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1803 .
«er der Fahne des Optimismus.
Kiniae Wahlen mögen voranstehen: Die Einnahme
an Stempelsteuer für Kauf- und sonstige Anschaffung»- «chcifte war im Oktober drefes Jal)res mü 1 605 800 Ma? um 683 927 Mark höher als im September und um 634 478 Mark höher als im Oktober 1902. cher E Betr a g, der seit Geltung der neuen Steuersätze Bre cht worden ist und der in den Juli 1900 fallt, wird E? öen Ertrag vom Oktober 1903 um eüva 200 000 Mark übertroffen. Weiter: Die „, preußischen B ahnen
Baben seit dem Beginne des Etatsjahres eine Mehrern- nahme von über 49 Millionen Mark erzielt. Werter. Die Bestellungen der Staatseisenbahnverwaltung sind größer als seit geraumer Zeit. Die,, hannoversche Machinenbau-Aktiengesellschaft hat Aufträge rm Werte von 3V» Millionen Mark erhalten und, rft mfolgedessen für ein ganzes Jahr hinreichend, beschäftigt Vor ermgen Tagen erst hat Herr Budde eine Submission auf 450 Lokomotiven ausgeschrieben', und das bedeutet Beschaf- tiqnng Noch einige Daten: Die Roheisenerzeugung ist im Oktober wiederum gestiegen und ubertrifft an- dauemd die höchsten bisher erzielten Ziffern; dasselbe gilt von der Kohlen- und der Koksproduktion.
Diese Angaben sollen nicht mehr beweisen, als sie können, und je weniger inan von chnen verlangt, desto besser wird es sein, weil man sich alsdann , vor Überschätzungen der Konjunktur hüten wird, , die niemals gut tun können, selbst wenn sie berechtigt sem sollten. Aber so viel lehren die Zahlen und Daten doch, daß die herrooe der Stagnation energisch überwunden worden, ist. „Die Genugtuung über den jetzigen Zustand wäre freilich großer, wenn ein Blick' auf den Weltmarkt dasselbe befriedigende Bild zeigte, das Deutschland davbietet. Sv
man sich von der Vorstellung freigemacht, als ob der Rückgang eines Landes und seiner Industrie ein Vorteil für die konkurrierenden Länder unter allen Umstanden sein Misse. Tiefe mik dem verschollenen Merkantilsysiem zusammenhängenden Jrrtümer halten vor einer gefunden Einsicht in den Zusammenhang der Weltwirtschafts-Verhältnisse nicht stand. Heute weiß man, daß jede nationale Gesamündustrie um so gesunder ist, je gesunder auch me Anstände in den konkurrierenden Industrien anderem Länder sind. Wenn das führende deutsche Gewerbe, dre Eisenindustrie, jetzt einen Aufschwung, nimmt, so wird er dadurch, daß die entsprechenden Verhältnisse rn England, Belgien und Amerika daniederliegen, nicht etwa gefordert, vielmehr gehemmt. Denn das Daniederli-egen jener Industrien bedeutet Preisherabsetzungen, die selbstverständlich auf die deutsche Industrie zurückwirken müssen. Äi der Tat leidet der deutsche Eisenexport nach England,
Die Nevolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(50. Fortsetzung.)
XIX.
Wie der Herr Manuel guter Hoffnung, der Herr Kleibach aber dem Fräulein Angenies zu demokratisch war. Merl,
dinier dem Referendar drein zeterte und Herr Manuelem duwars. Wie Agnes ihren Herrn Vetter rn SoAe »ersetzt hatte, wie sie sich dem Herrn Landrat v. Rcttern-Zackerlm du machen mutzte und ihn auf den heiligen Schaafsberg drrrgrerte, wodurch er Regterungsrat zu werden gedachie.
.. ..Paß' aus, er will dich heiraten. Trinken, sagte,, er ssttte sich besonders stats gemacht und so 'neu eigen seier- uchen Ton angestimmt, als er nach deinem Vater gefragt habe. Und daß er's so eilig hat, herzukommen, wo er doch an zwei Stöcken humpelt, das läßt auch auf allerlei schließen. Gewiß will er das glorreiche Jahr 1847 nicht «enden, bevor er nicht ein Goldsischchen geangelt hat , lleß sich Gottfried mit einiger Besorgnis vernehmen, aber ügnes blickte in die schneeige Landschaft hinaus, trommette wit den Fingern ein wenig nervös an den Fenstmschewen ^'Uild entgegnete: „Ach was, wer weiß, was er will, u faß stch irgend 'neu dicken, häßlichen, fetten doldkarpfen suchen, nicht so 'nen seinen, wie du bist. Ver- ^ammt, Agnes, ich sag' es dir, du bist wirklich zu schad lur ihn und es tat''nicht gut. Außerdem, ist er der Elendste Feind der Freiheit und des politischen Fort-
.. ...Äerhab' dich doch nicht so", sagte sie lachend „Oder l :n . ich schon so aus die rote Deiiiokratie elngesckMoren, U ich in Ohnmacht fallen soll, wenn sich enter Mit blauem wHtt den Adern für mich interessiert?"
seufzte schwer. „Weiber, Weiber! Hm, em ^ircitsantrag und alle Prinzipien, alle ltberzengung sind ' Ulrt Teufel. Na, tu' was du willst." , .
u das tu' ich auch, wenn du nichts dagegen hast. Bf*“ iu wirst dich schon bequemen müssen, das sur gut
dem gegenwärtigen Hauptabsatzmarkte, andauernd unter der unterbietenden Konkurrenz Amerikas., Ermge große rheinisch-westfälischen Werke können es bei den englischen Preisen von 48 Mark per Tonne allenfalls „noch aus- halten, andere, deren Produktionskosten höher suid, haben dm Export schon aufgeben müssen. Die Hoffnung der deutschen Industrie und der mit ihr zusammenhangen- dm Finanzwelt geht also dahin, daß die Auslandspreise teigen mögen. Tun sie es nicht, bleibt namentlich Amerika gezwungen, aus der Scylla seiner Überproduktion m ine Charybdis imrmtabler Preise hinuberzusprmgen; „so könnte es lange dauern, bis der Ausfall an Exportmog- lichkeitm für die deutsche Industrie, durch ine Hebung de- Jnlvndkonsums so gedeckt wird, wie es geschehen mußte, damit die gegenwärtig hochgespannten Hoffnungen realisiert werden. Die Hebung des ^nlandkonsums, ist ja eine Wirklichkeit, eine schr erfreuliche, und ste, vollzieht sich unter steigenden Preisen, aber sie genügt Mcht. Hier nun soll getvissermaßen zur Schließung aller Ritzen und Löcher im Riesmgefäße der deutschen EmsemnAstrle der geplante Stahlverband.helfend emsprnigen Es ist nicht leicht über die Aussichten der bezüglichen Verhandlungen zu urteilen. Am 7. Dezember soll wieder einmal eine Sitzung stattfinden, von der zwar keine definitive Ent» scheidung, wohl aber die Vorbereitung emer solchm erwartet wird. Wenn verschiedentlich mit abschEendm Vorherfagungen operiert wird, so konnten das Manöver sein, wie man sie auch vor dem. ZustandekomEn des Kohlensyndikats erlebt hat. Es konnte die, Absicht sem widerstrebende Werke durch Drohungen einznschuchtern oder auch durch gutgespielte Weigerung bessere Bedingungen bei den anderen Werken zu erzielen. Fragt, man die Männer, denm ein Urteil am ersten Zuzutrauen ist, so erhält man zwar vorsichtig ausweichende Anüvorten, aber der Eindruck ist schließlich der, daß die Sache dock,- wohl zustande kommen könnte. Inzwischen ist die Börse zu einer Zurückhaltung verurteilt, die ihrem zur Zeitvor- herrschendem Zuge zu einer vertrauensvollen Bewertmrg der Gesamtlage unangenehm widerspricht Dre Erwartung. daß diese Periode zaghaftm Höffens und hoffen d^n Jaams^diirch ein Zustandekommen des Stahl-Ver bandes glorreich werde abgeschlossen werden, stutzt sich vor allem daraus, daß man sich sagt: die Interessenten müssen so gut wie jeder außenstehende Beobachter wissen, daß. em Scheitern der Verhandlungen zu « regelmäßigen Konkurrenzkampf auf dem gesamten Gebiete der Metall Industrie fübren werde, und da von diesem Zustand nre mand Vorteil, jeder Nachteil zu erwarten hatte, so wird er eben vermieden werden. Vielleicht stimmt die Rechnung, vielleicht auch nicht.
Im großen und ganzen marschiert das deritsche, Wirt schaftsleben zurzeit unter der Fahne des Optimismus, aber es ist ganz gut, daß sich gelegentfichHlndermsse zeigen, die nicht mit blo ßem Elan genommen werden können, die
zu. befinden, wasichzu tun oder zu lassen die Gewogen.
In dem Augenblick knarrte die Tür, die aus dem besten rrimmer nach dem Flur führte, und dann trat Herr Manuel ins Wohngemach, erhabenen Ernst in den Zugen, den Kops so stolz erhoben, daß die Vatermörder betrübt unter der Linte der Kinnbacken zuruckblieben.
Agnes, der Herr Regierungsreferendarius vKleibach wünscht die Ehre zu haben, dich in emer wichtigen, für unsere Famillje sehr ehrenvollen Angelegenheit zu sprechen", sagte er gemessen, aber mit vor Erregung
zrtter^ stimme. feierlich, Papa", entgegnete
sie leichthin. „Was will er derm? . ..
Ä wirst du gleich hören. Ich habe die Entscheidung in der wichtigen Frag' in deine Hand gelegt, und td, hoff. daß du wissen wirst, was du dem Ansehn deiner Famillie schuldig bist. Nuii geh', rmd laß den lungen Mann - ein sehr sympathischer junger Herr mcht langer warten.
Black, deine Sache gut. mein Kind."
Er küßte sie bewegt auf die skirn, und sie verschwand mit einem lustigen Knix gegen Gottfried und stand gleich darauf im besten Zimmer dem Referendar gegenüber, der sich mühsam von seinem Stuhl erhob.
„Bleiben Sie nur sitzen", mahnte sie. „denn ich seh. daß "es noch nicht extra mit Ihnen bestellt ist."
In der Tat. mein gnädigstes Fraulein , antwortete er in einiger Verlegenheit", ich fühle mich noch etwa» geschwächt."
„Aber sonst geht es Jynen doch gut?
„Ja. Gott sei Tank, sagen wir wenigsten^ leidlich, Dank der gütigen Nachfrage. Freilich hat mich nur eine so wichtigeAngelegenheit, sozusagen eine extraordmare Lebensfrage veranlassen können, mein Schmerzen^Iagcr zu verlassen, um Ihnen meine Aufwartung zu machen und Ihnen zunächst dies Zeichen der Huldigung zu über
Er überreichte ihr ein prächtiges Blumenbukett. Und nachdem sie es bewundert, sich bedankt und es an die Nase geführt hatte, frug sie: „Und darf man nun fragen, was
im langsamen Festungskriege überwundm werden müssen. Gut auch ist es, daß die phantastischen Fusionstraumereien, mi denen die Börse seit der Vereinigung der Dresdener Bank mit dem Schaaffhausenschen Bankverein leidet, durch die Vorgänge auf dein Wirtschaftsmarkte, nur in sehr be- cheidenen, Maße verwirklicht werden. Die Vorwegnahme von Zukunftschancen, die sich in der Kursbewegung an dem einen Tag ausdrückt, wird auf diese Weise am anderen Tage zum Glücke wieder paralysiert, und wenn darunter die Spekulation zuweilen empfindlich leidet, so schadÄ das gar nichts; die Warnungen können ihr nur dienlich sein. . __
Politische Übersicht.
Aus dem Reichstage.
L. Berlin, 10. Dezember.
Die mehrstündigen Reden scheinen die Regel im Reichstage werden zu wollen. Hatte Herr Schadler gestern 2V 2 Stunden gebraucht, um mit semer Kntü an den Zuständen im Reiche fertig zu werden, so tat es Herr Bebel heute nicht billiger. Merkwürdig, an alle Dinge aus deutschem Boden, an Personen, Verhältnisse, ParteiM, wirtschaftliche Strömungen legte der sozialdemokratische Führer seine Maßstäbe, um jedesmal zu finden,, daß nichts, aber auch gar nichts etwas tauge; nur mit der Sozialdemokratie beschäftigte er sich nicht., Nach 'der aus- qiebiqen Tättgkeit, die er aus diesem Gebiete m Dresden geübt hat, inochte ihm die Aufgabe.freilich unnütz oder auch gewagt erscheinen. Man kann mcht sagen, daß Bebel dem bekannten Ton, in dem er zu sprechen pflegt, eine neue Nuance hinzugefügt hätte. Diese Rede hat man wiederholt schon gehört, sie übeistraf auch mcht emmak an Schärfe das, was B'ebel sich sonst zu, leisten pfirgt, und es ist immerhin bezeichnend, daß die Rede dorübcrgehen konnte, ohne daß der Präsident einzugreifen notig gchabt hätte Das schwerste Geschütz fichr Bebel gegen die aus- wärtige Politik der Regierung auf. Und gerade „damit machte er dem Reichskanzler die Erwiderung Verhältnis, mäßig bequem. Die einstündige Rede des. Grafen Bulow darf zu den glücklichsten Leistungen des leitenden Gaats- manns gerechnet werden. Alle Mittel der Ironie, des leichten und des scharfen Spotts ließ der Kanzler spielm, um mit der Sozialdemokratte Abrechnung zu halten. Gewiß war ihm die Aufgabe erleichtert nach den Unglücks, tagen des Dresdener Parteitages. Immerhin, dw über- leaene, elegante Form, in die,Graf Bülow seme Antwort kleidete, gehört ih>m ganz zu eigen, und er erzielte mit ihr Wirkungen, die man ihm gönnen kann. Bald der heftige Widerspnich, bald das verlegene Schweigen auf den sozialdemokratischen Bänken bewies, daß der Kanzler oft genug ins Schwarze getroffen hatte. Die Rede wäre eine m- wandsfreie Leistung zu nennen, wenii stch Graf Bulow
Sie weiter hierher geführt hat? Die Wettangelegimheit haben Sie ja pünktlich erledigt und Ihren schonen Brief über die Wildschadenfrage habe ich meinem Privatarchiv
„Hetze, ein toller Scherz, dieser Hasenscherz , näselte er. „Witziger Herr, Ihr Herr Kousin. Wird mich freuen auch zu ihm in iiähere Beziehiing treten zu können.
„Ja, er ist ein famoser Kerl, und ich gewinne chn ta, lieb lieber
„Sehe, da war es ja wohl Zeit, daß ich erschien", witzelte er. „Also all rem! Ihr Herr Papa, — em vortrefflicher Herr übrigens, Ihr Herr Papa hat wohl
schon gesagt ..." , ., .. . . u
„Nix hat er mir gesagt, und ich weiß in der Tat) nicht recht, mit was ich Ihnen dienen kann.. Wollen Sie uns unfern Stamm bergischer Krätzer abkaufen .oder sollen wir Ihnen eins von unfern neuen, jiingen Kätzchen aus- lieber
„Sie scheinen sehr gut aufgelegt heute, mein Fräulem, und d'ies gibt mir den Mut, mit meiner Erklärung mcht länger hinter dem Berge zu halten. Sie »mssen vielleicht, daß ich einer der ältesten und angesehensten arrstotratischen Familien des Königsreichs angehöre; meine, sämtlichen Verwandte — die männlichen natürlich — Offiziere; teils m höchsten Chargen, oder höhere Regierungsbeamte."
Ja das weiß ich. Sie haben es mir schon mehrfach gesagt, und ich weiß diesen Ihren Vorziig sehr zii schätzen. Es muß ein erhebendes Gefühl sein, der Sprosse eines er- lauchten Geschlechts zu sei», und ich habe mich oft schon gefragt, wie wir zu der uiiverdienten Ehre Ihres Umganges fotnmeit
Er blickte sie forschend an, nicht recht wissend, ob sie im Ernst spreche oder ob sie ihn verspotten wolle. Mer sie blickte ihn so ruhig an, daß er seine Sicherheit wieder- fand uiid sortfuhr: „ES ist mir eine große Freude, daß 8L jene Vorzüge, an denen ich.selbst,, freilich unschuldig bin, so zu würdigen verstehen, mein Fräulem Die meisten meiner Angehörigeii siiid denn auch so weit von ihnen durchdrungen/ daß Sie es gleichsam als ein Knmeii or- > achten, wenn ein Kleibach mit einer Dame bürgerlichen
