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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. .» >

Nr. 219._ Sonntag. 19. September. 1915.

(20. Fortsetzung.) Zvledels CicBe. (Nachdruck verboten.)

Roman von Anny von PanhuyS.

Die Gräfin widersprach: „Sich. Hans, man hat

mich von je in der Familie eine Phantastin und einen «Schöngeist genannt — weil ich gern lese und auch ein paar Gedichte verbrach. Gottes goldene -Sanne leuchtete mir gar so strahlend ins Herz, das mußte ich mir von der Seele fingen, aber trotzdem ich für alles Schöne schwärme und nfich begeistere, muß ich dir sagen, deine Pläne sind übertrieben. Magda ist märchenhaft schön, lch begreife 'deine große Liebe, bogreife, daß du hier auf unserem stillen Buckenbach ein kleines Paradies schaffen möchtest, aber du darfst des Guten nicht zu viel tun, du darfst nicht vergessen, daß Magda eine Land­edelfrau, eine Gutsbesitzers-frau wird. Die Einrichtung, die dir vorschwabt, paßt für eine große Schauspielerin, für eine hyperelegante Mondaine im großen Stile, aber nicht für die junge Gräfin Buckenbach die es lernen soll, dich durch die Felder zu begleiten, die mit der Mamsell den Küchenzettel inachen, abrechnen und sich mich mal um die Milchwirtschaft kümmern muß. Das tue ich alles auch und habe es ebenso lernen müssen, wie es Magda lernen muß und ich habe es gern getan, deinem Vater zuliebe." Sie lächelte dein Sohne zu. „Sie wird die verwöhnte Theaterprinzessin aus Liebe zu dir ver­gessen und eine Guts-besihersfrau werden, wie ich und alle unsere Nachbarinnen auf Lahnow, Stehrau und den anderen Gütern."

„Nun, darüber möchte ich nfich allerdings noch nicht in Sicherheit wiegen", erwiderte Hans nachdenklich. »Ich fürchte beinahe, Magda wird zu einer, mit Respekt zu sagen, besseren Bauersfrau wenig Talent haben/

Verzeih, ich rede so häßlich, weil ich fühle, du hast recht, Mutter", er haschte nach ihrer HaNd und neigte sein hübsches, braunes Jungengssicht reumütig. „Du eine Bauers-frau! Ich glaube, -wenn -du die Kühe selbst melktest, bliebest du immer «och die große Dame. Mer ich fürchte, Magda wird sich um alles, was den Haus­halt angeht, nicht kümmern wollen."

„Das muß sie aber. Und wenn unser Gut auch groß ist und wenn auch reichlich Dienerschaft vorhanden ist, die Gntsherrin muß selbst auf alles, was in ihr Frauen­ressort fällt, ein wachsames Auge haben und braucht trotzdem dabei nicht zu verbauern."

Hans seufzte. Friede! Sorhv-gen hätte Wohl all das getan, was die Mutter da vorhin auszählte, und wäre doch geblieben, was sie war, genau wie seine Mutter, aber Magda, die Zierliche. Zarte die konnte er sich weder beim Abrechnen mit der Mamsell noch im Milch­keller vorstellen.

„Ach, Mutter, zerbrechen wir uns doch vorläufig picht den -Lkopf, du bist ja da und später", — er pfiff durch die Zähne, — „vielleicht irren wir unS beide über Ddagdas Anlagen zur GutsbefitzerSfrau. Und wegen der Zimmereinrichtungen verlasse ich mich auf dich", er legte Wmeichelnd seinen Arm um den HalS der Mutter, ,fwer Werfe schmieden kann, wird auch darin nicht allzu -pro­saisch sein," .... __ _ -

„Mein lieber, lieber Junge". sie nahm seinen Kopf in ihre Hände und sah ihn mit -feuchten Augen an: „Ich will mir -die größte Mühe geben, mit der Einrichtung und auch mit anderem Wichtigeren, wenn dir ,mr glück­lich wirst."

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„Aber Magda", vorwurfsvoll sagte es Frau Bergen, „da bist du wieder in fo'n dummes Buch vertieft und dabei warte ich und warte." Die kleine, korpulente Frau Bergen war ganz aufgeregl. Da mußte -man sich doch wirklich ärger». Heute vormittag -verabredete sie mit Magda, nachmittags zu Herzog zu fahren, um alles noch Fehlende für die Ausstattung zu besorgen, und nun saß ,/die kleine Gräfin", wie Papa Bergen Magda nannte, in ihrem Zimmer und vergaß über irgend einem Theaterstück, das sie las, den wichtigen Gang. Lieber Gott, nian konnte es kaum glauben, vergaß über ein Buch die Ausstattung, an die eine richtige Braut eigent­lich Tag und Nacht denken sollte. Wer,Magda war gar keine richtige Braut, das festzustellen, hatte Frau -Bergen schon öfters Gelegenheit gehabt. Der Graf —, nun ja. in den schien sie ja mordsmäßig verliebt, aber sonst kümmerte sie sich um nichts von alledem, was junge Bräute doch interessieren mußte.

Magda sah bei -den Worten der Mutter flüchtig auf, doch der Anblick der zum Ausgang Gerüsteten brachte ihr sofort die Verabredung ins Gedächtnis. Mit halb- unterdrücktem Seufzer, der das Ohr der Mutter aber trotzdem erreichte, schob sie das Buch beiseite, doch legte sie vorher noch sorglich ein Zeichen hinein- „Entschuldige, Mama, wenn ich über dein Lesen unseren Gang ver­gaß", sie erhob sich langsam und in ihren Augen war etwas Ab,wesendes, Dunkles, ein Schein lag darin, so ein eigener, seltsamer Schein, als hätten die Augen in eine andere Welt gesehen und könnten sich noch nicht sogleich wieder zurechtfinden in der Gegenwart.

„Ich brauche nur Hut und Handschuhe zu nehmen, dann bin ich bereit." Sie entnahm einem riesigen Kar­ton einen großen, an der Seite leicht aufgeschlagenen, weißen Hut, dessen einzige Garnierung aus einem Kranze -rnattgelber Rosen bestand.

Herr Bergen war leise eingetreten, seine massive goldene Uhrkette auf -der blütenreinen, weißen Weste deutete schon die solide Wohlhabenheit ihres Besitzers an. Fritz Bergen war genau so dick und vund wie seine Gattin, auch der Gesichtsansdruck des Ehepaares zeigte eine große Ähnlichkeit, wie man sie oft bei Mann und Frau findet, die das Leiben in -demselben engen Jnter- essenkreis einsperrt.

„Nanu, ihr seid ja noch hier, die Autodvoschke vor der Tür faucht schon ganz giftig", meinte er behaglich, „die kleine Gräfin konnte wohl mit der Toilette nicht fertig werden?"

„Magda hat solange gelesen", antwortete seine Frau und zeigte verächtlich auf das Buch. Frau Bergen hatte sich nie viel aus Büchern gemacht, sie hätte auch keine / Zeit dazu gehabt.