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*>*• Jahrgang.

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Verlag: Langgaffe 27.

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Für. die Aufnahme später eingernchter Anzeigen zur nächst.

' ^ . ~orge getragen.

Jtd« 523, Verlags-Fernsprecher No. 2958.

Sonntag» den 8. November.

Ncdaktions.Fcrnfprcchcr No. 52.

1903.

Morgen «Ausgabe.

Kr dkMjWndkk itniitämotlöge.

(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)

Die „Straßburger Post" bringt am 4. November 1908 einen von Berlin datierten Artikel: „Die Alters­verhältnisse im Heere", welcher eine nähere Beleuchtung verdient. Die Seeschlange, „das zu alt werdende Offt- zierkorps" mit einer leichten Hinweisung auf Jena, er­scheint darin wieder! Der Verfasser rechnet uns mit nicht ganz einwandfreien Zahlen vor, daß der Frontosfizier erst mit 35 Dienstjahren den Regimentskommandeur er­reicht und dann selbstverständlich viel zu alt ist, um noch diese Stellung auszufüllen, die, wie er sich ausdrückt, einen Mann verlangt, der „ein Muster von geistiger und körperlicher Spannkraft, von unglaublicher Gesundheit und Widerstandsfähigkeit, von fast strotzender Kraft sein soll —l Als Grundlage dient dem Artikel der „Straß­burger Post" der Frontoffizier der Infanterie, welcher absolut keine Anlage zum Springen markierte und der im Durchschnitt 22 Jahre alt werden soll, bevor die Epau- lettes seine Schultern zieren. Wir halten die Zahl 22 für zu hoch gegriffen, 19 bis 21 sind die jüngsten Leutnants alt, also im Durchschnitt dürften 20 Maimonate der Tat­sache eher entsprechen, was am Kulminationspunkt der Berechnung des verehrten Verfassers anstatt 57 Sommer deren nur 55 gäbe!

Warum die Straßburgerin nun besonders vom Regi mentskommandeur verlangt, daß er ein wahrer Kraft­meier sein soll, der auch als Athlet sein gutes Auskommen finden würde, ist uns nicht ganz klar geworden. Sämt­liche Offiziere müssen felddienstfähig sein und sind es meist auch, dafür sorgt schon der Verjüngungsdruck von oben! Wenn also der Herr Verfasser der „Altersverhält­nisse im Heere" „an den Spitzen der Bataillone und Kom­pagnien alte und teilweise schon recht verbrauchte Offi­ziere" sieht, wie er sich auszudrücken beliebt, so möchte das eine sehr einseitige Auffassung sein. Er meint vielleicht damit diejenigen Kameraden, welche sich ihres grauen Haares nicht schämen und zu vernünftig sind, um zum Hinsel und Farbentopf zu greifen! Gerade solche Leute, welche keine Furcht vor dem kritisierenden Auge des Vor­gesetzten zeigen, kennen im Ernstfälle auch keine Furcht vor dem Feinde, wie mir kriegserfahrene alte Soldaten bestätigen werden. Die verwitterten Gesichter und der ergraute Kopf beweisen nur, daß diese Männer ihren Dienst in Wind und Wetter, in Schmutz und Regen taten und keine Gelegenheit fanden, die Jugendlichkeit auf der Schreibstube und im Sattel zu konservieren! Sie halten meist mehr aus wie die frisch und rosig Aussehenden und spannen sehr selten wegen Krankheit oder gar Über­anstrengung aus! Wer Kriegsgeschichte kennt, vergleiche nur die Leistungen der wetterbeständigen, oft greisen deutschen Führer vergangener Zeiten mit den Taten der jugendlichen, pomadisierten Schürzenstipendienhelden des alten Frankreichs, und er wird finden, daß es nicht das Aussehen ist, was den „Soldaten" macht!

In der erwähnten militärischen Antikensammlung erblickt der jedenfalls „jugendfrohe" Verfasser der „Straßburger Post"-Abhandlung eine Gefahr fürs Vater­land, die sich seiner Ansicht nach durch „die Aushülfe, daß r--

man in den höheren Führerstellen meist durch General­stad, Kriegsministerium und Adjutantur gegangene Offi­ziere, „Springer" genannt, verwendet und auf diese Weise wenigstens in solche Stellen jüngere und frische Kräfte bringt", nur scheinbar mildert.

Wir sind anderer Meinung und freuen uns, bei dem unruhigen Hasten von heute noch stabile würdige Männer in den Stellungen der Bataillonskommandeure und Kompagniechefs zu erblicken, die als Garantien er­scheinen, daß in dem Zukunftskriege die ruhige Über­legung noch ihren Platz finden und ausfüllen wird."

Von den zu alten und verbrauchten Hauptleuten und Majors kommt der Reformator nach einigen Alters­vergleichen zwischen den verschiedenen Waffen auf des Pudels Kern — auf die Oberstleutnants der Infanterie und deren Stellung im Vergleich zu der nämlichen Charge bei der Kavallerie und Artillerie zu sprechen. Was er hier sagt, ist richtig, der Infanterist hinkt ge­waltig nach, da sämtliche Oberstleutnants der Schwester­waffen — Regimentskommandeure sind, während sich bei der Fußtruppe kein einziger dieser Stellung erfreut. „Das sind unhaltbare Zustände, auf die ich an dieser Stelle schon wiederholt hingewiesen habe, und es wird nachgerade Pflicht des Reichstages, denselben durch die von der Heeresverwaltung schon im vorigen Jahre be­antragte Gehaltsaufbesserung nun endlich abzuhelfen. Diese ungenügenden Einkommensverhältnissc, verbunden mit der recht schlechten Beförderung, müssen aber einen Offiziermangel bei der Infanterie zur Folge haben, der sich auch nur durch gleichzeitige Verbesserung von Ein­kommen und Beförderung ganz beseitigen lassen wird", fährt unser Mann fort, der einen bevorstehenden Offi- ziersmangel weissagt, wenn die Oberstleutnants nicht besser gestellt werden und das Avancement weiterhin schlecht bleibt.

Wir gönnen den Oberstleutnants der Infanterie in ihrer nicht beneidenswerten Stellung vom ganzen Herzen Gehaltsaufbesserung und Parität mit den im gleichen Range stehenden Kameraden der anderen Truppen­gattungen und hoffen, daß der Reichstag ein Einsehen haben wird — wenn cs die Finanzlage Deutschlands ge­stattet. — Von so schwer wiegenden Folgen aber, wie der Verfasser glaubt, halten wir die minderwertige Position des Oberstleutnants nicht. Z. B. scheint uns der Schluß sehr gewagt, daß mangelnder Offizierersatz durch den für ungenügend erachteten Gehalt dieser Charge entstehen sollte.

Darin stimmen wir aber mit der „St. Post" überein, daß die gegenwärtige schlechte Beförderung der Front­offiziere mit der Zeit klaffende Spalten in den Reihen der Offizierskorps schaffen wird!

Das „Wiesbadener Tagblatt" legte schon am 5. 4. 03 in einer Abhandlung über den „Mangel an Offizierersatz" klar dar, wo den Frontosfizier der Schuh drückt, und der damals aufgestellten Ansicht huldigt es auch noch heute!

„Essind die Springer, die dem Avance­ment der übrigen schaden, sie bringen die Offiziere in der Front um 3—4 Jahre zurück und verschulden, daß das deutsche O f f i z i e r k o r p s nicht mehr aus einem Guß besteht und große Unzufriedenheit überall Platz gegriffen hat!"

Wäre die Beförderung durch die Armee eine gleich­mäßige, würde der verdienstvollste Teil unseres Offizier­

korps nicht zu alt zu den höchsten Stellen und fände im Avancement den Lohn seiner schwierigen und verant­wortlichen Arbeit. Ebensowenig dürften die Springer abständig werden, da sie so wie so ihre Dienstzeit in an­genehmeren Verhältnissen zubringen, wenn ihnen auch einige Jahre am Vorwärtshasten verloren gingen!

Dem aktiven Offizier ist es unmöglich, seine Unzufriedenheit darzulegen, sonst würden die Gefühle, welche die meisten beseelen, mehr Tagesgespräch sein. Daß aber die ungünstigen Avancementsverhältnisse dennoch von weiten Schichten unseres Volkes mit scharfen Augen verfolgt werden, beweist der tatsächlich sich bemerkbar machende Mangel an Offizierersatz, der sich besonders in den wenig begünstigten Grenzgarnisonen bemerkbar macht. Die Maßnahmen, die man ergriff, um diesem Mangel abzuhelfcn, wie Erleichterung des Fähnrichs- examens und des Zutritts zu den Kadettenhäusern, wer­den nicht verfangen, es wird schließlich doch nichts übrig bleiben, als mit gleichem Gewicht zu wägen und die sauer errungenen Verdienste des Frontofstziers denen des Springers g l e i ch z u st e l l e n !"

Was heißt überhaupt im Frieden militärischer Ver­dienst? Pflichttreue und Hingebung verlangt man von jedem Offizier, „Verdienst" — kann mit seltenen Aus­nahmen der Soldat nur im Kriege erwerben!

Die Vorlage zu besserer Stellung der Oberstleutnants wird dem Reichstage wieder zugehen und dürsten zur Be­gründung mangelnder Nachwuchs und schlechtes Avance­ment dort vorgebracht werden. Wir behaupten, daß der besser bezahlte Oberstleutnant und weitere unbe­deutende Gehaltserhöhungen ni ch t Rat schaffen, unferem braven Offizierkorps kann nur eine gleichwertige Bemessung und Belohnung seiner Arbeit helfen, dann wird auch Zufriedenheit und Dienst, freudigkeit wieder bei demselben heimisch werden! R. W.

lltnt Kämpfe in Siidwest-Afrikn.

Aus Deutsch^Südwestafrika mehren sich die un. günstigen Nachrichten. Vor einigen Tagen wurde ge» meldet, daß eine Anzahl Deutscher von den Ovambos, den Bewohnern des nördlichsten Teils unserer Kolonie, ermordet worden sind. Nun ist zugleich eine auf­rührerische Bewegung im Süden ausgebrochen und m Zusammenstößen sind schon deutsche Soldaten gefallen. Nach einer telegraphifchen Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika sind bei den Unruhen Leutnant Jobst und Sergeant Snay gefalle« und der Reiter Aug. Schmidt ist verwundet.

Die in der Gegend von Warmbad wohnenden Bon- delzwarts empörten sich am 28. v. M. Man glaubt, daß der ganze Stamm, der ungefähr fünftausend bis zehn­tausend Mann stark sein soll, sich erhoben habe. Eine Ab­teilung von 110 Mann ist mit vier Gebirgsgcschützen und 50 Bastard-Hottentotten von Windhoek nach Warmbad aufgebrochen. Andere englische Quellen bezeichnen die Lage als kritisch. Die Kapregierung treffe Maßregeln, um die aufständischen Eingeborenen am Übertritt in die Kapkolonie zu verhindern.

Wir geben aus Anlaß dieser Vorkommnisse, die als ziemlich ernst angesehen werden, unseren Lesern bei- stchend eine Karte des südlichen Teiles des deutschen

Feuilleton.

Mle§ wissen ist Stückwerk.

Dieses Bibelspruchs werden sich die Naturforscher von allen Gelehrten am häufigsten erinnern. Es mag ja auch in der Naturwissenschaft viele Leute geben — vielleicht sind sie sogar in der Mehrzahl —, die sich gern in der Fülle ihrer Kenntnisse sonnen, aber der echte Natur­forscher mutz bescheiden sein, weil er fühlt, daß die Summe des Erkannten nur in einem kleinen Verhältnis steht zu der des Unerkannten, und daß jeden Tag eine über­raschende Entdeckung festgewurzelte Lehrsätze erschüttern kann. Die Gegenwart ist besonders dazu geeignet, solche Betrachtungen anzustellen, denn es ist eine Bewegung in die Naturwissenschaft geraten, die nur mit einer gründ­lichen Reformation enden kann. Die planmäßige Orga­nisation wissenschaftlicher Arbeiten ist vielleicht das Haupt­merkmal der heutigen wissenschaftlichen Betätigung. Nie­mals zuvor sind originale Forschungen so sorgfältig vor­bereitet und so bewußt durchgeführt worden, wie jetzt. Die Menschheit steht unter dem großen Eindruck des Fort­schritts, der während der letzten zwei Jahrhunderte in der Wissenschaft gemacht worden ist, und doch könnte man nicht überrascht sein, wenn während des 20. Jahrhunderts Entdeckungen gemacht werden sollten, die an Zahl und Tragweite alles, was die früheren Jahrhunderte geleistet haben, in den Schatten stellen würden. In diesem leb­haften Fluß können auch die großen Theorien, so be­herrschend sie zurzeit fein mögen, nicht unerschüttert bleiben. Oft genug ist es allerdings schon vorgekommen, daß eine alte, scheinbar längst ausgestorbene Naturan- lLauung wieder ausgearaben und zu neuem Leben erweckt

worden ist, aber ebenso werden neue Anschauungen wieder begraben. Für alles finden wir jetzt eindrückliche Beispiele. Die Wissenschaft der Chemie begann mit der Alchimie, dem Versuch, Gold aus anderen Metallen her­zustellen. Allmählich entwickelte sich dann die Lehre von öerUnveränderlichkeit der Elemente, und daraus ergab sich mit Notwendigkeit der Schluß, daß die alchimistischen Versuche nur ein zweckloses Hirngespinst gewesen sein konnten. Wer eine Hoffnung äußerte, diese mittelalter­lichen Bestrebungen könnten noch einmal wieder zu Ehren kommen, wurde einfach verlacht. Nun haben die Physiker und Chemiker in der jüngsten Vergangenheit einige er­staunliche Entdeckungen gemacht, aus denen sich ergeben hat, daß die Elemente doch nicht ganz so unveränderlich sind, wie man geglaubt hat. Man ist jetzt zu der Über­zeugung gekommen, daß alle Stoffe — von einer großen Anzahl, weiß man es gewiß — Strahlungen winziger Teilchen, die sogenannten Elektronen, aussenden, von denen jedes mindestens 1000mal leichter ist als ein Atom des leichtesten Elements, des Wasserstoffs, und von denen jedes, so weit man bisher eine Vermutung äußern kann, in Stoff und Größe dem anderen gleich ist, welches Ele­ment auch seine Quelle gewesen sein mag. Es mag noch nicht als ganz sicher angenommen werden, daß das „Ele­ment" Radium sich in das „Element" Helium zersetzt, aber ausgesprochen ist diese Möglichkeit, und darin liegt das unumwundene Zugeständnis, daß sich die Physiker und Chemiker heute mit Bezug auf die Natur der sogenannten Elemente weit weniger sicher fühlen, als vor 100 Jahren. Einer der bedeutendsten lebenden Chemiker hat bereits geradezu geäußert, daß nach seiner Meinung die Haupt­arbeit der Laboratorien der Physik und Chemie während der nächsten zehn Jahre dem Versuch gewidmet sein müßte, die Elemente zu analysieren und zu synthetisieren, d. h. ihre Zerlegung und Zusammensetzung ausfindig zu

machen. Es ist reizvoll, sich an der Hand der neuen Tat- suchen die Zukunft des Näheren ausznmalen. Welch ein Triumph für das Streben der so viel verspotteten mittel­alterlichen Alchimie würde es sein, wenn in einer viel­leicht nicht zu fernen Zeit ein Chemiker wirklich den „Stein der Weisen" fände, indem es ihm gelänge, aus den etwa vom Eisen ausgehenden Elektronen Gold ab- zuleiten. Daß etwas Derartiges jetzt überhaupt nur in den Kreis der Möglichkeit gezogen wird, ist, wie nichts anderes, bezeichnend für die großen Veränderungen, die sich in unseren Naturanschaungen jetzt angebahnt haben. Vielleicht wird es auch mit anderen Grundlehren noch dahin kommen, und es fehlt nicht an prophetischen Zeichen dafür. In der Kindheit der Naturwissenschaft glaubte man an eine „Urzeugung", die oft zitierte Aeneratio aequivoca, nämlich an die Entstehung lebender Wesen aus unbelebten Stoffen. Beispielsweise sollten die Aale aus dem Schlamm des Meeres geboren werden, und be­züglich der Entstehung von Flöhen findet man in Volks­kreisen noch heute einen merkwürdigen Glauben, der einen Zusammenhang mit Sägespänen und einer ge- wissen Flüssigkeit konstruieren will. Hauptsächlich waren cs Pasteur und Tyndall, die jene Anschauung von der Urzeugung zu einem scheinbar endgültigen Fall brachten. Dennoch mutz man jetzt sagen, daß die Wiedererweckung dieser Lehre kaum unglaublicher wäre, als die der alchi­mistischen Träume. Die Biologen, die sich emsig mit der Anwendung der physikalischen Chemie auf das Stadium des Protoplasma, des lebenden Eiweißes, beschäftigen, haben schon hin und wieder mit der Möglichkeit gelieb- äugelt, lebende Dinge aus leblosen gewinnen zu können. Alles in allem: man mutz jetzt mehr als je die über- wältigende Macht des Grundgesetzes anerkennen, das der große Heraklit in zwei kurze Worte zusammenpretzter Alles fließt.