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it. Jahrga«?-.

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Abend ■Ausgabe.

Mk enMc zmsAfl im Tmsmlli.

linier Londoner n-Korrespondent schreibt unterm f- rr . Von Zeit zu Zeit dringt einmal etwas über die Hm innen Zustände im Transvaal in die Außenwelt, wird L L Art von dem „patriotischen Teil" der eng- liicben Presse aufs energischste dementiert. ^n Wirklich­keit herrscht unter der Mehrzahl, der Buren unbe,chrerb- liches Elend und unter der britischen Bwolkerung die „röstte Mißstimmung ob der traurigen Zustande, die mit dem englischen Regime eingezogen. Die soeben erfolgte Resignation Mr. Rkonypennys, des Redakteins der Keituna Star" in Johannesburg, bildet un Zusamuien- hm damit einen höchst bezeichnenden Zwischenfall und ein geradezu dramatisches Ereignis in der Reihe der ResignationM voii Journalisten und Leuten, die offent- bche^Ämter bekleideten und durchgängig Engländer vmi 'eiZz weit über ihren unmittelbaren Ktters hmaus- geheriden Bedeutung waren. Namentlich vier derselben, die in letzter Zeit vom Schauplatz verschwanden, nämlich die Zerren Wybergh, Creßwell, Monypenny ^und Pake- man, spielteii in der neueren Geschichte des ^ransvaach eine Rolle. Ihre Namen kommen m den Blaubuchern oft vor, die von jenem wilden Dranm handeln, das rm Herbst 1899 ein blutiges Ende fand. Monypenny und Pakeman waren zwei der gewandten Journalisten, die man von England nach Johannesburg kommen ließ, damit ste die Sacke der Uitländer in der Presse führten, auf welche die großen „Finanzhäuser" ihre Hoffnung gründeten, die Durmrepubliken zu vernichten. Jene Männer wcwen offenbar von der Gerechtigkeit der Sache uberzeugt, al» sie deren begeisterte und gewandte Anwälte wurden.^ Brs zum Augenblick, wo der Krieg ausbrach, ließen die Buren den Mr. Monypenny feilte revolutionäre Propaganda un- gestört betreiben, anstatt ihn, wie das in jedem anderen Lande geschehen wäre, aus dem Lande zu weism. .llv dann die Feindseligkeiten begannen, nahm jener .Rann als Freiwilliger au dem Kampfe teil und kehrte nut öen Siegern aus seinen alten Posten zuruck. Nach kaum einem Jahre legte er soeben fein Amt nieder,, weil er endlich die Entdeckung machte, daß er nicht rm Dienste der britischen Nation, als Verteidiger hehrer Ideale,, son­dern lediglich in demjenigen einer ,Gruppe von Fmanz lenten mit meist sehr altteftamentarischen Vor- und mchts weniger als englischen Familiennamen stand. Er hatte geglaubt, es gälte denk Reiche ein neues Glied emzuver- leLen, eine neue Heimstätte für Briten rurd chre freier. Fnstituüonen zu schaffen. Der arme verblendete Narr! Die Beits, die Ecksteine und die Neumänner veranstalteten den Krieg mit den Buren nicht, um deren Land den eng­lischen Gewerksvereinen ausziiliefern und sich von diesen to ihrem Geschäfte dann Vorschriften über Löhne,, Arbetts- !eit und dergleichen machen zu lassen. Sie erklärten das

ganz unverblümt in dem Augenblick, wo das letzte Soldatengrab auf dem Veldt gegraben war „und die Buren die Waffen niederlegten. Könnten über me wahren Motive überhaupt noch die geringsten Zweifel be- stehen, so müßten ste jetzt schwinden, wo die ganze scheuß- lidje Wahrheit in aller Nacktheit vor uns sicht. Lord Mrlner zeigt sich uns nun als das hülflose Werkzeug der „großen Finanzhäuser", und feine Regierung swht isoliert auf der unpopulärsten aller Grundlagen, nämlich der der Geldmacht, da. Sie bildet eigentlich sogar weiter nichts als einen Ausschuß der großen Mnenbesttzer, mit Milner als nominellen Präsidenten. Unabhängige, ehrenhafte Männer mögen in dieser erbärmlichen Komödie keine Rolle spielen, und so verläßt ebeii einer nach dem andern seinen Posten. Gutem Vernehmen nach beab­sichtigen diese Leute und andere hervorragendeTemokraten aus dem Transvaal, mach England zu kommen, um den Beistand der Liberalen, beziehungsweise, der nächsten liberalen Regiermig für die neuen Kolonien anzurufen, auf die man dort bereits stark zu rechnen scheint., Es wäre überraschend, weiin dann nicht wenigstens einem Teile der schivärmerischen Anhänger Chamberlains die Äugen über diesen geöffnet würden. Vielleicht entdeckt man dabei auch verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Geldbeuteln, die seinerzeit für den Transvaalkneg Sftmmung machten, und denjenigen, die für die Agitation im Zusammenhänge mit der Schutzzollpolitik Joes bezahlten._ __

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Politische Übersicht.

Aus dem Reichstage.

L. 58 e r I i tt, 9. Dezember.

Dramatisch bewegt kann man dm heutigen Beginn der Etatsdebatte lm Reichstage wahrhaftig nicht, nennen, ^m Vertrauen gesagt, diese Sitzung war langiverlig. Es gab nur zwei Redner, den neuen Reichsschatzsetretar von Stengel und den Zentrumsabgeordneten Schädler, und wenn man von Herrn v. Stengel sagt, daß ihni, die, Gabe des fortreißenden Schwungs von den Musen nicht m die Wiege gelegt worden ist, so tut man seinem Landsmann Schädler nicht Unrecht mit der Bemerkung, daß er auf den Spuren Stengelscher Nüchternheit mit Erfolg wandelt. 3% beflissene Muhe, mit der er wirkungsvoll sein wollte, wo doch selbst die Geduld seiner Getreuen vom Zentrum auf eine harte Probe gestellt wurde, machte den Eindruck dieser unbändig langen Rede (sie dauerte geschlagene 2V> Stunden) nicht grade erfreulicher. Es gibt nicht viele Dinge auf dem unbegrenzten Gebiete des öffentlichen «ebens die Herr Schädler nicht in den Bereich seiner Aus- führungeii gezogen hätte. Nun muß man ;a sagen: Es war genug darin, was mit znsttmmender Aufmerksamkeit gehört zu werden verdiente, und als eine Kampfrede, Mit der etwa das Zentrum den Beginn einer OpPosttEZ- Politik markieren möchte, kann man die Schadlerjche Leistung nicht bezeichnen. Im Gegenteil, eher bekommt

man deii Eindruck, als wolle das Zentrum gleich beim Beginn der Reichstagsarbeiten betonen, daß es bereit fet, ich der Regierung Mr Verfügung zu stellen, gegen ange­messene Gegenleistung natürlich. Freundlichkeiten und vernehmliche Drohungen wechselten miteinander ab. Die Stengelsche Finanzreformvorlage gefällt Herrn Schädler naturgemäß wenig. Aber ein klares Nein sagte er zu ihr auch nicht. Das Zentrum will, ebenfalls naturgemäß, seine zärtlich geliebte Franckensteinsche Klausel nicht ohne weiteres preisgeben, und über den Kopf, dieser Partei hinweg wird die Reform ja auch gewiß nicht stattfinden. Freiherr v. Stengel sorgte bereits für den angemessenen Versöhnungston, indeni er meinte, bei der heutigen Lage der Dinge würde der Urheber jener Klaiffel der,erste sein, der ihre Beseitigung empfehlen würde. Im übrigen lohnt es sich kaum, vori der vorgeschlagenen Reform besonders Aufhebens zu machen. Herr Schädler hat ganz recht: Die beste Reform wäre eine Verringerung der Ausgaben, und zu der werden wir leider so bald nicht kommen. Als bcr Zentrumsredner das Gebiet der auswärtigen Politik streifte, macht sich Graf Bütow eifrig Noftzen. Deutsch­land als Mauerblümchen, während sich die Extratouren der anderen Mächte nach Herrn Schädlers Versicherung häufen, das Bild, das sich die politischen Witzblätter nicht entgehen lassen werden, Miß den Reichskanzler freilich dazu reizen, es sich in der Nähe zu besehen. Aber seine Krittk, die nian morgen zii erwarten hat, wird ganz ge­wiß nickt zustimmend lauten. Tatsächlich braucht sie das auch nicht. Die Wirklichkeit entspricht nicht dem Schädler- schen Bilde, sie entspricht ihm weniger als zu der Zeit, wo Graf Bülow das Wort von den Extratouren geprägt hatte, bei denen man nicht gleich einen roten Kopf be­kommen solle. Indessen wird die Anregung des Zentrums­redners dem Grafen Bülow gerade recht sein, und viel­leicht steht er ihr iiicht einmal fern. Jedenfalls wird ,man eine größere Kanzlerrede über die auswärtiae Poliftk zu erwarten haben.

Deutscher Reichstag.

A Berlin, 9. Dezember.

Heute begann der Reichstag die erste Lesung deS Etats, verbunden mit derjenigen des neuen Finanz- gcsctzes. Das Haus zeigte eine genügende, aber keine be­sonders starke Besetzung. Die Linke war verhältmsmahig stärker vertreten. Bon den neuen Schriftführern waren heute zwei in Tätigkeit, der Freisinnige Blell und der Pole Graf Mielzynski. Die Tische des Bundesrates waren voll besetzt. Sämtliche Staatssekretäre, die Minister Frhr. v. Rhelnbaben, v. Einem und Möller und die Repräsentanten der Bundesstaaten waren erschienen. Die Scharen der Kommissare, unter ihnen Offiziere der Armee der Marine und der Schutztruppe, gruppierten ych um die Präsidententribüne. Die Tribünen waren ziem­lich leer. In der Hauptloge hatten einige Offiziere Platz genommen, in der Diplomatenloge u. a. der Adjutant des Reichskanzlers, der junge Graf v. Eulenbnrg.

jo:

stc

Die Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

49. Fortsetzung.)

Die Schleifer murrten, und der Drickes sagte drohend ?u dem Kaufmann: „Su Geschechten werden he Nit ge- Heer."

»Es werden noch ganz andere gemacht, und Ihr .W mich nicht daran hindern", antwortete Schwertfeger iiolz und wandte sich wieder dein Burschen zu: „Und

dann gesteh deinen Kameraden, du Schuft, daß du dieje ganze Geschichte nur deshalb angefangen hast, um dich 9h dem Mieten dafür zu rächeii, daß es nichts von dir ivsisen wollte, daß es dich herb zurückwies, als du ihm Vorschlag machtest, es sollte sich von dir trösten M«t, daß der Jupp nicht mehr bei ihm sei und un Ge­fängnis sitze."

„ »Es dat wahr?" bedrängten die Schleifer wütend den

Betroffenen.

»Der kann viel reden", antwortete er kleinlaut. „He w dai geha't, Wat ech nit geha't Han!" .

^ »Na, dann nehm' noch mit dem vorlieb! schrie «chwertfeger, sprang auf ihn zu und schliig ihm nun mir der Faust dermaßen ins Gesicht, daß ihm das Blut aus Nase schoß und er in ein viehisches Gebrüll ausbrach. E Schleifer warfen sich zwischen die , beiden und schutz- ihren Genossen vor weiterer Züchtigung. ,

»Er, hat die Schlag' verdient", äußerte sich Drickes, keiner von uns soll Euch darum zu nahe treten, Herr vchwertfeger. Aber damit ist es noch nicht aus der Welt pichafft, daß Ihr das Mieten, über das wir Kameraden Kretzbergs Jupp die Aufficht haben müssen, heimlich i° besucht habt."

• . ."Unb genügt es Euch nicht, wenn ich Euch sag', daß von Kindesbeinen an kenn', daß sie mir leid tut, °°o ich ein bißchen für ihr Auskommen sorg',, und daß

ich mich wohl bei meinen Jagdgängen mal an ihrem Ofen in meinem Häuschen wärmen darf? Wagt noch einer dabei was Schlimmes zu finden?"

„Laßt Euch von dem nicht dilmm machend schrie Gottlieb, der sich in einer Ecke mit Hülfe em?s Schleifers las Blut abwusch.

„Wir halten Euch alle für 'neu rechten Herrn", sagte Drickes „Mer wenn es nun vielleicht auch mit dem Rappeln nix wird, ein Verdacht, daß zwischen Euch und dem Kretzbergs Jupp seiner Frau nicht alles m der Orb- nung ist, bleibt doch bestehen. Darüber tonnt Ihr Euch nicht wundern."

Na, dann will ich Euch auch das noch nehmen, mag draus werden, was da will", entgegnete der Kaufmann mit eisigenr Stolz. „So hört es denn alle, iveshatb ich so oft im Eikenbüsken gewesen bin: Ich bin derjenige, der durch die Flugschriften Euch Schafsköpfe zum politischen Denken angeregt hat, ich bin derjenige, der Euch ge­predigt hat, Eure Forderungen an Staat irnd Regierung nicht zu vergessen, ich bin derjenige, der sich auch Eurer Sache angmommen hat trotz all der Gefahr, die dabei war Und wer Nacht um Nacht herurngeschlichen ist iveit und breit im bergischen Land, wer die für Eilch bestimmten Blätter heimlich verteilt hat und Freiheit und Leben dabei aufs Spiel setzte, das ist das Mieken geweseii. — So, nun wißt Ihr, was ich so oft im Eitenhüsken zu tun gehabt Hab'."

Sie drängten aufgeregt auf ihn und Meten zu. „Es dat wahr, es dat merklich wahr?" schrieir sie.

„Ja, wohr es et", entgegnete Meten, um dann mit einein Ausdruck unendlichen Stolzes hinzuzusügen: „Ihr habt dem Gottlieb seine gemeinen Verleumdungen ge- glaubt und hättet Euch nicht besonnen, mick, in Schrmpf und Schand' zii bringen. Mr ist es ganz egal, ob Ihr mir nun glaubeii wollt oder nicht, mid wenn Ihr mir die Katzenmusik noch bringen wollt', ich verzieh das Gesicht nicht mehr drum."

„Und mir ist es auch egal, ob Ihr nun hingeht und den Lenten und der Polizei erzählt, was ich Euch hwr ver­raten Hab", sagte Schwertfeger. „Weiß Gott, ich Hab ur ehrlichem Interesse für Euch, Hab' aus Liebe zum miß­achteten und unmündig gehaltenen Volk vielGeld und Be­hagen geopfert und mir jahrelang schwere Sorgen , ge- macht, aber ich wundere mich nicht und ich murre nicht, wenn Ihr dafür sorgt, daß wir, das Mieken und ich, morgen hinter Gefängnismauern sitzen." ,

„So solltet Ihr nicht von uns denken, Ihr nit und das Mieken nit", sagte der Mann mit der frechen Schnut, der Leyendeckers Kawelm, voll innerer Bewegung, und der von der Kohls Pitter schlug sich ein paarmal drohnend auf die Brust und rief: „Wir sind kein' Hallonken, Heer, wir sind all' benein (zusaminen) ihrleche, belgische Jongen, und Gott fall us verdammen, wenn ein onreiht Worr van dem, wat wir hie gehürt haut, ut dem Kotten herut

kömmt!" ^ _

„Nee, dat bliewt ganz onger ns, wenn de Donner- kiel, de Gottlieb, nit den Judas Jschariot matt", ließ sich da eine Helle Stimme vernehmlen, itrtb von der Tür her trat der Schleiferslehrling Henoch näher, ganz bleich im Antlitz und mit leuchtenden Augen. ,

,Wie kommst du her?" herrschte ih« der Dnckes, fern Meister, an. „Ihr Jongen sit herntgescheckt woorden."

Die anderen seien noch draußen, er aber habe den Gottfteb schreien hören, und da hätte er gedacht . . .

„Du häs nix to denken, du häs nur to don, Wat ech dir sag'!" schrie der Drickes drohend. Die Schleifer blick­ten sich ratlos an. Es wär' nicht gut, daß der Junge um die- Geschickste wüßte, meinte der Leyendeckers Kawelni. Da packte Drickes Henoch beim Kragen und sagte: „Eigent­lich hättest du Jusche (Prügel) verdient, aber wenn dem Vater auch ein Finner (Pietist) und obendrem ein Schneider ist, und wenn du auch noch manche -Ohrserg von mir zu besehen kriegst, für dich steh' ich gut -- Be- wahr das in deiner Brust, was du hier belauert hast. So was erlebt man nicht alle Tag'."