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--------- 1 -^ Nedak.i°nS^°rn,?r°ch°r N°. 52. Z.^OS.

BerlagS-Fernsprecher No. 2953.

Freitag» den 27. November.

Iüv öerr Worrcrt Dezember

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der Nachbarorte,

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Die Aussichten der Handelsverträge.

Eigentlich Zollte kein Zweifel darüber bestehen, daß Mser^abzufchließenden Handelsverträge cm Wert von flioWer sozialpolitischer Bedeutung ftnb. den turnt* Winftlidicu Kämpfen der letzten Jahre rst auch dieser Ge­sichtspunkt natürlich berücksichtigt, aber wirklich rn ihrem »anien Erlist gewürdigt ift der sozialpolitische Charakter } m( yr Nerträge leider Nicht, lind doch versteht sich diese Bedeutung bei der heutigen Entwickelung unseres wirt­schaftlichen und sozialen Lebens eigmttich von selcht. Wmn eine einsichtsvolle Handelspolitik den Volkswohl­stand hebt, dann bessert sich auch die.^lksgesundhert, die Kulturbedürfniise steigen und mit ihnen die Masse ■SSE;; 11 und Moral. Ein Volk, das hungert, in u ß wieder die Sittengesetze handeln. Der Statistiker mein wie eng sinkende Arbeitsgelegenheit und sagende Kriminalität Zusammenhängen. Die Not ist starker als L Rechtsbewußtsein, sie.treibt zur Verletzung der Ge­setze Sie ist mich der größte ,Mnd aller Hygiene. U> fioreicknend daß die deutsche Arbeiterklasse rm allge-

LLtn L.3U d-s chchöitlich-» «£”?*

bestrebt war. gesunder und bequemer als früher -> wobnm. Das war ein wichtiger Fortschritt-der Volts- bnqiene.' der eng nüt den günstigen wirtschaftlichen Der* hältnissm zusammenhing. Ebenso mit der Krise der seit aeraumer Zeit wieder zu beobachtende Medergang Wenn der Arbeitsverdienst sich verringert, so druckt sich das zu­nächst in geringerem Auftvand für Wohnung. Ncchrung lind Kleidung aus. So ist die Entwickelung der Volts» aesundheit nicht nur eine Erziehungs- und Bildungs», sondern vor allem auch eine Geldfrage, eine Frage de»

| ^^Hierin" steckt zum guten Teil die sozialpolitische Be­deutung der Handelsvertrags; hieraus erklärt sich auch, daß der Sozialpolittter unsere Aussichten aus diesem Gebiet mit derselben Aufmerksamkeit wie der Industrielle verfolgt. Vielfach ist man der Meinung, der Kampf um die Handelsverträge sei endgültig entschredem^Das^st

ri-n Irrtum Der Reichstag hat. wie eigentlich jeder Mann wissen sollte nur den Zolltarif angenommen, der

deutscher Seite als Grundlage dienen soll. Wenn über den eigentlichen Vertrag mit den sremden^taaM E Einigung erzielt ist. dann gelangt dieser Mieder an oen Reichstag, der ihn nun. ohne an einzelnen Zolls tzen zu ändern, als Ganzes annehmen oder verwerfen kann.

Diese folgenschwere Entscheidnng wird also der kumer Zeit zusammentretende neue Reichstag zu sauen haben. Inzwischen hat die deutsche Regierung mit ermgen wichtigen Staaten, besond^s aber mrt Rußland Ber^ Handlungen angeknüpft. Wie also sind deren. ÄussichtM.

_ Eine bestiinmte Antwort laßt sich natiirlich aus^o i

Fraae heilte nicht geben und vielleicht selbst in ernem ^ahre noch nicht. Es ist lediglich möglich aus den allgemem n Verhältnissen Schlüsse zu ziehen. Und diese ^haltmsi smd dem deutschen Vorteil nicht günstig. Seit me we:cys vegierimg vor einigen Jahren ihre:: Larifmtwur ver

öffentlichte. hat mich das Ausland neue Tnnse für die

Än,

gÖÄWÄftW*"

Waren völlig unterbunden.

Bisher ist einiges über die Stellung der russischen Re­gierung zu dem deutschen Zolltarif bÄannt geworden. Vor allem hat sich herausgestellt, ^öwischen Deutschland und Rußland in Beziehung aus den abzuMießmden diairdelsvertraa eine außerordentliche Meinung. Verschiedenheit herrscht. Rußland will von den agrarischen Blindestzöllen im deutschen Tarif nichts Missen, da diese, wie ja schon immer bekannt war. seine. Ausfuhr gefähr­den 1 Rußland verlangt auch eine günstigere Viehseuchen konvention. Gegenwärtig ist die Einfuhr

uack Deutschland zum Nachteil unserer Volts-

SStmfjerXU »io«. featunM

LL mit der Seuchengefahr, während man in deutschen aararischen Kreisen bekamitlich vielfach die Über­zeugung hat, daß weniger jene Souchengefahr, als agrar- volrtische Rücksichten die Einfuhr erschweren. Tatsächlich hat Rußland die sanitäre Kontrolle bei der Vichausstihr in den letzten Jahren ganz außerordentlich verbesserü Trotzdem dürfen aber in Schlesien wöchentlich nur 1.352 rullifche Schweine eingeführt werden; bis zu dieser Ziffer herrscht augenscheinlich keine Seuchengefahr. während sie bei jeden: Schtvein darüber sofort vorhanden ist. Er- ickwert werden die Vechandlungen auch durch das russische Verlängern in den Vertrag eine „K a.r t e l I k l a u s e I" einzufüaen Rußland will nämlich seine lang am heran- Industrie nicht dadurch ruinieren lassen, dass ÄK K-Ä-L Waren zu S«>-nd°rnr°is°u auf ta. ausländischen Markt werfen, wre das m den letzten Zähren

Ncdaktior>S-FernI?rcchcr No. 52.

aeschah um auf dem deutschen Markt den Warenpreis hochzuhalten. Rußland beansprucht daher das Recht, o ui chIagszölle auf solche Waren erheben zu dürfen, die infolg/ von Ausfuhrprämien im Auslande billi^r als im Herstellungslande verkauft werden Ob ^st russische Forderung voltswirtschaftlich klug, ob sie, wenn zugestanden, überhaupt aufrecht M erhalten rst. Ast hi^ zur Sacke- das Verlangen ist gestellt und erscywer: die Verhandlungen. Noch mchr geschicht das durch dw von Rußland geforderten D'f ferential z oNe, meläfe die Einfuhr zur See besser stellen als Me uver Land^ Ein hervorragender Sachkenner. ^th^in

land für die deutsche Industrie schlechter als der bisherige

^ ' Fast noch schwieriger ist es, mit Österreich-Ungarn zu einem neuen Vertrage 3 u kommen. , Tw schutzzoll- neriscken Tendenzen sind dort so ^ wie be: rmd

der Wille, sich gegen unsere h^ohen Agrarzolle Zu weyrm. mindestens so kräftig, wie bei uns der Wunsch, ß« durch- zusetzen Ganz besonders aber wird iede Verhandlung ast zur Unmöglichkeit diirch die traurigen mneren Po* Mücken Verhältnisse diesseits und fenseitc, der Leitha Ein^ Handelsvertrag mit Österreich-Ungarn, kann nach einer von Koloman Szell durchgesetzten Bestimmung nur aut Grund eines neuen Ausgleichs und ernes neuen Zo - tarifs abgeschlossen werden. Aber bei der Zerfahrenhm

der parlamLittarisäM Zns>-»d-&W«» »•*&»* r,;= T,p U i e weder einen neuen Ausgleich noch einen ge

s/tzlicb aültigen neuen Zolltarif. Es ist auch Nicht abzu- ehci?wan/diese Vorbedingungen, vorhanden fern werden, o daß wir lediglich abwarten müssen

Ganz unsicher ist es auch, wie sich unsere Handels- polstik in Zukunft mit England gestalten wird licb sind unsere Handelsbeziehungen zu djesem^staats sckion seit Jahren nur provisorisch geregelt. Der alte in abaelaufen und es ist kein neuer bisher ge- mEn Es wird vietmA-r in jedem Jahre der Regierung die Ermächtigung erteilt. d,e englische Emfnhr unM Nni-misietzuna der Gegenseitigkeit auf dem Meistbegünstigung zu behandelii. Welchen Ausgang dieser Zustand schließlich einmal nehmen wird, ist nicht abzusehen. Trinat die Chamberlainsche Politik m England, durch, und da^ ist nicht unwahrscheinlich, so tonnen wir nrw auck hier ans sehr wesentliche Erschwerungen unserer smqsubr aesaßt machen. In einer eigentümlichen Lage befinden wir uns zu den Vereinigten. Staaten. .Mit ihnen

einen Tarifvertrag abzuschließen, wird nicht, möglich sein, uritu ,<-vu. i » rfmifh« ist Da wir mit diesem

s^?eh^as^ck7Au"münschen''ist.' Da. wir mit diesem Lande im'Verhältnis der Meistbegünstigung stehen, so

Me Förderung des deutschen Volksliedes.

In Frankfurt a. M. war es, beim deutschen Männer- gesangs-Wettstrcit, wo der Kaiser zum zweiten Male n offizieller Form auf die Notwendigkeit emer eingehen­deren Pflege des deutschen Volksliedes hinwies. Eme Sammlung aller wertvollen Volkslieder.stellte damals der kaiserliche Förderer in Auszicht. Diese Idee ver­dient gewiß die Beachtung aller ern,tdenkenden mustka lischen Kreise. Man verhehlte stch indesten au, dieser Seite auch nicht, wie schwer es sein wurde, eine wirklich erschöpfende, gute Volksliederausgabe rusauimenM bringen. Denn der wirklich wertvollen deutschen Volks­lieder sind nicht so viele, wie man vielleicht m weiteren Kreisen annimmt. Ein gutes Volkslied muß vor allem die Eigenschaft besitzen, nicht sentimental zu sein. Und nun nenne man einmal die deutfchen Lieder,^ dre ^nicht mehr oder weniger einen Abglanz von dieser weniger ersreulichen Seite der deutschen Volksseele zeigen. Deutfch.- land wird als ein liederreiches Land gepriesen; doch auf die Wagfchale der nach ästhetischen "Eilenden

Kritik gelegt, werden nicht zu viele Produkte unserer Volksmusik ein Anspruch «uf eigentlichen dauernd Wert erheben können. Gerade die Literatur unserer Männerchöre weist eine große Zahl von sogenannten Volksliedern oder volkstümlichen Liedern ans, die aus ienem von weichlicher Gefühlsseligkeit durchtrank en iS sind. V°l»n-d-r

geschrieben werden auf Wunsch und Kommando. Erst durch den Weg, den sie in den Kreisen des^ N«gende Volkes machen, werden ste zu solchen. Also mckü Ne Konu ponisten sind in erster Linie für vielen minderwertig n Volkslieder verantwortlich zu machen, s°udern das selbst, das nicht die nötige Geschmacksreife besitzt, zwischen gut und minderwertig zu unterscheiden. ~

Kreise des Volkes jemals zu fener Reife des ^terls, eine instinktive Sonderung der Spreu vom Weizen er­

möglicht,'"erzogen werden können, scheint mehr als zweifel- bait ES bleibt also dann nur der andere cg zur Hebung unserer Volkskunst übrig, nämlich die Produktion unserer Volkslieder zu veredeln und aus diese ^ tf minderwertiges Material möglichst von der Verbreitung

letzteren Gedanken verfiel Herr Ausust Scherl, der erfolgreiche Verleger des "Berliner Lo al-A^igers und der „Woche". Ihm müssen wohl die aus kaiferuamm Munde verkündeten Ideen schon vorher "" ^raume g - kommen sein, denn bereits im verflossenen Jaln^te kick Herr August Scherl an die ihm als die namhafwfien Vertreter edler Volksmusik bezeichueten deuischcn Kom­ponisten und ließ von dieser örmt zusammengew^ c?ck,ar ein Heft von 80 Liedern :m Volkston komponieren. Das Unternehmen fand damals beim Publikumvie - klaua Man kaufte das Büchlein in nngegahlten sausen-

Sch?h »"rd sicherlich »ich! u-b-srie ,» »b-r „i-as-artiaen Absatz, den seine Sammlung fand, ge- Sen rifSt näherem Betrachten fand man freilich

fÄMl* Sch-n.u»d S»i°--.

war daß aber erne ganze Reihe der zu Worte gekommenen Tonsetzer doch nicht das Richtige mit ihrer Beisteuer getroffen hatten. Es zeigte sich sehr bal, ß niakil nur einer ganz verschwindenden Minorität der rieuen Volkslieder die Gunst des Volkes lächln falls es überhaupt bis zu einem solchen Erfolge käme. L nerfiet Herr Scherl, der stets Findige, auf eine neue Fdee. dem armen deutschen Volkslied auf die Mine zu belien Mit einem verlockenden Appell wendete er sich

AL öS», d-l.««- Sott- Ein l'O« 10«« ««” ” ■

Tielfen ein jeder sollte mitkomponleren. Mus dem ^olke K- B-II! !° Scherls Dem,I-

s en Even 30 preiszukrönenden zukünftigen Volksli d Meistern zugesichert und dann sollte eine allgemeine NnlksabstimMUNg abgehalten werden, die von den 30 Glücklichen wieder die drei Glücklichsten herauszusu ien tzätte 8000 2000 und 1000 M. waren als erster, zweiter und dritter Preis für dicte durch das Bolkslos auf den Schild erhobenen Volksliederkomponisten ausgesetzt. -rte

Allgemeinheit dieser Abstimmung erfuhr freilich insofern eine natürlich ganz unwesentliche Beschränkung, als nur diejenigen zur Abstimmung zugelassen wurden, che ck ein Exemplar des neuen Scherlschen ^ieder-A bumS k s- lick, niaeleat hatten. Die Unkosten mupen doch auf ngend eine Weise bescheidentlich gedeckt werden, so sagte sich Herr Scherl mit Recht. Fünf Preisrichter wurden ernannt, deren Namen ja einigermaßen für die von manchem vtcl- leichi angezwciselte Reelliiät des Unternehmen» bürgten.

panierenden Deutschland als Pfingstuberraschuug beschert Vom 31. Mai bis zum 31. Juli, also netto zwer Monate tzlodurch konnte man darauf loskomponteren und ern» schicken. Da sich alsbald ängstliche und gewissenhaste miiter meldeten, die auch das Einlaufen threr teuren Manuskriptsendungen schwarz auf weiß bestätigt Hab n wollten, so veröffentlichte der „Berliner Lokal-Anzeiger . eine täglich fortlaufende Liste der eingegangenen ^eder nebst vorgeschricbcnen Merkworten. Dadurch, wurde der Autzenwelt sehr bald bekannt, welch erstaunltche Massen von Volksliedern" für August Scherls großes Kon- kurrenmusschreiben komponiert wurden. 8 -rage vor -Schluß^des Einlieferungstermins belief sich die Zahl der» selbeit aus etwa 5500 und am Schlußtage selbst erreichte Re Ziffer der eingesaudten Manuskripte die Höhe von 8859 Zirka 8000 Lieder waren also noch in den letzten ackit Tagen eingeschickt worden. Sehr belehrend war es ?ür den vcaußen stehenden Beobachter, die täglichen langen Register der Eingänge zu studieren Schon Re Titel der gewühlten Texte und dte mehr oder weniger ai-sckmackvollen Merkwvrte ließen einen Schluß aus Re Gattung der Sendungen und der Einsender zu. Ganz kurÄe Sachen kamen dabei zutage. Texte, die bereits Rs Volkslieder in aller Munde sind, waren von neuem als „Volkslied" komponiert worden. »Ich wertz nicht.

o r„tr »s fipfw-nfpri" Dort unten in der ivcuyte , ^Deutschland Deutschland'über alles", „Aus der Jugend- 'Zi^ usw all diesen alten Bekannten begegnete man »n er Rn' eingesandten Liedern. Wiegenlieder waren an 500 vorhanden. Wanderlieder nicht vrel weniger