Einzelbild herunterladen
 

Beilage zum Wiesbadener Tagblatt.

N-. 527. Morgen-Ausgabe.

Millwoch, den 11. Uourmber.

51. Jahrgang. 1803.

ä ***t** ***************************** *

So Innflf der Künstler aus Lust an dein Geaenstand >» arbeitet und schafft, so lange ist er auf gutem Wege-, wenn » 4t aber die Freude a» der erworbenen Fertigkeit ihn treibt, ist f* die rechte Bahn schon verloren. Ludwig Richter.

M .. ~~ ’ * _ " _

gt?j¥jfWWW*WfW¥¥*¥WWWWWW¥¥¥¥¥¥¥W¥¥*9$9*

(47. Fortsetzung.)

Eva Keonr.

Roman von Marie Bernhard.

Ich schlief fast gar nicht in der Nacht. aber was tat mir das? Ich wollte auch gar nicht schlafen, — was hatte ich alles zu denken! Melodien wogten in mir auf und ab, schmerzliche Lieder klangen urid brachten mir sehnsüchtige Tränen in di^ Augen, es süeg etwas aus meiner Seele auf, unklar und traurig-süß und ließ mich traumversuuken lächeln, während noch große Tropfen an meinen Wimpern zitterten. —

Fünf Uhr vorüber - da hielt es inich nicht mehr länger, ich stand auf, kleidete nach hastig an, hing das Täschchen um, das die vorsorgliche Hannah, die natürlich um märten Plan wußte, mir mit vielen guten Dingen gefüllt hatte, — und jetzt stand ich draußen auf der Terrasse, warf den Kopf zurück und trank in tiefen Zügen die morgenlühle Luft.

Angenehm war es mir nicht, daß Herr Siölzel be­reits auf den Füßen war und mich mit redseliger Freund- lichtest begrüßte, — doch fesselte das, was er sagte, meine Aufmerksamteit fast wider meinen Willen!

„Mt Herrn Vernon werdeit's auslaufen, gnädig Fräul'n? Da rat' ich aber, salben Sie fein die Füßerl, — das ist Ihnen ein Bergsteiger, •— heftige Jungfrau, •— ein Bergsteiger! Ein einzig's Mal bin. ich mit ihm gangen, alter ich Hab's doch verschworen. — nimmer­mehr ! — Was ich Hab' sagen wollen: gelt, die Fräul'n Eva weiß auch nimmer, für wen der Herr Vernon den linksseitigen Flügel von mei'm Haus bestellt hat, — die ganze Partie Zimmer, die ich da Hab'? Wissen's nimmer? Hab' mir's dacht! Der sagt kein Sterbenswort zu keiner Menschenfeel' auf des Herrgotts weiter Welt. Kann mir egal sein! Kotmut er gestern daher und sagt: Stölzel, ich wünsch' nicht, daß unten der linke Flügel ver­mietet wird, wer auch inuner darnach fragt, — kann leicht sein, daß ihn in einer Woche, oder so daher, jemand bezieht, den ich gut kenne, — geschieht das nicht, so zahl' ich die Mete eben selbst, und Schaden sollen Sie fein’ haben, aber vermieten dürfen Sie mir den Flügel nicht, yaben's mich verstanden? — Wie werd' ich denn nicht? sag' ich und geh' daher und tu' so, als würd' ich mich

E nicht Wundern, .... Wunder' mich aber innerlich denn, gnädig Fräul'n, was soll das all' bedeuten? will er heribringen? — Und wenn niemand kommt, — zahlt allein die Miete für nichts und wieder nichts! So große Herrm, ei ja! Nun, ich sag' nichts, mein Geld ist's nicht, aber sagen muß ich doch, .... mit so Künst­lern istts doch kurios, — gelt?"

Kurios kam mir das alles auch vor, aber ich kam nicht mehr dazu, es auszusprechen, denn eben trat Vernon aus der Haustür, nickte Herrn Stölzel einen Gruß zu, lüftete vor mir den Hut und sagte krtrzweg: „Eh bien, Mademoiselle!"

Und wir gingen rechts ab.

„Sie müssen mir verzeihen", hob mein Begleiter nach einer kleinen Weile an, „wenn ich fürs erste nicht zu Ihnen sprechen kann. Es ist eine von inoinen Grillen, am frühen Morgen sehr schweigsam zu sein!"

Ich antwörtete: „Gut!" und fand, daß diese ofsim- herzige Erklärung sehr zu meiner gegenwärtigen Stim­mung paßte, — ich war gleichfalls nicht zu langen Dis­kursen aufgelegt und hatte auch unendlich viel zu sehen und zu staunen. So früh war ich noch niemals draußen gewesen, denn meine bisherigen Morgenpromenaden be­gannen niemals vor acht Uhr.

Wir waren in eine leichte Talsenkung, die ich bereits kannte, gekommen, bogen nun links ab, erklommen einen mir fremden Pfad und stiegen nun stetig aufwärts, fürs erste ziemlich mühelos, doch nrußte ich mir sagen, daß es auch bald anders kommeit miisse. Rechts stieg der Föhren- wald in steiler, dunkler, undurchdringlicher Wand mit uns, zur Linken lag zerklüftetes Felsgestein, niederes Ge­röll, aus dem allerlei Strauchwerk empw'wucherte, und das dann mrd wann jäh von änander riß, um einen Dtrrchblick in das Tal zu gestatten, das nun schon in be­trächtlicher Tiefe unter uns lag.

Hier schwebtet: weiße Nebelballetr, ivelche die feuchte Nachtkühle gebracht hatte, und rollten sich eng zusammen im .Kampfe mit den: Morgenwinde, der frisch von den Föhrenwipfeln herunterblies, und mit der Sonne, die auch hierher schon reichte und den obersten Spitzen der einzeln verstreuten Tannen hier und da ein rotgoldenes Krönlein aufsetzte. Der Erdboden war hart, wie leicht überfroren, die Nadelzweige glitzerten feucht vom reich­lichen Tau, und von den langarmigm Farren sickerte es tropfenweise zu Boden und blieb auf dem dunkeln, dicken Moospolster als klare Silberperlen liegen.

Stuu nabm uns der Föhrenwald ganz und gar auf, die Ausblicke in das Tat verschwanden, um uns begann es zu dunkeln, und der Pfad wurde schmal, so daß wir oft den Himmel über uns verloren, well die Bäume dicht zu­sammen traten und mit gewaltigen Armen nach einander griffen. Hierher kam kein Sonnenstrahl, hier wehte kein belebender Wind: steil hob sich der kaum sichtbare, enge Pfad empor, es herrschte eine bange, eingeschlossene Luft in diesem Bergwalddickicht, und immer häufiger hastete mein Blick Trost suchend an der kraftvolle::, hochge­wachsenen Männergestalt, die rüsstg und schweigsam vor mir herschritt und mir die wohltuende Empfindung der Menschennähe weckte. Allän hätte ich mich geängstigt in dieser ttefen Einsamkeit.

Und als fühlte der Mann an meiner Säte mir da? nach, so begann er nun zu sprechen, — aber nicht von dem, was meine Seele erfüllte, von Musik und Künstlern und einer schönen Zukunft, — sondern von den gewaltt- gen Wäldern in den Karpathen, von den Baumriesen und dem wilden Getter, das sie beherbergen, von der pfad- losen Wildnis dort und den eisig kalten, dunkeln Strömen, die van dm Bergesrücken rauschen, — geheimnisvoll, un- ergründbar tief, und von seltenen Blumm mit wätoffmm Kelchen, die sich vergebens mühtm, in der schwarzm Flut ihr eigen Bildnis zu schm. Von dm Orkanen sprach er, die zuwälen in entsetzlicher Wut über jme Wälder kämm und die stolzm Bäume wie schwache Hälmchen zerknicktm, und von den Sternen, die farbig schimmertm und in grünem und rötlichem Licht über den Höhenzügen flimmerten.

„So warm Sie läiMre Zeit dort?" fragte ich da- zwischen. . , _ *

„Wo wäre ich nicht gewesen?", gab er gedankenvoll zurück. „Es war mir von Interesse, viel von der Welt zt: schm, und so habe ich Reisen gemacht. -- werte, große Reisen durch »tele fremde Länder, über das Meer, durch die Wüste. Vielleicht erzähle ich Ihnen einmal davon, wenn Sie es gern Horm mögen, Mademoiselle, und die Gelegenheit es mit sich bringt, — denn dergleichen Be­richte verlangen Stimmung. Ich hasse die bekannt e ^kon - vmtionelle Redmsart: Bitte, erzählm S:e doch etwas von Ihren Reisen! Als wäre man ein Uhrwerk, das be­liebig aufgezogm werdm kann, — als wärm alle Er­lebnisse für jedm Zuhörer passend und verständlich!"

„Ich werde nie zu Ihnen sagen: erzählm Sie mir von Ihrm Reisen!" versicherte ich emsthast.

„Vielen Dank, mein Fräulein. es ka::n sän, daß ich es gerade deswegen tue!"

Der Weg, dm wir verfolgten, wurde immer schwere,: passierbar, oder eigentlich war es gar kein, Weg inehr. Wir schritten guer durch eine pfadlose Wlldnis, der ^uß- bodm war von Gestrüpp und dichtem Wurzelgeflecht, das sich wie ein Knäuel großer Schlangen in einander wand, bedeckt, hier und da war eine altersschwache Tanne hatv aus der Wurzel gehoben und lehnte nun, die dürren Zweige hilflos um sich streckend, an ihrm Nachbaren, d:e so dicht standen, daß der kranke Baun: am Fallm ge- hindert wurde. Fichten mit langen, eisgrauen Barten standen wie greise Patriarchen des Waldes da, und um ihrm Fuß w::cherte es lustig grün empor und kroch :n zähem Gerank am Boden hin, — kaum vermochte man den Fuß niederzusetzen; dabei ging es beständig bergauf, bald sanft, bald steil in die Höhe steigend. ::nd nur br- gönn das Herz zu klopfen und die Stirn Zeucht zu wer­den. — Hannah hättet sicher aus der rücksichtslosen Art. mit der Herr Vernon eine junge Dame auf unwegsamen Gebirgswanderungen n:it sich schleppte, die kühnsten Schlußfolgerungen auf sein Künstlertum gezogen, „dmn Künstlern", pflegte sie zu sagen, „ist einfach alles zuzu- trauen; sie dürfen sich ungestraft alles erlauben, d:e Welt bewundert es an Ihnen: das, was bei anderm Letttm unbescheiden und verletzend genannt wird, legt man ihnen

als Gmialität aus und findä es mtzückmd.-id)

möchte wohl wissen, wo der Mensch zu findm ist, der einer so unsinnigen Anbetung und Verwöhnung auf d:e Dauer widersteht und sich nicht am Ende selbst für em auserlesenes Wesen hält, dem alles gestattä ist!" —

Nun, ich wollte aber nicht zu dmen gehörm, die dm Menschm im .Künsüer ganz übersehen, — jetzt war Mon- sieur Vernon für mich nichts weiter, als ehr Herr, der eine Dame führte und nicht gerade bequem führte, —- daher raffte ich mänm ganzm Mut ztrsammm und

rafl ,!$ü6en wir noch sehr weit? Ich bin nänckich schon recht müde!"

Wenn ich gedacht hatte, mein Führer wurde verlegm werden, um Entschuldigung bittet: oder, Mitleid mit mir zägen, so hatte ich mich getäuscht. — nichts von alledem geschah, er sah vielmehr kaltblütig nach der Uhr und sagte: j,Etwa eine halbe Stunde noch; werden Ihre Kräfte aus- reichen, oder müssen. Sie zuvor ausrnhen?"

(Fortsetzung folgt.)

8 SR Patltmprrp Akademisch Ü 1 CUI P ICI 1 c gebildeter Optiker

mSSSSL Häfnergasse 5 .

2262

Langgasse,

Ecke Bären strasse.

3. Kirsch Sohne,

Telefon 2261. Haltestelle d. elektr. Bahn.

Grosse Auswahl in

ISofls, Kragen und Stolas, sowohl in Pelz, als augji in Chiffon. Straussfedern und Maraboufs, Schleier, Eeharpes, Ffehos, Seidenband, Pompadours, CJürtel, Seidenstoffe etc. etc.

Zu den bekannten billigen, aber festen Preisen.

BffWBMä

2862

Photographie Ernst Wollt,

ii

ii,

Adelheidstrasse

nahe der Adolfsallee,

erbittet W «> I ll H a(*ll tS-A U ftl’ägC

baldmöglichst. 2798

Damenfrisiren im Hause.

Badhans znm Kranz,

l.anirgasKc 50, ICclie 14rnnz|ilalz.

Thermal-Bäder ä 60 Pf.,

ttiinz nett eingerichtet* 2670

Möblirte Zimmer I. Etage.

Ia Weisswein la

so Ia»ge noch Vorrat 80 Liter zu 10,50 Mt. gegen Nachnahme. Fass leihweise und franko zurück. .1. BayersdKiTer, SSelllieim IS, Rheinptalz. (F. k 2115, 9 g) F 149

I» Nußkohlen, «tr. 1,15 u. 1,20 Mk., per

Kumvf 28 Pf„ gesiebt 25 Pf.. meltzte Ctr. 1 Mk„ Kumpf 17 Pf., I» Kartoffeln centtter« und fiihren» rndfc billigst. Zkr. Wolter» Hhfchgrabti: 18a.

Pf

No. 10

44

Brewer ©iaarrett, in Fehlfarben 6 Stück 40 Pf.. 100 Sr. Mk. 6.50, empfiehlt in hochfeiner wilder Qualität 2629

A. F. Knefeli,

Lanaaatte 45. Tel. 2217.

Warm

O 50 9 25

1.

50

gefütterte Hausschuhe in eleg.

Form, wie oben, mit Absotz,

für Damen.

Leder - Hausschuhe mit Blatt,

gefüttert für.

Tucli-VauSschuhe mit feinem Futter und guter Ledcrsohle, Gelegenheitskauf ....

Elegante, warm gefütterte Sasiian-Hausfchuhe m. nied­rigem Absatz, schwarz, rotb, «K 95 braun u. gelb, alle Größen Kinderpnntoffcl au« Tuch IK und Leder, lehr warm, für Pl- 65 Pf.. 75 Ps.. 1.50 n. 1.95.

Es sind dies selten billige Posten in Kinderschuhen.

KN & Ca.’s SAthmretthw

Union,

33 S. ggasse 33, Ecke Goldgasse.

Rnzündeholz. !äVÄ:

Brennhol, » Ctr. 1.30 M«.

liefern frei ins Hans 3651

(iebr. Nciiffelinncr. Danipl-Selireincrci,

Telephon 411. Schwalvacherstr.22. Telephon 411,