**• Jahrgang.
«tteehrt m »»ei Ausgaben. - BezugS-Pre»: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post » Mk. SO Pfg. vierteljährlich für brid« Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasie 27.
Abonnenten.
Anzeigen-Prei-r
Die einspaltige Peritzeile für lokale Anzeige, Pfg-, für auswärtige Anzeige» 25 Dfg. — Reklamen die Pctitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.
Anzeigen-Annahme
Ag. 564 . BerlagS.Ferusprecher N». 29 SS
s&sxssrs s a i&nsss^ss
Donnerstag» den 3. Dezember.
Abend »finsga be.
Rebaktions-Ferulprecher No. 52.
1803.
ßbkilliliW der Gerillite iinü Nchlspllellk.
Das Reichsjustizamt gibt seit jetzt 21 Jahren all- jährlich eine Justizstatistik heraus, die das Schicksal vieler solcher Arbeiten -hat, nämlich nicht genügend beachtet zu werden. Man kann aus der Justizstatistik allerlei, nicht erbauliche Mnge lernen. Man erfährt aus ihr, daß die Gerichte in immer stärkerem Tempo belastet werden, sowohl mit Zivil- wie mit Strafsachen, und daß sie diese Last immer weniger bewältigen können, weil es nicht genug Richter gibt. Nicht der einzelne Band der Justiz statisrik zeigt das so deutlich, wie tvir es zu fehlen verlangen müssen, aber die Vergleichung der 21 Bände seit 1881 zeigt es. Wir wollen die Leser nicht mit einer Überfülle von Zahlen ermüden und verwirren, wir wollen deshalb aus einer umfassenden Übersicht, die der Land gerichtsdirektor Aschrott in der „Deutschen Juristen- zeitimg" von der Sache, entwirft, nur die markantesten Zahlen hervorheben. Die anzuführenden Daten werden des stärksten Interesses sicher sein.
Die,Zunahme der amtsgerichtlichen Zivilprozesse von 1881 bis 1900 beträgt 93,8%! dabei ist zu berücksichtigen, daß infolge des Gewerbegesetzes von 1890 betreffend die Gewerbegerichte, eine erhebliche Zahl gewerblicher Streitigkeiten den ordentlichen Gerichten entzogen worden ist, m Prozessen allein 43 485 im Jahre 1901 Di« Wechselprozesse zeigen von 1881 bis 1901 bei den Amtsgerichten eine Zunahme von 138,7, bei den Landgerichten von 177,3%. Dagegen hat sich die Zahl der Urkundenprozesse von Jahr zu Jahr vermindert: he bleibt für 1901 um 63,9% gegen 1881 zurück.
Die Zahl ,der bei den Schöffengerichten anhängig ge- nwrdenen Privatklagesachen stieg von 73 347 im Jahre 1881 auf 113 864 rm Jahre 1901, also um 55,2%. Auch dre Zahl der bei den Schöffengerichten anhängig Wordenen Anklagefachen wegen Vergehen erhöhte sich stlmdig, von 267 163 im Durchschnitt der Jahre 1881 bis 1885 auf 365 567 im Jahre 1901. Ungefähr gleich hoch war dw Steigerung der bei dm Strafkammern än- Mgig gewordenen Anklagesachen wegen Vergehen. Insgesamt hat sich die Zahl der Anklagesachen wegen Ver- gehen bei den Schöffengerichten und den Straffammern !>? « mn 35,9% erhöht. Die Vermehrung der
Etage sachen wegen Verbrechen betrug 34 6% «ch schneller wuchsen die Zahlen der Berufungssachen M den Landgerichten. Ebenso ansehnlich ist die Ver- der Strafsachen bei den Oberlandesqerichten. «ruckstchtigt man die Zunahme der Bevölkerung in den 7fE20 Zähren, so verringert sich zwar etwas das Ge- Mcht der mitgeteilten Zahlen und Tatsachen, aber doch Mr eüvas. Denn im Durchschnitt der Jahre 1881 bis l! 85 kommen auf je 1000 Einwohner 232 Prozesse bei
den Amts- und Landgerichten, im Jahre 1901 aber 353 Prozeße. Ferner kamen im Durchschnitt der Jahre fbvl bis 1885 auf je 10 000 strafmündige Einwohner 105 Anklagesachen wegen Verbrechen, im Jahre 1901 aber 118. Fragt man nun nach den Verhältniszahlen zwilchen Prozessen und richterlichem Personal, so ergibt sich, daß, während die Bevölkerung um 24,6% zunahm, me Zahl der Richter nur um 20,8 % zugenommen hat.
1. sanitär 1883 f-atrt auf 6503 Ern wo Huer ein Richter, am 1. Januar 1903 erst auf 6713 Einwohner.
Mehrung des Richterpersonals entsprechend der Zunahme Er Geschäfte und nicht, wie bisher, Zurückbleiben der Richtervermehrung noch hinter dem Bevölkerungszuwachs,
Zum
Automobil-Rennen
bei
^ Homburg
Pt dt»W »toWtsnJrcto bei Homburg.
Nach dem Siege des deutschen Automobils in dem Rennen auf irischem Boden über fremdländische Auto- mobile lag Deutschland die Verteidigung des dort ge-
wonneuen Gordon Ben-
Die Folge ist u. a., daß die Prozesse jetzt wesentlich länger dauern, Jahre 1888 dauerten von den amtsgecicht- Ä 1 Prozessen 2,1 % länger als ein Jahr, im Jahre 1901 betrug diese „Prozentziffer schon 4,3. Die ent- prechenden Zahlen für dieselben Zeiträume bei den Land- gerichten sind 15, resp. 17,3%, bei den Oberlandes geeichten 15,5, resp. 21 %.
Man muß dem Landgerichtsdirektor Aschrott wohl
Oie Nevolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(43. Fortsetzung.) j r blickte sie erstaunt an. „Ei, schau mal an. Kleine",
net-Pokals ob. Nach ge- schchener, Herausforde» ruiig seitens der unter- legen-eli Automobilisten ist eine Rennbahn für den im nächsten Jahre statt- findenden Automobil, kampf vom deutschen Automobilklub in der Nähe von Homburg ge- wählt worden, deren Wahl die Zustimmung des Kaisers gefunden hat und von der wir unseren Lesern Leisteh end einen genauen Plan geben. Me Wahl ist erfolgt nach eingehendster Prüfung der Strecke durch die her- vorvagendsten deutschen und ausländischen Sachverständigen. Bei den in Aussicht genommenen Maßregeln dürfte dis Sicherheit des Publikums in jeder Weife gewährleistet sein. Es ist in Aussicht genormnen, im Anschluß an das Rennen noch eine Reche anderer Veranstaltungen zu treffen. An dem Rennen, welchem voraussichtlich auch der Kaiser bei der Saalburg bei» wohnen wird, beteiligen stch außer dem deutschen Automobilklub noch folgende Länder mit je einem Terzett von Automobilkolossen, um Deutschland deu nachmaligen Sieg streifig zu machen: Frankreich, England, Österreich, Italien, Belgien und vielleicht Amerika. Das ist ein kolossales Aufgebot und bedeutet allein schon nenn Wagen mehr als im Bennet- Rennen dieses Sommers.
Die Strecke ist wiederholt in letzter Zeit von Interventen geprüft worden und für ganz vorzüglich erklärt. Dre ganze Strecke umfaßt 137,6 Kilometer und würde.
Ä ^ "du gerätst ja ordentlich ins Feuer. Sollen Nur t^IbEcht auch einen Packen Flugschriften anvertrauen, nachts auf den Höfen verwüst? Nächstens , UI) wohl weder eine Nummer fällig."
3 u diesem Geschäft bin ich nicht geeignet. Mer mn vu nur ein bißchen für mich übrig hast, dann sorge, Mich auch in irgend einer Art für Eure Sache lEc .kann. Sieh, Vetter, ob du mich nun aus-
aber ich kann dir versichern, daß es men Ehrgeiz reizen würde, nicht nur um diese Be- ^mig zu wissen, sondern mehr noch, ihr nützlich zu sein.
und Heimlichkeiten eigentlich nicht leiden, S aIIe aial so recht listig und ver- " >?n durfte, um unangenehme Menschen hinwrs ^ Mwe ich ganz dabei. Mr darfst mich Pr°be stellen, Gotffried. Du sollst sehen, ich bin kleines Dtädchen, nicht bloß dein Kousin- ^ >^he — jedes natürlich in seiner Art — nicht «tcW l urt 9 en . Fvmr zurück, über die du ein so b --oblred langst, das kannst du mir glauben." ez mtr kannst du glauben, kleine Zaunkönigin, daß dein Genugtuung fein würde, wenn
.«öfefirfv Kousmchsn mit bei der Partie wäre und sich ^elffff^^'» ^ als eine wirkliche Patriotin und
"itfrt ^gte sie. „Schau, ich bin dir schon gar
Ich 5ose, wenn du mich Zaunkänigin nemrst. So bttr -m,7? E" wie ein Königsken herumbuscklen und gib k' div was auszufpähen lind zu untersuchen. Ich W an, daß du allerlei Bedenklichkeiten Haft, und >r ist mancherlei Gefahr dabei. Wer alles das soll
mrch nicht schrecken, auch, nicht, daß Papa so ganz andere geartet ich ^ch m«che mir schon gar kein Gewissen daraus, ru die,er Sache ganz anders zu deiffen und zu handeln als er. Al,o du versprichst mir ... ."
. „Ich verspreche dir für heute mir, daß ich dich als mue Frenndin unserer guten Sache.als eine verschwiegene, Horst du wohl, eine Vers ch w i e g e n e Freundin unserer Sachk betrachten lrnll, und daß dir eine qeeianete Auf- gäbe gestellt werden soll, sobald sich Gelegenheit dazu findet. Bist du nun zufrieden?"
„Wenn die Gelegenheit nicht zu lange auf sich war- ten laßt, allerdings. Ach, ich freue mich so kolossal darauf, mich auch mal an etwas recht Wichtigem beteiligen zu vurfen. Das bringt doch Farbe in dies eintönige Einerlei Und dann, weißt du, werde ich mich doch vielleicht auch i u £ E «ache selbst recht begeistern können, trenn du mich erst naher mit ihr bekannt gemacht hast. Nicht wahr, das wirst du doch nun tun?"
»Vielleicht, sobald ich erst sehe, daß du absolut verschwiegen, sein kannst und nicht wie ein kleines Mädchen mrt wichtiger Miene umherläufst und zu jedem faaft • Ich weiß etwas, etwas sehr Wichtiges, aber i$ sage nichts denn ich bin verschwiegen."
Sie wirde zornig. „Sie scheinen zu vergessen, mein werter Herr Vetter, daß eine jpnge Dame von achtzehn fahren nach alter Erfahrung an Klugheit und List einen jungm Manu, der zehn Jahre älter ist, gewöhnlich bedeutend in den Schatten stellt. Sei du nur so vorsichtig, wie du es mir, empfiehlst, dann will ich dich loben. Von mir zuni Beispiel hättest du dies Geheimnis nicht so schnell herauslocken können, wie ich es dir herausgelockt Hab, das geb' ick) dir schriftlich.. Na, du kannst wenig- stensvon Glück sagen, daß es bei mir gut aufgehoben ist Verdient hättest du es eigentlich nicht."
»Ich glaube gar, du tvillst mir noch Vorwürfe machen!" rief er lachend.
„Ja, das will ich und das mit Recht. Du hättest mich
ruhig noch eine Weile zappeln lassen können. Aber jetzt habe ich gesehen, daß du schwach gegen mich bist, und schwach gegen ein Weib zu sein, das ist sehr bedenklich, M" ™ eine so wichtige und gefährliche Sache vertritt. Ich hoffe, daß du dir das merkst, mein Bester."
, Sie sagte das mit solchem Ernste, daß er nicht wußte, wre er es aufnehmen sollte. „Tu bist eine Hexe, Agnes", sagte er. „Aus dir werde der Teufel klug. Aber ich will oich nehmen, wie du bist und ich hoffe, daß ich es doch nicht zu bereuen habe. Außerdem konunt mir deine Hülse sehr zu statten und zwar gerade jetzt. Me Sache ist nämlich folgende: Drüben in Frankreich bereitet sich eben allerlÄ vor. Es gärt und brodelt dort schon sehr bedenklich und was das Bedeutungsvolle dabei für uns ist: Das Loch zwisckM Ardennen und Vogeseir hat für uns die Be- deutung eines Wetterlochs. Was sich dort an Wolken zusammenzieht, davon werden wir auch wohl etwas ab- kriegen."
„Über den Fall hast du ja neulich erst mit dem Frei- Herrn und dem Referendar gesprochen. Beide waren über deine Kenntnis dieser Dinge erstaunter, als du vielleicht ahnst, besonders Kleibach, paßte sorgsam auf und beob- achtete dich. Deine damalige Erklärung: über diese Mnge Ware doch jeder informiert, schien ihm nicht zu genügen Me Zensur läßt ja auch vieles nicht durch.. Mein Herr Vetter hat also wahrscheinlich direktere Quellen als unsere deutschen Zeitungen, und jedenfalls war es wiederum nicht klug, Elemente, wie diesen Regierungsreferendar, so etwas ahnen zu lassen. Merken Sie sich das wie.der einmal, mein Herr Verschwörer en miniature."
»Mr wirst wirklich langweilig init deinen Mahnum gen," sprach er ärgerlich. „Darüber wird sich keiner lange den Kopf zerbrechen, woher ich die Pariser politischen Zir- stände kenne."
„Den, Herrn Referendarius bist du jedenfalls der- dächtig erschienen. Doch das nur nebenbei bemerkt. Was ist also weiter mit diesen Dingen in Frankreich?"
