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**• Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PretS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 27.

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Morgen ■Ausgabe,

Kudapester Kries.

Die starke Hand. — Technisch» Obstruktion. — Hausauslösnng. I t. Budapest, 30. November.

So hat denn nun endlich die Politik der starken Hand doch ihren Anfang nehmen müssen. Die Parallel-Sitzun- gen sind im ungarischen Ahgeordnetenhanse eingeführt, 9- und lOstündige Sitzungen an der Tagesordnung, die Ordnungsrufe des Präsidenten liegen nur so in der Luft, kurz alles rst getan, uni aus der passiven Resistenz die krasügste Aktion zu machen — und was ist bis nun das Resultat dieser Politik der starken Hand? Tie Sitzungen sind noch um einen Grad turbulenter geworden als früher, Hausordnungsdebatten verdrängen jede ernste Diskussion, 29 Mitglieder der ehemaligen Ratio nal-Partei sind mit dem Grafen Albert Apponyi an der Spitze aus der liberalen Partei ausgetreten und haben hierdurch der Obstruktion nyre Lebenskräfte verliehen, und die Obstruk­tion selbst, sie erlebt nur eine neue verschlechterte Auflage ir Form der technischen Obstruktion und verhindert jedes positive Arbeiten nach wie vor. Von der Einlösung des Versprechens welches Graf Tisza in Wien gegeben, daß w nämlich die Dotierung der Staatsnotw-endigkeiten, so besonders die Bewilligung der Rekruten und der Indem- mty in kurzer Zeit erreichen werde, kann unter solchen Umstanden heute uin so weniger die Rede sein, als ja die relegationm sur den 13. Dezember einberufen sind, und die Verhandlungen des Parlaments, wenn man bei der gegenwärtigen Sachlage von solchen überhaupt sprechen kann, muhen zu diesem Zeitpunkte unterbrochen werden do drangt sich denn wieder die bange Frage auf die Lippen ged es Patrioten: „Was soll jetzt werden?" Die men meinen, und zwar die von der Opposition, das; Graf Tisza durch diesig Nichterfüllung seiner Versprechungen m Len baldlgst m Ungnade fallen und dem Grafen Arlms anötaift) Platz machen werde, der wieder, wenn cs nach ihrem Willen geht, in kurzer Zeit Herrn von «erle werde weichen müssen, mit welchem, wie die 2^twn bcha>rpter, sie leichter werde Friede machen tonnen. Das aber sind, wie andere — die von der Re- behaupten, lauter fromme Wünsche, Pf nicht in Erfüllung gehen werden. Die Position des Gmfen Stephan Tisza nach oben hin sei niemals fester

ebm jetzt. Der Monarch Vir fta £ en Hand mehr als einver- Mden. Er billige sie nicht nur rückhaltslos, sondern & ,i geradezu m der letzten Audienz, ioelche der TMa.^währte, als dieser kürzlich in Wien ge- Ja, der ungarische Minister- pra,ident habe auch bereits das königliche Handschreiben

zur Auflösung des Hauses in der Tasche itnö- warte er nur die Delegationen ab, uni dann im neuen Jahre das Parlament nngescheut nach Hause schicken und im Jänner noch Neuwahlen ausschreiben zu können. Tie Vorbe- reitungen^ zu diesem Winteuvahlfeldzug seien von seinen Funktionären auch bereits getroffen. Tie Obergespane haben die strengsten Weisungen erhalten und es soll eine Kampagne eröffnet werden, wie sie auf dem Gebiete der Wahlen selbst in Ungarn beispiellos dasteht, um in der Hauptsache_ zumindest znm Ziele zu kommen und- die widerspanstigsten Elemente der Opposition zu Paaren zu treiben, die Kämpfhähne der Obstruktion aber aus dem Parlamente gänzlich zu verdrängen. Kompliziert wird diese arge Situation noch durch den Umstand, daß im Sinne unseres Wehrgesetzes im Jänner des folgenden wahres ein Drittel der bereits an drei Monate länger, uls dies ihre Dienstzeit vorschreibt, unter den Fahnen zuruckgeh>altenen ausgedienten Soldaten automatisch zu entlassen wäre, ohne daß mangels eines neuen Rekruten- gesetze^ für den Ersatz der in der Armee tzierdurchj ent- stehenden Lücke rechtzeitig gesorgt werden könne, und

ferner dadurch, daß auch in Österreich die parlamentarische Situation — man denke nur an die auch dort drohende neuerliche Obstruktion — zur Zeit möglichst trostlos und krisenhaft erscheint. Inmitten dieser beängstigenden Anarchie in Zis und Trans entringt sich jeder Brust der sehnsüchtige Wunsch, daß diesem unglückseligen, schier zu Tode gequälten Lande doch endlich einmal wieder der Friede werden würde und wäre es auch- um den Preis em-er Verfassungsänderung.

Politische Uversrcht.

Der Kaiser.

ll. Berlin, 1. Dezember.

Uber das Befinden des Kaisers werden in aus­ländischen Blättern, in versteckter Weise aber auch in deutschen Z^tungen fortgesetzt ungünstige Nachrichten -verbreitet. Wie sie entstehen konnten, ist schwer zu sagen Denn die Arzte haben auf Verlangen des Kaisers jederzeit dw volle Wahrheit gesagt, und diese Wahrheit enthalt keinen Grund zu Besorgnissen Leicht­sinn, Sensationslust und Übelwollen mögen sich zu­sammengetan hoben, um Gerüchte entstehen zu lassen -die hier mit begreiflicher -Entrüstung ausgenommen werden. Denn sie enthalten wie gesagt, keinen einzigen Kern von ^atsachlichkert. Aber sie sind eben verbreitet "ns wurde schon am Freitag von Wien aus telegraphisch mitgeteilt, daß dort solche Gerüchte umgehen. Als wir daraufhin an einer autoritativen Stelle Erkundigungen einzogen, fanden wir unseren Gewährsmann durch die Anfrage keineswegs überrascht: auch er hatte bereits von derartigen Gerüchten Kenntnis erhalten. Das Rätsel

bivsprungs wird dadurch nicht klarer, ihre Grund- lopgkeit aber bleibt in Kraft. Schon allein die Abreise des Geheimrats Schmidt sollte die falschen Angaben widerlegen. Wenn der leitende Arzt des Kaisers die weitere Behandlung beruhigt dem Generalarzt Leuth-old und dem zur Kehlkopfmassage berufenen Dr. Spies uberlaßt, so braucht man wahrhaftig nicht besorgter zu sein als er und seine Kollegen. Zum Überdruß erfährt daß eine wiederholte Nachprüfung des bisherigen Krankheits-Verlaufs wie die auf gewissenhaftester Über­zeugung beruhende Prognose des ferneren Verlaufs aber- wofs Zu der Feststellung und zu der sicheren Erwartung geführt haben, der Kaiser sei von keinem ernsteren Leiden bedroht, das vollkommen gutartige Krankheitsbild werde uw wcht verändern. Was die Kchlkopfmassage betrifft, o soll pe sich nicht wesentlich von anderen Methoden unter­scheiden, die auf __ diesem Gebiete auch sonst schon an- gewendet worden sind. Es wird von dieser Behandlung erwartet, daß die etwas erschlafften Stimmbänder wieder leistungsfähig gemacht werden, und daß so die infolge der Operation eingetretene leichte Heiserkeit schwinden könne. Die Stimmung des Kaisers ist -gut. Wenn er für dm nächsten Tage den anberaum-ten'H-ofjagd-en in der Provinz Hannover fernbleibt, wenn er wahrscheinlich auch den Reichstag nicht _ persönlich eröffnen wird, so sind das Vorgänge, die einfach zu registrieren sind, und aus denen eine Beunruhigung herzuleiten keinesfalls am Platze tft. Ein ganz selbstverständliches Schonungsbe- durfnis fuhrt hier das entscheidende Wort, wie denn be- ™ r, r ^ücksicht auf die anhaltend rmche Witteruna Vorsicht gebieten muß. Allen heimlichen und offenen Sensationsgerüchten gegenüber hat man die Pflicht, fest­zustellen, daß der Kaiser nicht ernstlich krank war und daß er ;etzt nicht einmal mehr krank ist, sondern sich nur noch von den Nachwehen der erlittenen Attacke zu erholen hat.

Zn den rnsiischrn Handrlsvcrtragsverhandlungea.

Es ist sonderbar, daß die Offiziösen der Wilhelm- stratze und die Offiziösen des .Herrn von Witte keine Übereinstimmung in bezug auf die Bewertung der bis- herigen Hand-elsvertragsverh-andlungen finden können Hort man die Weisheit, die aus der Umgebung des R-erchskanzlers in die Lande gehst so wird der Abschluß eines neuen Tarifvertrages mit Rußland beffimmt er­wartet werden dürfen, und man bekommt sogar den Ein- druck, als werde Graf Bülow den neuen Zolltarif nicht allzusehr zerpflücken zu lassen brauchen, als werde er namentlich die Getreidemindestzölle in den künftigen russischen Handelsvertrag hinübernehmen können In Petersburg drückt man sich viel zurückhaltender aus m wenn man es recht betrachtet, ist dort die Meinung die daß ein Handelsvertrag ohne größereOpfer von deutscher Seite nicht zustande kommen wird, und daß solche Opfer mit Rücksicht auf die agrarische Mehrheit des

Feuilleton.

Die Nationen bei Tisch.

Gastronomische Plauderei von Th. B. Gall.

j°Hen, wie du ißt - und ich will dir sac eine,?N - ^enn man mit diesem Grundsatz st tntini wn f,te L" finden haben will, um die Bildung > toeit Ue ^ e Eigenart derjenigen unter unseren San ^gründen, mit denen wir zufällig zusamm «rwinnt diese Regel vielleicht noch an M förW ™ ^ sich darum handelt, An

in to„?p rfcÖm% !; ttcr Nationen charakteristisch non einem I rin ™ Utt 2 kulturell in einen bestimmten Rahn Ein berühmter Reisender behauptete e men a'?cnn er mit verbundenen Augen in trgi aiidegeführt würde, wäre er gleichwohl i Senm, ° Ug dem Odem, den Herd ilnd Küche ausströmt iönrnp erkennen, was für Nationalgerichte hier : lebw-i ^^raut und -gebrvdelt seien. Selbstverständl zfiAr dazu eine sehr intime kulinarische Kenntnis der wacht kommenden Völkerschaften, und vor allem lll^p erst feine Nase. Nichtsdestoweniger ist es ei keinp »f. • ft * augenblicklich die großen Kulturvöli cck» Hinsicht so prägnant voneinander abheben ti / gewisse Nationalspeisen. Diese fanden in ihrer - ganz allmählich und oftmals erst , nach Jal E DA Form und Inhalt, so daß sie heute gerade mhf- ffC , P|t dürfen. Es brauchen dies auch nicht eti Ite r, * p Sd,ü ' ,etn "der kunstvoll ausgetttfteltc (5 «en^. r n; irf) erinnere nur an unser Sauerkraut, d "''d häufig gegessen wird, wie auf g< Boden, und bekanntlich den deutschen Mick Echi ell urteilenden Nachbarn in den Verdacht f etfiünxZm fi er nachgerade für kein anderes Mahl Sin Ä rin^p^ und — Geld habe als für die feiiigcschniti ^inniein^ der Kohlpslanze, die in so prächtiger, gold W *p" r ® nrBc und zart, daß sie beinahe anf d k Kn^^»^klen, auf seinen Tisch kommen.

^ " allgemeinen neigt man sich der Ansicht zu, d.

'"unkreich das gesegnete Land der Kochkunst sei. Leugnen wtzt sich auch keinesfalls, daß eine Reihe wunderbarer und köstlichster Errungenschaften hier ihren Ursprung ge- funden. Beweis dafür liefern die verschiedenen histori- jchen Gerichte, die noch heute den Namen ihrer Erfinder tragen und gewtssernraßen als Offenbarung der Gastro- sophle gelten dürfen. Ein Studium der Speisekarte ist in dieser Hinsicht ebenso interessant wie lohnend. Der ,vtarqulse von Pompadour, der schönen Geliebten Suö- wws X V'., verdankt man die leckeren Filets de volaille Ala Bellevue; mit ihren eigenen rosigen Fingern rich­tete, sie dies Geslügelgericht her für die petits souper«. die der galante König im Schlosse Bellevue mit ihr ein- znnehmen pflegte. Später war sie bekanntlich so heroisch, sich damit zn begnügen, daß ihr gekrönter Freund sich an diesen Schüsseln in Gesellschaft anderer Schönen, für deren Rekrutierung sie Sorge trug, delektierte.

überhaupt waren die Frauen - sowohl zünftige als auch nichtzünftige — am Hose der Bourbonen nnausgefetzt bemüht, neue, vielleicht oft kapriziöse, aber geistvolle und schmackhafte Gerichte zu ersinnen. Maria Seszynska die Gemahlin eben jenes Monarchen, tröstete sich über die Vernachlässigung, die ihr von seiten des Gatten zuteil wurde, bei Koch- und Gebetbüchern. Ihr tägliches Leben war ein stetes Hinnndher von Kapelle zu Kückie. In der Weltgeschichte völlig belang- und bedeutmigslos, hat sie ihren Namen gleichwohl in die Annalen der Fein- schmeckerer durch die entzückenden Petites lwuetweK il la Reine getragen. Man erzählt sich, daß sic durch diese Erfindung beinahe die Gunst ihres Gatten erobert habe, der ja kulinarischen Genüssen fast ebenfo zugänglich war wre jenen, die Aphrodite gewährt. Durch diese Aussicht war die damalige Freundin des Königs, die Herzogin von Villerov, auf das höchste bennruhlgt,- ihre Stellung schien erschüttert,- Frohsinn und Schlaf flohen sie. Sorg­sam begann sie nun, in die Geheimnisse der Kochkunst einzudringen — und so entstanden als ferneres G-eflügel- gericht die Poulets st hi Villeroy, das Entzücken Lud­wigs XV., der darin geradezu schwelgte und Tage hin­durch nichts anderes genießen mochte, als die zarten, feinen Hühnchen. Die Stellung der Herzogin war dadurch

für geraume Zeit gesichert; ans die Dauer wäre ihr das bei der wetterwendischen Gesiimung des Königs wahr­scheinlich nicht gelungen, selbst wenn sie die Gerichte der Olympier auf die Erde und an seine Tafel gezaubert hätte.

Unter den übrigen romanischen Völkern zeichnen sich vielleicht noch am meisten die Italiener durch eine gastro- sophisch zugespitzte Kochkunst aus. Wenn sich der Deutsche den Gerichten, die im Lande der Orangen und Zitronen auf den Tisch kommen, im großen und ganzen mit Vor­eingenommenheit und Mißtrauen nähert, so ist der Grund hauptsächlich darin zn suchen, daß man hier Olivenöl statt Butter oder Schmalz, wie sie bet uns gebräuchlich sind, verwendet. Aber schon nach einiger Zeit ist die Zunge vollkommen ausgesöynt — kein Wunder, denn das Ol. mit dem die Nachkommen des Birgit und Cicero ihre Speisen würzen, ist mit dem bei uns meistens in den pandel konnnenden ganz und gar nicht zu vergleichen: es ist reines, unverfälschtes Olivenöl, durchsichtig wie Kristall und von denkbar angenehmstem Geschmack Deutsche Künstler, die in Rom oder Neapel weilen, schwär­men geradezu für die sogeiiannten „fritti", also gewöhn­liche Flcischstücke oder Fische, aber auch -Gemüse, wie Blumenkohl und Artischocke, die znerst paniert und dann in Olivenöl goldbraun gebacken sind. Den pikanten Bei­geschmack verleiht man ihnen freilich erst durch das Be­träufeln mit Zitronensaft, der gleichfalls hier sehr reichlich verwendet wird. Ferner versteht die italienische Haus­frau, die Speisen überaus anregend zu würzen: eine ganze Reihe von Kräutern, denen der deutsche Küchen, garten für solchen Zweck niemals Raum anweiscn würde, blüht und gedeiht unter der Sonne Italiens bei sorg­samster Pflege.

Dahin gehören vor allem Salbei, Nosmarin und Basilikum: selbst vor dem Knoblauch schreckt man in keiner Hinsicht zurück, und ohne Zwiebel vermag man überhaupt nicht auszukommen. Aus der Tomate, deren Bekannt­schaft wir ja gleichfalls der italienischen Küche zu danken haben, stellt man eine Fülle ebenso anregender wie schmack­hafter Speisen her, und Kresse wird in den mannigfachsten Metamorphosen -geboten. Als Älationalgcricht darf man wohl die auch -im Auslände bekannten utid beliebten