Beilage Mi Miestmüener Tagklatt.
. Morgen-Ausgabe.
Samstags den 14. November.
61. Jahrgang. 1803.
qt£i******A** **‘* ********** ***$+4**** %
Di-ie Gurke ist bitter, . . . nun so wirf sie weq! Hier sind Dorngcstrauche im Wc«e. . . . weich- ihnen au«! Die« g-nufl,.. Araüe nicht noch: „Wozu qtbt e« solche Dinge in der Welt? Sonst wurde ein Naturkunüiger dich verspotten.
Marc Aurel.
fr
*
fr
fr
fr
fr
fr
(60. Fortsetzung.)
Eva Keoni.
Roman von Marie Bernhard.
Mir begegnete Vernon bald gütig, nachsichtig und herzlich, ww einem Kinde, bald ernst, wie einein er- wachsenen denkenden Mmschm. Späteres Nachdenken hat Mlr gesagt daß dieses wechselvolle Benehmen wohl Haupt- sachlich auf mein eigenes Wesen zurückzuführen war, das, Me fast bei allen Mädchen meines Alters, beständig zwischen kindlicher Unbefangenheit und einer plötzlich ein- tretmden würdevollen Grandezza, letztere bei mir noch durch dw Aussicht auf eine künstlerische Zukunft verstärkt, hm- und herschwankte. Im Ganzen vertrugen wir uns gut miteinander ich sagte jederzeit offen das, was ich dachte, selbst au, die Gefahr hin, Dummheiten zu begehen, und freute Mich oft von einem Lag auf dm andern, m der Erwartung, irgend ein Gespräch, das mich besonders nteressiert hatte, fortsetzm zu könnm. Meistms befand ich mich allerdings mit solchen Vorfreuden und Voraussetzungen rm Irrtum: Vernon besaß die Eigentümlichkeit, fast me dm- 31t tun, was man von ihm erwartete. Es ClT }£- 3“ toettcn, daß, sobald ich kampfbereit mit allerlei guten Einfällen, die mir über Nacht gekommen warm, -^gerüstet, auf die Terrasse trat oder nüßbegierig die Fortsetzung emer gestern von Vernon begonnenen interessanten ^Schilderung erhofft, mein berühmter Freund mnnen gespannt zu ihm emporgehobenen Blick mit einem f beantwort^ in sich gekehrt vor sich hin
austat. Ich versuchte infolge^
eifrige Studien auf Vemons Pianoforte, während er feine meilenweiten Wanderungm unternahm; er selbst be- stimmte alles, was ich üben sollte, ließ sich von Zeit zu Zeit das Erlernte Vorspielen und war ein strenger Kritiker, der oft tadelte und seltm lobte, darum war mir sein Lob auch von höchstem Wert! Singen durfte ich nur ltalieiüsche Übungen, die er mir aus Leipzig hatte kommen lassen, ich mußte meine Stimme unendlich schonen und hatte nie meinen freien Willen, das zu singen, was jd) gerade gern wollte. In bezug auf die Kunst war Vernon eisern streng und von unerschütterlichem Ernst, hier sah er niemals in mir das unreife junge Mädchen,
- . . . immer nur die zukünftige Künstlerin, von der er vollste Hingabe an chrm Beruf und bedingungslose Unter- wersting unter seine Autorität erwartete. — Inzwischen war Susis Berlobungsanzeige mit dem Kaiserlich -Öster- reichrschen Gesandtschafts-Attache Smnor Carlitos Manuel be Santos h Verragds eingetroffen, alles in
^ Vorsreirde und die Hoffnungsseligkeit ab- zugewohnm, abm das hält mit siebzehn Jahren schwer baß es mir nicht im mindesten &• 7^%,, J^cr Gedanke: „wie wird er heute gesstmmt fern? beschäftigte mrch lebhaft, ich hatte auch bemerkt daß m der. Tat, tote Herr Stölzel richtig beobachtet hatte die erntreffmden Briese viel mit Vernons Gemüts-Ver- ^ung ru schäften hatten, und daß jene dicken, stark parfümieren über und über mit chinesischem Golddruck bunten Vögeln ustv. bedeckten Kouverts mit ihreni Im stets ein nachhaltiges Unbehagen und völliges ^rsülmnwn zurucklietzen, während die klare sichere Gand, «k dm weißen, einfachen Briefumschlägen ihn ftoh stimmte Da er nie von seiner Familie sprach so wrgte ich es natürlich nicht, ihn danach zu fragen T sanken und phantastischen VermuLgen
°S Schema suchten.-Unglaublich anstebend
sobald ihm in seiner Komposiston etwas gegluckt war; elastischen Ganges, hochgetragenm Kauvtes verjüngt, verschönt, die verschleimten Augen gehffmA
voll leuchtend, trat er dann aus dem Hause, in so gehobener
gebannt waren,' Annah,
Zerr Stölzel, dessm Gaäin7die^7auch"7enV uns M*. Doktor Wörler i,nd ich. &
großem Stil gehalten, »und so", schrieb Susi auf einem kleinen beigelegtcn Billet, »wird auch die Hochzeit ge- feiert werden in Berlin, und dazu mußt Du kommen, ma blonde aux yeux noirs, oder ich künd'ge Dir meine ganze Freundschaft, und ich Hab' Manuel von Dir erzählt und er freut sich auf Dich, und ich Hab' dem Onkel von Dir erzählt, und sogar der freut sich auf Dich, — freilich, am meisten freut er sich wohl, mich loszuwerden! — und von Clemens Günther sag' ich gar nichts weiter, als: Dil wirst ja sehen! — Was Deine künstlerische Zukunft betrifft, meine süße, kleine Nachtigall, so Hab' ich da so meine
eigenen Pläne,-- — verwirklichen die sich nicht, dann
nieinetwegen überflügle Du die Malibran und die Son- tag und die Lukka und die Patti dazu, . . . was an mrr lregt. Dir dm Weg zu ebnen, soll geschehen, — — Manuel sagt das auch, was ich sage, .... ob das immer so bleibt, Everl? Ich hoff', nicht, dmn schau, das wär' langweflig; für jetzt aber ist's seine Pflicht, und er erfüllt sie ausgiebig! , Der brasilianische Schwiegerpapa mit dmi Fächer und dm Ohrgehängm ist strahlmd, der Paradiesvogel dito, macht übrigms ernst mit ihrem Schotten, und ich leb' in Saus und Braus und komm' nie zum Nachdmken, was gewiß ganz schön ist!
Allzeit Deine getreue Susi!"
Dieser kleine Wirbelwind von Ereignissen und Zu- ftmftsplänen Platzte gleich einer Bombe ist mein Sstlllebm und regte mancherlei Gedanken in mir an.
Was Susi mit „ihrm eigenen Plänen" in betreff immer Zukunft meinte, war unschwer zu erratm und ich konnte es nicht hindern, daß bei dem Gedankm an ein Wiedersehen mit dem schönen Kürassier-Offizier, an ein persönliches Nähertreten mein Herz rascher zu schlagm be- gann; daß ich zur Hochzeit meiner liebsten Frmndin nach Berlin fahrm mußte, leuchtete mir ebenso ein wie Susi und ich veranlaßte Hannah, gleich am anderen Tage an meine Großmutter zu schreiben, ihr dm Sachverhalt aus- einanderzusetzm und es als selbstverständlich hinzustellm daß ich der bevorstehenden Feierlichkeit beiwohnen müsse Hannah schrieb auch in meinem Auftrag an ein renommiertes Dresdener Spitzengeschäft und bestellte einm feenhaft 'einen und kostbaren Brautschleier, den ich rundherum mit einer mühsamen Sstckerei versah; bei dieser Arbeit mrdarb ich mir fortan täglich einige Sstmdm die Augm dmn da die Hochzeit bereits im Oktober siattfinden sollte' so hatte ich mein Werk zu fördern.
Oft, wmn ich recht vertieft unter dem gestreiften Zeltdach Stich an Stich reihte, trat Venwn lense hinter mich, ließ eine Weile seine umflorten Augm auf meiner Arbeit ruhen und dann langsam über das reizmde üand- schaftsbild wandern, das sich im westm Halbkreise vor uns dehnte. Er konnte zuweilen eine Stunde so hinter mir stehm, ohne ein einziges Wort zu sprechm, und mir war dies keine Verlegenheit; seine Gegenwart tat mir immer- wohl, und es bestand ein stillschweigendes Übereinkommen zwischm uns, dm täglichm Verkehr ganz zwanglos zu gestalten. — Zuweilen besichtigte Vernon meine Fortschritte und heftete dann etruen so schweren, gedankenvollen Blick auf dm Brautschleier, daß mir ganz eigene Gedanken über seine Auffassung von Liebe und Ehe kamen.
Der Juli war längst zu Ende, wohlig warme und doch nicht zu drückmde Augusttage warm über unser liebliches Gebirgsnest gekommen und immer noch ließm die neu angekündigtm Einwohner auf sich wartm, kein Doktor Langmfeldt meldete seine Ankunft; Hannah wunderte sich-, ich freute mich in der Stille und hoffte, der junge Herr habe sich anders besonnen und bstreibe seine medizinischen Arbeitm zu Hause.
--So hatten Vernon und ich eines Tages
nach langer Zeit wieder einmal -einm gemeinsamen Ausflug unternommm; er behauptete, das angestrengte Sticken greife meine Augen an, und da ich dasselbe be- fürchtete, so kam mir sein Vorschlag sehr gelegen. Wir warm zu einem etwa eine Stunde mtferntm, melancholischen kleinen Gebirgssee gegangen, an dessm Rande eine Holzhütte stand, während ein Paar mächtige Föhren ihre schwarzen tiefhängenden Zweige in das grüne Wasser tauchten. Der Eigentümer der Holzhütte befaß auch einen klemm Kahn, den er uns für wenige Kreuzer überließ, und nun tauchte Vernon lässig die Ruder in die tiefgrüne Flut, und ich saß ihm gegmüber und fing endlich leise an zu singen, das Lied von dm Röeermädchm aus Webers „Oberon", das wir so oft im Chor in unserem Pmsionat geübt hattm. Nach und nach hob sich meine Stimme zu ihrer vollen Stärke, in dm Bergen wurde ein Echo laut und ich sang weiter, lehnte mich mit halb- geschlossenen Augen zurück und ließ meine Hand in das eiskalte Wasser gleitm, das strudelnd durch meine Finger lief. Bemon hatte die Ruder eingezogen, unser ffeiner Nachm trieb unmerklich vorwärts und kam dem Ufer so nahe, daß ich ein paar wilde Blumen pflücken konnte, die dort wuchsen. Wie meine Stimme dann wieder leiser wurde, schlief auch der Widerhall drübm ein, und träum- hast lag die sonnige Mittagsssille über dem See. Mir war zu Sinn, als müßte ich immer weiter so fahrm und singm, ohne Ziel, ohne Ende, als möchte ich niemals mehr zurück in die laute, geschäfstge Welt. —
Als wir Heimkamm, war's schon eine späte Stunde, und das Mittagsmahl sollte bald aufg-etragm werden; aufgeregt trat uns Herr Stölzel entgegm.
„Das ist doch aber! Nein, was hmt' schon passiert ist, — so was passiert sobald nimmer! Hab' ich doch gemeint, ich könnt' meinen eigenen Augm nicht träum!"
„Nun aber, — was gibt's dmn?" unterbrach ihn Vernon etwas ungeduldig.
lFortsetzung folgt.)
§»sma1s§s
FLEISCH-E,WEISS
Hervorragendes, appetitanregendes Kräftigungsmittel.
Tora, rrl.dr. Bayer «. o„ . *n>erf.|*
F 71
ff! Anglist Tboiiiae Mf„ X
Telefon 2313.
«aget Rheinbahnhof. Nicolasstraße 28.
Deutsche. Wsche uni Wüsche Auchrmt
hervorragendster Zechen.
Preislisten gern zu Diensten.
Bestellungen werden auch Bleichftraste 13 bei Willi. Hirsch
entgegengenommen.
3033
Station: Aurlng-en-yicdcnbaeli i Tann.
Baltabter Ausflnpnort, aue h i m Winter geöffnet.
Herrliohe Lage. — Hübsche Zimmer. —
. _Gute Verpflegung.
II.
flrrtHoh empfohlen, Flasche 1.80 u, 3.10, steht unter etftndigor Oontrolle de« Gerichts. Chemikers B*p. tllaeliofr, käuflich
rnnnus-Apotliekc.
Wkleiöete Puppe«
in jtbfr Größe und Preislage hon den einfachsten de» feinsten Waltere,,äuser Gelenkpuppen, sowie Pnppcnwäsche und Puppcn- Garderobe in größter Äunwabl.
Puppen werden zur Neparatur angenommen
Raiser-Bazar,
Galanterie» und Gvielwaaren,
Kl. Burastraße 1.
Koch- n«d Tafeläpfel
ca. 10 d. besten Sorten, wie; Goldparmänen.
