«
Verlag Lang gaffe 21
„T«»»latt-HauL".
Schaürr-Halle geöffnet ««n 8 Uhr morgens bi» 7 Uhr abend».
wöchentlich
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tsgblatt-Haus" Nr. 6659-53.
Bon 8 Uhr morgen» bi» 8 Uhr abend», außer Sonntag».
vejngs-Pret» für beide Ausgaben: 70 Mg. monatlich. M. 2.- vierteljährlich durch den Verlag Langgaffe 21. ohne Bringerlohn. SR. 8 — vierteljährlich durch alle dentjchen Poftanlialten, ausschließlich Bellellgeld. — BezngS-BeKellnagen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckring 1». sowie die «usgabestellen in allen Teilen der vtadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
il»zeigen-Preis für l... in einheitlicher Satzform:
An,einen: 80 Psg. für alle auswärtigen Anzeigen:, i "“TTäiUwr''RVt^ÄrnnV''
Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelstr. 66, F-rnspr. - Amt Uhland 45U n. 451.
sfär die Ausnahme von Anzeige» an vorgeschrtebeuen Tagen und Plätzen wird keine Gewahr übernommen.
Montag. 20. September 1915. ftb£tt6*RU§9Clh€« _ Hy. 458. . 65. Jahrgang.
Zestsche Artillerie im Vorgehen gegen Serbien.
Oie Russen bei Oünaburg im weichen.
vertriebene feindliche Schiffe an der belgischen Rüste. — vie Verfolgung des bei Wilna ab- zieffenden Feindes. — Dis Linie MfedniKi-Lida erreicht.
Der Tagesbericht vom 20. September.
westlicher Kriegsschauplatz.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. September. (Amtlich.)
Feindliche Schiffe, die W e st e n d c und M i d d e l! c r! e (südwestlich von Ostende) erfolglos beschossen, zogen sich vor unserem Feuer zurück. Es wurden Treffer beobachtet.
An der Front keine besonderen Ereignisse.
Westlich von St. Quentin wurde ein englisches Flugzeug durch einen deutschen Kampfflieger abgeschossen. Der Führer ist tot, der Beobachter wurde gefangen genommen.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von Hindenburg.
Im Brückenkopf von Dünaburg mußte der Feind vor unseren Angriffen von Nowo-Alexandrowsk in eine rückwärtige Stellung weichen. Es wurden 550 Gefangene gemacht.
Bei Smorgon versuchte der Gegner durchzubrcchen, er wurde aber abgeschlagen. Der Angriff gegen den ans der Gegend von Wilna abziehenden Gegner ist im Gange. Auch weiter südlich folgen unsere Truppen dem weichenden Feinde.
Die Mjedniki-Lida-Solzane (am Njemcn) ist erreicht.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
Prinz Leopold von Bayern.
Der Gegner leistete nur vorübergehend an einzelnen Stellen Widerstand. Die Heeresgruppe erreichte den Mo l c z a d e - Abschnitt bei Dworeec und südöstlich und nähert sich mit dem rechten Flügel dem Rysczamjka-Abschnitt.
Heeresgruppe des Generalfeldmarjchalls von Mackensen.
Der Feind ist überall weiter zurückgedrängt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Bei kleinen Gefechten machten deutsche Truppen über hundert Gefangene.
Vom nördlichen Donanufer nahm deutsche Artillerie den Kampf gegen die serbische Stellung südlich des Stromes bei Eemendria auf. Der Feind wurde vertrieben und sein Ge- schützfener zum Schweigen gebracht.
Oberste Heeresleitung.
von den östlichen Kriegsschauplätzen,
Eine mehrtägige Schlacht bei Wilna.
Die Gefäbrdung des russischen Rückzugs.
Nr. Berlin, 20. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der militärische Mitarbeiter der „B. Z." kommentiert den gestrigen Tagesbericht der Obersten Heeresleitung dahin, daß die Russen in der mehrtägigen Schlacht bei Wilna entscheidend geschlagen worden seien. Die Armee Eichhorn habe den rechten russischen Flügel in der rechten Flanke umgangen, während weiter südlich vorrückcnde Truppen weiter im Rücken der bei Wilna-Lida stehenden russischen Kräfte gelangt seien. Der von ihnen erreichte Ort Wornany liegt 50 Kilometer unmittelbar östlich von Wilna. Smorgon 40 Kilometer südlich von Wornany und Molodeczuo 35 Kilometer südöstlich von letzterem Ort. Durch die Besitznahme der angeführten Linien ist ein großer Teil der Eisenbahn und Wege bereits gesperrt, die für den Rückzug der bei Wilna und südlich davon geschlagenen Heerestcile überhaupt in Betracht kommen. Die Eisenbahnlinie Wilna-Dünaburg scheidet aus, seitdem sie in ihrer ganzen Länge im Bereich des deutschen Operationsgebiets liegt. Die Bahnlinie Wilna-Minsl ist durch die Erreichung von Smorgon und Wornany von den Deutschen besetzt. Es sind dies die beiden einzigen Bahnen, die von Wilna in östlicher Richtung führen. Auch die von dem weiter südlich gelegenen Eisenbahnknotenpunkt Lida führende Bahn über Molodeczno ist ebenfalls der russischen Heeresleitung entzogen. Ob die von Wilna über Lida in südlicher Richtung nach Rowno fulirende Bahn noch zur freien Verfügung steht oder auch schon durch vorgetriebene Kavallerie der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern und des Generalfeldmarschalls v. Mackensen gestört ist, läßt sich noch nicht genau ersehen. Da sie aber
nur 20 Kilometer nordöstlich der von den Berbündeten besetzten Orte Deren»,oje und Mienadowicze vorbeiführt, wird auf ihre Benutzung nur kurze Zeit gerechnet werden können. Da sie durch die glücklich durchgeführte Umfassungsbewegu n g der Armee Mackensen und durch die nach Osten hin durch die an der Düna ebenfalls siegreiche Armee Below gegen die feindlichen Flankenangriffe gesichert ist, so ist die Verbindung der russischen Wilna-Gruppe mit der Düna-Gruppe vollkommen zerrissen.
Russische Freischärler verwunden deutsche und österreichische Rriegsgefangene.
Berlin, 20. Sept. (Zeus. Bln.) Aus Moskau wird gemeldet: Das Moskauer Blatt „Utro Rossij" bringt folgendes Telegramm aus Kiew: In den letzten Tagen sind in Kiew fünf Partien von Gefangenen eingebracht worden, darunter mehrere Offiziere. Viele der Gefangenen sind von unseren Freischärlern und Frauen verwundet worden. Drei Frauen, die Bomben auf die Deutschen geschleudert hatten, sind dabei selber schwer verwundet worden.
Englische Täuschungsbersuche über das deutsche Vorgehen am Sereth.
W.T.-B. Berlin, 20. Sept. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Die „Morning Post" vom 11. September bringt in einem Eigentelegramm aus Petersburg die Nachricht, daß in den sechstägigen'Kämpfen an der Serethlinie eine ganze Armee vernichtet worden sei. Ein deutsches Armeekorps von- zwei Divisionen versorgt die Russen mit den wertvollsten Trophäen und der größten Zahl von Gefangenen. Eine dieser Divisionen sei bei T a r n o p o l vernichtet worden. Von 16 schweren Geschützen eines deutschen Korps seien 14 in russische Hände gefallen. — Diese lügenhaften Behauptungen über deutsche Truppen können sich nur auf die Schlacht bei Tar- nopol am 7. September beziehen, deren irrtümliche Darstellung in dem Bericht der russischen Heeresleitung bereits in dem deutschen amtlichen Tagesbericht vom 8. September widerlegt worden ist. Die russische Heeresleitung selbst hält nach ihrer gewundenen Erklärung in dem amtlichen Bericht vom 11. September ihre Angaben vom 8. September nicht mehr aufrecht und gibt deren Unrichtigkeit in dem amtlichen Bericht vom 18. September mit bemerkenswerter Offenheit zu. Gegenüber der Nachricht der „Morning Post" sei nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die deutschen Truppen bei Tarnopol keinen SHritt zurück- gegangen sind und keinerlei Trophäen, kein Maschinengewehr und kein Geschütz verloren haben, dagegen alle Angriffe der Russen blutig abgewiesen haben. Die Verluste der beiden in der englischen Meldung erwähnten deutschen Divisionen betrugen am 7. September: 1 Offizier, 65 Mann tot, 3 Offiziere, 295 Mann verwundet und 32 Mann vermißt. So bedauerlich diese Verluste an sich sind, so kann man sie doch nicht aT§ übertrieben hoch ansehen, für eine Schlacht, der die Russen selbst eine entscheidende Bedeutung beilegen.
Ruch der Zar des Gberbefehls müde?
Sr. Stockholm, 20. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die „Rundschau" meldet: Nach Petersburger Berichten ist die Abgabe des Oberbefehls über das russische Heer durch den Zaren an General R u tz k i als bevorstehend anzn- schen. Die Petersburger Presse bereitet darauf vor, daß die Anwesenheit des Zaren am Sitz der Regierung sich politisch notwendig machte.
Zar und Großfürst.
Berlin, 20. Sept. (Zens. Bln.) Wie die „Teuffche Tageszeitung" erfahren haben will, erhielt der G r o ß f ü r st Nikolai Nikolajewitsch vom Zaren den Befehl, Tiflis während der Kriegsdauer nicht zu verlassen, was einer Verbannung gleichkomme. (Dürste die Nachricht vom Befehl des Zaren schon mit großer Vorsicht auszufassen sein, so viel mehr Wohl noch die daran geknüpfte Vermutung.)
In Erwartung schwerer Folgen der Oumavertagung.
Sr. Kopenhagen, 20. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Noch fehlen einigermaßen zuverlässige Nachrichten aus Rußland über die Wirkung der Dumavertagung, doch werden die Folgen zweifellos ganz andere sein, als Govemhkin und die reaktionären Hofkreise hoffen. Sogar einzelne einflußreiche Mitglieder des Kabinetts meinen, die Dumavertagung werde eine unheilvolle Katastrophe nach sich ziehen. Goremhkin hoffte, durch die Vertagung die liberalen Elemente des Dumablocks einzuschüchtern und gefügig zu machen. Diese Hoffnung darf schon jetzt als gescheitert betrachtet werden. Die Verhaftungen und Haussuchungen werden in ganz Rußland mit Eifer fortgesetzt, was gegen den Willen des Ministers des Innern Schtscherbatow geschieht, der, nebenbei bemerkt, von der Reise Goremhkins zum Zaren ack die Front nichts erfahren hat.
Finanzminister Bark aus seiner Borgreise.
W. T.-B. Toulon, 20. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Havasmeldung.) • Der russische Finanzminister Bark ist I>euie morgen an Bord eines russischen Dampfers hier cinge- troffen und reist heute abend nach Paris.
Die Organisation der russischen Kriegsmaterial- Herstellung.
Die Bewegung zur Mobilisierung der gesamten Bevölkerung für die Herstellung von Kriegsmaterial wächst andauernd. Über das ganze Reich haben sich hundert lokale Komitees gebildet mit einem Zentralkomitee in Petersburg. Viele Fabriken und Werkstätten wurden in den Dienst des Heeres gestellt. Die Universitätslaboratorien und technischen Schulen sind mit der Herstellung von Explosivstoffen beschäftigt. Professoren und L-tudenten leiten die Arbeiten auch in vielen Fabriken.
*
vie Lage in Serbien.
Die „Berner Tagwacht" veröffentlicht einen Brief, der ihr von dem Sauptredakteur -des Parteiorgans der serbischen Sozialisten aus Risch zuging und die allgemeine Lage in Serbien folgendermaßen kennzeichnet: Dieser Krieg hat Serbien ruiniert. Unser Land ist verwüstet, unsere Bevölkerung in ihrer ganzen besseren Hälfte vernichtet. Zu den Kriegsverlusten kommen die Opfer der Epidemien, des Typhus und anderer verheerender Krankheiten, die infolge der administrativen Desorganisation der Bureaukratie. Indolenz und Korruption ungcheure Zahlen erreichten. Das Beste und Wertvollste in Serbien ist nicht mehr, „Großserbien" wird ohne Serbien sein, und damit erledigt sich das gefährliche Schlccgivort von einem größeren Serbien von selbst. Das Land ist v ö l l i g e r s ch ö p f t, das Volk in verzweifelter Stimmung- und der Friede wird allenthalben sehnsüchtig erwartet.
Die 59. Kriegswoche.
Die Vorgänge der zurückliegenden KrisgAvoche. auf dem östlichen Kriegsschauplatz bilden ein unaufhörliches Ringen um die Verlegung des strategischen Schwerpunktes von dem nördlichen nach dem südlichen Teil. Eine Reihe von nicht ungünstigen Umständen schienen die Absicht der russischen Heeresleitung zu rechtfertigen. Ein kleiner .Teil ostgalizischen Badens östlich einer gedachten Linie von Zalveze bis zur bessara- bischen Grenze ist noch in russischer Hand. Glückte eine Erweiterung dieses schmalen Streifens in westlicher Richtung, so wäre dies als ein kleiner politischer Erfolg vor den Augen des abwartenlden Rumänien gewesen. Durch eine größere Zerreißung der ostgali- zischen Front unserer Verbündeten hasste Rußland die feindlichen Fortschritte gegen die Festung Rowno in Frage stellen zu könneu- Die unaufhörlichen Siege der deutschen Truppen sollten so zum Stillstand kommen, starke Heere von unserer Rordfront nach Südosten abgezogen werden, wodurch eine Wendung des Schicksals zu erhoffen gewesen wäre. Für die Verwirklichung dieser russischen Pläne war es als Mnstig m bezeichnen, daß bis nahe an die galizstcke Grenze mehrere Bchn- linien heranführen, die sowohl von West nach Ost wie Nord und Süd ziehend Truppeiwerschi ebungen erleichtern. Das reiche südrussische Grenzland bildet einen guten Wckhalt für die von hier aus operierenden Heere. Das Land war bisher von den Schrecken des Krieges verschont geblieben. Die zahlreichen, gleichlaufend zur russischen Gefechtslinie fließenden Zuflüsse des D n j e st r, stef in das bergige Gelände einschneidend, sicherten bei einem Rückschläge vor dem zu schnellen Folgen der österreichischen Truppen. In richtiger Ausnutzung dieser günstigen Momente glückte anfangs den Russen der erste Einbruch in die gegnerische Stellung bei Tarnopol. Zu einer weiteren Ausnutzung des kleinen Erfolges ist es aber nicht gekommen. Es gelang unseren Truppen vollkommen, sich in der für sie günstigen Stellung an den Hängen der Strypa so fest einzurichten, daß die erneuten russischen Offensivstöße zusammenbrachen. Ter neue Ansturm zeigte sich unserem von Norden und Süden abgegebenen Flanken- feuer nicht gewachsen. Die Russen scheinen auch, die Aussichtslosigkeit ihres anfangs erfolgreichen Unternehmens eingesehen zu haben. In den letzten Tagen ließ ihr? Gesechtstätigkeit, in Ostgalrzwn wesentlich noch und nach den Berichten vom Samstag ziehen sich die Rüssen schon wieder schleunig zurück. An dieser Front waren ihyen also ebensowenig Erfolge bcschieden wie an dem südlichen Teil des österreichischen linken Flügels an der J k w a zwischen der
