Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage 51 t »i Wiesbadener Tagblatt.

No. 567. MorZen-Ansgabe.

Samstag, den 5. Dezember.

51. Jahrgang. 1903.

Verwohnte Kinder sind die unglücklichsten, sie lernen ^ schon m jungen Jahren die Leiden der Tyrannen kennen. £

M. v. Ebncr-Eschenbach. fe

3

*

W— _ TW

nf¥WW^W*WWWWW¥¥W¥W¥WWWWWWW¥WWWW999W9»

(67. Fortsetzung.)

Goa Keoni.

Roman von Marie Bernhard.

Tn einem breiten, wuchtigen Lehnsessel, den ich bis oahrn noch nie hier gesehen hatte, der also nicht Herrn Stolzels Eigentum sein konnte, lag die Fürstin, deren mächtige Gestalt den. Sessel vollständig ausfüllte, und drehte sich eben eine frische Zigarette,-das matt­

goldene Etui stand^ geöffnet auf ihren Knieen, es enthielt geschnittenen^ türkischen Tabak und eine Anzahl weißer Blättchen; sie trug denselben losen Anzug wie gestern, ihre Haltung war mehr als nachlässig, die weiten Ärmel fielen weit zurück un-d entblößten die kolossalen Arme bis über die Ellbogen. — Ihr zur Seite, den Rohrstuhl ver- traulrch in nächste Nachbarschaft geschoben, eine Zigarrette zwischen den Lippen, die Hände tief in den Rocktaschen vergraben, saß Doktor Ahrenz und auf der anderelr Seite der Fürstin balancierte Doktor Langerrfeldt auf der Lehne einer gußeisernen Gartenbank und blies soeben das Zünd­hölzchen aus, mit dem sie ihren Papyros in Brand gesetzt hatte. — Bor ihnen auf dem runden Tisch standen ein paar femgeschlifsene Kristallk«rasfen, die verschieden­farbige Liköre enthielten, zwei geleerte Gläschen und ein halbvolles daneben, — überdies noch eine Platte mit Konfitüren.

Ich stand wie angewurzelt und musterte diese Gruppe verwandter Geister, die sich so rasch gefunden hatten; meur Erstarmen mag sich ausdrucksvoll genug auf meinem Gepckfie gemalt haben, denn alle drei lachten. Ahrenz hrelt es offenbar, trotz seiner Bewunderung meiner Person, von seinem erhabenen Standpunkt als modernste Leuchte der Wissenschaft, für überlebten blödsinnigen Firlefanz, mftustchen, um eine Dame zu begrüßen und ihr aus

Artigkeit emen Sitz anzubieten,-er verharrte in

[emer ^teautig, weit zurückgelehnt, die Füße ausgestreckt, me Hände m den Rocktaschen, kniff nur hinter der Brille m sEug die Augen zusammen und musterte mich mit gemütlichem Wohlgefallen. Doktor Langenfeldt nickte mu einen kordralen Gruß zu, und di« Fürstin rief: Kommen Sie her zu uns, kleines Mädchen I Das hier sind wirklich ein paar ausgezeichnete .Kerle!" m, immer! Jst's nicht ein Jammer um sie,

Sre sich weiter keine Mühe mit ihr!" sagte Doktor Langenfeldt in bedauerndem Tone.

9“. es ernstlich versucht, denii es steckt wirkliche Anlage ®. £ A'igleich ein bodenloser Eigensinn, und ihr Geljt scheint durch dre nichtswürdige moderne Mädchen- erziehung rettungslos verpfuscht!" ‘

(n. keine Lust verspürte, auf diese wohlwollende

Charakteristik etwas zu erwidern, so machte ich Mene,

,mmi ® n ' nci9 “”» -

so bleiben Sie doch hier!" rief diese ungnädig.

- En man so ohne weiteres fortlaufen wollen? lind

wohin treibt es Sie denn bei dieser Sonnenglut? Ohne Hut, — ohne Handschuhe — und dabei ein Teint, wie eme Kirschblüte!" Sie nahm ein Lorgnon an langem, vergoldetem Sftel zur Hand und betrachtete mich auf­merksam. „Wahrhaftig — ohne cr&me oder poudre — beneidenswert! Aber jetzt setzen Sie sich zu uns und rauchen Sie mit uns die Friedenspfeife!"

„Ich danke, gnädigste Frau, ich rauche nicht!"

„Oh! Aber dann hier"-sie hob mir mit ein

ladendem Blick ein Lokörgläschen entgegen.

„Auch dafür muß ich danken, ich habe bereits ge frühstückt!"

, „Dann setzen Sie sich fünf Minuten hierher und lassen Sie sich mein Mißgeschick berichten, so, das ist ein gutes Kind", — ich hatte mich zögernd mit einem, wie ich fürchte, wenig verbindlichen Gesicht in ihre Nähe gesetzt, — „hier ist die Belohnung!" Hiermit schob sie mir eine kandierte Frucht eigenhändig in den Mund, und ich mußte dieselbe wider meinen Willen verzehren.

„Nun denken Sie, wie es mir geht! Da hat mein armer Junge eine so schlechte Nacht gehabt, wie nur Cölestin«, als ich um elf Uhr erwachte, zu melden kam, und ich verfiel auf die gute Idee, diese beiden jungen Doktoren, deren Bekanntschaft ich gestern abend gemacht hatte, als ärztliche Berater hinzuzuziehen. Warum kamen Sie denn nicht gestern spät noch heraus, kleine Eva? Wir haben noch bis nach zwölf Uhr hier draußen zu dreien auf der Terrasse bei grünem Malakosf-Likör und Zigaretten gesessen und uns sehr gut unterhalten, — haben wir nicht, meine Lieben? Mit den Zweien läßt sich ein ver­nünftiges Wort reden, ich verstehe ihre Bestrebungen und wünsche, es gäbe viele solche Leute! Mr ist alle Ziererei verhaßt, ich bin es gewöhnt, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen und freue mich immer, wenn ich auf Gesinnungsgenossen stoße. Daß die beiden zu denen ge­hören, die niit dem alten Kehricht in der Medizin wacker ausräumen und dem toten Körper durch durchgreifende Radikalmittel neues Blut einzuflößen bemüht sind, hat sie mir noch schneller zu guten Freunden gemacht, und ich hatte den Einsall, ineinem kranken Jungen diese reformie- rende Wissenschaft zu gute kommen zu lassen. Weser gute Doktor Wörler trägt so deutlich den Stempel des Ignoranten, sein ganzes Wesen, die umständliche Art seiner Fragen, Untersuchungen und so weiter kennzeichnen so vollkommen den alten überlebten Schlendrian, daß ich, die ich an die prägnante Manier unserer modernen ärzt- lichen Koryphäen gewöhnt bin, in der ersten Minute ein tiefgewurzeltes Mißtrauen gegen ihn faßte. Da mein Gemahl auf seinem Spaziergang war, — er hatte fast die ganze Nacht bei Stephan gewacht und sah ganz äuge- griffen aus — so benutzte ich seine Abwesenheit, um mit den Doktoren Ahrenz und Langenfeldt den Kranken zu besuchen und ihrer Behandlung zu unterziehen. — Glauben Sie, der eigensinnige Junge hat es zu einer Untersuchung, zu einer Konsultatton kommen lassen? Rundweg erklärte er mir, er werde sich Doktor Wörlers Maßregeln fügen und müsse sich jede Einmischung anderer verbitten; damit kehrte er sich gegen die Wand, ließ jede Frage, die an ihn erging, unbeantwortet und geriet bei iem Versuch, gewaltsam eme Untersuchrmg zu veranstalten in eine so fürchterliche Aufregung, daß uns Cölesüne bei­nahe auf den Knieen beschwor, von unserem Plane Slb- . stand zu nehmen."

„Sie hätten iiicht davon Notiz nehmen sollen!" sagte Ahrenz phlegmatisch und stieß die Asche von seiner Zigarette ab.

„Ja, — das war eine unzeitige mütterliche Schwäche", fiel Langenfeldt ein, „Kranke haben keinen Willen und wissen niemals selbst, was zu ihrem Besten dient, man muß sie oft dazu zwingen."

„Aber einem Schwerkranken muß doch jede Aufregung schaden!" ries ich entrüstet.

Langenfeldt und Ahrenz tauschten einen mitleidig, lächelnden Blick und ein geringschätziges Achselzucken mit­einander aus, wie wenn sie sagen wollten das alberne Geschöpf wagt es wirklich, selbst in medizinischen Dingen seine kindische Meinung auszusprechen. Die Fürsttn seufzte.

„Es war unrecht von mir, ich gebe es zu, aber ganz darf man die Gefühle einer Mutter nicht aus dem spiel lassen; ich gebe darum doch die Hoffnung nicht aus, daß der kindische Junge noch zur Vernunft kommt!"

„Das glaube ich nicht — dazu sicht er viel zu sehr unter dem Einfluß seines Vaters!" sagte Ahrenz, indem er langsam seinen Likör schlürfte.

„Leider — leider!" bestätigte die Fürstin. „Was habe ich nicht alles getan, um diesem Einfluß die Spitze abzubrechen! Umsonst! Wie die Ketten hingen die beiden jederzeit aneinander — selbst aus all den anstrengenden, weitschweifigen Konzerttournees, die ich verabscheue, ließ das Kind nicht ab, den Vater zu begleiten, und ich war inachtlos dagegen! Wäre es nicht um dieser Oper willen gewesen, die in absoluter Abgeschlossenheit entstehen sollte, während man für meinen sohn Meran, Madeira und endlich Nizza verordnete— die beiden hätten sich auch in diesem Jahr nimmermehr getremrt!"

Stephan stieg im Verlauf dieser Auseinandersetzungen immer mehr in meiner Achtung und Sympathie. Mer drese Frau, die immerhin bedeutende materielle Opfer ge­bracht hatte, rrm ihres Gatten, ober vielmehr seines be­rühmten Namens, habhaft zu werden,-sie lebte stets

von ihm getrennt, sie teilte seine Triumphzüge durch ganz Europa, ja jenseits des Ozeans, nicht, .... wie war das zu verstehen? — Schon ihre nächsten Worte sollten mich darüber anfffärcn.

Überhaupt eine falsche Spekulation — meine ganze Ehe!" fuhr sie gleichmütig fort.

„Machen Sie nur kein erschrockenes Gesicht, flehte Blonde, es sind keine Geheimnisse, die ich hier ausplaudere, — — im ersten Salon, den Sie in Wien» Berlin, Peters­burg, Rom oder Brüste! betreten, wärm zwanzig Per- sonm bereit, Ihnen davon zu erzählen, — wieso soll ich es da nicht lieber selbst tun? Es war einerseits ein Mt der Großmut von mir, daß ich vor zwerundzwanzig Jahren dem blutjungen Menschen meine Hand anbvt und

ihn somit aus einer sehr schlimmen Lage riß,.

andererseits rechnete ich auf seine Dankbarkeit, — sein be- ginnender Künstlerruhm, sein Name sollte mir Ver­bindungen wieder zurückerobern, die sich mir, aus diesen und jenen Gründen, voller Vorurteile verschlossen hatten und die ich nicht missen wallte. Nun. da hatte ich mich aber gründlich verrechnet, er ging seine Wege und ließ mich die meinen gehm — unbeirrt und unbeeinflußt, taub ür alle Vorstellungen, Szenen, Drohungen, gleichgültig gegen Ärgernisse aller Art, die es in der Gesellschaft gab. (Fortsetzung folgt.)

Eisen-.

oomafose

EIS EN HALTIG FS FI FKrHnwrrcc

vMmuCü iuCUbii

für Bleichsüchtige.

nm-SMiaiwi msiem aus Ssmaiose mit 2 •/• Eisen io orgjulsclier Bljimg.

Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.. Elberfeld.

F77

«iuder-Kochfterde, sowie alle EiurichtungS- Gegenstände für Küchen, als: Schränk«,

Mche und Mühle,

MMsch.'

Esschränre,

Znegeuschränke,

M^*EtagSrcn,

Wasserleitungen,

Waagen, Töpfe,

in größter Auswahl.

Galanterie- u. Spielwaaren,

MLE 'vnijlil, Kl. Burgstr. 1.

Kaffee- und Thee- mafchinen, Reibmaschinen, Küchenlampru, Mefferkörbe,

Bestecke, Kehrichteimer, Kochbücher re. re.,

Prima Thüringer Wnrftwaren!

Lachsschinken k Pfd. Mk. 1.40, Cervelatw.. Salami k Pfd. Mk. 1.20, sowie alle andere» Sorten Wurst- und Fleisch- Waren versendet in prima Qualitäten und zu soliden Preisen gegen Nachnahme ab Erfurt die Wurst- und Fleischwaren-Fabrik F102

Gottfried Langelütz, Erfurt.

garantirt

wasserdicht,

£617

öiiimni-ßetteinlagen,

für WKellnerinnen, Siranlie und Kinder

von Mk. an per Meter.

Wmdefhftenhßn b . e ® te . r S< Jutz gegen Erkältung, zur . nchtigen Säuglingspflege unentbehrlich.

Aus feinstem Paragummistoff, doppelt gummirt, sehr haltbar, per Stück von Mk. 1.80 an.

Sämmtiiche Artikel zur Kranken- und Wochenbettpflege. €hr. Tauber, Kirchgasse 6. Telephon 717.

Otto it&is,

Inhaber des C. Theod. Wagner’schen Uhrengeschäfts, gegründet 1863, MtUilgasse 4, empfiehlt zu

F estgeschenken

Genfer und Glashütter Präcisions-Taschenuhren, gute billige Schweizer Taschenuhren in allen Preislagen grosse Hausuhren, Salonnhren, Kegulateure, Pendulen’ Schreibtisch- und Reiseuhren, Wecker, 8272 Laden-, Bureau- und Küchenuhren.

Grosse Auswahl. Billigste Preise. Beste Ausführung von Reparaturen im eigenen Atelier.

Augen hierher!!

Nur bis z. 1. Jan. verkaufe Damcn-Jaqiiettcs, Cape«. lange Räder Capes zum Abnehmen, Herrn- nnd Knaben-Anzüge, Ueberzieber, Hosen und Westen, Joppen, ein,. Röcke, Partbie prima Stoffe für Herren- und Knaveii-Auzüge. einzelne Reste für Knabeiihoscn zu nur jedeni annehmdarcii Gebot. Westritzstraße 11.1 Stiege.

28 goldene u. silberne Medaisten i>. Diplome.

Schwei»rrische

Spielwerke,

sowohl mit Walzen alb mit Roten- scheiben, anerkannt die vollkom­mensten der Welt.

Spieldosen,

Automaten, Necessaires, Schweizcrbäuscr, Cmarrcnständer, Photographie - Album«, Schreibzeugc. Handschuhkasten, Brief­beschwerer, Blumenvasen, Cigarrenetni», Spazierstöckc, Flaschen, Bicrgläler, Dessert­teller, Stühle u. s. w. Alles mit Musik. Stets das Neueste und Vorzüglichste, besonder» geeignet für Weih,»acht», «escheuke, empfiehlt die Fabrik

J. % Keller in Mrn Mmch).

Nur direkter Bezug garantiert für Echtheit; illustrierte Preislisten franko.

Griecliisclie Weine

Aj-j-’scher Einfuhr, aus den 118 I Kellereien von:

vH Friodr. Carl Ott, würzburg,

die besten aller Südweine, sind in Wiesbaden zu haben bei:

Eduard Bölim,

AdoUilrame 9.

Telef. 180. 2890

Preise von

IW. 1.30 an |

für die gr. Flasche.

Hafens znm Kranz,

■innggnise KO, liehe limntplali.

Therma!-Bäderä 60 Pf.,

neu eingerichtet. 2670

Möblirte Zimmer I. Etage.