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Verlag: Langgaße 27.
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der Nachbarorte,
und bei sLmtlichen drntschen Reichsyostanftaltrn.
Abrüstung?
(Don unserem militürischen Mitarbeiter.)
Der gallische Hahn läßt die Flügel hängen, sein kriegerisches Kikeriki ist zum matten Gackern geworden, nicht lange wird es vielleicht dauern und der ernst so kampfesmutige Vogel verfällt rn zärtliches Gebalze, um Germanias Liebe werbend I ^ ^ . 0 w
Wer hätte vor 3 Jchren geglaubt, daß der Zerchunrt so nal)e läge, wo in der Deputrertenkammer zu Paris von Abrüstung und Verständigung mit Deutschland geredet würde, ohne daß der Wagehals, der solches riskierte, gesteinigt würde? Wer konnte denken, daß mn Abgeordneter es wagen dürfe, der Versammlung die Worte rn das Gesicht zu schleudern, „daß von Revanche im Grunde nremand
etwas wissen will!" , r .
Es ist die Mäßigkeit, mit der dre Deputierten solche Worte anhörten, ein Zeichen zurückkehrender Vernunft, welche nach 33jährigem Paroxysmus beginnt stegreich ihren Einzug zu halten. Aber nicht freiwillig smd unsere westlichen Nachbarn zum Legeren Einsehen gekommen, dre Verhälürisse zeigen sich stärker wre ihr Ingrimm und zwangen diesen nieder! ~ *
In erster Linie ist es die klägliche Finanzlage Frank reichs, welche trotz aller patriotischer Schönrederei und dem „anscheinend" geordneten Budget von ^ahr zu oahr schlechter wird. 33 Milliarden Schulden welche dre Gloiresucht dem unruhigen Volke aufburdete, nebst den Ausgaben für die Riesenrüstung zu Lande und zu Wasser machen das bestsituierte Reich finanziell mürbe und haben an dem Wohlstand Frankreichs seit 33 Jahren unaufhörlich genagt, so daß die Finanzmrnrster schon langst am Ende ihrer Weisheit angekommen sind.
Einen weiteren gewichtigen Druck zur Friedfertigkeit übt die Einsicht aus, daß Deutschland dem Erbfeind an Mnschenmaterial von Jahr zu Jahr überlegener wird um seine Wehrkraft so ausgebaut hat, daß es fast Selbstmord wäre, ohne Verbündete mit ihm Krieg zu beginnen'.
Die Angst vor uns trieb die gallische Republik rn dre Anne des autokratischen Rußlands, es entstand mn Übereinkommen, von welchem allein das nordische Reich Vor teil hat, während die Rache schnaubenden Franzosen dre
gründlich Reingefallenen darstellen. Alexander III. ließ sich wohl zu einem Bündnis, aber nimmer zu ernem K g drängen! In der unaufhörlichen Sorge um dre eigene und seiner Angehörigen Sicherheit machte er nicht da , für die Verbündeten die Kastanien aus dem Mue z holen. Auch die Hoffnung der streitsüchtigen Ra^, daß Kaiser Nikolaus eher für eine solide Pelzwal che an ®e* land zu haben sei, wurde zu Wasser und fi. es jetzt j mann jenseits der Vogesen klar geworden, daß nie >. nimmer, so lange die eirg befreundeten Monarchen Kaiser Wilhelm II. und Nikolaus II. ihre Throne einnehmen, an den ersehnten Kampf Schulter an Schulter mrt Rußland zu denken ist. .. t
Diese Ursachen allein begründen dre schon mehrfach hervorqetretene Friedensliebe der §ranäe Nation, nmiis wie Angst und Unvermögen lassen ihre Blicke nach dem viel verschmähten Schiedsgericht sich wenden.
Kein Denkender wird an dre Initiative des russischen Kaisers bei Berufung des Kongresses im Haag glauben, niemand anders als der Monarch, der schon langer als 10 Jahre das europäische Konzert dirigiert und dessen ehrliche Friedensliebe außer Zweifel steht, ließ durch den Mund seines Freundes die schrer unfaßliche Mar des ewigen Friedens verkünden!
Auf einen Hieb fällt kern Baum, die großartige Idee, durch Gaben des Geistes umd der Vernunft anstatt mit mordenden Waffeii Völkerstreitigkeiten zu entscheiden, ist nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen, ste keimt lang-
^Minfiter^Delcass6 machte in der stürmischen Kammer sitzung vom 23. November aus der Not eine Tugend und verwandelte das Unvermögen Frankreichs, m militärischer Beziehung gleichen Schritt mit Deutschland zu halten, wre ein echter Zauberkünstler in die reinste Friedensliebe, wie durch Geld- und Menschenmangel bedingte Verminderung der Armee und Flotte bezeichnete er „als von den Franzosen begonnene Abrüstung, welche erhabener Weise mit diesem schönen Beispiel vorausgehen trotz der benn- i iihtqenden Weiterrüsrungen anderer Staaten "
Wenn die von Delcassä angeführten Motive auch der reine Humbug sind, so klingt doch durch diese Äußerungen vom Regierungstische aus die Sehnsucht, den gegenwärtig bewaffneten Frieden anders und billiger zu gestalten. Fraitkreich hätte ohne seme Schreier von Pro. fession. welche am Revanchegedanken ihren Unterhalt ge winnen, vielleicht schon sehr viel früher friedlich emge lmkt, aber die Macht der Maulhelden, welche immer von neuem Eitelkeit und Ruhmsucht der ehemals so.kriegerischen Nation kitzelten, ließ solches nicht zu. Erst das Ende finanziellen Könnens imd Männermangel, sowie das Schülern der auf Rußland gebauten Hoffnungen wden eine Sprache, die anfängt, lauter zu tonen wie das 3o ,ahre dauernde Revanchegekläff!
Ta das Volk, unter dessen fortwährender Bedrohung Deutschland schon seit Jahrhunderten leidet, Eich zur Vernunft zu kommeii scheint, stünde der Verwirklichung eines „machtvollen" Schiedsgerichts nichts mehr iin W:ge. Die schweren Rüstungen, welche die Schultern samtlichei
Völker Europas wund drücken, könnten erleichtert, und große Kulturausgaben, zu denen jetzt die Mittel fehlen, irxrub'CTi!
Nageln wir die Äußerungen des französischen Ministers, daß Frankreich mit der Abrüstung begonnen habe und es jetzt an den anderen Staaten sei, das weitere zu tun, fest und kommen der Sehnsucht unseres Nachbarn, der Schraube ohne Ende ein Halt zu gebieten, entgegen Der demnächst tagende Reichstag könnte sich dauernden Ruhm erwerben, wenn er den zweiten Schritt auf dem Ver- söhnungswege täte und der Menschheit „den Friedm auf Erden" gäb e. _ " •
JJolitiMjc Wrrstcht.
Lehren des Kwilccka-Prozefses.
Seit langem hat man keine solche Übereinstimmung des öffentlichen Gefühls tote jetzt berm Ausgang Kwilecka-Prozesfes gesehen. Dre von den Beru^richtern iind deit Staatsanwälten geringschätzig behandelte offent- liehe Meinung hat sich mit unwiderstehlicher Gewalt ihr Recht genommeii iind schreit fetzt ihren fubelnden Protest mit einer Leidenschaft heraus, die zunächst als Uber- treibung wirkt. Aber es geht za nicht )o sehr um die Gräfin Kwilecka als vielniehr darum, ob sich Geschworene und Publikum, Verteidiger und Presse -vmge gefallen lassen sollen, die allen diesen Faktoren in anderen Landern niemals zugemutet werden würden. Und weil suhl das Gefülil für Recht und Billigkeit überall gegen solche Be- Handlung auflehnt, weil namentlich die gesamte Pre « ohne Unterschied der Parteistellung entschieden Front niacht gegen die erwähnten und noch andere Bedenklichkeiten des Kwilecka-Prozesses, darum kann man sich schließ- lich dieser ganzen Sache auch wieder freuen. Zuletzt fre - lich werden Verstimmung und Bedauern uberwiegem Aber etwas Wichtiges wird schließlich das Ergebnis des Prozesses sein, nämlich die wachsende Überzeugung von der Notwendigkeit, am Schwurgericht festzuhalten. Solche eigentlich unglaublichen Äußerungen, wie ste der Staats- nnwalt Müller getan hat. die Behauptung, daß cm Frei- spruch das Todesurteil für die Schwurgerichte Ware, so- dann die Versicherung „unter Bnes und Siegel , daß jedes preußische Zivilgericht im Smne der Anklage urteilen würdet solche beispiellosen Anwürfe bewirken naturgemäß das Gegenteil ihrer Absichten, und jo ist es heute wohl allgemeine Überzeugung, daß wrr gerade dem Geschworenengericht dafür zu danken haben, wenn bitteres Unrecht verhütet und dafür dem tlaren Recht zum Siege verholsen werden konnte. Hundert- tausende, die sich bis dahin wenig darum bekümmert haben mögen, ob die Schwurgerichte m ihrer bisherigen Der- fasst,nq iortdauern oder durch sogenannte erweiterte Schöfsengerichte oder ähnliche Neubildungen ersetzt wer- den sollen, werden jetzt aufgeruttelt worden stiM werden jetzt erneut eingedenk geworden sein, was doch PW ein Volksgericht bedeutet, und dafür hat der staats- anwalt Müller mit den angeführten beiden Sätzen ganz
Die Revolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(38. Fortsetzung.)
Cr schüttelte den Kopf. „Ich mag die Angst nicht mehr um dich ausstehen, Mieken. Du bist rm zu schab für das Geschäft. Du mußt es dir gefallen lassen, daß ich dich in Pension setze. Ser nur ruhrg, du sollst kerne N l^rden 11
Sie warf den Kopf in den Nacken »Das fit das Wenigste", entgegnete sie, „das ist das Allerwenigst^. Und das fühl' ich in mir: um einer solchen Sache nützlich zu sein, könnt' ich auch Hunger leiden, und wenn » gar ' W arg kam', könnt' ich auch stehlen und tvurd' mrr kem Gewissen draus machen." t ., , , ., -
„Ja. ich weiß, was an dir fit, und ich habe michkemen Augenblick in dir getäuscht", sagte er lächelnd. „Aber es kormnen mir doch nun selber ernmal allerler dumme G" - danken. Dann sag' ich mir: Ist es nicht der rerne Übermut von dir, lieber Schwertfeger, daß du dich m solche Abenteuer stürz'st. Hättest du Kinder und em gluÄiches Familienleben, dann würdest du drch doch schwerlrch aus solche Sachen einlassen und würdest, wre so Mete an sm> brave und ehrenwerte Leute, die Faust rn der Tasche ballen, würdest den behäbigen Kaufmann und ^amiUen- vater spielen, würdest jährlich dein Fett und dein Geld ansetzen und schließlich geachtet und ehrenwert m dre
Grube fahren." . . ^ .. , f .
Einen Augenblick sann sie nach, dann crwwerte sw ihm: „Ja, das mag für viele andere gut und schon.fern, aber Euch, Herr Schwertfeger, kann ich mir eigentlich so gar nicht vorstellen, und Ihr würdet mir so auch weit weniger gefallen. Und da Ihr, wie Ihr sagt, doch sonst keine Pflichten gegen eine Familie habt, nun, da kann es denn doch, weiß Gott, nichts Schöneres »eben, als stck
einer guten und großen Sache zu weihen. Weiß Gott, ich selber sang' jetzt erst an, Spaß an nur selber zu kriegen, seit ich Euch Helsen darf. Früher Hab' ich wich oft genagt: ist denn das deine einzige und menschenwürdige Aufgabe auf der Welt, bis zu deinem seligen Tod deinem Mann das Essen zu kochen, die Stube anszusegen und die Hippen zu füttern."
. Das sind so Gedanken, die vielen Menschen kommen können, die eben Gedanken haben", meinte er „Und du hast ein kluges Köpfchen, Meten, und bfit Nicht wie die Masse Ja ja, du stehst hoch über denen, lehr hoch, das ernpfinde ich gerade jetzt so recht, wo du mü deiner zerschossenen Schulter da so vor Mir sitz st. Und zu diese. Masse zählen nicht nur dieFrauen deinesStandes, sondern vielleicht noch mehr die, die franzostiche Romam^ zuAlesen verstehen und die Klavier klimpern und schone Kleider an- ziehen können. Wir sind beide, du und ^ein Stückchen von den Ausnahmemenfchen. Das kann ich wohl ohne Überhebung sagen. Aber weil wir das nun find, staben wir deshalb die Verpflichtuiig, der faulen, feigen, stumpfsinnigen Bande die Kastanien aus dem Feuer zu holen oder ihre Vorsehung zu spielen? Weiß Gott, rch Hab mich beut' aefraqt: Ist auch nur em Dutzend von den Hunderten, denen du heimlich unsere Zettel ins H^us spediert hast, einen einzigen Tropfen Blut wert von dem, was aus deiuer Wunde geflossen fit? Mem liebes Mieken, tf) alaube wir spielen da eine undankbare und ^ lächerliche Rolle, ähnlich wie der tapfere Ritter Don Qmnxote, der gegen Windmühlen kämpfte. Und es wäre doch eigentlich recht schade, wenn wir, wie er schließlich für Nicht, und wieder nichts von ihren Flügeln zerichlageu wurden und kläglich im Gras zappelten. Und wenn ich s tue, du. Mieken. du bist mir zu schad' dazu."
„Sprecht nicht so. Herr Schwertfeger", sagte sie, ergriff unwillkürlich seine Hand uud^ blickte ihn lachend durch tränenfeuchte Augeu an. „Die Sache, der
dient, ist eine große und gute Sache. Das weiß ich ganz aew'ih, wenn ich auch vielleicht Wenigs genug davon ver- whe. Und wenn Leute, wie Ihr, nicht dafür mntreten wollen, wer sollte es dann wohl tun?. Sollen denn das Unrecht und die Unterdrückung so werter gehen und die großen Herren und ihr Anhang allen Rahm allein ab- schöpsen dürfen? Und wenn es auch am End die MensckEst im allgemmnen nicht wert sind, daß man ihretwegen cie Haut zu Markte trägt ich mein', der Sache wegm könnte man schon ein Übriges tun. Und schlagt es fehl und hat man keinen Dank davon, na, dann schadet s auch nix, und man hat seine Schuldigkeit getan."
An dir hat unsere Sache einen guten Anwalt', sagte er erfreut und überrascht von ihrem Eifer. „Nun, viel- leicht ist das, was ich vorhin sagte, vielleicht ßnd meme Bedenken nicht so schwer zu wägen. Es ist eine,L>tiinmnng, die so über mich kam, weil ich sehen mußt, wie es dir ergangen ist."
„Und so undankbar fit die Sache doch auch nicht, wre denkt" fuhr sie eifrig fort. „Vor zwei Tagen Hab, ich endlich unten in den Kotten, nachdem die Arbeit vorbei war, die Zettel 'neingeschmissen. Gestern morgen bm ich dann wie unabsichtlich, vorbeigegangen und Hab mal hineingeguckt. Es sind ja alles Kameraden,von meinem Mann und der Plumachers Drickes fit mein Taufpate Sie sind alle gut mit mir, und nur der Rauen Gottlieb ist ein unverschämter Kerl. Er wollte früher schon mal, eh' ich verheiratet war, mit mir gehen, aber ich kann tim nicht leiden. Ich glaub', er ist em falscher Hund. — Doch was ich sagen wollt', sie unterhielten sich grad von den Zetteln und Ihr hättet nur sehen sollen, ww sehr sie sich für die Sach' int'ressierten. Sie waren ganz F-ner und Flamme und sagten, es.Ware doch noch mn Gottlob, daß es Leute gab', die so die Wahrheit unter das Volk brächten. Wenn's drauf ankäm „, dann dürft es nicht beim Reden bleiben und dann-mußte man mal was ri»-
