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J Zn jedem aanze» Werk gehöre ein ganzer Manu. »
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(55. Fortsetzung.)
Eva Keorri.
Roman von Marie Bernhard.
„In die er offenbar kein Jota vergebt ist, und er müßte ein wahres Meerwunder von einem Manne fern, jpetut er das fertig brächte! Me Zeit, da die Männer ihre Gattinnen wie hilflose Püppchen sehen wollten, die nur am Stickrahmen, am Kochtopf, allenfalls in der Kinderstube, selbständiges Leben gewannen, sind vorüber mü> kommen hoffentlich nie wieder. Me vielen bedeutenden, selbsttätigen, selbstschöpferischen Frauen von heutzutage müssen selbst den, Skeptiker auf diesem Gebiet Achtung abnötigen, gleichviel, ob er für sich selbst eme solche Frcru begehrt oder nicht. Die Anforderungen sino gewachsen, niemand, der sich nicht taub und blind stellt, kann sich den langsamen und stetigen Fortschritten der Frauenfrage verschließen. — Ich kenne Ehen, in denen die Frau ihres Gatten treue Helferin und Mitarbeiterin auf geisttgem Gebiete ist, und schon unser reges geselliges Leben bedingt es, daß ein Weib seinen Horizont erweitern und über das, was sich innerhalb seiner vier Wände begibt, hinausschauen mutz. Immer aber muß und wird jedm echten Mann die Frau zurückstoßen, die seiner nicht bedarf, die fertig und selbständig in einem Beruf, der bis vor kurzem noch ganz allein männliche Domäne war, dasteht und sich mit dem Bewußtsein brüstel. keinen andern zu brauchen, Liebe, Familienleben, Stühe, Rat, Hilfe, alles entbehren zu können, worauf die Natur die Frau zum großen Teil angewiesen hat, und bie ein Mann, der seine Gattin liebt, ihr gern gewährt, ja die einen Hauptbestandteil seines Gefühls für sie bilden. — Ich erwerbe, — ich arbeite, — ich baue das Haus,—- ich gewähre den Schutz gegen Anfeindungen und Widerwärtigkeiten, — ich rnngebe dich mit Liebe und Sorge, . . . . . nun zieh' du ein mit deiner ganzen Anmut und lieblichen Zärtlichkeit, schmücke mein Leben mit deinem Geiste und deni Reize deines Wesens, halte dich fest an mich und komm' zu
mir, sobald dich etwas drückt!-So. und immer so
habe ich wahrhaft glückliche Ehen gefunden, Ehen, in denen die Frau neben ihrem Manne stand, viel gab und die' empfing und nicht allein die Haushälterin, sondern auch die geistige Gefährtin ihres Gatten war. — Wie aber denken Sie sich nun eine Ebe, die Doktor Langenfeldt mit vr. Ahrenz „nach gegenseitigem Übereinkommen" schließen würde? HauSstandssorgen wird sich Doktor Langenfeldt selbstredend nie machen, dazu schätzt sie dieselben zu gering, dazu ist sie zu klug, auch zu sehr beschäftigt, sie muß ja Präparate in Spiiitus sehen, chemische Untersuchungen anstellen, Rezepte schreiben, mit einem Wort, ihrem Beruf nachgehen, einem Beruf, der jede freie Wahl der Zeit ausschließt, der unerbittlich seinen Jünger für sich fordert! Ich habe bie Frau eines Arztes oft be- wundert, stets bedauert, da sie, wenn ihr Gatte, wie sie es doch wünschen muß, Beschäftigung hat, auf die schönsten Freudei: des ehelichen Zusammenlebens zu Verzichter: hat.
. . . . wenn sich aber ein Arzt und ein weiblicher Doktor
zun: Bunde fürs Leben vereinigen, so finde :ch ^ dies als ein lächerliches Unding, das jedm anderm Titel: Kanie- radschaft, kollegialisches Wirken, geistige Verbrüderung, nur nicht dm Ramm Ehe verdient!" ,
— — Vernon hatte sich warm gesprochen, und ich sann "kill seinen Worten nach und sprach, wie immer, sobald mich irgmd etwas innerlich lebhaft beschäftrgle, kerne Silbe. Nach richtiger Frcmeirmcmrer würbe rch in mernen Gedanken bald persönlich und ging von dem soeben er- läutertm Thema zu demjenigen über, der es behandelt hatte. — Wenn Vernon so über Glück und Ebe dachte, mußte er selbst doch entschiedm glücklich verheiratet fern; wie aber kam es denn, daß er nie von ferner Gattrn prach?- „ ,, -.
Wir kehrten erst mit Einbruch der Dunkelheit nach der Villa zurück, wo Hannah rnich bereits ungeduldig erwartete. Beim Abendessen, das wir auf der Terrasse ein- nahmen, verkehrte Doktor Langenfeldt unbefangen mit mir, als wäre nichts vorgefallen,. und vermied es. mw Vernon anzureden, wofür dieser rin freundliches Zachem zeigte. Offenbar gab der Doktor mich al' Verstichsobjett für seine Nützlichkeitstheorim noch nicht gäpzlrch auf. Doch bewegte sich unser Gespräch auf ungefährlichen Bahnen. Hannah erzählte einiges von Krakau und ihrem dortigen Aufenthalt und ließ sich durch ab und zu ernge- strmte brüske Zwischmfragen der neuen Hausgmossrn nicht im mindesten beirren. Dies trug chr bei Aufhebung der Tafel einm Händedruck, unter dem rhr Gesicht sich schmerzhaft zog, und die Äußerung ein: „Frau Bertram, Sie gefallen mir!" worauf Hannah ein erstauntes: „>ht es möglich?" erwiderte und in chrm ehrlichen Auge» dmtlich das Bekenntnis blickm ließ, daß dies Wohl gefallm keineswegs gegmseitig sei.
Vernon ging gleich nach Tisch in serne Wohnung, wir saßm noch eine Weile in einsilbigem Gespräch berern- ander, ich löschte die Lampen aus und starrte regungslos irr die Höhe. Der nachtdunkle Augufchimmel war mrt zahllosen Goldflittem wie besäet, und oft fuhr ein langer Feilerstreifen d'rüber weg, — eine Sternschnuppe! lln- bestimmte Hoffnungen und Gedanken zogm durch meine Seele, und als nun plötzlich mein kleines, geliebtes Schlummerlied durch die fülle Sommernacht zu mir her- niederschwebte, da schloß ich meine Augm, die voller Tränm standen, und ließ die süße, einfache Melodie an meinem Herzen füll vorüberziehm. — Als sie verklungen war fragte mich die Helle, markierte Stirnme an merner Seite: „Nun, was dachten Sie sich dabei?" Und ich stand, ohne ein Wort zu erwidern, auf und ging ins Haus
^^Kein, gottlob, nein! Ich war nicht bloß eine große Puppe, die essm, trinkm, schlafm, reden und lachen konnte! Was wußte diese fremde Person um mein Jnnen- leben, meirr Fühlm und Denken, — was sollte sie davon wissen? Sie hatte ein elegant rrnd modern gekleidetes junges Mädchen gesehen, das an eurem Brautschleier stickte und nicht beim ersten Gespräch mit wissenschaftlichm Brocken um sich warf und mit erworbenen Kenntnissm prahlte. Folglich hatte sie gedacht, besagtes junges Mädchm müsse notwendigerweise ein Gänschen sein, hoh. und oberflächlich, ohne Trieb zum Lernen, ohne jedes höhere Interesse. Dem Himmel sei Dank, daß dem nrch so war Ich wußte recht gut, wieviel mir noch fehlte, wie
mancherlei ich noch zu lernen hatte; aber 'fh wollte letzt auch gerne wieder lernen, wenn auch nicht nach vee „Methode", nach dern „Programm" merner Großmuttnll Meine krankhafte Scherr vor de,: Büchern, vor den Wissenschaften war gewichen, rch bereute e, letzt, rem m»- ziges, gediegenes Werk hierher mitgenommen zu haben, und ich hatte Hannah gebeten, mir ewige Buch«r au» Leipzig zu verschreiben: ein gutes Nmurgeschrchtsw ,
Häussers Geschichte der französischen Revolution, ' Völkerkunde, — dazwischen auch ern paar neuerschrenen« Romane von bedeutenden Autoren. Ich hatte dies all« mit Vernon besprochen, und er hatte rnern Borhaben g billigt und mich zur baldigen Ausführung ^selben lew Haft ermuntert. Das eine Gute hatte Doktor Lan^nfeldts Anwesenheit gehabt; sie hatte Vernon rn fernem^Benchwen mir gegenüber unglaublich zum Vorteil verändert. “5 mehr von kapriziösem Wesen, nichts mehr von stunden- langem Stillschweigen und plötzlich umspnngendw Stimmungen! Er behandelte mich ganz anders ww stüher, weit rücksichtsvoller, liebenswürdiger, er sah lehr immer nur in mir die Dame und unterhielt sich m meist ernst und eingehend, wie mrt Swnesglerchen. Zuweilen glitt mitten in solchen Gesprächen «nplotzlicher Zug von Unruhe oder Auftegung über sein Gesmst. das war so auffallend, daß ich es merken mußte und ich hatte
gern gewußt, was das zu bedeuten habe scheute mich indessen, unser prächttges Einvernehmen durch em Frag^ die ihn vielleicht verstimmte, zu stören. Mich machte « sehr glücklich, in Vernon einen so bedeutenden Freund ge* wonnen zu haben, abgesehen davon, was er nur als Künsller und Lehrer war, und so schlief rch wiEich niemals des Abends ein. ohne mich auf den folgendenTag u freuen, und niemals malte die Morgensonne Gold- ringe auf meine Bettdecke, ohne daß ich eme seltsaine gespannte Erwartung empfand, dre ich nicht recht m Worte fassen konnte, die aber bewirkte, daß ich mich m möglichst^: Hast ankleidete und aus dem Haufe erste als geltt ^, wichtige Ereignisse zu versäumen. — Mt dem Doktor war ich ziemlich gilt zurechtgekommen, da? heißt, öer mied die Nähe urrd namentlich die längere lstrterhalürng mit diesem unternehmenden, resoluten Menschenkinde sv viel, als irgend tunlich, und suchte mr. merner Braub- schleier-Sückerei die verstecktesten Platze au., um den noch inuner mit mir beabsichtigten Reformplanen zu mtwhen Meine Antworten auf etwaige Fragen lauteten kurz uns abweisend, nicht selten ausweichend, und ich war smy, wenn der fleißige Doktor, dessen Jnsttrrmente inzNÜsc^ angekammen waren, sümdenlang auf seinem Zimmer oe>
^Alles dies überlegte ich mir, während ich ^n in Vernons Zimmer saß und eine Pause in meinen Gesang- Exerziüen eintreten ließ. Ich war zufrieden mit mir, meine italienischen Übungen hatte ich gesungen, datzes eine Lust war, voll und weich fjatte meine Stimme ben hohen, iveiten Raum durchtönt: ich batte wich an ein paar sllMierige gesangliche, Expettmente mt gutem E^ folge gewagt und fand meme Sttmme wett kraft-und klangvoller gewordeir, als ich es ihr jemals zugetrartt hatte Jetzt ließ ich meine Finger „rapide auf dwr Tasten herumtanzen". um mit dem Mdersacher der Kunst zu reden der diese hohe Göttin am liebsten ohne werteres als unnütze Ziffer von der Tafel menschlicher Geschicke ausge- TSHfttMrt*. (ForMtznn« folgt.)
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