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Erschein! m zwei Ausgabe». — Be»ugS-Prei«: durch den Verlag SO Pfg. manatkch, durch du Potz s Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Lerlag: Langgasie 27.

A«zeige«-Prei»r Die einspaltige Pctitzeilc für lokale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige..Anzerge» 2-, Pfg. - ReNamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

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Das neue Abgeordnetenhaus.

,Non unserem Berliner p-K o r r e f p o n b e n 1 e N.1

1 Berlin, 22. November.

Tvs jetzt vollständig vorliegende Ergebnis der Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause entspricht

2 genau den Schlußfolgerungen, die bereits aus d?m Ausfall der Urwahlen gezogen worden stnd. Eme Neine Änderung gegenüber dem vermuteten Ergebnis hat

mJeS. «B di- WOTattoc P°rB,»m»«r Mandats stärker und das Zentrum um drei Mandate schwächer geworden ist. Im folgenden geben wir eine tabellarische Übersicht der Parteigruppierung im neuen unb im alten Abgeordnetenhanse:

^ Partei' . jetzige Stärke- bisher. Starke-.

Konservative Partei . . 1^8 14

Zentrum ....... »7 iw

Nationalliberale Partei . 79 75

Freikonservative Partei . 54 av

Freisinnige Volkspartei

Pölert.

Freisinnige Vereinigung Bund der Landwirte . Antisemiten .... Dänen ..... Wilde

23

13

8

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2

2

6

25

>13

10

1

1

2

4

bedürfnis. Wie verlautet, wird denn auch erwogen, keinen festen Aufenthalt m Süden zu nehmen, sondern die Erholungszeit auf der „Hohenzollern" zuzubrmgen, die hiernach einige Wochen inr Mittelmeer kreuzen wurde Indessen ist noch nichts Festes bestimmt, auch nicht über den Reisetermin, nicht einmal über die Reise selbst, die möglichenfalls doch noch unterbleibt. Daß der Kaiser die Eröffnung des Reichstags persöiilich vornehmen sollte, stt nicht als wahrscheinlich anznsehen. Zwar wird vevstchen, daß sein körperlicher Zustand kem Hindernis bilden würde, aber es ist andererseits erklärlich, wenn dw Kaiser sich nach dieser Richtung hin aus eigener Entschließung Schonung auferlegt.

Vom russischen Handelsvertrag.

Die in Berlin geführten Verhandlungen, betreffend den russischen Handelsvertrag, sind, wie wir erfahren, bis» her über die Erledigung der Formalien kaum hinaus­gediehen. Es ist ibegfrtt verfrüht,' wenn, wie es hier und oiv» „streuasmuim , luimu.*»«-» ^ i da geschieht, den Beratungen ein günstiges Prognostnon

sie glaube „nicht, daß die staatserhaltenden Elemente des ^ rb _ Allerdings ist die Stimmung m den unter-

preußischen Volkes jetzt eine Beseitigung des Dreiklassen- £. Krisen derartig, daß ein positives Ergebnis der

J " .bo- I Verhandlungen erwartet werden kann, aber man hat mit

einem längeren Zeitraum der Besprechungen zu rechnen, und kritische Punkte, deren Überwindung Schwierigkeiten bereiten dürste, sind nicht ausgeschlossen. Zunächst haben sich die beiderseitigen Delegierten zu strenger Geheim- Haltung der Beratungen verpflichten müssen.

»« m n l<N ._ln A I weiterer Antisemit kommt, steht der Verlust 'der Frei-

konsewativen um 4 und des Zentrums um 3 Stimmen WimMVsmum* rnrvwm d, - gegmübor. Der Gewinn der nationalliberalen Partei ist

ebenso groß wie der Verlust der beiden freisinnigen sßflEtcictt.

Während die konservativ-klerikale Mehrheit rm neuen Mgeordnetenhause mit Einschluß der dazu gehörigen Wilden 306 Stimmen beträgt, ist es den beiden konser­vativen Parteien nicht gelungen, für sich allem eme Me f - heit zu erhalten. Diese zählen mit. den Bundlern und Antisemiten und den zur Rechten gehörenden Wilden 209 Stimmen, so daß ihnen freilich nur noch 8 stimmen zu absoluten Mchrheit fehlen. Angesichts der starken kon­servativ-klerikalen Mehrheit sind die Aussichten für die Kanalvorlage als außerordentlich ungünstig \ju bezeichnen und noch schwächer ist die Aussicht auf die Derwirtlichung der angestrebten Reform des Treiklassenwahlrechts. .

Dies drückt auch das Organ der konsewativen Partei, die. „Kreuzzeitung", rückhaltslos aus, indem ste erklärt.

433 433

Von den Wilden gehören 3 zur Rechten während von dm beiden anderen der eine sich als wildliberal und der andere als wildsreisinnig bezeichnet. Völlig ausgefallen ist bei dm Wahlen die Sozialdemokratie, die so ruhm­redig ihre zweifellosen Erfolge rm voraus wwkundst batte. Aber die Wahlen haben eiii völliges Fiasko der Sozialdemokratie ergeben, die in keinem emzigm Walst- lreise tu die Stichwahl kam und nur tu ^ Wahlkreisen, in Cliarlottenburq-Teltow, Breslau und Bielefeld-Her­ford einen Einfluß auf den Ausfall der Wahlen zu ubm vermochte. Die Sozialdemokratie hat diesen ihren Ein­fluß dazu verwandt, sich der Stimme zu enthalten un^ dadurch den Kandidaten der Rechten, bezw. des Zentrums zum Siege zu verhelfen. >;M übrigen bat die Sozial­demokratie ihrer Verärgerung über den Mißerfolg bet den Wahlen dadurch bcu denkbar unwürdigst en Ausdruckge- qebm, daß sie verschiedentlich den Wahlakt durch die rück­sichtsloseste Oppositionstaktik in die Lange zu ziehen oder

P An^den'Mchvheitsverhältnissm im neuen Hause hat sich so gut wie nichts geändert. Die absolute Majorität beträgt im Abgeordnetmhause 217 Summen. Dw beiden konservativen Parteien verfugen aljo dem Zentrum nach wie vor über eine außerordentlich starte Maforitat, und zwar über eine ebmso große wie tm alten Wge- crdnetenhause, denn dem Zuwachs der Konservativen um 4 Stimmen, wozu noch ein werterer Bum-ler uni enr

svstems wünschen." Uber das neue Abgeordnetenhaus be­merkt das Blatt, „daß bei verständnisvollem Zusammen­arbeiten der Regierung mit den konservativen Parteien seiner Tätigkeit ein glücklicher Erfolg gesichert sei. Daß unter diesem „verständnisvollen Zusammenarbeiten der Verzicht auf die Kanalvorlage verstanden werden soll, bringt das Organ des Bundes der.Landwirte, -ne D Tag -Ztg.", deutlich zum Ausdruck, indem ste erklärt, daß der Ausfall der Wahlen ein Votum gegen die Kanal- Vorlage bedmte. Das Organ des Zentrums, die „Germ. , meint, daß die Regierung aus dem Stege der konfewativ- klerikalen Mehrheit „die naheliegenden Nutzmiwendungen ziehen" müsse. Unter dieser Nutzanwendung ist offenbar ein konfessionelles Schulgesetz zu verstehen. Die rwtional- liberalen und freisinnigen Organe betonen insbesondere, daß die HoMung ans eine Reform des Wahlrechts vw- zweifelt schwach geworden sei, und das sozialdemokrakstche Zentralorgan tröstet sich endlich mit dem kuriosen Trost, daß die Sozialdemokratie „Anfklarungswahlen geleistet habe._ Mlll —

Politische Übersicht.

Der Kaiser.

-Die Mitteilung einer Potsdamer Korrespondenz, daß der Kaiser m der „nächsten Zeit" eine Reise nach dem Südeii antreten werde, hat rm Publikum eme gewiste Unruhe erregt. Es ist demgegenüber eine angenehme Pflicht, nach eingezogenen Erkundigungeil an vorzüglich unterrichteter Stelle zu versichern, daß,, zu irgendwelchen Besorgnissen kein Anlaß vorliegt. Die Arzte smd nnt dem Fortschritt der Heilung zufrieden, und wenn der Kaiser, was noch keineswegs feststeht, nach Neufabr em südliches Klima aufsuchen sollte, so, wurde es nicht sowohl m Be­folgung dringender ärztlicher Anordnungen geschehen, sondern auä einem an und für sich begreiflichen Erholungs-

Denlsches Reich.

* Hof. und Personal-Nachrichten, Am Geburtstage der Kaiserin Friedrich erschien der Kaiser und die Kaiserin um 12»/, Uhr, zu Fuß vom Neuen Palars kommend,, rm Mausoleum, wo sie am Sarkophage der Kaiserin Friedrich einen Kranz aus Lorbeeren und weißen Rosen niederlegten. Prinz Joachim und die Prinzessin Viktoria >rterni EukettS

Kronprinz von Sachsen ist in Wien, auf der Durchreise in strengstem Jncognito eingetrosfen und nn Hotel Imperial abgestiegen. Nach kurzem Aufenthalt reiste er nach dem

Süden weiter. ►'.— ' " ^

* Zum Börsengesetz. Der „B. L.-A." will «tssen. die Börsennovelle werde dem Reichstag alsbald zu Beginn der Session zugehen. Sie setze fest, daß ein ausdrückliches Schuldanerkenntnis auch bet Börsen- termingeschäften, sowie bestellten Sicherheiten rechtsw-rrk. sam sei. Das ans den 88 80 und 66 des BörsengesetzeÄ und 8 764 des Bürgerlichen Gesetzbuches hergelertete Recht, die Erfüllung einer Verbindlichkeit zu verweigern, werde auf 6 Monate begrenzt. Börsentermingeschäste können jene, nickt in das Bvrsenregister eingetragene Personen rechtswirksam abschtießen, die berufsmäßig Börsen- oder Bankiergeschüfte betreiben oder zum Börsenbesuche zuge. lassen oder als Kaufleute in das Handelsregister emge- tragen sind, doch solle diesen Personen nur der Einwand der mangelnden Eintragung in das Börsenregtster ge- nommen, ihnen aber bei Nichteintragung das Klagerecht nickt gegeben werden. Als börsenmätzige Termingeschäfte sollen nickt gelten Zeit- oder Lieferungsgeschafte, welche

Die Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(34. Fortsetzung.)

Gottfried schob dein Hausierer den Tabakskasten hm, damit er sich seine Pfeife stopft' und Omram besorg , das mit Ernst und Gründlichkest Mtt Bchagen horte er des Studenten Lobspruch an über den schonen Porzellan- kopf, der sein Rauchgerät verziere. Der tm Kronungs- ornat darauf dargestellte König sei wirklich em ..te s stück der Pfeifenkopfsmalerei."

Er hätte der Köpfe ein halbes Dutzend, erklärte Oberam mit pfiffigem Lächelii. Wie der König oft ite verschiedensten Uniformen anlege, um irgend em Regrmenl oder sonst jemariden zu ehren, so wechsele er seme Pfetfen- köpfe. Wolle er ein Geschäft mit einem kontgltchen, Be- amten, wie eben nnt dem Land rat mach en, oder nnt ernem patriotischen Mitbürger, dann stecke er den Komg oder den Marschall Vorwärts oder auch wohl mal dte Königin Luise auf. Käme er zu einem Jäger, so prange ern schauer Hirschkopf auf seiner Pfeife, und suche, er emen alten Junggesellen heim, so habe, er eine Komatn Klejopatra, dte sich> leichtsinnigerweise eine Schlange an die Brust halte, oder die Sitsanne im Bade bereit. Die letztere sei besonders schön und haben sich famos angeraucht, und ost sei es schoit vorgekommen, daß er so etn Mädchen mtt

Vorteil verkauft habe. „ „ r ,,

„Ihr seid eilt gerissener Onkel, Herr Oberain , lobte ihn der Student, „aber wenn Ihr mir nt einer verzwick­ten Anqeleaenheit einen brauchbareit Rat erteilen tonntet, dann verdientet Ihr, als berühmter Weiser, selbst,, aus einen Pfeifenkops gemalt zu werden." Und nun erzählte er dem Händler die Wettgeschichte mit dem Referendar.

Oberam kitzelte mit dem Mundstück seiner Pferfe nach­denklich an seiner roten Nase herum und meinte dann:

„Hm, hineingelegt mutz dieser Schnüffel unter allen Um­standen werden — und hereingelegt wird er auch. , Pur über das „Wie" sind sich die Gelehrten noch nicht etmg.

Er ließ sich von Gottfried zur Baumschttle fuhren, be­sah sich mit großer Mißbilligung den Smaden und hrÄt eine Rede über den himmelschreienden Skandal, daß„sich der preußische Untertaii so was gefallen lassen wuffe. Dann schritt er die Hecke ab und betrach-ete den unteren Teil mit kundigen Blicken.

„Sehen Sie, Herr Hülskamp", sagte er stehen bleibend und auf eine kleine Lucke dcutmd; "dieses Loch würde der Jägcrsmanit als etnen sogenannten Wechset an­sprechen. Unsereins aber sagt passender: hier krupen sie durch Und da es ihnen gewiß geschmeckt hat, werden ste hier noch öfter durchkrupen.. Den Umstand muß man be- nutzen, um sie als „dtejentgen welche vor aller Wett kenntlich zu machen. Ich war' schon der rechte, Mmin dazu, wenn Ihr Euch nicht genieren wurdet, metn« Be­mühungen mit zwei Talern Preuß sch Kourant zu be-

„Wenn Ihr sorgt, daß ich meine Wette gewinne, leg' ich noch ein paar Kastemäimchen dazu", erklärte Gottfried „Aber es darf nichts llngesetzliches dabet geschehen, metnes

Oheim wegen." . ^

„Hm, 'neu Hasen zu fangen und ihn wieder laufen zu lassen ist am Ende fetu Verbrechen Aber besser ist es sch>on man befummelt die Sache ttt aller Heimlichkeit. Wte ich diese Schinöser (Schindäser) kenne, besorgen sie ihr Schädlingsgeschäst vorwiegend m der Nacht wenn sie hier von keinem Arbeiter gestört werden. Glaubt ^hr, daß ich hier 'ne halbe Stunde nach Dunkelheitsanbruch und ne halbe Stund' vor Tag ungeschen mein Geschäft verrtch^tetl

Gewiß. Um die Zeit denkt natürlich kein Mensch daran, sich in diesem entfernten Teil der Anlagen zu er- gehm, und den Hund will ich schon festbalten.

„Urn so besser. Denn ich muß mir da mit^ein paar Schlingen trnd ein paar Töpfen zu tun machen.'

„Zum Donnerwetter, Ihr wollt sie doch nicht

ströppen?" _ u

„Beruhigt Euch, es geschieht ihnen,kem Schaden, und sie sollen so fidel davon huppen, als kriegten sie s bezahlt. Laßt mich nur machen! Und bei der Treibjagd, die der Freiherr nächste Woche abhatten will, sollt Hhr Eure Wette so glänzend gewinnen, wie noch me em Mensch ne Wette gewonnen hat. Hihihihi! Und der hochgestochene Herr von Kleibach, der wird Augen machen, der wird Augen machen."

„Nur darf, wie gesagt, dein Hause meines,Ohms.keine Unannehmlichkeit daraus erw'achsen, das ist die Be- dingung."

„Nee, beruhigt Euch. Der Freiherr von Peitersbrotch lacht sich zuguterletzt kaput über die Geschuhte, und wenn der lacht, — und wie ich ihn kenn, w i r d er lachen, -~ dann ist alles in Ordnung, wenn auch der Referenbarms fein schäbigstes Gesicht dazu aufsetzt."

Bald daraus machte er sich aus den Heimweg, nach, dem er noch mit besonderer Sorgfalt tu dte , unterste Tasche seines gestrickten Wamses, das er unter semmr ge­treuen Leinenkittel trug, einen Briet, Gottfrieds an Schwcrtfeger untergebracht hatte. Seme, vergnügten Äuglein hatten nie so listig gezwtiikert wie fetzt, und em ausnehmend lustiger Gedanke schien ihn ganz zu be- herrschen Er empfand es kaum, daß ihm etn scharfer Ostwind ins Gesicht blies und daß sich ein plötzliches Schneegestöber bemühte, ihm unangenehm zu werden. Er passte vergnügt vor sich hin, und oft nahm er ferne Pfeife aus dem Munde und lachte sich eins,.so daß ihn ern Unbefangener für närrisch oder betrunken hätte haltm können.

(Fortsetzung folgt.)