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Grschrt« w ,«ei Ausgabe«. — BezogS-Prei»: durch den Verlag 50 Pf-, m-uatlrch, tzurch du Post » SW. so Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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Politische Wochenschau.

Nun ist auch in P reu ß en die große etwas ausge- spfmie Wahlwoche zu Ende gegangen, und auf eine Mich nur sehr kurze Pause, nämlich bw zumZusammen- tritt der Parlammte, dürfte auf dem Gebiet der Politik ,wieder etwas Windstille zu verzeichnen fern. Die Wahlen -um preußischen Abgeordnetenhause haben keme Uber- raslbungen gebracht, und was bisher von den Abgwrd- netenwahlen bekannt geworden ist, entspricht rm wesent- licken dem, was schon nach dem Ausfall der Urwahlen feititand. In der neuen Legislaturperiode des preustischen Äbaeordnetenhauses wird derselbe Faden und kaum eme andere Nummer gesponnen werden wie bisher. Die konservativ-klerikale Mehrheit wird nach wie vor die Situation beherrschen, und gespannt kann man höchsten» darauf sein, wie sich im neuen Hause die arg verfahrene Kanalfrage abwickeln wird, welche den stärksten Konflikts- stoff zwischen Regierung und Parlamentsmehcheit aus-

Bis zum Zusammentritt des Reichs­tags dürfte uns jedenfalls nirr noch eine kurze Pause bleiben, da die Eröffnung des Reichstags auf alle Falle Anfang Tezember erfolgen dürste. Daß bisher kein Termin für den Reichstagsbeginn kundgegeben ist, hangt vielleicht damit zusammen, daß man erst die völlige Genesung des Kaisers, der fedensalls den neuen Reichstag persönlich eröffnen dürfte, abwarten wollte Erfreulicher Weise hat sich unterdes das Befinden des hohen Patienten in so günstiger Weise weiter ent­wickelt, daß binnen kurzem auch die letzten Beschwerden geschwunden sein dürften. ^ v . , .,.

Verhältnismäßig günstig klingen auch die Nachrichten aus Deut sch-Südwest afrika, wenn auch, die deutschen Meldungen leider noch immer ganz außer­ordentlich spärlich einlaufen. Aber auch die englischen Berichte haben ihre Schwarzfärberei in der Hauptsache eingestellt, und es scheint schon jetzt festzustehen, daß es sich bei dem Aufstand der Bondelzwarts nur um em Ereignis voii inehr lokaler Bedeutung handelt, und daß die verfügbaren Streitkräfte hinreichen werden, um me Erhebung niederzuschlagen. ^ r ^ „

Desto bedrohlicher klingen die Nachrichten vom R e volutionsschauplatz auf San Domingo. Die von der neuen Regierung verbreitete Meldung, wo­nach der Bürgerkrieg angeblich beendet sein sollte, hat sich als eitel Schwindel erwiesen. In Wahrheit dauert der Bürgerkrieg mit uugeschwächter Heftigkeit fort, und die Lage ist dadurch nicht unbedenklich, daß die Berenngteii Staaten von Amerika nicht ganz frei von Gelüsten, sich

in die inneren Verhältnisse Domingos einzumischen, zu ein scheinen.

Daß die Herren Amerikaner nach dieser Richtung sin durch keine übertriebene Gewissenhaftigkeit. be­hindert werden, haben sie soeben imFalle K ol u mb r e n- Panama gezeigt. Die durch die Union begünstigte Losreißung Panamas von Kolumbien hat sich mit einer d affenartigen Geschwindigkeit vollzogen, daß die Ko­lumbier gar nicht zurBesinnung kamen und sich jetzt damit begnügen müssen, ihrem ohnmächtigen Zorn in Ent» rüstungskundgebungen Luft zu machen, mit denen sie keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken können, Me Vereinigten Staaten von Anwrika haben unterdes mit dem neuen Panama-Freistaat über den Kopf Kolumbiens hinweg den Kanal-Vertrag gemacht und so das Ei des — Kolumbien gefunden.

In dem gleichen ohnmächtigen Zorn wie Kolunibien verzehreil sich auch die beiden ostasiatlschen Brachte China und. I a p a n, aber die Russen lassen sich da­durch ihre Gemütsruhe nicht stören und sie richten sich m der Biandschurei immer häuslicher ein. Tw englische Presse verbreitet freilich massenhafte Alarmnachrichten über eine angebliche hesttge Oppositionsbewegung m China und Japan, aber man hat längst ausgehört, diesen englischen Preßlärm ernst zu nehmen.

Half ihr doch kein Weh und Ach, mutzt es eben leiden! So heißl's nicht nur von China, sondern auch von der Türkei, welche sich mit immer inehr erlahmendem Widerstand gegen das m ak e d o u i s ch e Ref o r m - p r o g r a in m Österreich-Ungarns und Rußlands sträubt. Die Verschleppungspolitik der Pforte hat den Gedulds- faden der Mächte allgemach so angespannt, daß er zu zer­reißen droht. In dieser Woche sind die Botschafter Öster­reich-Ungarns und Rußlands den Politiken! des Isildiz- Kiosk etwas energischer auf den Leib gerückt, und von dieser erneuten Auseinandersetzung verspricht man sich

mehr Erfolg. , „ a _ ,,

Eine recht scharfe Auseinandersetzung war es, welche dieser Tage Wischen dem österreichischen und dem ungari­schen Ministerpräsidenten stattgefunden hat. DieMahnung, welche Herr v. K ö r b e r im österreichischen Abgeordneten- hause an die Adresse Ungarns gerichtet hat, ist vom Grafen T i s z a im ungarischen Parlament so scharf und m so persönlicher Zuspitzung abgelehnt worden, daß eine weitere Verschärfung des Konfliktes zwischen den beiden Reichs­hälften befürchtet wird. .

Desto freundlicher klangen die Reden, welche m London zwischen dem König Eduard von England und Viktor Emanuel von Italien gewechselt worden sind. Es ist aber bemerkenswert, daß der italienische Minister des Äußeren gleichzeitig Gelegen­heit genommen hat, die unerschütterliche Dreibundtreue Italiens zu bekunden.

Preußische Fundlagswahlen.

ivd Berlin, 20. November. Bei der Landtagswahl im Kreise Teltow-Beeskow kam es zu stürmischen Szenen. Die Sozialdemokraten verzögerten die Wahl durch av- ichtlich langsames Stimmen und drängten gegen den Tisch des Wahlkommissars unter stürmischen Rufen, al» dieser die Wahl durch schnelleres Aufrufen zu, be­schleunigen suchte. Der Wahlkommissar requirierte polizeiliche Hülfe, um Platz schaffen zu lassen. Me Sozialdemokraten protestierten lärmend gegen dw Ver- letzung des Gesetzes, bis der sozialdemokratische Stadt- verordnete Hirsch durch eine Ansprache Ruhe schaffte und die Polizei sich entfernte. Die erste Abstimmung war erst um 9 Uhr abends beendet. Stach derselben hat Stichwahl stattzufinden, die sofort beginnt. Die Sozialdemokraten stimmen, obwohl ihre Kandidaten nicht in die Stichwahl kanten, trotzdem wieder für diese. Ter Wahlkomnussar weigert sich, diese Stimmen zu protokollieren. (Kolossaler Lärin, Drohrufe.) Die Versammlung gleicht einem toben- den Meere. Endlich gibt der Landrat nach und erklärt sich bereit, die Namen der Sozialdemokraten zu proto- kollieren, worauf der Wahlakt sehr langsam sortgeht und durch den Ulk der Sozialdemokraten verzögert wird, die bald den Reichskanzler, bald Eugen Richter, bald den Wahlkommissar wählen. Die Wahl dürfte vor 5 Uhr früh kaum beendet sein.

Berlin, 20. November. Bis 11 Uhr nachts waren 428 Abgeordneten wählen bekannt. Gewählt sind: 146 Konservative, 54 Freikonseröative, 97 Zentrum, 79 Nationalliberale, 23 Freisinnige Volttzpartei, 8 Frei­sinnige Bereinigung. 13 Polen, 2 Dänen, 2 Reformpartei, 2 Bund der Landwirte, 5 Fraktionslose. Es fehlen noch die Ergebnisse aus Teltow-Beeskow.

hd. Berlin, 21. November. Ter Gesamt-Eindruck, den die Wahlmännerwahlen am 12. November machten, wird durch das Ergebnis der gestrigen Abgeordneten- wählen nicht nennenswert geändert. Im neuen preußr- Abgeordnetenhause werten die Konservativen in Ber- bindung mit den Freikonservativen keine Mehrheit haben, in Verbindung mit dem Zentrum aber eine ebenso große Mehrheit wie bisher. Die vergleichsweise beträchtlichsten Erfolge hat die nationalliberale Partei davongetragen. Bis setzt sind die Ergebnisse aus 428 Wahlkreisen bekannt, und zwar sind gewählt: Konservative 144 gegen 143 in der letzten Session, darunter Graf Schwerin- Löwitz, v. Krocher, Graf Kanitz, Graf Limburg-Stirum, Jakobskötter und v. Erffa. F r e i k o u s e r v a t i ve 54 (bisher 57), darunter Gamp, v. Kardorsf und Frei- Herr v. Zedlitz-Neukirch. Zentrum 96 (bisher 99), darunter Porsch, Rören, Dasbach, Bachem, Prinz Aren- berg, Rintelen, Fritzen und Brust. Nicht wiedergewählt wurde u. a.: Szmula. Nationalliberale 79

Oie Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(33. Fortsetzung.)

„Nehmen Sie's dem armen Jungen nicht krumm, daß Ihnen meine Hasen den Schabernak gespielt haben, liebes Fräulein", kam Peitersbroich seinem Neffen zu Hülse. „Wirklich, er ist ganz unschuldig an der Nagerei."

' „Ja, ganz unschuldig", bestätigte Kleibach. »Und wer sagt denn überhaupt auch,. daß Onkels Hasen srch so schäbig betrugen? Wer kann ihnen das bewerfen."

„Darüber kann doch nur eine Meinung sein", ließ sich Herr Manuel vernehmen. „Ta drüben im Eigerslmsch, der doch Peitersbroichs ist, da ist der rechte Schlupfwinkel für sie Zwischen der Heide, dem Ginster und unter den Wachholder- und Brombeerbüschen liegen sie jetzt bequemer und wärmer, als wenn sie sich in den Ackerfurchen ent* hudern. Und von da kommen sie durchs Tal herüber, hopp, über die Bach weg." .

„Leicht behauptet, aber schwer bewiesen", meinte der Referendar. „Ich zum Beispiel behaupte, daß die Peiters- broicher Hasen bei den freundlichen Beziehungen unseres Hauses zu dem Ihrigen viel zu anständig firtb, sich so zu betragen Aber von Süden stößt ja wohl die gräflich Wellheimsche Jagdgrenze mit der unfern und mit Ihrer Besitzung zusammen. Wetten, daß es Wellheimsche Hasen waren, die sich hier mausig machten?" „

Manuel schüttelte traurig den Kops. „Was nutzt e» da zu wetten?" . ^ ,, „ .

„Na, sehen Sie, wenn Sw nicht wetten wollen, dann sind Sie doch selber Ihrer Sache nicht gewiß."

„Ich bin ihrer so gewiß, daß ich für meinen Teil die Wette halten möchte, so schwer es sein mag, einem Hasen seine Zugehörigkeit zu beweisen", sagte Gottfried, arger lich über die Winkelzüge des Junkers.

„Das ist ja lustig!" rief der Freiherr. „Na, das Hasennationale ist leicht festzustellen. Auf wessen Jagd gebiete ein Krummer geschossen wird, zu dem gehört er/

„Und da soll er dann wohl ausgeschnitten werden, da­mit man sieht, ob er meine Obstbaumrinden im Magen

hat. Nee, das ist 'ne faule Wetterei", meinte Herr

„Aber sie ist desto lustiger", äußerte Agnes „och will Schiedsrichter sein, wer sie gewinnt. Also, es handelt sich darum, daß Gottfried in einer gewissen Zeit offeiikundig nachweist, daß die bewußten Baumnagchasen Peitersbroicher sind. Wie lange Zeit ist ihm zu diesem Nachweis vergönnt?" .

„Na, bis Neujahr muß mau m>ir doch wohl Zeit lassen", meinte Gottfried.

„Bewilligt!" rief Kleibach. „Und was soll der Einsatz sein?"

Gottfried sann einen Augenblick nach, dann schlug er vor: „Wenn ich den Nachweis erbringe, verpflichten Sie sich, meinem Ohm den durch die Hasen angerichteten Schaden zu ersetzen, und Sie schicken das Geld an meine Kousine mit einem Briefe, in dem Sie Ihr Bedauern über den Sck)adeii ansdrücken ruid der Hoffnung Raum geben, daß bald ein gerechtes Wildschadengesetz ein für allemal dem alteingewurzelten Wildhaltungsärgernis die schärfste Spitze abbreche."

Ter Referendar stutzte. „Hm, ich soll gegen meine Überzeugung, wenn auch ganz „privatim, für em Gesetz Propaganda machen, daß ..." . ^ _ __ ,.

„Ah, sehen Sie, wie wenig sicher Sie sind, Ihre Wette zu gewinnen", lachte Gottfried spöttisch. ,

„Über solch ein Gesetz ließe sich wohl reden. Deine Seele verschreibst du jedenfalls nicht mit einem Zuge­ständnis, wie es der juiige Herr verlangt", warf der Frei­herr ein, und Kleibach entgeguete: , _ „ , ^

„Dir scheint die Sache leichter, lieber Onkel. , Tu hast, Gott sei's geklagt, manche liberale Neigung, die ich nicht für begründet halten kann."

„Na, dann lassen wir den Scherz also", entschied Gott-

^^Aber nun erklärte sich der Referendar bereit, diesen Einsatz gelten zu lassen, und befragt, was denn er als Einsatz für Gottfried bestimme, antwortete er nach einigem Nachsinnen: „.Herrn Hülskamp mangelt offenbar noch

die rechte Einsicht in manche altgeheiligte gilt deutsche Ge­setze und Anschauungen, sonst könnte er beispielsweise nicht

wollen, daß nützlichem Jagdgetier wegen einiger unan­genehmer Begleiterscheinungen irgend welche Beschrän­kung auferleg't würde. Er möge sich also im Falle ver­pflichten, ab Neujahr ein halbes Semester lang in Dippels- dorf die Vorlesungen des berühmten Rechtslehrers Pro- fessor Spalthaar über deutsches Jagdrecht zu Horen."

„Dann müßt ja Gottfried fortgehen, wo er doch bis zum Frühjahr bei uns bleiben wollte," schmollte Agnes.

„Es ist kein Fehler, mein sehr verehrtes Fräulem, wenn Sie mal eine Zeitlang keine offenbar radikal ge- färbte, schönrednerische politische Vorträge über Dmge hören, die nichts für junge Damen sind," näselte Kleibach. „Gönnen Sie Ihrem Herrn Vetter ein wenig Aufklärung in solchen Dingen. — Aber wenn er nicht lvill, na, denn

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„Ich will an Opfermut nicht gegm Sie zurnckstchen und nehme die Bedingung an," erklärte Gottfried, und der Freiherr, der in der Wette eine lustige Ablenkung von der fatalen Geschichte erblickte, erbot sich als Zeuge und tröstete dann den verstimmten^ Gärtner eine Einladung zur nächsten Treibjagd, die in etwa acht Tagen gehalten werden solle. Dem schüchternen Vorhalt des Herrn Manuel, daß er in dergleichen Mngen keine Er- fahrung habe, und daß er auch nicht im Besitz eines ge- eigneten Schießgewehrs sei, begegnete er mit der Be­merkung, daß viele von den eingeladenen Jägern kaum mehr Erfahrung besäßen, und für ein ordmtliches Schieß- eism würde er schon Sorge tragen. Der Herr Landrat und eine Anzahl anderer angesehener Männer der Gegend wären auch mit bei der Partie, und sie würden sich jeden­falls freuen, wenn sie einen Herrn bei der Sache fänden, den der König erst kürzlich so geehrt habe.

„Und einige Genugtuung muß cs Ihnen doch auch gewähren, wenn Sie sich an dem Hasengeschlecht wn wenig rächen können. In der Tat. es würde auch mir eme große Freude sein, wenn Sie Onkels Einladung an­nehmen würden, Herr von der Pforten," ermunterte der

Referendar. ^

„Vielleicht hätte auch der Herr Studioms Lust, mltzu- machen", wandte sich der Frecher an Gottfried, der aber lachend mit dem Bemerken dankte, bis jetzt verstniide er