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BSorgen-flusgabe

pie Meinung des MglkssAlleyrergMes iu der GcgeWütt.

Die Gegenwart mit ihren gewaltigen Fortschritten ans «llen Gebieten des wrrtschaftlicheil Lebens stellt an jeden »mzelnen erhöhte Forderungen bezüglich seiner Lerstungs- «alnakeit rmd damit wieder cm die geistige und sitmche, an die techniscki« und materielle Bildung-, ist man doch endlich last -allgemein zu der Erkenntnis gelangt, daß d-re a llg e m eine Bildung des einzelnen die Grundbedmgung der Virt.schaftlichen und sittlichen Entwickelung emeS Volkes ist, weshalb auch die Eltern unserer schulpflichtrgen tunend darnach streben, ihren Kindern eine „gu-te Schul- stWunq" mit auf den Lebensweg zu gebe».. Welche Wert- schäbung die Volksfchulbildnng in unfern deutschen Nundesstaaten genießt, beweisen die 425 Millionen M., welche innorhollb derselben für die Volksschulen aus- oeaeben werden. Staat und Gemeinden wetteifern mit­einander, die Bildung der großen Massen des Volkes zu hebm. In Anbetracht dieses Umstandes drängt sich uirs

die Frage auf: , .

Wer vermsttelt die den Anforderungen der Gegenwart entsprechende Bildung? Tie Antwort lautet: Alle Er- »ieüungs- und Lchranstalten, die höheren wie dm niederen Schulen. Da nun aber etwa 95 Prozent unserer Tugend die für das Leben nötige Bildung sich in der Volksschule ntverbm, so wird man den Männern und Frauen, die m der Volksschule arbeiten, eine besondere Würdigung ihrer Tätigest zuteil werden lassen müssen. Hrer m der Volksschule sollen die Kinder zu, moralischen und grüen Meiischen erzogen werden; auf die Bildung sittlicher Charaktere wird das Hauptgewicht gelegt, jedoch her- säumt nran daneben auch nickst, die fürs Lcwen notigen Kenistnisse und Fertigkeiten zu übermitteln, auf denen die spezielle Berufsbildung zu gründen möglich ist, daimt der junge Staatsbürger seine Stelle in der menschlichen Gesellschaft auch würdig auszufüllen imstande ist. Uns diese Bildungs- und Erziehungsfrage bewegt den größten Lei! des deutschen Volkes angesichts der wirtschaftlichen Entwickelung desselben. Aber es wäre zu west gegangen, wollte man die Schule für alle Schäden und Mangel, die m der Bildung des Volkes zutage treten, verantwortlich machen, wie dies ja leider vielfach- geschieht. »Nicht me Schule allein, sondern die Teilnahme an den Angelegen- hciteii des Ganzen ist der sicherste Weg zur Vollendung der geistigen und sittlichen Entwickelung eines Volkes, freiherr vom Stein.) Diese Überzeugung war mich die -eranlassung des Preisausschreibens der „Königlichen ckaidemie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt" „ im - ' 1900 über das Thema: „Wie ist unsere mann

Feuilleton.

fite MWen MtriHer MMmdahmn.

Von Eduard Engel-Berlin.

Die herrlich geglückten Fahrversuche mit einem elek­trischen Schnekwagen auf der Marrenfeld-e-Zoffencr Eisenbahnlinie haben in manchen Kreisen alle schlum­mernden Kräfte der Verkehrsphantaste entsetzelt, und tn einem Teile der Presse liest man schon genaue Bercch- nurraen über die Erträge der natürlich binnen kurzem tn Betrieb stehenden Schnellbahn Berlin-Hamburg. Da Et es wohl an der Zeit, einmal genauer zuzusehen, ob wirklich wohlbegründete Aussicht besteht, daß wir zunächst auf einer, dann aber bald auf allen Hauptverkehrsstraßen Deutschlands in elektrischen Blitzwagen dahrnsauscn

An der Möglichkeit, zwischen zwei beliebigen deutschen Städten in gar nicht allzu langer Zeit jede beliebige elektrisch betriebene Schnellbahn zu bauen, kann aller- dings kein Zweifel bestehen. Neu ist an den geglückten Bersuchen auf der Berlin-Zossener Bahn Nicht der Ge­danke, in einer Stunde mit mehr als 200 Kilometern Geschwindigkeit zu fahren, sondern nur die Übersetzung dieses Gedankens in die Wirklichkeit; denn vor mehr als zehn Jahren schon habe ich eine reichlich mit Zeichnungen geschmückte Denkschrift der wohlbekannten Pester Elek­trizitäts-Gesellschaft von Ganz u. Ko. gelesen, in der von Fachmännern ersten Ranges auf dem Gebiete der praktischen Anwendung der Elektrizität der Plan erner elektrischen Schnellfernbahn zwischen Wien und Pest ent­wickelt wurde. Aus dieser Bahn sollten 260 Kilometer in der Stunde zurückgelegt werden, also die ganze neu zu erbauende möglichst gradlinige Strecke in einer Stunde durchfahren werben. Schon damals äußerte ich zu be- freundeten Fachmännern der Elektrotechnik das Bedenken, daß so leicht keine Regierung ihren vorhandenen alten Staatsbahnen mit Dampfbetrieb einen so furchtbaren Wettbewerb selbst bereiten würde, wie er doch in jeder neu zu erbauenden elektrischen Schnellfernbahn liege. In der Tat ist denn auch aus dem bis in alle Einzelheiten

liche Jugend von der Entlassung aus der Volksschule bis zum Eintrift in den Heeresdienst am zweckmäßigsten sur die staatsbürgerliche Gesellschaft zu erziehen?" Ur. Kerschensreiner-München, der Verfasser der preisge­krönten Arbeit, schreibt: „Es ist selbstverstandlrä), daß

die Worte solcher Männer (Adam Smftb, <sch:ller, sichte, Stein, Wilhelm von Humboldt, Pestalozzi, Herbart, Schleiermacher) nicht durchweg wirkungslos verhallen konnten, und tatsächlich finden wir denn auch am Ende des 18. und am Anfänge d-es 19. Jahrhunderts in einigen deutschen Staaten wenigstens dre ersten großen Anfänge einer allgemeinen Vo-lkserziehnng rm ausge­sprochenen Interesse der Staatserhaltung." Aver bald zeigte sich's, daß die VollSschulbildung allein vichi.Er­reichend sei, das nöftge Maß von Bildung zu über­mitteln; man sprach die Fortbildungsschrllpflicht aus. Daneben entwickelten sich die Arbeiterbildungsvereine. die Volksbildungsvereine, die Volksbibliothefen, die tunst- gewerblichen Museen, die Volksspielplätze zur Förderung der Volks- und Jugendspiele, die Lchrlmgsheune, dm Sanitätskolonnen und Samaritervereine, die Anft- Alkoholvereine, die Volkshochschulen, die Volksunter, haltungs- und Elternabende usw.

„Aber was nützen alle die Geisteswerte in Wissen- schaft und Kunst, wenn sie dem Volke nicht zugänglich geinacht werden? Tie Volksschule kann nur einen be- sckBdenen Anfang machen." Und wer ist berufener für die Fortsetzung der Bildungsarbeit als der Volksfchnl- lehrer? „Der Volksschullehrer muß zum Volkslehrer werden, und als solcher mutz er im Arzt :md im Juristen seinen Bundesgenossen sehen." (Stoppel-Elberfeld.) Infolge seines täglichen Umganges mit den Kindern des Volkes und mit dem Volke selbst kennt er am besten, was dem Volke not tut, was es bewegt, was ihm frommt, kennt er am besten, wie das Volk von Stufe zu stufe emporgehoben und zu rationellem Betriebe seiner Berufs- geschäfte geführt werden kann. Und welche g-elsftge .Kraft welches Wissen schliimmert in den deuftcken V-olks- schull-chrern! Wieviel Kenntnisse liegen brach, die, an das Volk gebracht, tausendfältige Frucht tragen und segensreiche Anregungen für die großen Massen des Volkes bieten könnten! Leider wird der Volks­schullehrer in dieser Beziehim>g noch viel zu sebr unter schätzt. Daß die Zeiten andere geworden sind und welche hohen Anforderungen in den Prüfungen an einen Volks­schullehrer gestellt werden, weiß die Mehrheit des Volkes, wissen vielfach sogar die wissenschaftlich Gebildeten nicht zu beurteilen, weil es nicht Gepflogenheit ift, öffenürchen Lehrerprüfungen beizuwohnen oder wenigstens , die Prüfungsthemen einnml näher anzusehen. Daß freilich auch die heutige Ausbildung der Volksschullehrer noch Lücken hat, weiß die Dolksschullchrerschaft selbst am besten; aber gerade darum ist sie bemüht, dieselben durch ernstes Privatstndinm auszufüllen und sich eine möglichst

durchgearbeiteten Plane jener Schnellbahn Wien-Pest nichts geworden. ..... o.

Wird in absehbarer Zeit aus der elektrischen Fern­bahn Berlin-Hamburg etwas werden? Uber die tech­nische Möglichkeit, die Bahn, w-cnn es sein muß, in zwe, Jahren herzustcllen und dem Verkehr zu übergeben, ver­liere ich kein Wort. Käme es auf die Technik allem an, so wäre die Frage der Schnellbahnen überhaupr gelöst, und in zwanzig Jahren von heute könnten auf allen Hauptverkehrslinien Deutschlands elektrisch betriebene Wagen mit einer Stundengeschwindigkeit von 200 Kilo­meter und darüber fahren. Ich glaube auch bestimmt, daß es unserer Technik gelingen wird, Schnellbahnen dieser Art mindestens ebenso sicher zu betreiben wie dre alten Dampfbahnen, wenn nicht noch sicherer. Vielleicht haben sogar die elektrischen Schnellbahnen der Zukunft noch insofern einen allerdings etwas grausigen Vorzug vor den schnellsten Dampfbahnen, als die Reisenden im Falle eines Unglücks gleich so tot wie nur möglich sind, denn Verletzungen oder Verstümmelungen dürften bei so ungeheuren Geschwindigkeiten nicht mehr Vorkommen. — Also nicht über die technische Ausführbarkeit, von der ich ohnehin nichts verstehe, will ich hier sprechen, sondern von der mindestens ebenso wichtigen Seite der Frage: Wird sich für elektrische Schnellsernbahnen das nötige Geld, und zwar viel Geld, finden lassen? Geld findet sich erfahrungsgemäß für alles und jedes, vorausgesetzt, daß es dem Geldgeber einen genügenden Zins verspricht. Das Anlagekapital der deutschen Eisenbahnen mitsauit ihrer Ausrüstung an Betriebsmitteln beträgt gegen­wärtig etwa 12 Milliarden Mark. Eine ungeheure Summe, aber sie hat sich doch im Laufe von etwa 60 Jahren in Deutschland finden laffen, und eine ebenso große Summe wäre in Deutschland oder im Auslande für ein vollständig neues Netz elektrischer Fernbahnen zu finden, wenn die Darleiher sich davon die durchschnittliche Ver­zinsung der jetzigen deutschen Staatsbahnen versprechen könnten: etwa 5 Prozent. ^ , £1 v „ ...

In einer soeben erschienenen Schrift der Banrate Griebel und Philippi von der deutschen Studiengesell- schaft für elektrische Schnellbahnen werden die Kosten einer elektrischen Schnellbahn Berlin-Hamburg einschließ­lich der Betriebsmittel, der elektrischen Anlagen usw.

universelle Bildung anzueignen. Darum forbeft sie auch, daß dem Volksschullehrer noch das- UmversttarS- tudinm zugänglich gemacht werde ,— eine Forderung, die leider auf unüberwindlichen Widerstand zu stoßen scheint. Aber die Universität wird und muß auch -dem Volksschullehrer offen stehen, um sich in seinem Berufe zu vervollkommnen. „Soll der Volksschullehrer ferner Auf- gäbe als Volkslehrer in jeder Beziehung gerecht werden, o ist -das Universitätsstudium der Volksschullehrer unbe- dingte Voraussetzung", sagt wohl nicht mft Unrecht Stoppel-Elberfeld. c • r -

Deutsches Deich.

Berlin, 18. November. Der „Reichsanzeiger" der- öffenfticht die zwischen dem Reichs! o mmrssar für die W e l t a u sst e l l u n g r n S t. Louis und den Speditionsfirmen Ruder t (Hamburg), e ck e m a n n (Bremen), Bachmann (Bremen) und a n i e l s (Düsseldorf) am 15. November geschlossenen Verträge über die Beförderung der für die Welt­ausstellung bestimmten deutschen Güter von den Hafen: Hamburg, Bremen, Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen nach St. Louis.

* Praktische Arbeiterfürsorge in Baden. Aus Karls - ruhe berichtet die „Köln. Ztg.": In den nächsten ^xigen werden etwa 100 Fabrikarbeiter cmsden der- schiedensten Teilen des Landes unter der Führung des Vorstandes der Großh. Fabvikmspekfton dre seit Wochen vorbereitete Reise nach Berlin antreten, um ge­meinsam die ständige Ausstellung für Arberterwvhlstchrl in Charlottenburg zu besichtigen. Um auch amrern Ar- beiteru die Teilnahme an dieser Reise zu ermoglrchen. hat Grohherzog Friedrich, der selbst dre erste Anregung! gegeben hat, einen Zuschuß von 1600 Mark aus fern« Prrvatschatulle gewährt; denselben Betrag hat auch ba» Ministerium des Innern aus Staatsmitteln^ bewrurgt, und auch verschredene Handelskammern, GrotzrndustnE« u a haben größere Beiträge gezeichnet, um errr-mal dre Reise und Auseirthaltskosteir der Arbeiter zu bostrerbm und -gleichzeitig die Fortzahlung des Lohnes wa^emd !>« 4- bis 5-tägigm Abwesenheit zu ermöglrchen. Bvr AuL> wähl der Arbeiter ivird nach Besümmung der, Grv Regierrrng etwaige Rücksichtnahme auf die polrftsche sinnung -ausgeschlossen. In das Reifeprogrwnm rst u. a. auch die Besichtigung des Mausoleums ausgenommen.

* Anläßlich des offiziellen Besuches des Kultus­ministers S'tndt bei derEirrweihung der Pofener Akabemrs trug sich auch- ein Vorkommnis zu, das der Offenürchkert nicht vorerfth-alten sein mag. Der Kultusmrmster Studt wurde mit seinem- Gefolge, als er das m der Frlödrrch- straße gelegene Akademieg-ebäude beftat, von den Klangen der polnischen Nationalhy mne empfangen-, und solang«

auf 140 Millionen Mark berechnet. Hiervon betragen 5 Prozent Zinsen und die Betriebskosten 28 Millionen M. Soviel müßte also jährlich mindestens eingenommen werden, um Anlage und Betrieb zu verzinsen und zu> bezahlen. Die 140 Millionen Mark würden wahrschein- lich an einem einzigen Tage allein an der Börse zu Berlin aufgebracht, wenn ein Jahresüberschuß von 7 Atillionen Mark gewährleistet würde. Die Berechnung der beiden Herren Bauräte geht nun davon aus, daß der Fahrpreis in der ersten Klasse 7(4 Mark, in der zweiten 6 Mark betragen solle: bei diesen Fahrpreisen müßten jährlich in beiden Richtungen zusammen 4 660 000 Fahrgäste oder täglich etwa 12 000 Menschen befördert werden. Es wird dann noch gemütlich hinzugefügt: da Berlin und Hamburg zusammen etwa 3 Millionen Einwohner haben, so wurde die Verzinsung gesichert fein, wenn jeder Einwohner Berlins und Hamburgs alle vier Jahre dreimal die Fahrt machte. Offenbar sind bei dieser Milchmädchen­rechnung auch die Säuglinge und die Greise mitgerechnet; oder wenn man diese abzieht, so müssen die ubrigbleiben- den Einwohner jedes Jahr etwa zweimal nach Berlin oder Hamburg fahren. Ich überlasse es dem Leser, sich selbst die Frage zu beantworten, ob ein so ungeheurer Verkehr zwischen Berlin und Hamburg sich in absehbarer Zeit entwickeln wird, um in jeder Verkchrsrichtung 6000 Menschen zu bewegen, sich nach Berlin oder nach Hamburg befördern zu laffen. Gegenwärftg verkehren auf der bisherigen Dampfbahnstrecke Berlin-Hamburg in jeder Richtung neun durchgehende Züge. Unsere Eisenbahnverwaltnng mit ihrer höchst mangelhaften Statistik läßt uns völlig im Dunkeln über die Zahlen der auf den einzelnen Hauptlimen beförderten Personen. Sie besitzt natürlich die Zahlen, aber sie enthält sie der Wissenschaft vor. Soviel aber lehrt jeden Reisenden, der den Verkehr auf der Linie Berlin-Hamburg aus wieder­holter eigener Erfahrung kennt, der Augenschein, daß die durchschnittliche Besetzung eines der neun Züge schwer­lich über hundert beträgt. Die Zinsberechnung für eine zukünftige Schnellfernbahn Berlin-Hamburg setzt also mindestens eine Versechssachung des Verkehrs voraus.

Hierbei kommen nun noch zwei entscheidende Fragen in Betracht. Auf einer elektrischen Fernbahn zwischen Berlin und Hamburg fällt natürlich der sogen. Orts-