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Verlag: Lang-affe 87.

Abend■Ausgabe.

Dir preußische Wal,lrrchtsfragr.

L. Berlin, 28. November.

Die Reform des preußischen Wahlgesetzes ist, um einen Ausdruck Kants zu gebrauchen, ^n PoMat der sittlichen Vernunft. Aber rn der harten Welt der Rea litäten und nun gar der preußischen 9kaMotat, ^ noch viel härter als andere zu fern pflMA wird dies PoMat m absehbarer Zeit trotz ferner, sittlichen Nollvendigkeu nicht verwirklicht werden. Darüber ist man sich ngerck «ch in allen Parteien einig, und indem man das pt, schwindet vollends die Möglichkeit, erne Reform durchzu- ühren, von der doch alle Welt überzeugt ich daß sie schon aus Anstandsrücksichten geboten wäre Man muß dm weralen Kritikern, die es mit Schmerz sagenden konser­vativen Kritikern, die es mit begreiflicher GenuMung sagen, den klerikalen Kritikern, dre es mit obfektiver Kuhle sagen, durchaus darirr beistimmen, daß dre Abnergung aegen eine Reform des Dreiklassenwahlsystems gerade durch das jüngste Austreten der Sozialdemokratie ge­wachsen ist. Es ist wahr, was . u. a. der „Westfälische. Merkur" schreibt, daß die Sozialdemokratie sich hrer wieder einmal als eine reaktionäre Parier.Mmrmster Sorte betätigt hat, daß es nach ihrem terrorun>chen Be­lagen schwerer als je sein wird, eine Reform durchzu- setzm Wenn im übrigerr die Sozialdemokratie den bürgerlichen Gegnern nicht glauben will, so wird ste ihren Ägenen geistigen Führern .eher , zu glauben geneigt swn. Diese aber stimmen schließlich mrt allen unbefangenen Be obachtern darin überein, daß der Gedanke an erne durch greifende Reform des preußischer Wahlgesetzes ferrrer als früher von der Möglichkeit seiner Verwirk rchirng ist. «war wenn man den „Vorwärts" und andere sozialdemo- ^-wiickie Daaesblätter hört, so soll die Teilnahme der Sozuüdemo tratie am Wahlkampf das Wahlsystem selbst erschüttert, eine Bresche gelegt und. den Sturm vorbereitet haben, aber in der „Neuen Zeit" liest man es anders liest man es vernünftiger, liest man es mit um so mehrAufmerk- 335t, wü Vier fltarl Kautsky. der Radikalste der Radi­kalen seiner Partei selbstverständlich ieden Erfolg mch den bescheidensten, bescheinigen mochte wenn er nur könnte. Er kann es nicht. Er weiß auch sehr gut,.warum die Empörung des Proletariats" gegen das Drerriassen- wablsvitem nicht genügt. Er hält nichts von der Ein wMdung, daß doch in Süddeutschland Bestrebungen, dm- Wahlrecht zu verbessern, Erfolg gehabt haben. Denn dre soziale Struktur Süddeutschlands sei eine ganz andere als die Norddeutschlands. Jenes sei vorwiegend klein­bürgerlich und kleinbäuerlich, in Norddeutschland dagegen 8en wir", so fährt Kautsky fort, „einen entwickelten Großgrundbesitz, ein starkes Junkertum und em daram rwachchnesOffizisrskorps^e

Die Kevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(40. Fortsetzung.)

Diese Bemerkung, daß sich die Jagd dem Ende zu- leige, machte auch der Engels-Pitters-Oberam, ^ s ^ me geraume Weile hinter der dichten Hecke nächst der ^schädigten Baumschule am Boden hockte und einen Sa esthielt, in dem es oft wutend zappelte und kratzte.

Nur rubia Bürschken", brummte er. „Da kommen >ie Treiber schon heran und die Schützenkette^ Mht sich nehr zusammen. Gleich werden ste das Treiben ab- llasen. Da sollen sie doch noch ihren spaf; haben. .

Er hielt den Oberteil des Sackes gegen ein -och m der Hecke das er künstlich erweitert hatte, zog den Bind­faden aus, mit dem der Sack zugebunden, und m emem gewaltigm Satz flog ein alter Rammler durch dm Heck, bunter noch, wie die anderen bunten Hasen, die die Treiber im EigerÄusch aufgestöbert hatten, Uberdw! war diesem Hasen eine Schellenkappe über die Löffel gezogen und ein alter Schuh mit einer Zuckrfchnur um dm Leib des Bieres befestigt, klapperte hinter ihm drem aus dem hart- gestorenen Boden. Entsetzen faßte ^ den armen Burschen hnher Flucht setzte er über das Gelände, direkt Mis

iS SÄt U li-

brachen, wäre sie nicht schon zu dicht gewesen. Überdies schrieen die Kerls beim Anblick dieses Ha^nnarren der­maßen, brüllten, wieherten, fuchzten, daß der Lwdevbange doch noch einen Bogen machte und, fen schrecklichen schuh immer hinter sich, die Talsenke hinabfegte, direkt auf den

^^J&urra hoch!" schrie Kleibach und riß lachend die Flinte an die Backe, aber das Wild kam ihm zu spitz, und er fehlte. In dem Augenblick durchbrach es dieKÄte, ba fielen rechts und links neben dem Referendar zwei Schüsse, sich zu einem Kompagnies.chuß vereinigend Doch der

same Hase entkam mit heiler Haut, statt dessen „zeichnete

losigkeit alle Gegner Preußens niedergeworfen, dieses zur Vormacht in Deutschland Deutschland zu Macht in der Weltpolitik gemacht hat. Norddeutschlano enümcklt aber auch die Großindustrie m ^^er^ Weise als Suddcutschland Gerade di« sOrmdm des modernen Großkapitalismus, die ProduMon Kohle Eisen, die Hochfinanz sind dort am stärksten ver­treten'. (Von den 296 im Deutschen Reiche gezahlten Riesenunternehmungen mit über tausend Personen «w fielen 208 auf Preußen, 17 auf Bayern.) Und wie das preußische Junkertum heute militärisch das stärkste und beste Osfizierkorps der Welt.produziert, so.hUdet das nord­deutsche Großkapital neben dem amenkanischen d^e macht­vollste Kapitalistenklasse der Welt. Pie ..Weltmach Deutschlands beruht nicht auf den Kleinbürgern um Bauern Süddeutschlands, sondern auf den ^unkern und Riesenkapitalisten Norddeutschlands.. Diest bm^n Klassmr sind aber eiitschieden antidemokratisch.. Sie haben bei demokratischen Formen nichts zu gewinnen, nur zu ver­lieren Und sie versugeii über eine ganz andere Kraft jeder demokratischen Bewegungl entaegmzutreten als d e berrsckenden Klassen Suddeutschlands., Kautsky rst stch darüber klar, daß nicht in Süddeutschland,, sondern m Preußen die Geschicke der deutschen Demokratie entschiede werden. „Gegenüber dem Junkertum und den groß- industriellen Scharfmachern ist aber an eme unmerklich fortschreitende Einengung ihrer Macht durch eine ^olll- beweaung, die eine kleine politische Reform nach der andern erringt, nicht zu denken. So lange wir nickst erne Volksbewegung haben, die aus eigener Kraft oder durch ein Zusammenwirken günstiger Umstande die Mackst er­langt, das Regime der Junker und Scharfmacher zu brechen solange werden wir mit keiner ihrer Lebens­bedingungen fertig werden, auch nicht ^nut dem Drei- klossenwablsystem" So Kautsky. Das klingt anders als dl^Selbstbeweihräucherungeii der sozialdemokratischeu Feld- Wald- und Wiesenpolitiker, die den. Müssen etwas vorgaukeln, die mit lächerlichen Phrasen sich und die Zu­hörer betrügen. Kautsky hat. recht, und vom Standpunkt auch des bürgerlichen Libera.lism.us, auch des gemäßigten Liberalismus, mußmansagen: L ei der.hat er recht, wenn er die Möglichkeit einer Reform des preußischen Wahl­gesetzes weder für nahe noch groß, sondern für das Gegen­teil von beiden hält.

Politische Übersicht.

Falsche Fusionsgcrüchte.

Fn verschiedenen Blättern wird seit einiger Zeit von der Möglichkeit gesprochen, . daß die Freisinnige. Ver- einiaunq Anschluß an den finken Flügel der National­liberalen suchen könnte, und zwar unter Ausscherdung der kaum erst der Freisinnigen Vereinigung angegliederten nationaUozialen Gruppe. Zuerst hatte ber „Hannoversche

Kurier" entsprechende Vorschläge gcmackst. Jetzt bemerkt eine Zuschrift an die „Nat.-Ztg.", ein Haupthurdenns dÄ Verständigung bilde das stark ausgeprägte s-elbsLewutzt- ein der neuen sozialliberalen Führer in der Freisinnige Vereinigung, und tvenn man will, könnte man eme gewisse Bestätigung dieser Auffassung darin finden m ■

Organ der Freisinnigen Vereinigung, die „Danziger Ung", entschieden gegen die Ansicht protestiert daß Herr v^ Gerlach der Führer der Freifimngen Vevermgung sin Reichstag sein werde. Indessen habeii, wie wir. die Dinge kennen. alle diese und weitere Erörterung^ über eine vermeintliche neue Fupon den Grundfehler, daß solcheWünsche wohl außerhalb derFreisinnigenVeremigung besteheii mögen, innerhalb dieser Grirppe^aber nicht Weder vr Barth noch andere Führer der. Freisinnigen Vereiingmig haben die Absicht, ihre Selbständigkeit auf. fugeben Immerhin sind die bezüglichen^rortwungen nicht ganz wertlos. Sie zeigen aus ihre Weise, daß iw Liberalismus die Strömung wachst, die em enges Zu saminenqehen aller liberalen Gruppen ermöglichen konnte. Nur scheint die Sache manchmal am falschen Ende ange- fatzt zu werden.

Revision des Drcyfus-Prozcsses.

yä. Paris, 29. November.

Der gestrige Beschluß des Justizministers, den DrA- fus-Prozeß einer Revision zu unterwerfen, war bekannt­lich zurzeit in der Kammer von ^aurtzs angedeutet wordm Infolge dieser Andeutung hatte Dreypis emen Revisions-Antrag eingereicht, begründet auf die Eicklarun­gen Jaurds und die angebliche falsche Zeugen-Aussage Czernuschis Außer den beiden Fälschungen, welche sich imter den 174 Dokumenten des Akten-Materwls ..be- finden, wird mitgeteilt, daß dem Knegsminifter ub,^ hundert Dokumente, welche Dreyfus günstig waren, ent­zogen worden sind. Unter den falschen Dokumenten be- findet sich ein Brief des Generals Pelfieux. Dress Fälschung war das Werk, des Archivars GribÄin und des Obersten Henry. Gribclin soll übrigens die chatsache em- qestanden haben. Der Justizminister ist der Ansicht, daß die neuen Tatsachen von großer Wichtigkeit und dazu an, getan sind, dem Kassationshof unterbreitet zu werden. Der Ausschuß versammelt sich nächsten Freitag und wird mabricbeinlich sehr schnell seine Arbeiten erledrgen. Man hofft, den Bericht des Ausschusses bereits innerhaLemer Woche zu erhalten. Der Spezial-Ausschuß besteht aus drei Kassationsräten, einem Katholüm, einem Prockitaw ten und einem Juden, ferner aus drei Direktoren des Justizministeriums. Eine Interpellation über dae .An. aelegenheit soll bereits morgen rn der Kammer emge. brackst werden, obgleich dieKammer sruher bchchlofiem hatte. die Angelegenheit dürfe den Rahmen des gerichtlichen Berfahrens nicht verlassen. Dreyfus wurde von dem Entschluß des Ministers durch seinen Sckstvager benachi richtigt. Er erklärte sich darüber sehr befriedigt, lelM aber 'jedes Interview über die Angelegenheit ab. p^DM

Herr von Kleibach, iiidem er einen Schrei aussttetz, dre Flinte von sich warf und in den Schnee

«um Donner, Mann, was ist ^hnen^ fcfjrte dc» Landrat entsetzt und sprang auf ihn zu, indes auch Heri Manuel aus den Gefallenen zueilte.

„Ich bin verwundet, schwer verwundet! ächzte der Refereiidar. „Hätten Sie doch lieber den Hasen ge­troffen, statt meiner, Herr Landrat"

„Als ich losbrannte, hatte der llngliickhas Sw schon passiert, lieber Kleibach", verteidigte sich von Rettern. „Es fielen zwei Schüsse zugleich, sollte nicht . .

„Nee nee, ech ben et mt geweien! zeterte Herr Manuel „Als ich schoß, da war der Has noch gar nicht st weit.' Wie werd.' ich denn so leichtsinnig stm und aus den Herrn von Kleibach zielm."

,^Beruhigen Sie sich, mein Bester Ihr Gewehr hat für seinen Kopf allein gezielt, das ist die Choie , spottete

RetterMin, ^ fk nM)t; bie Chose ist ganz anders", eiferte der Gärtner. Da liefen schon die anderen ^ager

^^Dlesmal ist's kein Treiber, sondern Ihr Herr Ncvem lieber Peitersbroich", wandte sich der Oberförster an den

F^lh«um' Teufel, Juuae, was machst du für Geschichten?" riet "der Jaqdqeber entsetzt. „Du bist angeschop.en?

Ich glaube es fast, lieber Onkel", ächzte der

R^^ Böse Sache! Aber ich kalkulier', es sind keine edlerer Teile verletzt", meinte der Oberförster, und man brachte ben Verwundeten mühsam auf die Beine, ihn unter den

Armm.stütz, ^ bie gQtt3e Hölle hinter mir. Ei,

tut das wel)! Au, autsch! Ich suhl', wre mir da- Mut an den Beinen herunterläuft", stöhnte Klerbach, doch , btx Oberförster tröstete: „Die Schroten sind ms drckste Fleisch oegangen. Mut, Mut! Das ist zwar sehr kitzlick, aber es gibt weit schlimmere Sachen. Zum.Henker, ich Hab - ja immer gesagt, daß es des Deuwels ist, Lerite zur ^agd

cinzuladen, die mit dem Schießprügel nicht umzugehen

Das läßt sich nicht immer vermeiden, lieber Obe», sörster", verteidigte sich der Freiherr „Hauptsache ist jetzt, alle müßigeri Fragen beiseite zu lassen und den Jungeii sortzuschasfen. Sie haben wohl mcht-> dackg , Herr Nachbar, wenn wir ihn zunächst >n ^hrem Hause

wird mir ein Vergnügen sein", beeilte M Herr Manuel zu versichern. „Aber ich war s nicht! Gott v r-

deck, ich war's incht!" „ , ,

„Ich war's ebensowenig, Herr von der Pforten , sagte der Landrat scharf. „Aber es will mir scheinen, als wenn der Verdacht vorab auf uns beiden hasten bi rede.

Darf man fragen, auf welcher Seüe Sie den schmerz am ersten verspürt haben, Herr Regiernngsreserendar. wandte er sich an den Verunglückten.

„Ter denkt jetzt an andere Dinge, H^rr ^undrar. Quälen Sie ihn doch nicht", brummte der Oberförster^ „An mir ist es jetzt, die Zeichen zu untersuchen, und wenn Sie derjenige sind, der auch dies Edelwild fehlte, na, dann werd' ich Ihnen ganz besonders, gratulieren, denn eine Gratulition haben Sie dann verdient. .

Während ein Bote im Galopp davonlief, um m Muhl- bach den Doktor oder wenigstens einen Heilgchulfen aus- zutreiben, wurde. Kleibach, von. kräftigen Fausten unter- stützt, die Straße hinauf gesckasft.. und iec Ofierforjter machte sich daran, die näheren Umstande des ^agdunfalles mit Hülfe des nächsteii Büchsenspanners, der den drei linken Flügelmännern die Flinten geladen hatte, zu unter­suchen und Anordnung wegen der Strecke zu treffen.,, die auf der Wiese, dem Hause des Herrn Maniiel gegenüber.

äeleat werden sollte. ^..

" Inzwischen eilten Agnes und Gottfried, aufs höchste

erschrocken, dem Trauerzuge entgegen.

Um Gottes willen, Papa, was ist geschehen? wandte sie sich aii den bleichen und feierlich ernsten. Herrn Manuel.

Ich war's nicht. Agnes, wahrhaftig, ich war s nicht . versicherte er fast weinerlich. „Ich Hab' nur emen Fuchs