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560« «erlagS-Fernsprecher No. 2955.
Di-n-ta,. dc« 1 Dcicmbkr.
Redaktions-Fernsprecher No. 52.
1883.
flhend-Äiisgabe.
Der WiKguz der uGWil M«ßrie.
L Das Kapitel ist nicht neu und ist auch an dieser Stelle sck>on behandelt worden, aber es scheint, daß man sich noch recht oft mit ihm wird beschäftigen müssen. Denn wenn man überblickt, was gegenwärtig auf dem Erdball wohl von ganz besonderer Wichtigkeit sein mag, so wird man Mt übertreiben mit der Bemerkung daß dm Umwandlung des brittschen Volksgeistes, der drohende Uber- aang vom Freihandel zum Protektionismus ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung genannt werden muß. Nie- mals aber würde sich dieser Wechsel vollziehen oder auch nur anbahnen (denn vollzogen ist er w noch lauge nicht), wenn nicht die englische Industrie und der englische Handel »urückgingen, wenn sie nicht namentlich von uns überholt ' würden. "Nur die Schwäche verlangt nach Schutzwehren.
Nun gehört es freilich zu den Vorzügen des englischm I Kiarakters, daß er seine Fehler leicht erkennt und rückhaltlos zu tadeln pflegt. Alan kann, wenn die Engländer ftlbst sich schlecht machen, niemals genau lvsiien, ob sie nicht allzu stark auftragen, damit die verlangte Radikal- fÜr nicht auf halbem Wege unterbleibe Wie oft hat man von englischen Kritikern gehöch, daß dre brrttfcheSN'ariue nichts tauge, daß das Geschutzmaterml zum alten Eisen aewoi-fen werden müsse usw. Die Folge war immer, -aß die notwendigen Reformen auch durchgesetzt wurden, aber im Ernst hatte vorher niemand geglaubt, daß es so ES (W, iDie Mit H 9OT«*Matte SW«*o* w Niedergang der brittschen Industrie betrifft, so liegt es hier insofern anders, als sich eine ^A^olle durch -oer- cleichung mit dem Auslände ermöglichen laßt ^eden- sallsbekommt nwn einen sehr deirtlichen Eindruck von den Mißständen im englischen Handelswesen, wenn man ttn? umfangreicheArtikelreihe in der „Neuen Zeit gelesen hat, die sich ausschließlich mit englischen Zeugnissenbeschäftigt das Moment einer etwa antt-mglisch gefärbten Krittk also völlig ausschaltet. .
Hier einige Auszüge ou§ w
bettchten der letzten Jahre, wie sie der Verfasser der Aufsätze in der genanntenZeitschrift zusammengestellt hat. Ne brittschen Industriellen und Kaufleute ' sagt der Konsul in Düsseldorf, „scheinen ^ glauben, daß die alw Manier, in der sie vor fünfzig oder sechzig Zähren gearbeitet haben, auch heutzutage noch gui genug x)t . . . fte kranken noch immer an der alten Wahnvorstellung, daß englische Maße, Gewichte, Warensorten nsw., die englischen Erfordernissen und Geschmacksrichtungen entsprechen, in der ganzen Welt Geltung haben müssen, daß ausländische Konsumenten entzückt sind, «mm englischen Geschäftsreisenden, der nur scnne eigene und keine andere Sprache verficht, zu sehen und von ihm zu kaufen. Und es ist unstreitig ein Wahn. Während des letzten Viertel- jchchunderts haben sich die Verhältnisse ganz und gar
geändert. Der Konsul von Cherbourg sagt: „Der britische Fabrikant kann den ausländischen KonsirnMüen ncht langer mehr seine Waren oktroyieren. Der letztere sinder jetzt andere Nattonen bereit, ihm zu liefern,, \ü<aä braucht, mit dem größten Entgegenkommen bezüglich des Preises, der Mengen und Zahlungserleichterungen . - • •
Er prophezeit dem brittschm Fabrikanten, daß der fremde Konkurrent ihn aus allen alten Märkten vertreiben w . Wir haben fein Monopol, wir müssen hart kämpfen, um unsern Besitzstand zu erhaltm, Schritt für Schritt, Dag für Dag;" und er «nipfwhlt Abschaffung des ver- liänanisvollen Systems, das dem Geschmack, dem Gefühl unk? den Mitteln des konttnentalen Kaufmanns oder Konsumenten nicht Rechnung tragt , und er beftagt das Kvstem des Nimm's oder laß es blerbeu . „Da- wunderbare ist nicht. daß das Ausländsgeschäft der britischen Firmen abnimmt", sagt der Warschau Vertreter, „sondern daß sie überhaupt noch ein Geschäft
E^Enaland war einst berühmt wegen seiner landwirtschaftlichen Braschinen, und jeder unternehmende ausländische Grundbesitzer ließ sich naturgemäß mit solchm von England versorgen. Heute Moch ist, wie der Konsularbericht zeigt, die Mehrzahl der in Italien in Gebrauch befindlichen landwirtschaftlichen Gerate amerikanische^ deutsches oder schwedisches Fabrikat Warum? Weil dre englischen Maschinen zu schwer gebaut sind „^.England .sagt der Bericht, „sind Lie Pfwde sta^ und rönnen schwere Maschinen ziehen .... Auf dem KoMnent find die Werde kleiner als in England, und das Gewicht: ift ein schr wichtiges Moment." Die Konkurrenten der Briten wissen dies und bauen die für Jtalwn besttmmten landwirtschaftlichen Araschinen leicht. Dre Engländer hingegenwissen es nicht und fahren fort, sie schwer zu bäum. Fast dasselbe spricht der Warschauer Konsul au-. Cr sagt' Es ist wieder und wieder, aber ohne Erfolg, dm Fabrikanten landwirtschaftlickM Geräte gegenüber ausgesprochen worden, daß die Zugtiere tl«n und die Landleute arm sind, weswegen sie ihre Gerate und Maschinen
gleicht iL bfflig wie m°g«ch m-ch« I°°m T«rch
Nichtbefolgung dieses Raws ist der Handel m Pflügen,
Mähmaschinen usw. fast gänzlich m die ufti^öott
ferner und Deutschen ubergegangen . Die Konsuln von Tonga, Belgrad und anderen Orten sagen dasselbe mit Bezug auf den Rückgang des britischen Handett m Messer- und andern Kurzwvren, wahrend der Konsul in Teneriffa erklärt: „Ich glaube, daß dies (dre Un- kenittnis der lokalen Erfordernisse) eine der Hauptursachen des Überganges des ehemals brittschm Handel-
"^Das^ schlimmste ist vielleicht, daß die Engländer, sich nicht belehrm lassen, auch wmn sie auf Fehler hingewiesen werden Die Beispiele, die aus dm Konsularberichten hierfür anzufühMi wären, sind zum Teil förmlich grotesk. Kein Wunder schließlich, wenn die mglischen ^nchisttiellen von den Ausländem, namentlich von dm Dmtschm überflügelt werden.
Politische Wrrficht.
Zur auswärtigen Lage.
Zu den Wandlungen, die man feit einiger Zeit ander auswärtigen Politik Frankreichs beobachten kann, Üfhor mit die offenkundige Hinneigung zu England, Austausch von Freundlichkeiten, der während des Besuchs des Königs Eduard in Paris und des Gegenbesuchs des Präsidenten Loubet in London statrgefunden hat,, war gewissermaßen nur das Siegel auf eine Verständigung, die schon vorher in ihren Gmndzügm festgelegt gewesen sein mag. Aus den jüngsten Verhandlungen der sian- Zwischen Kammer über die auswärtige Politik konnte man entnehmen, daß die Herstellung.engerer Beziehungen zwischen beiden Kabinetten kern großer Wunsch Mchrist, sondern bereits als Tatsache zu gelten hat. ^ diploma- tisäMN Kreisen will man ja auch wissm, auf welche Punkte sich die erzielte Verständigung erstrecksi und daß 'dabei dm Bttttelmeerfrcram in erster Lime in Betracht zu kommen haben. Es wird so dargestellt, als werde England gegen eine Ausdehnung der französischen ^nteressensPhE von Algier über Marokko hinweg bis iden Atlarttifchen Ozean nichts einzuwendm haben, und , die Gegmleistting Frankreichs soll verhältnismäßig bescheidener Natur sein, sie soll nur einige sekundäre Ansprüche der brrttlM* Politik innerhalb des ägyptischen Jnteressenkreifes be. friedigen. Die natürlichen Regungen der Eifersucht aber, die bei solchem Abtommen die Italiener befallen konnten^ sollm, so heißt es weiter, durch die Jnaussichsit ^m ig eines späteren Protektorats Italiens über Tripolis bsfWmchttgt werden. Insoweit di« Anbahmmg fremidsckMtttcherev Beziehungen zwischen Paris und London nur das Bttttel- meer beträfe, würde es sich trotz der Bedeuttmg «ne« solchen Vorganges doch nur um lotalrsierte Fragen handeln. Die Wichtigkeit der Verständigung , aber soll! nach dm Auffassungen unterrichteter Kreise darin beruhen« daß Hand in Hand mit dm dargestelltm Ereignissen oder vielmehr der Vorbereitung dwser Ereignisse eme Jnter- essen-Gemeinschaft der beiden Mächte auch m Ostasieri Platz greifen würde. Die nächste Folge, wäre, ,, d^J^S russisch-französische Verhältnis eine gewisse Veranderun» zu erleiden hätte. Tenn wmn die Republik Fühlung E England nimmt, so kann dies nicht geschehen, ohne daß dr, englischen Interessen im Stillen Ozean eme V^tarkunA moralischer Natur erfcchrm, während man m P^rsbura damit rechnen müßte, daß die Staatsmänner der Republch tritticker als früher zu der nordchmesischm Politik dM MLichs stchm dürften. NuEchr wird^ bürg gemeldet, daß der französische und der bvlttsche Bott schafter gemeinsame Schritte sowohl dort, ww w Tokia getan haben, um einm drohendm Zufammewwßzwischm Rußland und Japan zu verhindern. SÄbswerstandttch kann diesem Att keine Feindseligkeit gegen Rußland mne. wohnen? aber Graf Lambsdorff mußte doch wohl, sinden. -aß durch solche Gemeinsamkeit, der Westtnachte, dw.Frel- heit seiner Polittk in Ostasim einigermaßen beemtrachttgs
Oie Revolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(41. Fortsetzung.)
Dem Landrat sowohl, als Herrn Manuel fiel nach KundwmL dieses vom Freiherrn selbst avfgmwmmmm Befundes ein Stein vom Herzen, aber das Gefühl der Erkeichteruna sollte bei dem Herrn von Rettern-Zackerttn nicht lange anhalten, als mach einer Weile der Dbe^orfwr Kreiseknann der auch noch den krank geschossenen Referendar fachkundig besichtigt hafte, erschien und seinen Befund verkündigte. Danach erwies es suh- daß dre. Schritte von dem Stand des Referendars von reäsis her ein Schuß eingeschlagm hatte, wie der streukegel rm Schnee dmttich zeige! Dieser Schuß könne nur von dem H^m Emaniwl von der Pforten abgegeben- w°rdm fem. während sich der Verunglückte genau m der Richtmig eme- Schusses befunden habe, der von seiner linken, smte^gekommen wäre. Zwar habe sich keinSchweißuNisiem^chn - haar am Anscchrtz gefunden, doch emlge Fuß werter em paar Wollfetzen, die offenbar der Hofe, des armen Herrn von Kleibach entstammten und von eungen Süeifschroten auf ihrer Bahn von dem Standpunkt des Landrats her mitgettssen wurden." ^ r _ . „
„Damit wollen Sie wohl behaupten, daß ich den Re gierungsreferendar angeschossen hatt?' fuhr der -andrat aus, doch der alte Forstmeusch entgegnete ruhig , „^ch sage gar nichts und behaupte nichts, was der Befund nicht behauptete. Und wenn Sie sich selbst das Vergnügen mackM wollen, die Verwundung des Herrn von Kleibach zu besichtigen, so werden Sie finden, daß der Schrotschuß von der linken Seite her eingedrungen ist, ans der Sw standem siw übrigen kann ich nur noch mein -'vfst^ ^dauern darüber ausbrücken, daß zwei lauft ,o ehrenwerte Männer wie der Herr Landrat von Rettern-Zackerttn unb der Herr Smannel von der Pforten ihre Pflicht als Mensch und
aeladme Jagdgäste des Herrn Freiherrn von Peitersbroich so sebr verletzten, daß sie allen Regeln,und zumal jedem Menschenverstände ziiwider in die Schützenkette geschos en haben. Ich hoffe, die Herren tun das nie in diesem -.eben wieder, zumal der Laudrat die Gewalt hat, solchen un- vorsichttgcn Schützen ein für alle mal dre Befugnis zu ent-
WH,e »«JtuntMjl Mühe herunter, Herr Dcanuel aber stteß nnt dem D^or fAL an und sprach: „Es ist das letzte Mal rri diesem Leben Herr Oberförster, daß ich auf dre Jagd gehe, das kann ich Sie versichern, obgleich ich doch einen Mchs ge-
schossMchi n^E Sie beim Wort", lachte der Oberförster. „Keiner kann den Ruhm, seinem Fuchs das ^bensttcht mrsgeblasen zu haben, von Ihnen nehmen. Ja, Sw haben nicht nur einen Fuchs geschossen, londern auch einen Bock, einen fetten Bock, den freilich kemer sehen kann Aber den Fuchs wird Ihnen der Jagdherr gewiß verehren. Zu essen ist er allerdings nicht, aber er hat einen guten Pelz. Wenn Sie sich ein Stück davon auf den Dcagm legen, wärmt er angenehm und ist gegen verschiedene Gebreltcn gut Ich aber würde Ihnen raten, sich,da- Bich an-- siop'sen zu lassen als eine Erinnerung fur„Kinder und Kindeskinder an Ihre erste und emzige ^agertat.
Herr Manuel versprach, sich diese Sache zu Zerlegen, dann wandte er sich dem Landrat zu, der vergeblich versuchte, seinen Grimm durch einige Cognacs hinunterzu-
^^?,Jch bin genau so schuldig wie Sie, Herr Landrat", wate er in edler Selbsterkenntnis, „aber ich Hab Gluck bei der Sach' gehabt und Sie Unglüch,, Ich Hof!, dall Sie mir dies nicht nachtragm und daß eie meinem Hause
öfter mal die Ehre schenken " ~ c
Wenn ich mal wieder m diese gottverfluchte Gegend meines Kreises komme, wird es mir eme ^rende „sein,, knurrte der Beamte. „Fm übrigen hatte fa ^hr Fraulein Tochter zugesagt, meiner Frau bei Gelegenheit mal das
Vergnügen zu machen. Vortreffliche junge Dame, Jhv Fräulein Tochter. Hat jedenfalls ihre Vorzüge von
““i; 'S Lmblick Mt d-c Wöbige ta M
Dsitors vor, und der Arzt beeilte sich, die , zerschosfenr Kehrseite des Verunglückten mit Kennermiene zu be- trachten und ihm mit einer Sonde einige Schmerzen zu bereiten Gleich darauf traf b« den harrenden magern die Lude edk Lß die Geschichte nichts auf sich habe EE Anzahl der Schroten wurden sich ohne Schwierigkeiten herauszichen lassen, die andereii^ wurden nach und nach ohne weitere Gefahr heraus schwären.
Der Freiherr von Peitersbroich ,iberbrachte diese freudige Nachricht selber, uiid die Jagdgäste suhlten pch dadurch so beruhigt, daß sich nach eurer pasieuden An- spräche des Notars dem Jagdherrn ein Hoch ausbrachten, darauf auch Herrn Manuel als den freiindlichen Interims, gastgeber leben ließen und schließlich in glMer Werfe der lieblichen Tochter des Hauses gedachten, sie ware,r faft alle ziemlich illunnniert und im bescheidenen Wemvonut des Gärtners war eine große Lucke entstanden, als sie das gastliche Haus verließen, um sich dann auf der Wrefe dm Strecke zu betrachten, die der Frichs des Herrn Manuel eröffnet?, während sieben in den schreiendsten Farben be- malte Hasen die stattliche Reihe von vierunddreißig Krummen beschlossen. Der Freiherr gab nun auch eriw ausreichende Erklärung des Umstandes, weshalb ein .-veil seiner Hafen mit dem Farbenkleide der Papageienu.id Kolibris wetteifern könne, und alle fanden den Ausgang der Wette zwischen dem Referendarius und dem Studenten so oriainell und belustigend, daß sie es traurig empfanoen, nicht niehr beim Weine des Herrn Emanuel zu sitzen, denn sonst hätten sie auch noch ein Hoch auf Gottfried
Dieter war inzwischen mit dem Doktor noch um Klei- hach bemüht, den man für die Überführung m den von Peitersbroich requirierten Wagen des Jreiherrn präparierte.
