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iesdaüener Tagklalt.

As. 557. Morgen-Ansgade.

81> Jahrgang» 1S03.

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Tic Beredsamkeit auf ihrer Höhe lä&t wenig Raum Kerstond und Ueberlegung;

'sie"wendet'sich gan, an die

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ObaHtäste"nnd Äffekle, nimmt' die w'twillla-iiZuGrerpe faitaen und überwältigt tbrcn Lcrstaud. Adicklicbcr weife wird diese Hohe selten erreicht." David Hume. ^

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(62. Fortsetzung.)

Ena Keom.

Roman von Marie Bernhard.

DaS war ein kostbares Farbenkonzert! sagte mern'ons Stimme hinter mir, und als ich mich umwandte, üand er mit gekreuzten Armen hinter mir und sah unver- wandt dorthin, wo all' der Zauberglanz versunken war. Baut sich nicht auch manches Menschenleben so groß und prächtig auf, um dann in ein Nichts zu zerrinnen. Mir jü heute — ich möchte sagen ahnungsvoll zu Mute, aU müßte mich irgend ein schweres Geschick ereilen! Da.o ist wir m den vielen Jahren, die ich in tiefer Einsamkeit verbwchte, zurückgeblieben, — die Natur sprach gar zu ' gewaltig in mein Leben hinein, als daß ich ihren Er- i Meinungen Macht und Einfluß hätte verwetgern können!

■ „Aber solche Ahnungen haben sich nrcht bestätigt, nicht toahr?" fragte ich ungläubig lächelnd

Doch!" entgegnete er mit vollkommenem Ernst. Den Tod meiner Dtutter, den wir erfuhren, als ich etwa fünfzehn Jahr alt war, habe ich vorausgewußt und ebenso meines Vaters unerwartetes Ende; es mag ein Zltfall ge-

^ Er^'verstummte, denn das Brautpaar kam auf uns zu, sehr vertieft in ein medizinisches Gespräch, -- war horten Worte, wie: Nervenfasern, Gehirnganglien, Trepanation, Schädeldecke usw.; dann äußerte sich Ahrenz ^in aner- kmnendem Ton: „Ich bin überzeugt, daß du den ^all ganz richtig beurteilst, Frieda! Tu bist wirklich ein sehr tüch­tiger Kerl!" welches Kompliment die Braut gleichmütig

mtqeqennahm. . ^

Haben die Herrschaften derr herrlichen Sonnen- Untergang geschen?" fragte Hannah, die in unserer Nahe

^"^Wenn Sie mir sagen können, welchen Nutzen rote Wolken und violette Streifen und goldgelbe Fahnen am Himmel sttsten, beste Frau Bertram, dann will rch gern darauf Hinsehen, jetzt ist mir meine Zeit dazu zu schade", sagte Doktor Langenfeldt und riß sich ein Streichholz an, um sich eine Zigarette in Brand zu setzen. „Feuer, Ahrenz? Hier! — Aber Eva hat gewiß mrt Wonne m diese blendende Farbenglut gestarrt, sie pflegt ja mit Vor hebe alles auszuüben, was die Augen verdirbt!"

Ich gab keine Antwort auf diese anzügliche Bemerkung, wurde dessen mich überhoben, da gerade in diesem Augen­blicke ein Mann mit einer Dienstmütze und einem ledernen Felleisen um die Ecke bog und bei unserem Anblicke zwei Finger grüßend an die Mütze hob.

„Monsieur Vernon?" sagte er fragend zu Doktor

llhrenz. t „

„Dort!" erwiderte dieser lakonisch und Vernon trat tasch hervor, nahm dem Boten das Telegramm, das dieser aus der Tasche holte, ab und gab ihm ein Zeichen, zu

Parten. .. „ , , Ä

Ich trat ein paar Schotte zuruck, ebenso Hannah.

während das Brautpaar ruhig stehen blieb und Vernon

^'^Halloh!" fragte Ahrenz nach einer Miri^ »da scheinen keine erfreulichen Nachrichten brat zu s *> •

Erschrocken aufblickend gewahrte ich, daß ^rnons luftgebräuntes Antlitz fahl geworden war md daß rat Atem schwer ging; die Hand, die das Blatt hielt und g,tzt ein Geldstück für den Boten hervorsuchte zttterte etn wemg. und seine Stimme klang verändert, als r s g . „

* WWL «r, las«* fet;

gierig dem neuen Ankömmling gefolgt wa „

Grundgütigster, wie schauen's denn drein, Gnädigster?

“gl! 1 “l&ÄL liniert »ei in «b* Mm lassen, — hören Sie, — sofort! Schon morgen am Vor- mittag werden die Zimmer gebraucht werden, für fünf Personen, das Nähere sage ich ^.chnen spa>er. . - Er wandte sich um i,nd gmg znm Eingänge des Hause? zurück, die Depesche m seiner Hand mit emer nervösen Bewegung zusammendruckend^ ..^ch MUe m diesem Augenblicke buchstäblich, wie mir das Hwz h tat; er hatte schlechte Nachrichten bekommen, ohne Zweifel, — und während ich innigstes Mitleid für ihn empfand, fichlte ich mich zugleich gekränkt und vor den andern ge- demütigt. Hier hatte ich neben chm gestanden, ich, dw er hundertmal seine Freundin, seine kleine Vertrm te, seinen Liebling genannt, mit der er so Meies, wa^ seine heilig gehaltene.Kiinst anging diirchgesprochen. der er erst heute noch seine Lebcnsgeschichtc ""gefragt erzählt hatte.

i-und er ging, ohne ein aufklarendes Mut ohne

nur einen Blick für mich zu haben, von mir stellte mich auf die gleiche Stiife mit Herrn stolzel. Doktor Langen- festst iind Ahrenz — ging davon mit seinem Schmerz und

fragte nicht nach mir. .. . , Ts

Da, -_sein Schritt wurde zögernd, es war, alv

hielt ch'n etwas auf. — er wandte, schon die Hand am Türdrücker, nochmals den Kopf zurück -7 seine Lippen sprachen kein Wort, aber seine Aiigen riefen mich, und ohne Besinnen war ich an seiner Sette.

Wir standen nebeneinander rn der schon dämmerigen Halle, die Tür war hinter uns zugefallen — durch die gegenüberliegende, halbvffcne Pforte konnten wir sehen, wie Sevp drüben im kleinen Speisesaal di? Tafel zum Abendessen deckte. Die dreiarmige Hängelampe über dem Tisch war bereits angezündet, so daß in dem Raume, m welchem wir uns befanden, ein unsicheres Halblicht rat- stand, — machte dies allein Vernons Gesicht so sonderbar

verändert? „ , ,, , ..

Ich sah, wie er nach Fassung rang, — ,er faltete die Depesche auseinander und blickte abermals hinein; es war ein Telegramm aus dem Auslande, meine scharfen Augen konnten es unterscheiden. Ich wartete ab. daß er sprechen würde, mein Herzschlag war so laut, — ich nieinte, er müsse es hören.

„Sie kommen morgen — die Furfün — ihre Be dienung — die Krankenpflegerin — und er — Stephan. Sie werden mir meinen Sohn bringen, damit er bei seinem Vater sterben kann, wie er es sich gewiinscht. Es ist keine Hofftiiing mehr für ihn. die Ärzte haben eS über- einstimmend gesagt, — seine Tage sind zu zählen. Das ist der Inhalt der Depesche!" ^

Ich war wie betäubt! Was sollte ich sagen, — was

konnte ich sagen zu einem Vater, der sein einziges Kind verlieren soll dies Kind, von dem er mir nur noch vor Stunden gesagt, daß es der ganze Jnhal^^ines Lebei^ die schönste Hoffnung semer Zukunft sei? ^ch wagte mwl, ibn aniuseben aber ich nahnc die eiskalte, schlaff, hetav hängende Rechte in meine beidenstHände und meine un- aufhaltsam hervordrängenden Tranen freien daran.

^^Duschenka!" hörte ich ihn leise sagen, i.nd dann zog er mich an sich, wie neulich beim Ausbruchdes Unwetters Ein kurzes, tränenloses Schluchzen nberkam ihn und plötzlich ließ er mich stehen und verlich rmt hcpttgem un gleichen Schritten, wie ent Berauschter, die Halle, während ich erschrocken um nach blickte, mein Gesicht in die Hände drückte und bitterlich wemte^

Am nächsten Morgen wagte e- nrch mmn Zimmer zu verlassen: Hannah und ich hatten uns am vorher gehenden Abend auf unserem Zimmer servieren lassen, da ich es nicht ertragen konnte, den neugierigen, mdw kreten Fragen unseres Brautpaares stand zu halten. Derselbe Grund fesselte mich jetzt an mein 3 * ^ wollte niemand sehen und sprechen Mochte Herr Stolze! die Zudringlichen befriedigen, ihm konnte das mch sonderlich schwer fallen, und er wußte ohne Zivestcl gur Bescheid, da alle Vorkehrungen zur Ausnahme em Scbwerkraiiken bereits getroffen waren iind man von St.^ Johann einen ganzen Wagen der erforderlich Dinae früh um fünf Uhr herauf ge chickt hatte, menur HmL Lichtete. Ich hatte mein Frisier geo fnet atmete die schöne Morgenluft etn und horte zwischen durch auf meiner Hannah Geplauder, d ie ab - und zugmg und mich von allem, was mich interessieren tonnte, ve

"^MonsLr Vernon ist natürlich drüben und leitet alle Vorkehrungen selber!" sagte sie setzt und setzte eme Ta^e Schokolade vor mich hm. ..Tu mir du ^ebe, Klein, und frühstücke, — bcr Mensch muß leben iind zu leben haben bei allem Kummer! Ja, ich wollte noch sägen

natürlich Hab' ich mich ihm angeboten, zu helfen, Ech

diesen und jenen Vorschlag gemacht, da "Irnich gut gmug s».^ake verstehe, und das hat er auch dankbat. ang^ no« Aber wü er aussieht'. Recht, wie ein Mensch, der^einen Schlaf hat imd an keine Freude auf Erben 7Nlk>iir denkt' In der Seele tut es mir leid, aber iEßt du^Eva^— es mag jkegoistisch sein, daß,ich dir's ehr- lich sage: ich wünsche, deine Susi hätte, fmher Hach^ett. und Doktor Wörler ließe dich loch und wir konnten früher fort! Die Erlaubnis von, der. Gnädigen has du ja^ dm Hochzeit ztr besuchen und dir eme schoneToiletw ^ fcrnfcn und dann eme Zettlang beim Onkel Freimdin in Berlin zu bleiben von wo du ja deinm Plan mit der Miisik verimrklichen kannst. ober hier ist jetzt kein passender Aiifenthalt mchr fur dich! Du^bsit hier hercnif ins Gebirge geschickt, um dich z" erholen, nicht aber um beim schöiisten Wetter wie eme Gefangene rm Zinimer zu sitzeii, nur iim den Leiden Aufpassern nicht m L ÄLe zu laufen, oder allerlei Schleichwege ausfindig zrr machen, iim das schöne Brautpaar zu vermeiden, und jetzt gar, wo Krankheit und Tod hier einzichen, ist. e« vollmds nichts für dich! Du siehst jetzt schon ganz bleich und verweint aus und hast sickser schlecht geschlafen, wem sollte mich solch' ein Unglück iiicht nahe gehen?

(Fortsetzung folgt.) _

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