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«» JahrgMI«.

Verlag: Langgasie 27.

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EBorflen-flusgabe.

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-r« Zweig -Erpr-itionen

der Nachbarorte,

und bei sämtlichen deutschen Keichsyostanstalten.

Oie driolßchmde» MlmeMrWm Stpontn.

? 5 im Dezomb-er wird der Reichstag, im Januar der preußische Landtag zusammentreten. Die Berufung des Reichstags noch im Dezember ist schon darum notrg. weil die Verlängerung des Handelsprovisormmsmit England der Genehmigung der Volksvertretung bedürfen wird Die Berufung -des Landtags in der erften Halste des Januars ist durch Gesetz vorgeschrieben. Wenn man sich in einem kurzen Überblick zu vergegenwärtigen sucht, mit welckMn Aufgaben beide Parlamente werden besaßt werden, so haftet das Interesse in erster Lime an d-en Materien, die voraussichtlich nicht zur Beschlußfassung vorgelegt werdm dürften. Der Reichstag wird kerne Militärvorlage erhalten, sondern das Qumquennat soll unverändert auf ein Jahr verlängert werdm. Das preußische Abgeordnetenhaus aber wird kerne Kanalvor- läge im Sinne der früherm Entwürfe zu beratm haben sondern nur ein Teilstück jener Vorlage, vielleicht mehrere Teilstücke, nicht aber, wie gesagt, dm ganzen, prinzrpretl wie materiell weitreichenden früherm Gesetzentwurf ferner wird der Reichstag aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in die Lage kommen, bereits über dm russtschm Handelsvertrag zu beschließen: mindestens wird der Ver­tragsentwurf nicht in dem Sesflonsabschmtt bis zu den Osterferien vereinbart werdm. Sonderlich aufregend wird auch der Finanzreformmtwurf nicht sein, den der Reichstag zu erwartm hat. Man hat bis zur Stunde nichts von tiefergreifmdm Stmerplänm gehört, sondern immer nur von einer Reihe kleiner Mittel, derm Gesamt­heit vielleicht dazu beitragm mag, dm Einzelstaaien eine etwas geringere Matrikularbeitragslast zu verschaffen. Ansckmnmd wird die Heilung der Reichsfinanzschadm von der Wirksamkeit der künftigen Handelsverträge erhofft, und diese Hoffnung mag auch keineswegs trügerisch- fern, da höhere Zölle bei unverringertem, vielmehr steigmdem Konsum selbstverständlich höhere Zolleinnohmen mit sich

bringm müssm. Soweit sich bisher übersehen läßt, wird die einzige wichtige Vorlage, bei deren Beratung d Gegensätze im Reichstage stärker hervortreten konnten, die Börsmvefovmvorlage sein. . , ■

Die Taktik der Regierung läßt sich seit Monaten dahm bestimmm, daß das Bestreben vorherrscht, Reibungen möglickßt zu vermeiden und sich auf grüe Manier zwischen den Parteien und dm Ansprüchen hindurchzuwmdm. Wre die Regierung die Reich-stagswahlm ohne besondere Ein­flußnahme, ohne ein greifbares Programm und ohne dm Versuch seiner Durchsetzung vorubergehm ließ, so hat sie es a<ud> bei dm Landtagswahlen gehalten. Nichts von behördlichem Druck, nichts von einer deutlich erflmnbarm Politik, für die sich die Regierung nun etwa klug vor- schend die Hülfen und Stützen zu verschaffen gesucht hätte. Das klingt nach erfreulicher Objektivität, aber m Wahrheit ist es das Zeugnis dafür, daß die langatmige Energie fehlt, mit der feste, für das Gemeinwohl als un­bedingt notwendig erkannte Forderungen durchzusetzen wärm. Diesen Eindruck hat man in erster Reihe von der vielleicht klugen, aber wenig impomermdm Kanalpolitil der Regierung. Es ist kaum noch ein Zweifel daran, daß der Mittellandkanal zunächst nicht gefordert werden >oll, daß sich Graf Bülow damit begnügen wird, die Ver­bindung des Dortmund-Emskanals mit dem Rhein und die Hinzufügunq einer Wasserstraße von Dortmund bis ungefähr nach Braunschweig hin zu verlangen. Gewiß, gerade die Sonderbarkeit des Planes enthalt eine Bürg­schaft dafür, daß er seine Fortsetzung bereits tn sich chiwßt Das Schlußstück des Kanals von Braunschweig bis zur Elbe wird eines Tages so sicher Nachfolgen, wie es sicher ist, daß solche Wirtschastssragen ihre zwingende Logik in sich haben. Aber, wie gesagt, überwältigend ist diese Polflik nicht. Sie mag auf Umwegen zum Ziele führen, iiidessm zeigt sie den Konservativen allzu deutlich, daß man sie fürchtet, daß man sich nicht die Kraft zutraut, es in offenem Kampfe mit ihnen aufzunehmm.

Auch im Reichstage dürfte das Lavierm dem gradm Kurse vorgezogen werden. Man hat keine ailfregenden Sessionen zu erwartm, vielmehr keine krismartigm Zu­spitzungen. Dies wird selbstverständlich nickst aus- schließen, daß es in dm Beratungen selber leidenschaftliche Momente genug gebm kann. Nammtlich die Beratung des Militäretats wird von so manchem Sturme begleitet sein, wofür nebm dm häßlichen Prozessen wegm Soldaten­mißhandlungen das Urteil über Hüssmer, das Heidel­berger Urteil übm vier mmtemde Soldatm und n-ament- lich der Prozeß Bilse hinreichend sorgen werdm. Slber ihren Charakter wird die Session nicht von diesm Dingen empfangen, sondem von der Fernhaltung gefährlicher Zündstoffe durch dm Entschluß der Regierung, die eben Vorlagen, bei betten ein Brand entstehen könnte, nicht einbringm wird. _

Politische Übersicht.

Die italienischen Kammern

sind aus den 1. Dezember einberufen, um. wie es in der amtlichen Verkündigung heißt, „Mitteilungen der Regie. rung entgegen zu nehmen/' Ms dahm durfte sich wohl, der Premier Giolitti schlüssig gemacht haben, wm er dmn eigentlich an Stelle des aus dem Leben geschiedenen Rosano in das Kabinett als Finanzminister aufüehmen will. Vorläufig steht nur das eine fest, daß es ern Neapolitaner sein muß, damit die s-nd-italiener sich nicht noch mehr erregen. In den parlamentarischen KwiM herrscht dagegen Ruhe, und zwar deshalb, weil dm Depu­tierte Enrieo Ferri sich in dem gegen ihn von dem früherm Marineminister Bettolo angestrengten Verlmandungs. Prozesse zu verantworten hat. Die Verhandlungen^ m demselben lassm Wrigens schon jcht erkmnm, kmß er schwerlich einer Verurteilung entgehen wird denn bisher konnte Ferri gegen die persönliche Ehrenhaftigkeit Bettolos nicht das geringste Vorbringen, geschweige denn beweisen.

Englands Kriegsbereitschaft.

Der frühere Generalissimus der mglischm Armee, „Großbritanniens einziger Soldat", wie man den Sieger von Tel-el-Kebir zu nennen Pflegt, läßt sich m seinen so­eben mschimenm Memoiren folgendermaßen aus: „Eng­land ist auf keinen Krieg vorbmeitet und wird es msmals sein: alle Militärs ohne Ausnahmen wissm das. Hfl ge- wohnlichen Zeiten lassen tnilitärffche Fragen die englischen Regierungeii absolut kalt iind eine plainnahige Borbe- rcitiing für den Krieg erscheint bei unserem parlainmtari- sthen System ganz unmöglich!" Das steht zwar m Widerspruch mit sonstigen Llußerungm Lord Wolseleys, der, wmü es ihm gerade paßte, dm Mund nicht voll genug zu nehmen wußte, um die glorreiche britische Armee und Englands unübertreffliche Wehrkraft öfl Preisen, ent- wricht jedoch durchaus den Taffachen. Er- steht auch Nicht zu erwarten, daß in absehbarer Zeit in diesen Zustanden eine Änderung eintritt. — Für dw nächsten GenerÄ- wählen zum Parlament, dre voraussichtlich m 1904 statt- findeii werden, wollen die Arbeiter in Laneashnre nun Kandidaten ausstellen, die für das Wahlrecht der Frauen! eintreten. Diese Bewegung zieht immer wertere Kreise.

Deutsche Schulpolitik in den Vereinigten Staaten.

In dem Programm, das sich der Deutsche National- Hund in den Vereinigten Staaten für seine Arbeit zur Er- Haltung deutschen Wesens in Nord-Amerika aufgestellt Haff ist der wichtigste Punkt: die Unterstützung und Forderung deutscher Schulen. Für diesen Zweck hat der National, bund die Gründung eines Schulfonds beMossen, Er me Mittel aufbringen soll, um deutsche Schulen, wo sie fehlen.

Feuilleton.

Fand und Feilte in Panama.

Bilder aus der jüngsten Republik.

Von vr. Rudolf Figulus.

Durch den Austritt des bisherigen Departements Panama aus der kolumbischen Gesamtrepublik ist die Welt ohne einen Schwertstreich um ein neues Staats- wesen reicher geworden, das zwar weder durch seinen Um- fang, noch durch seine Einwohnerzahl Hervorragend ist, wegen seiner Lage an einem der wichtigsten Punkte des Welthandelsverkehrs aber während der wenig mehr als 100 Jahre, die seit der Entdeckung dieses Landstriche» verflossen sind, immer ein begehrenswertes Objekt der im amerikanischen Jnteressenkreffe rivalisierenden Machte

gewesen ist. ^ t

Daß das Ländchen, das auf einer Bodenflache von 82 600 Quadratkilometer nur wenig mehr als 300 000 Einwohner zählt, das Band der Zugehörigkeit zu seinem Dkutterlande Kolumbien, oder xvit es früher genannt wurde, Neu-Granada, gelöst hat, würde als nacktes staats­rechtliches Faktum betrachtet in der abwechselungsreichen Geschichte der süd- und mittelamerikanischen Republiken kein besonders hervorragendes Ereignis bilden, weil es schon früher wiederholt eine staatliche Sonderexistenz ge­führt hat. Die nunmehr erfolgte Losreißung, die schon nach wenigen Tagen von der Regierung der mächtigen, nordamerikanischen Union anerkannt wurde und von allen anderen Staaten des Erdballs erst recht nicht bean­standet werden wird, darf in ihrer ungeheuren Bedeu­tung für die Zukunft aber nicht unterschätzt werden, weil nunmehr der völlige Ausbau des im Jahre 1889 so schmäh­lich verkrachten Panamakanals durch die Negierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika nun endgültig sicheraestellt ist. Hiermit kommt aber nicht nur ein lange geplantes und in Angriff genommenes Kulturwerk zur Ausführung, dessen Bedeutung für die Umgestaltung der Wege des internationalen Seeverkehrs nur Mit dem Suezkanal verglichen werden kann. Es zeigt sich hierbei vielmehr auch so deutlich wie noch nie zuvor das unge­

heure politische Schwergewicht der nordamerikanischen

Union, die nicht nur der oft genannten Monroedoktrin überall Anerkennung zu verschaffen gewußt hat, sondern auch auf die romanischen Republiken der neuen Welt e,nen unwiderstehlichen Druck ausübt.

Der Isthmus von Panama steht, wie schon gesagt, heute nicht zum erstenmal im Vordergründe des Inter­esses. An jenem denkwürdigen 28. September 1513, an dem Basco Nunez von Balboa vom niedrigen Rücken der Kordilleren als erster Europäer auf die Fluten des stillen Ozeans hinausschante, uw sodann unter dem Jubel seiner Waffengefährten in voller Rüstung mit gezücktem Schwerte in das Meer hinauszuschreiten, das er „aut ewige Zeiten für die Krone Kastiliens und Leons in Be­sitz nehme", war der Weg zum heißerstrebten Eldorado, zum Goldlande Peru, entdeckt. Mit dem Augenblick, wo der Plan der Konquistadoren Pizarro, Almagno und Hernando de Luque, das Reich der Inka dem spanischen Machtgebote zu unterwerfen, gelungen war, begann das schnelle Aufblühen des Ortes Panama, der etwa drei Leguas von der heutigen Stadt dieses Namens lag und schon im Jahre 1521 von Karl V. Stadtrechte erhielt.

Der Gedanke, den an dieser Stelle — in Luftlinie gemessen — nur 60 Kilometer breiten Isthmus durch einen Kanal zu durchstechen, wurde schon damals lebhaft ventiliert. Die Ratgeber des Monarchen, in dessen Landen die Sonne nicht unterging, waren sich jedoch über die Grenzen des technischen und finanziellen Könnens lener Zeiten mehr im klaren als der berühmte Lesseps und seine Ingenieure, die den erforderlichen Aufwand ber einer Erdbewegung von 75 Millionen Kubikmeter mit 843 Millionen Frank viel zu niedrig einschätzten. Pascnal >be Andagvy schrüeb damals in einem Gutachten an seinen Kaiser: „Kein Fürst der Welt ist imstande, die Kosten eines Unternehmens dieser Art zu bezahlen, und nur ein Mann ohne Kenntnis des Landes hat Ew. Maiestat solchen Plan anraten können."

Der Kanal blieb also vernünftiger Weise damals un gebaut. Die Ruinen einer glänzenden Vergangenheit, die Zeugen von verschwundener Pracht, auf die wir bei einem Rundgang über das Gebiet der alten Stadt stoßen, rühren aber aus den nächsten anderthalb Jahrhunderten her, rn

denen die mit dem Blute der bedauernswerten Jndia- ner des Isthmus erbaute Stadt der Stapelplatz für alle Reichtümer der amerikanischen Westküste nmrde, von dem ans diese Schätze auf einer gepflasterten Kunststraß« nach dem an der atlantischen Küste gelegenen Hasenorr Puerto Bcllo transportiert wurden, der -damals die Be­deutung des heutigen Colon (Aspinwall) hatte.

Das Jahr 1669 stürzte Panama von seiner stolzen Höhe. Nachdem der berühmteste aller Flibustier, Sir Henry Morgan, ein Jahr vorher zum sprachlosen Er- staunen des Statthalters, Don Perez de Guzman, Puerto Vello zerstört, bereitete er 1660 der Stadt Panama das gleiche Schicksal. Obwohl die Spanier ihre kostbarsten Schätze auf ihren Schiffen in Sicherheit gebracht hatten, führte Morgan nicht weniger als 175 Maultierlasten an Gold, Silber und anderen kostbaren Waren fort. Am Befehl des Königs, der die Verlegung der Stadt anord­nete und keine Kosten gespart wissen wollte, um den Hafen unangreifbar zu machen, entstand nun das neue Panama. Man legte so ungeheuer starke Festungswerke an, daß der Rat von Indien wörtlich ansragte, ob man denn die Mauern des neuen Ortes von Gold und Selber bauen wolle. Man legte die Stadt aber auch, um sie gegen ied« Überrumpelung zu sichern, auf einer Halbinsel an, dre anr allen dem Meere zugewandten Seiten von einem breiten Gürtel von Korallenriffen umgeben ist, und deshaw — ein großer Nachteil für die Entwickelung der Stadt — nur kleineren Seeschiffen zugänglich ist.

Dieses neue Panama hat deshalb auch nie jene golde­nen Tage gesehen, die seinem Vorgänger beschieden waren- Innerhalb von 50 Jahren dreimal fast gänzlich durch Feuersbrünste zerstört, war es zurzeit, als hier im 1825 der Generalkongreß sämtlicher südamerikanischen Republiken tagte, die in den vorangegangenen Jahrzehn­ten das spanische Joch abgeschüttelt hatten, zu einem un­bedeutenden Schmutzneste herabgesunken, das Pch erst wieder zu heben begann, als man -den Bau der 1865 ex* öffneten Bahn über den Isthmus in Angriff nahm. Noch lebhafter wurde es in seinen Mauern, als die Franzosen im Jahre 1881 den Kanalbau begannen, -r-er Stillstand dieser Arbeiten führte natürlich einen neuerlichen Ruck- gang der Stadt herbei, der jetzt allerdings, wo das Ge-