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M. Jahrgang.

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BerlagS-Fernsprecher No. 2958.

Samstag, den 5. Dezember.

RcSaktions.Fer»sprecher No. 52.

lilorgen «fi&agfgabe.

1903.

Ern neues Kirchensteuergeseh.

I .... Die soeben hier tagende Bezirkssynode des Kon k slstorratoezrrks Wresibaden wird sich noch mit einer Von tage zu oefchästigen haben, die von nicht zu unterschätzen- der Bedeutung für die evangelische Bevölkerung unseres - KegreimngsbeZrrks ist. Die Vorlage betrisst den Entwurf emes Kirchengesetzes, betreffend die Erhebung von Kirchensteuern in ^ den evangelischen Kirchengemeinden. In kirchlichen Kreisen ist man von der Notwendigkeit, daß das kirchliche Steuerwesen durch besondere Gesetze geregelt werden muß, fest überzeugt. Und in der Tat. -wenn die jstrche zu ihrem wirksamen Bestehen des eiteln Geldes mcht entbehren kann (was wohl niemand bezweifeln ^fb)' bann^ ist es notwendig, daß eine Neuregelung des kirchlichen steuerwesens eintritt. denn die bisherigen ae Wichen Bestimmungen haben Mißstände gezeigt, die bei­nahe ebm so sehr von deii Besteuerten gefühlt wurden, wie sie den Besteuernden unangenehm geworden sind.

Gegenwärtig fehlt es z. B. an gesetzlichen Bestimmun- glgfiit wer ben Beginn und d-as Anfhören der kirchlichen Steuerpflicht, über die Stcuerpflicht der in Mschchen lebenden Ktrchengemeindemitglieder. bei nrehrfachem Wohnsitz, der Geistlichen und Kirchenbeamten usw Ein weiterer Ubelstand ist der, daß die Umlaqebeschlüsse im Verwaltungszwangsverfahren nur dann vollstreckt werden können wenn sie die Vollstreckbarkeitserklärung seitens der Ltaatsaufstchtsbchörde erlangt haben. Es kann da­her Vorkommen, daß die gesamte Tätigkeit der kirchliche Organe einschließlich Aufstellung der Heberolle sich als vergeblich erweist, wenn schließlich die Vollstreckbarkeits­erklärung versagt wird. Die Zensiten können zweimal Einspruch gegen ihre Besteuerung erhebe, einmal beim mnlagebeschluß und dann bei der Vollstreckbarkeits­erklärung. -vas sind alles Übelstände, welche die kirch- Ä besonders schmerzlich empfinde müsse,

mn,o schmerzlicher, als bisher Streitsache in Mrche- t Bet benot oft die wichtigsten kirchegesetzlichen entschieden werde müsse, nicht im geordneten tungsstreitverfahre ausgetragen werden könne Mvern vom Regierungspräsidenten, bezw. als letzte Instanz vom Oberpräsidente entschieden werden.

..Der nee Entwurf geht zunächst davon aus, daß eine Desteerung nur in der Form von Zuschläge ^.^u^^^Enensteer einschließlich der fingierte tÄÄ und Zu den staatlich veranlagte Grund-. Gebäude- und Gewerbesteuern erfolge soll Die n2^ungssteuer. die Steuer vom Gewerbebetrieb' im umherziehen. sowie die Betriebs- und die Waarenhaus- ireuer werden als ungeeignet zur kirchlichen Besteuerung

bezeichnet. ^ Tie Vollstreckbarkeitserklärung durch die

Staatsaufsichtsbehörde soll beseitigt werden, eine ein­malige Vorlage des Umlagebeschlusses bei der kirchlichen und staatlichen Aufsichtsbehörde soll vielmehr bei hinzu- tretender Genehmigung desselben die Möglichkeit der llusführung und Zwangsvollstreckung gewähren. Gegen me Entscheidung des Regierungspräsidenten soll ferner- hrn die Klage beim Oberverwaltungsgericht möglich sein. rr C j.- Beschlußfassung über die Verteilung steuer­pflichtigen Einkommens auf mehrere steuerberechtigte Kirchengemeinden soll fortan den staatlichen Behörden und in letzter Instanz dem Oberverwaltungsgericht obliegen.

Am diskutabelsten in dem ganzen Entwurf ist wohl ‘■' er 8, o. der besagt, daß der evangelische Teil einer gemischten Ehe von der Hülste des der kirchlichen Besteuerung zugrunde liegenden Steuersatzes, zu welchem der Ehemann veranlagt ist. zur Kirchensteuer heranzu- ?Ehfn ist. Soweit die Ehefrau zu den Staatssteuern selbständig veranlagt ist. soll der evangelische TeU nach Maßgabe seiner Vermllagung zu der Kirchensteuer heran- gezogen werden. Bisher wurde die Heranziehung der evangelischen Ehefraiien zur Kirchensteuer in der Regel überhaupt nicht gehandhabt. und es scheint, als hätte man dazu seinen guten Grimd gehabt, denn der katholische Ehemann wird wohl eben so ungern für seine evangelische Frau der evangelischen Kirche einen Tribut in barer Münze zollen, wie umgekehrt der evangelische Ehemann der katholischen Kirche gegeiiüber nicht gern der Frau Gemahlin wegen in den Säckel greift. Man glaubt zinar. daß eine demnächstige gesetzliche Regeliing des Stener- wesens der katholischen Kirckse hier einen Arrsgleich schaffen wird, indessen sind hier auch noch andere Gesichtspunkte zu berücksichtigen, als der des gleichen Gebens und Emp- fangens Eine getotffe Berechtigung läßt sich indessen diesem Besteuerungsmodus nicht absprechen, sa, er wäre sogar ideal, wenn wir wirklich alle so gute Christen und Staatsbürger wären, daß wir unsere Kirchen- und staat­lichen Sporteln mst Freuden entrichteten. Da das in­dessen leider noch nicht der Fall ist und auch niemals der Fall sein wird, bleiben die Bedenken bestehen, daß die ge­plante Neuregelung der Besteuerung der evangelischen au§ Mischehen eine Quelle von Mißstimmungen und wahrscheinlich auch Mißhelligkeiten werden wird, falls sie in der vorgeschlagenen Weise gesetzliche Kraft erlangt . Als nennenswerter Fortschritt ist die vermehrte Heran­ziehung der Staatseinkonmienstener zur Grundlage für die kirchliche Besteuerung zu betrachten. Auch der Um- tand. daß der Entwurf auch die Geistlichen und Kirchen­beamten krrcheiistenerpflichstg macht, verdient der Be­achtung. wenn auch nach dem bisher in unserem Bezirk allgemein geltenden Rechte diese Personen bereits zur Kirchensteuer herangezogen worden sind. Weniger ge- aüt uns die Bestimmung, wonach die Kirchengenieinden berechtigt sind. Hand- und Spanndienste zu verlangen

oder an deren Stelle die Erhebung eines dem Werte ent- si^^pbsiven Geldbetrages im Wege der Kirchensteuer zu beschließen. ^Die Kirche sollte sich im eigenen Interesse tmten die «teuerschranbe heftiger anzuzichen und von ihren Zensiten. die Üjr zum größten Teile so wie so schon entfremdet und testweise sogar feindlich gegenüberstehen, mehr zu verlangen, als unbedingt notwendig ist. Jedes znviet yt hier vom Übel, und eine christliche Kirche, die zwingt, dunkt Unzähligen eine höchst unsympathische und bekampfenswerte Einrichtung. d.

Feuilleton.

Matrosen - Streiche.

Bon Hans R. Flens.

wii 'Beurlaubte antreten zur Musterung!" klang es eben Z J ö»' Befehl begleitenden Pfiff aus dem Munde . rines Bootsmanns-Maaten der Kaiser!. deutschen Marine.

ä “ m Ausgange bereit machende Mannschaft 8Jr*” te schnell das Putzzeug und begab sich auf den zum 2E“ bestimmten Platz, das Backbord-Fallreep, tm £ ; un& gewandt rangierten die Mannschaften des kev m -r B01t Honolulu liegenden deutschen Kriegsschiffes «r Große nach ein. Kein Ltaubsteckchen, kein Fäserchen ^f dem Ausgehanzug der angetretenen See- !“ e : Sauber, wie geleckt, sahen sämtliche Leute aus. o der tue Ausgänger musternde Wachtosfizrer erkannte auch gebührend an.

di. r^!^^?"^^bwache zweite Hälfte ist doch immer ^.fchnerdigste rm Anzug", tobte er die Angetretenen.

euch, Leute, betrinkt euch nicht und haue ben Zapfen, sonst . . . ihr wißt ja. was unk ä«igt daß ihr deutsche Matrosen seid,

die Leute sehen, wie sich ein deutscher Soldat be- fRenrsf ?? urerkt euch, daß ihr stets im Auslande die ^rasentanlen Deutschlands seid und inan nach enerm nehmen deutsche Gebräuche und Sitten tariert. — Jimt weiter, nehmt euch hier vor den Weibern in acht, iridü rhr beiden da, Schaeler und Müller, macht wieder Dummheiten an Land, ich meine, ihr habt

", llrnug jetzt hinter euch, es ist jetzt Zeit.-

- Ia ff en Die die Leute in die Boote gehen.

^ mi L ttMllWc ^ sich an diesen, indem er und dem Achterdeck zustrcbte. Der Wachtmeister und „Liists um, marsch!" und ordnungsmäßig ten fl*”***! Beurlaubten über das Fallreep und plazicr- rin » ; n r . b'e tn Bereitschaft stöl, enden Ruderboote. War tau »»k m nt ^ m es die Dampfpinasse in Schlepp-

reiiin?^ ^lt cs langsseit auf Strom, um dann mit den ' Unn Booten dem Lande zuzudampfen.

Ȋtuhe da vorn!" rief der das zweite Boot steuernde

Gras«. Meiisbrich übet „Klrtze M Staat in lüttflüumtnntt AnffaWg".

Der „Iungnationalliberale Verein" rn Berlin hatte dieser Tage eine öffentliche Bolksver- sammkung nach der Tonhalle in der Friedrichstraße ein­berufen, in welcher Graf v. Hvensbroech über das oben umschriebene Thema sprach. Das Lokal mußte zeitig polizeilich gesperrt werden, da der Andrang zur Ber- samnilung namentlich aus studentischen Kreisen groß

r .Bon der Tatsache ausgehend, daß der Stifter der chrr,tlichen Religion weder für sich, noch auch für seine Junger eine weltpolitische Herrschaft erstrebt habe, zeigte, wie wir einem Bericht des „B. T." entnehmen, der Red­ner au der Geschichte, wie im Laufe der Jahrhunderte aus einem religiösen ein ultramontanes Papsttum ent- ,ianden sei, das sich der weltlichen Obrigkeit nicht untcr- sondern überorönete. Dieser Vergangenheit — so führte der Redner aus — entspricht auch noch die Gegenwart. Der Ultranwutanismus mag vielleicht seine Theorien zurückstellen bei gewissen Zeitströmungen, ist dann aber für ihn die Gelegenheit günstig, so tritt er mit denselben Forderungen an uns heran wie im Mittelalter und wird dabei zum Friedensstörer. Bis ins 17. Jahr­hundert hinein nahmen die Päpste eine direkte Gewalt über Fürsten und Völker für sich in Anspruch. AlS sich dann hiergegen Widerspruch erhob, trat man einen kleinen Rückzug an und ging zur indirekten Herrschaft über, die der Papst heute noch über Fürsten, Völker und Staats- gesetze anszuüben verflicht. Jede Einrichtung und Hand­lung — so argumentiert der Ultramontanismus — sei lediglich vom Standpunkte der Moral aus zu beurteilen, und da der Papst der höchste Wächter der Moral fei, ge­bührte ihm auch die Herrschaft. Der Berater des Bischofs Korum in Trier, Hammcrstein, hat ja erst in neuerer Zeit die Ansicht ausgesprochen, daß die Festsebung der Warenpreise, sogar die Statuten der Feuerversichrrungs- gesellschaften der Moral des Papstes untersteheil. (Große Heiterkeit.)

Das Papsttum arbeitet seit Jahrhunderten nach einem System, und es ist bedauerlich, daß in der VolkSver-

Bvvtsmaat. „Natürlich immer die Alten, Schaeler und Müller; macht eure Futterklappen dicht, nachher an Land könnt ihr genug schlabbern."

Die Berrifenen tauchten gleich mit den Köpfen hinter die Rücken der dazwischen sitzenden Mannschaften und erzählten sich im Flüstertöne weiter trotz der gutgemein­ten Warnungen der Kameraden, da doch nur alle zu gut wußten, w>ie gerne öer Boot steuernöe UnteroffiKier zu Meldungen bereit war und eventuell bei der zweiten Aufforderung die beiden lustigen Kameraden wieder an Bord zurück mitgenommen hätte. Und ohne Müller und

schaeler an Land!-Das war kein Spaß, diese beiden

machten wenigstens doch noch ein bißchen Ulk upö brachten ^.eben in die auf diesem Schiffe mit schwerem Dienste be­dachten Matrosen.

„Müller, heute wird Ulk gemacht!" sagte sein würdi­ger Kamerad und Genosse, der neben ihm faß. „Laß den Kerl da rüsonmeren!"

«AH right, so toll wie bloß irgend möglich. Ich habe heute gerade „Himm" dazu."

Man sah es den beiden an, daß sie ein paar fidclc, aufgeweckte Blaujacken waren. Beide groß und kräftig, beinahe etwas zu schiver für einen Nkatrosen, doch aber auch wiederum gelerrkig, berieten sie sich Über einen hüb­schen, amüsanten Streich. Die Augen funkelten vor Be­gierde und Erwartung. — Man sah cs ihnen an, einen bestimmten Plan konnten sie noch nicht entwerfen. Sie stellten es dem Zufall anheim, und dieser war diesen beiden eigenartigen, Ulk liebenden Menschenkindern ja noch stets zur Hülfe gekommen. Schon manchmal hatten sie die ganze Besatzung mit ihren dummen Streichen unterhalten, und beide waren auch schon dafür berühmt sie verfielen auf Sachen, die man sich nicht so leicht träu­men ließ.

Eberl legten die Boote an der LandungSbrücke an und jeder suchte so schnell wie möglich, den fremden Strand zu betreten. Gewandt wie die Katzen sprangei: die

Blaujacken an Land unter die sie erwartenden, jubelnden Neger, um sich dann nach allen Himmelsrichtungen zu zerstreuen.

„Müller, Schaeler!" rief der die Mannschaften an Land transportierende Wachtmeister diese noch einmal an:

„Wenn ihr andermal solch einen Skandal im Boote treibt, geht ihr nicht mehr an Land. — Weg!"

Eine kurze Kehrtwendung der beiden Dtreichemacher und weg waren sie. Ungefähr zwanzig Mann schlossen sich ihnen an, und es imrrde natürlich ein Spaziergang vorgeschlagen. Btit Gesang marschierte die ganze Bande durch die Straßen Honolulus, kehrte in den Kneipen ein. und als ein paar Stunden verflossen, spazierten sie mit vom Weine geröteten Gesichtern in größter Ausgelassen­heit in den Straßen auf und nieder. Alle waren in animierter Stimmung und warteten der Diilge, die da kommen sollten, denn Müller und Schaeler hatten schon eine ganze Weile zusmnmen gezischelt. Endlich gesellten sie sich zu den Kameraden.

„Jungens, wißt ihr was, wir tragen dieses Haus ein Stück weiter. Wir sind Manns genug und können es gut trageir. Es gibt einen hübschen Spatz. Es scheint auch keiner drinnen zu sein. Also los, angefaßt! Gleich die­ses nehmen wir. Eins, zwei, hoch!" kommandierte Schaeler, und das ans Pfählen ruhende, aus einem Bam. bnsrohrgeflecht bestehende, mit Dattelblättern gedeckte und auch mit diesem Material verkleidete ca. 8 Quadratmeter große und 2 Meter hohe Häuschen ruhte auf den Schul­tern der Matrosen. Die meisten Häuser, wenigstens die der ärmeren Eingeborenen, sind so gebaut, und sind diese Häuserchen deshalb auch furchtbar leicht und trans­portabel. Langsam schlichen die Matrosen mit ihrer Last dem inneren Stadtteile zu. Der geehrte Leser wird nun denken, „das ganze Haus muß doch ein schönes Gewicht haben?" — Ja, da ist nicht viel drin zu finden. Ein paar Kochgeschirre, ein Tisch mit Bank, selbst gezimmert, an der Wand an Holzkantcn ein paar Lumpen, Frauen­kleider, und eine primitive Lagerstätte aus gezupften Kokusnnßfasern, worüber ein Stück Leiilen gebreitet ist. Auf diesem, in den Tropen recht angenehmen Lager schlief eine Frau mit hexenartigen Gesichtszügen. Nicht einmal der Skandal, den die lustige Gesellschaft gemacht, hatte die Frau aufwachcn lassen. Die Blaujacken waren mit Aus­nahme voii Schaeler und Müller, welche die schlafend« Alte entdeckt, aber davon natürlich nichts gesagt hatten, der Meinung, daß sie ein leeres Häuschen hätten, wollten dieses irgendwo an einer passenden Stelle hinsetzen, und