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Wiesbadener TsMatt.

.. Verlag: Langgaffe 27. «meigen-Pret-r

SL. Jahrgang.

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Verlag: Langgaffe 27.

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5t54. Berlaas.Fernfprechcr No. 2958.

Samstag» den 14. Kovemdre.

Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Nedaktions-Fernfprecher No. 52. 1863.

MZssr^-Nusgsds.

Politische Wochenschau.

Zu Beginn dieser Woche kam ganz unerwartet und überraschend die betrübende Kunde von der erfreulicher­weise unbedeutenden Operation., der sich der K a i s e r am Sonnabend der vorigen Woche hatte unter­ziehest müssen. Glücklicherweise ist. die an sich unge­fährliche Operation so glatt vonstatten gegangen, und der Verlauf der Heilung war ein so normaler, daß keinerlei Gründe zu irgend welcher Beunruhigung Vorlagen oder gar vorliogen.

Glatt und normal uni> frei von Unruhen ist der Ver­lauf der Wahlmänner Wahlen zum preu­ßischen Abgeordneten hause gewesen. Von dem regenWahlinteresse und der fteberhaftenErregnng, mit der die Reichstagswahlen vor sich gehen, ist bei denWahIen zum preußischen Abgeordnetenhause wenig und war auch diesmal nicht viel zu merken. Sichere Schlüsse über die Zusammensetzung der neuen preußischen Volksvertretung lassen sich aus den bisher vorliegenden Meldungen icher die Ergebnisse der Wahlmännerwahlen noch tticht ziehen, und eine getreue Momentphotographie der Partei­gruppierung des neuen Hauses wird sich erst nach den W- geordnetenwahlen am Freitag nächster Woche aufnehmen lassen.

Eine eigenartige Moinentphotograph ie war es, die 'der Exleutnant Bilse in seinem Roman „Aus einer kleinen Garnison" als ein Kapitel aus dein Militärleben dargeboten hat. Das Metzer Kriegsgericht hat den schriftstellernden Leutnant wegen vorsätzlichen Romanschreibens und Beleidigung mehrerer Vorgesetzter zu sechs Monaten Gefängnis und Dienstentlassung ver­urteilt. Die Strafe muß angesichts des Umstandes, daß die Begründung des Urteils selbst etliche der in dem Buche gerügten. Mißsiände als tatsächlich bestehend anerkennt, als eine sehr scharfe bezeichnet werden, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Oberkriegsgericht, an welches der Verurteilte appelliert hat, zu einer anderen Auf­fassung der Sachlage kommen wird. Jedenfalls werden die Mißsiände, welche in dem Buche zur Sprache, gebracht und wenigstens teilweise auch in dem Prozeßverfahren sestgestellt worden sind, noch weiter die Öffentlichkeit be­schäftigen.

Ganz außerordentlich alarmierend klangen die Nach­richten, welche zu Beginn dieser Woche über den Auf- st a n d d e r Bondelzwarts in Deutsch-Südwest- afrika eingelaufen waren, aber es ging auch diesmal mit den englischen Sensationsmeldungen wie immer, indem man nämlich 75% von ihnen streichen kann und der

Rest von 25% noch immer fraglich bleibt. Die unterdes eingelaufenen amtlichen Nachrichten scheinen dafür zu sprechen, daß Grund zu ernsteren Besorgnissen nicht vor­liegt. Freilich ist die amtliche Berichterstattung auch diesmal wieder ganz außerordentlich dürfiig, und über die Ursachen des ganz unerwartet ausgebrochenen Aufstandes ist man bisher noch völlig im unklaren.

Nicht unbedenklich läßt sich der A u f st a n d aus S a n t o D o m i n g o an. Zwar sind Revolutionen aus dieser unruhigsten der Antillen-Jnfeln an der Tages­ordnung, aber die diesmalige scheint doch ganz besonders blutig zu sein, beziehungsweise gewesen zu sein, denn nach einigen Meldungen soll die Revolution bereits ihr Ende erreicht haben. Wie eine Kuriosität wirkt angesichts dieser ständigen Revolutionen die Bestinrmung' in der der Dominikanischen Republik, wonach der Präsident auf vier Jahre gewühlt wird, während dort in Wahrheit nichts dauernd ist als der Präsidentemvechfel.

Über den Rahmen der landesüblichen Revolutiönchen geht die Begründung des neuen Freistaats Panama hinaus. Die Kolumbier hatten das Panama- Kanal-Geschäst nicht mit der nordamenkanischen Union machen wollen, und jetzt haben sie zum Schaden den Spott dazu, demr die Panama-Leute machen das Kanal­geschäft aus eigene Faust. Was die Republik Kolumbien betrifft, so heißt es auch von ihr wie vom Heidenröslein: „Hals ihr doch kein Weh und Ach, mußt es eben leiden!"

Zu dieser Heidenröslein-Politik lverden sich wohl oder übel auch China und Japan bekehren müssen. In Japan grollt man zwar noch immer heftig darüber, daß es sich R u ß l a n d in der M a n d sch u r e i so gemütlich macht, und neuerdings werden gar Alarmnachrichten aus China verbreitet, wonach auch dieses wider den chinesi'chen Stachel löken wolle, aber man hat längst aufgehört, solche Alarmnachrichten ernst zu nehmen.

„Und sie lacht schon und zieht's Mäulchen, und sie ziert sich noch ein Weilchen!" So wird es zum Schluß auch von der Pforte heißen, welche sich zurzeit noch minniglich, aber nur mit h>alber Kraft gegen das österreichisch-russische Reformprogramm sträubt. Aber das Sträuben nützt diesmal nichts, und der Sultan wird mit den m a k e d o n i s ch e n R e f o rm en Ernst machen müssen, denn die Mächte bestehen diesmal auf ihrem Schein, wonach es nicht bei den üblichen Scheinreformen ftin Bewenden haben soll.

Preußische Fmidlngsrrmhlen.

lick. Berlin, 18. November. Die im Laufe des heu­tigen Tages weiter cingelanfenen Nachrichten über den Ausfall der Landtagswahlen in der Provinz vermochten an dem bereits mitgeteilten Gesamtbilde des neuen

Landtages nichts zu ändern. Es bleibt im großen und ganzen bei der bisherigen Zusammensetzung der preu­ßischen Volksvertretung. Die Konservativen haben Aus­sicht, die stärkste Partei des Landtags zu bleiben. Ihre Manöatsziffer (bisher 144) dürfte sich kaum nennenswert verschieben. Die Freikouservativen (bisher 68) erleiden einige Verluste. Die beiden konservativen Partei­gruppen werden also auch fernerhin für sich allein eine Mehrheit im Landtage nicht bilden können. Dagegen werden Konservative und Zentrum nach wie vor über die absolute Mehrheit verfügen. Das Zentrum (bisher 100) scheint seinen Besitzstand überall behauptet zu haben. Nur Hamm-Soest droht ihm an den Konservativen verloren zu gehen. Die Nationalliberalen (bisher 76) gewannen einige Sitze von den Freikouservativen und der frei­sinnigen Volkspartei. Diese (bisher 25) mutz Wiesbaden und Görlitz-Lauban verloren geben. Breslau ist noch zweifelhaft. Hier ist auch die freisinnige Vereinigung tbisher 10) beteiligt, die im übrigen bisher ihren Besitz­stand zu wahren vermochte. Die beiden Dänen sind wie­dergewählt. Die Polen tbisher 13) haben bis jetzt weder Verluste noch Gewinne zu verzeichnen. Den Sozial­demokraten ist es noch nicht gelungen, in irgend einem Wahlkreise einen Sieg aus eigener Kraft zu erringen. Am günstigsten scheinen ihre Aussichten in Hannover- Linden zu stehen, doch fehlen von dort noch genaue Ziffern. In Breslau werden sie, falls nicht etwa die konservativ-klerikale Vereinigung für sich allein Über die Mehrheit der Wahlmänner verfügt, die Entscheidung über die drei Kandidaten (bisher 2 freisinnige Volkspartei und 1 freisinnige Vereinigung) in der Hand haben. Eben­so dürfte in Charlottenburg-Teltow der bisherige kon­servative Mandatsbesiy gesichert sein, wenn die Sozial­demokraten die Liberalen in der Stichwahl nicht unter­stützen. In anderen Wahlkreisen kommen sie dagegen nach den bisherigen Nachrichten nirgends ernstlich in Be­tracht. Von den 483 Mandaten, die für das Preußische Abgeordnetenhaus im ganzen zu vergeben sind, erhalten, nach dem „B. L.-A.", die Konservativen 103, die Frei­konservativen 33, das Zentrum 86, die Nationalliberalen 60, freisinnige Volkspartei 23, freisinnige Vereinigung 0, die Dünen 2, die Polen 7 und die Welfen 1. — Soweit die bis jetzt vorliegenden Nachrichten über den Ausfall der Wahl einen Überblick gestatten, werden in das Ab­geordnetenhaus wieder eintreten u. a. der bisherige zweite Vizepräsident Dr. Krause (Königsberg), der stän­dige Vorsitzende der Budgetkommission, Freiherr von Erffa, die Führer der Nationalliberalen, Dr. Sattler, von Einem, Dr. Friedberg, Walbrecht, der Führer des Zentrums, Dr. Bachem, der Führer der Volkspartei, Eugen Richter, weiter Cahensln (Zentr.), Brück (frci- kons.), der Stellvertreter des Vorsitzenden in der Budget­kommission, Arendt, Eckels (nat.-lib.), Graf Kanitz, die Freisinnigen Dr. Hirsch-Berlin, Kreitling, Träger, Goldschmidt, Dr. Langerhans, Schulz-Berlin, Dietrich, Graf Schwerin-Löwitz, Brömel, Kindler, Peltasohn,

Die Nevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(28. Fortsetzung.)

XU.

Wie dte Möhnen in Eigcrsbusch einrücktcn, wie sie Kappes schabten, wie sie Küuipkcszeug atzen und wie sie nützliche und er­bauliche Neben führten. Wie sich der Patriotismus des Herrn -vianuel gegen die vaterlanbslvse Gesinnung des Klaas-Pitter bewahrte, wie auf Eigersbusch ein gefährliches Lied gesungen waro uno wie Gottfried und Agnes eine nächtliche Mondcnschein- prrmenade vollführten, erst in Begleitung der Möhnen, her­nach solo.

-i-

Die Möhnen, Matchen, Gusken, Binchen und Minchen von der Pforten, kamen von Mühldorf her angerückt. Gusken, Binchen und Minchen gingen vorauf, Matchen folgte einige Schritte hinterher, denn sie f),atte sich mit wen andern gezankt. Eine von den vier Schwestern fühlte nch immer gekränkt, es _ ging fast reihum Woche für Woche. Wer es hatte nicht viel aus sich, denn in einer Hinsicht waren sie nämlich zu engem Zusammenhalte ge­lungen. Das Geld, das ihnen ihr verstorbener Vater, «r frühere Bürgermeister von Hälmerscheidt, hinter­lassen hatte, reichte nämlich nicht in seinen Zinsen, wenn jeoe für sich allein leben wollte, und auch jetzt, wo es ans gemeinsamem Topf ging, mußte der Bruder Manuel jähr- uch hundert Taler zulegen, um-die allen Jüugfercbcn über Wasser zu halten. Er tat es ungern, aber er tats nut der Miene brüderlichen Wohlwollens. Die Schwestern ^aren, im Gegensatz zu ihrem groß aufgeschossenen -onider, alle etwas klein geraten, und wenn sie, die sich Uut der Zeit eine schlichte Tracht aus grauem Lüsterstoff, den sie im Stück bezogen, angewöhnt hatten, zusammen- nßen und durcheinanderschwatzten, dann lnachten sie fast Eindruck vermenschtlichter Möschen (Spatzen) so daß HerrManuel, wenn er die vier einmal zusammen hatte, sie Menso oft als „Ihr Möschen" anredete, als: „Ihr Weiter" Mädchen), welch letzteren Ausdruck sie aber lieber hörten.

geschah nicht gar 31t oft, daß sie die Wohnung ihres aruders besuchten, denn der Wog von Mühlbach nach v-tgersbusch war für ihre alternden Wße schon etwas weit

und dann wußten sie auch, daß sich Herr Manuel nicht viel aus ihnen machte. Sie waren zärtlich veranlagt, und was ihnen aus der Verwandtschaft nur nahe kam, nicht zum wenigsten die Betternschaft, das wurde immer pflicht­gemäß von ihnen abgekützt. Dem jüngeren Bruder war das lange Zeit ebenso ergangen, bis er schließlich einmal, als ihm die Geschichte denn doch zu toll wurde, erklärte, er sei kein Freund vom Möhnenbützen (Tanten abküssen). Das hatten ihm die alten Mädchen nie vergessen. Sie hattest auch ihren Stolz, zudem fühlten sie wohl, daß sie mit ihren Ansichten nicht in die etwas moderner zuge­schnittene Häuslichkeit ihres Bruders paßten, wo die Nichte regierte, die aus der vornehmen belgischen Pension so viel Fremdes mitgebracht hatte, so manches, über das man nicht recht mitreden konnte, und die sich den vielen Rat­schlägen der Tanten gegenüber leider so ablehnend ver­hielt. Wer zum Kappeseinmachcn imrfieit sie nicht fehlen. Dies Fest hatte für sie etwas, wie ein feierlicher Familientag. Und so kamen sie denn auch jetzt in ihren grauen Lüsterkleidern angerückt, in große, bunte Shawls gehüllt, feierliche Hauben auf den grauen Scheiteln und große Pompadourbeutel in den Händen. Jeder dieser Pompadours enthielt ein langes, scharfes Messer, eigens znm Kappesschneiden angeschafft, denn sie besorgten das Geschäft in der ganzen Verwandtschaft, und wie ein Schütz auf seine Büchse eingeschossen ist, so behaupteten sie, nur mit dem eigenen Messer die dickköpfigen Kahl­köpfe ordentlich schneiden zu können. Ein Pompadour war nun zwar kein mustergültiges Messerfutteral, aber Agnes hatte die freundlicheGewohnheit, die Beutel später, nach vollbrachtem Tagewerk, mit freundlichen Dingen zu füllen, mit einigen Gläsern voll des vorzüglichen Honigs, den man auf Eigersbusch erntete und mit Dörrobst mancherlei Art. Auch gab es iu der Regel eine Flasche mit selbst angesctztem Wallnußlikör, für welchen die Möhn Gusken eine besondere Schwäche hatte.

Als Schlachtfeld war, wie gewöhnlich, das Mcmgel- zimmerchen neben der Küche auserschen. Die Mangel war in eine Ecke geräumt worden; ein großer, flacher Kübel stand in der Mitte des Gemachs, ein kleinerer für die Möhn Minchen, welche ihres kurzen Gesichts wegen gröbere Arbeit lieferte, daneben. Me alten Jüngferchen

hatten sich, Agnes mit ihsten, auf den Strohstühlen nieder­gelassen. Jede hatte eine weiße Schürze vorgebunden und trug vor dem jungfräulichen, flachen Busen ein dick zusammengelegtes, weißes Tuch, damit ein etwa unver­sehens einmal ausrutschendes Messer keinen leiblichen Schaden tue. Neben jedem Stuhl war eine Anzahl mach- ttger, sauberer weißer Kappesköpfe gleich Kanonenkugeln aufgeschichtet. Jede der fünf Damen von der Pforten nahm sich einen beim Wickel, drückte ihn zärtlich ans Herz, und mit ritschendem Ton begannen die scharfen Messer ihre Arbeit. j£me feine Schicht des^ Gemüses nach der andern, jede dünn und zart, wie ein Spitzengewebe, wurde in die Mbel befördert, und öfter erschien das heute be­sonders sauber hergerichtete Trinken, um das Ge­schnittene in einem Eimer abzuholen, mit Salz zu mischen und es im Keller sorglich in ein Faß einzustampfen.

Nicht lange dauerte es, und die Unterhaltung kam in Gang. Zunächst wurde -die Ordensdekoration des Herrn Manuel besprochen. Es sei ja eine große Ehr' für die ganze Famillje, und der Manuel müßte doch ein tüchtiger Mann sein, daß sich der König, ihn auszuzeichnen, eine so große Ausgabe machte. Die Frau Postvorsteher in Mühlbach hätte gesagt, unter hundert Talern wär' so ein Stern nicht herzustellcn, und dabei sei er doch noch der billigste und geringste von allen Orden. Aber immerhin, meinte die Dante Molchen, kriege man doch auch einen gewöhnlichen Orden nicht umsonst verliehen. Vielleicht könne Agnes ihr darüber Auskunft geben, was ihr Vater denn so besonderes geleistet hätte. Sie habe sich schon ver­geblich den Kopf darüber zerbrochen.

„Nur deshalb, weil der Vater vier so liebe Schwestern hat", antwortete das Mädchen, das sich "schon oft übm: das böse Mundwerk dieser neidischen Möhn geärgert hatte. Aber die andere ließ sich nicht sogleich Nein kriegen. „Kann's nicht auch wegen seinem lieben Nevcn sein?" frug sie. „Er soll doch nach Hörensagen schon seit Wochen hier auf Eigersbusch sein, aber gesehen hat ihn noch keine von uns."

„Man kann's ihm ja am End' nicht übel nehmen, daß er uns alte Tanten noch nicht wert gehalten hat, uns zu besuchen, die jungen Leut' sind eben heutzutag' mal so. Wer man bätt' doch denken sollen, er wär' wenigstens

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