopscr im Auslage der Regierung komponiert) schreibt sogar 206 Bläser vor. Ja, in seiner berühmten Jnstrumen- tationslehre stellt Berlioz ein Orchester von insgesamt 467 Jnstrumentalisten zusammen und bezeichnet dieses Massenaufgebot als das eigentliche Ideal eines Orchesters aroßen Stils. „Dieser Sinn für das Nngcheuerlichc, für das Riesenhafte, für materielle UnermehLtchkeit" wie
