Einzelbild herunterladen
 

Smlage zum Miesda-ener Tagblatt.

Dt». 863. Morgen-Ausgabe.

Donnerstag, den 3. Dezember.

51. Jahrgang. 1903.

S

Hi-r ruhen die stcrb ichen Überreste von Viktor Alfieri , ~>, r ! ?ü r rf. t . n , «lullender Verehrer der Musen, der Wahrheit leideuschgstlich ergeben, deshalb den herrschenden «°!° 'te und allen seilen «che, gen mit Recht verhaßt, der »ü'it, * 5 cii, SiaatSamt beklcideie oder um

- >, *• Ä u -ü£ buhlte, unbekannt, mir bei wenigen beliebt, ledoch vielleicht niemanden als sich selbst verächtlich.

Viktoria Alfieri (si 8. Okt. 1803).

(Von ihm selbst verfaßte Grabschrift.)

19¥¥* 9 *¥***9*&W*W¥W¥WWWWW¥W*99WW¥99?9\

(66. Fortsetzung.)

Gva Leoni.

Roman von Marie Bernhard

■vsdj teilte die schneeweißen Bettvorhänge noch etwas £ «Kgr auseinander und bog mich zu dem Kranken herab.

, h m jÄ“ 11 ! öeni es seiüvärts gewendet lag, sah Stephans Gesicht mit einer stillen Verwunderung zu mr mlf, ^ ils war so weiß, wie die Spitzen, die es um* m 1 . h « ^otte mt Ausdruck einige Ähnlichkeit mit dem ^2.^° ’r.• ^urzen Oberlippe, die dem Antlitz etwas z-utraulich Kindliches gab, schiinmerte ein dunkler Flaum, ia.' reiche schwarze Haar lag regellos tim die niedrige f: ttrn ' .^bunter brannten wie zwei feierliche Flammen die großen .lugen, sie staunten so still in mein Gesicht hinauf, . nur war's, als seien schon Minuten ver­pusten, seitdem wir einander regungslos anschauten

Er machte eine leichte Bewegung mit der rechten Hand, dre auf der Bettdecke lag, als wenn er sie mir reichen wollte, ^zch faßte die arme, willenlose Hand fest in die Mme, wahrend rch mich auf den breiten Rand des Bettes

„Kleine Nachtigall!" sagte der Kranke und lächelte unbeschreiblich sanft dazu.

MlseMÜck^^^ Dater das geschrieben?" fragte ich

hörerU" Un ^ ^ Sie gern singen und spielen

„Wenn Sie wohler sind!" sagte ich tröstend.

iW Whhlr 1 ?$° nö i n . ^ Einigen zuckte, um die Lchpen schlich sich em ungläubiges Lächeln.

„Darauf können wir nicht mehr warten. Mein Bater hat mtr versprochen, den Flügel herunterbringen zu ^ssen, — hier nebenan, Und wenn ich es irgend m- ^apascha^"^ ^ °” r ettoQ§ Vorspielen, nicht wahr,

„Was du willst, — wie du willst, Stephan!"

„Das kleine Wiegenlied, — das lieben Sie auch?"

„Ach wre ich das liebe! Ich war so elend, so krank, Schlummerlied hat mir die ersten Tränen Mdmchi und nttf ihnen die (Nennung."

„Ein Lied für kranke Kinder!"' lächelte Stephan

Ä? T™ JM* r fl i r ^ch komponiert, als ich ein- ^^kkrank m Moskau lag und alle glaubten, ich müßte

„Ich weiß!"

ffht9 ' e ü r fdlte «roßen, schwarzgraueii Augen launend über mich hin, — endlich sagte er zögernd' Daß du ne aber für ein Kind halten konntest, Vater'" " ®

Vernon schüttelte den Kopf. ,

„Sie sah damals anders aus, als setzt! Sie saß in

einem Lehnstuhl, in Decken gewickelt, war kreidebleich und

erend, — das Haar, das du jetzt in Locken mit einem blauen Seidenbande im Nacken zusammengenommen siehst, war damals ganz kurz geschnitten, wie bei einem Kinde. Der ganze Ausdruck war auch ein anderer — ich habe — es ist —"

Er brach plötzlich ab und wandte sich weg.

„Darf ich Eva zu Ihnen sagen?" fragte der Kranke nach einer kleinen Weile.

„Gewiß! Und ich will Sie Stephan nennen, — ift vchnen^ das recht?"

„Sehr recht! Wie seltsam wäre es, wenn ich Sie als gnädiges Fräulein anreden wollte und Sie mich als Herr sS Herr Vernon!" Er lächelte ein wenig. „Das

hatte kernen Sinn, ■-Menschen, wie ich. sollen sich

nicht mit Zeremonien lächerlich machen. — Wollen Sie ssden Tag hierher kommen, Eva, so lange ich noch zu leben habe?"

„Ja!" Ich hätte kein weiteres Wort hervorbrinqen können.

„Damuf will ich mich nun immer freuen. Sieht es Nicht aus, Vater, als brächte sie Licht mit, wohin sie kommt? Seit sie hier ist, wurde es hell im Zimmer!"

„Das ist der Sonnenuntergang, Stephan!" sagte ich. „Wenn Lie diesen roten Vorhang zurückzieheii ließen, Ware das ganze Zimmer voller Glut!"

„Bitte, Vater!"

Die Gardine flog zurück, —- der ganze Raum leuch tete aus, wie m Purpur gebadet. In diesem roten Licht sah das junge Leidensantlitz wohler aus, die großen Augen blickten ungeblendet tjx den Glanz, dann auf mich, dre rch mitten darin stand, von der Abendglut übergossen. S.ephaii sagte ein Paar leise russische Worte, und Vernon wars einen hastigen Blick auf mich und nickte, sah aber- sofort wieder zu Boden. Der Kranke hielt immer noch meine Hand in der seinen, jetzt griff er irach seines Vaters herabhangender Rechten und umschloß auch diese, — Vernons Hand war ausfallend kalt und zitterte leise.

Ein durchdringender und zugleich schwerer Geruch von Zuchten, Zigarretten rmd Patschuli umwehte mich mit einem Male in diesem Zimmer, dessen frische, reine Luft mir beim Eintreten angenehm aufgefallen war. Ich hatte keme Tür gehen, keinen Schritt sich nähern, kein Gewand kmstern gehört — — und nun stand da plötzlich dicht neben mir eine kolossale Frauengestalt, in ein lang- chleppendes Negligee von persischer Seide gehüllt, das ihre Figur noch unförmlicher erscheinen ließ, die dunklen, glanzlosen Augen unverwandt auf mich gerichtet, das braune Haar nachlässig in einem Knoten am Hinterkopfe zusaminLngerollch eine kostbare Spitze lose um' den Hals geknüpft. sie hielt in der Linken eine fast ausgeglimmte Zigarrette, aus der Tasche ihres seidenen Schlafrockes guckte ein matigoldenes Etui. Ihre verschwommenen Zuge und starreir Augen waren keineswegs sehr aus- wohl aber batte das eigene Lächeln, das sich allmählich um ihre üppig geschwungenen Lippeir bildete, Bedeutung, ebenso das vollkommene Srillschweigeii, mit welchem sie mich nun schon ein? ganze Weile musterte, und das ich mich nicht berufen fühlte, zu unterbrechen.

Die erste Bewegung in unserer stummen und regunqs- losen Gruppe ging von Vernon aus, der seine Hand aus

oer meinen und der seines Sohnes zog; es geschah ziemlich ungestüm, und sein Gesicht sah finster aus. Wollte er mich seiner Gemahlin denn nicht vorstellen? Und waS mußte diese von mir denken? Während ich so unschlüssig und verlegen dastand, hörte ich Stephan mit seiner matten Stimme sagen: „Matuschka, — dies ist Eva Leoni!"

„Natürlich Eva Leoni, — wer sonst", erwiderte die Dame mit einer seltsam, heiseren Sprache. „Als wenn ich das nicht wissen müßte, du kleiner Narr! Gieb einmal ihre Hand frei, ich will sie mir ansehen!"

kksib ohne weiteres faßte sie mich mit einem derben Gnst ihrer breiten, fleischigen Hände bei beiden Schultern, drehte mich vollständig dem Fenster zu und starrte mir, immer noch die Hände schwer auf meinen Schultern, un­verwandt ins Gesicht.

Ich war verlegen und ärgerlich, ärgerlich auf die Fürstin, auf mich, auf Stephan, auf die ganze Welt, am meister^auf Vernon. War's nicht seine Pflicht, mir in einer Situation, wie diese es ohne mein Verschulden ge­worden war, zu Hülfe zu kommen? In meiner Ratlosig- jral*.tD’oXXte ich mich nach der zu Boden gefallenen Zigarette bucken, aber ein ungeduldiges: „Ach, lassen Sie das doch!" machte mich davon abstehen. — Wenn die Fürstin nicht mehr Freude an meinem Anblick'hatte, als ich an dem ihrigen, dann mußte das Vergnügen nur ein sehr mäßiges sein; es guckte etwas wie Hohn um ihren Vtund, aber sie ließ mich nicht los und hörte nicht auf, mich anzu­starren.

. „Alexandra Pawlowna!" sagte Vernon endlich in ge­reiztem Ton.

„Ich bin fertig, mein Lieber!" entgegnete sie gelassen und kehrte mich wieder mit derselben ungestümen Be­wegung dem Zimmer zu. „Setzen Sie sich wieder zu meinem Sohn, und fürchten Sie sich nicht vor mir, im allgemeinen mag ich die kleinen deutschen Mädchen gern!"

„Fürchten, Madame?" Ich blieb vor ihr stehen und sah sie tief beleidigt an. „Warum sollte ich das wohl tun?"

„Weil Sie zu Ihrem deutschen Blondhaar italienische

oder spanische Äugen haben, und weil in solchen Äugen ein Abgrund verborgen ■ - -

_ . ~ .liegt. War der Vater ein

Spanier?"

„Nein, — das heißt, nein" —

. „Vielleicht ein Italiener! Die Augen da sehen dem italienischen Knaben ähnlich, den man in Deutschland so oft m den Kunstläden zur Schau stehen sieht: wie heißt gleich der Maler, Stephan?"

.Gustav Richter!"

.Ganz recht. Da schau her!" Sie schob ihre stark oarfümrerte Hand unter mein Kinn und drehte mein Ge- sicht ihren: Sohne zu. Unwillkürlich wich ich zurück.

„Die Frau Fürstin scheint zu denken, sie habe einen Automaten vor sich!" bemerkte ich kurz und herbe und trat einige Schritte vom .Krankenbett fort.

Sie ließ ein heiseres Lachen hören.

„Weit entfernt davon! Nichts ist mir weniger in den Sinn gekommen, als Sie für einen Automaten zu halten Eine angehende junge Künstlerin, die selbständig denkt und handelt und eine gründliche deutsche Durchbildung ge- nossen hat, ein Automat? O, kein Gedanke! — — Nun, niein armes Lamm, wie geht dir's?"

(Fortsetzung folgt.)

Seiden-Haus M. fflarchand,

Kinder-Kochsterdc, sowie alle Einrichtunqs, Gegenstände für Küchen, als:

38 Langgasse 36.

Schränke»

Tische und Stühle, Spültische, Eisschränke, tdlicgcnschränke, Gewürz-Etagere», Wasserleitungen, Waagen, Töpfe,

Kaffee- und Thee« Maschinen, Reibmaschinen, Küchenlampcn, Meffcrkörbe, Bestecke, Kehrichtcimer, Kochbücher re. re«.

ß©S>t© für Blousen, | zu enorm billigen

Roben knapper IVSaassef Preisen.

in größter Auswahl.

SBfdßHStoffß, Garantie-Gua!.

zu bedeutend herabgesetzten Preisen,

-

Spitzen-, Ananas- und Chcnille-Tltelicr. | UnterrScke in Wolle und Seide.

Langgasse 50, Ecke d.ICranzpIata empfiehlt zu

Fest-Gesch enken

sein grosses Lager in

Juwelen, Gold-

und

Silberwaaren.

Trauringe.

Visit-, Verlobungs-,

Einladungskarten etc.

*°WSnater Ausführung. 2871

Os. Ulrich, Lithogr. Anstalt,

J^dnehetrasse 89. nahe der Kirchgaase.

'11721

Bordeanx-Weiue,

faft nur ausgesuchte Originalgewächse erster Häuser zu Engrospreiscu empfiehlt 2487

| R. Petitpierre

Jacob Stnber,

Neugaffe 3.

fturtojfeln, magnum übhhi,

Feinste Aus-

_/:■ -- ^ führung jm

Vi

eigenen

Atelier.

j

Akademisch gebildeter Optiker

w || r .. y

Ia haUbarc Wwterwaare, Gierkartoffeln, MauS« kartoffcln, Schneeflocken, Brandenburger

liefere frei Haus.

Olt« Unkelbacli, Schwalbacherstraßc 71, Kartoffclnhandluug. Telephon 2734.

A>lerliiUig.<e Preise, 3120

Kartoffeln,

magnum bonnni, schöne mehlreiche Waare. zu haben Seerobenstraste 2», Laden.

mtZSL* Hafnerga sse 5 .

2262