*1. Jahrga-2«.
^rschttm m zwei Ausgabe». — BezngS-Pre«: durch de« Verlag SO Pfg. mouatllch, durch die Potz » Mk. so Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
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BBergen «Ausgabe.
Alaska und seine Zukunst.
Selbst in der Volksanschauung ist Alaska, das durch die Entscheidung in dem Streite zwischen Kanada und den Bereinigten Staaten in den Vordergrund des Interesses gerückt ist, heute nicht mehr das einsame Land von Eis und Schnee, als welches es früher geschildert worden ist. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind Ingenieure für TÄegraphenlegung und Eisenbahnbau, Kapitalisten, Bankiers und Lehrer den goldsuchenden Pionieren auf den Fersen gefolgt, so daß nicht nur Alaska, sondern der ganze weite Nordwesten Amerikas die wunderbare Entwicklung Kaliforniens wiederholt hat: Dampfer, darunter einige mit fürstlicher Ausstattung, fahren auf den Flüssen von Alaska,' Städte schießen auf nnt organisierter Verwaltung, mit Schulen, Banken und Kirchen und täglichen Zeitungen, mit Straßen mit Pflasterung und elektrischem Licht. Telegraphen und Telephone verbinden die Hauptniederlassungen, und Eisenbahnen sind im Bau, die in einem bis zwei Jahren die Halbinsel von einem Ende zum anderen durchkreuzen werden. In einem sehr interessan- ten Artikel, den William R. Stewart in „The World's Work" veröffentlicht, wird einiges Material zusammengetragen, das die Zukunft des von der Natur reich bedachten Landes in glänzendem Lichte erscheinen läßt. Über das K l i m a von Alaska haben lange viele falsche Ansichten geherrscht. In Südostalaska!, das durch die wärmende Lust vom Japanstrom müderes Klima hat, fällt das Thermometer selten auf Null, und der Unter- schied von Hochsommer und strengstem Winter übersteigt nicht 25 Grad. Selbst in St. Michaels, nördlich von der Mündung des Uukon, beträgt die mittlere Sommertemperatur 50 Grad Fahrenheit. Im Innern des Landes ist daS Klirna strenger, aber doch nicht so hart, wie man meist glaubt. In Klondike steigt die Temperatur bis 50 Grad, in Tawfon sogar bis 95 Grad. Längs dem mächtigen Uukon-Fluß kann der Wanderer vier Monate lang wandern und keinen Schnee scheu; dagegen gibt es einen Urwald von reicher Vegetation, von großen, mannshohen Graswäldern und endlosen Feldern des schönsten Pflanzenlebens. In 36 Jahren haben Alaska und das anstoßende kanadische Nukongebiet Fische, Pelzwerk und Minenprodukte geliefert, die ungefähr 1500 Millionen Mark im Wert betragen, und dabei geht dieser ganze Nordwesten erst einer großartigen Entwickelung entgegen. Für 160 Millionen Mark werden Güter importiert, und das Kapital in amerikanischem, britischem und kanadischem Gelde, das dort angelegt ist, beträgt ungefähr 500 Millionen Mark. 10 000 Meilen Eisenbahnstrecke sind entweder im Bari oder endgültig zum Bau bestimmt. Rome, heute eine Stadt von 25 000 Einwohnern, der wesüiche Endpunkt der Bahn, die die
nördlichste der ganzen Welt ist, hat alle Vorteile der Kdrltur; es steht mit den Goldminen und mit anderen Städten in Eisenbahnverbindung. Durch die neue Alaska-Zentral-Eisenbahn, die vom Hafen Valdez aus- gcht, — dem nördlichsten Hafen Alaskas, der das ganze Jahr hindurch offen ist, — sollen die Berg- und Ackerbaudistrikte vom Copper-Tanana- und Aukon-Tal erschlossen werden; Ta,nana ist der Endpunkt. Das Gebiet liefert Gold, Kupfer und Kohlen. Wenn noch einige geplante Eisenbahnen zur Ausführung kommen, so ist die durchgehende Eisenbahnverbindung von New-Mark bis Norton-Land an der B e r i n g st r a ß e, das nur wenige Meilen vom Asiaüschen Festland entfernt ist, hergestellt. Ein nördlicher Zweig dm transsibirischen Eisenbahn würde dann den Traum verwirklichen, von New-Iorr nach Paris mit der Eisenbahn zu gelangen. . . Die erste Eisenbahn in Alaska ist im Jahre 1898 gebaut worden, um die Goldfelder von Kanadisch-Aukon zu erschließen; es war die Bahn von Skagway in Alaska nach White Hovse im Iukon-Territorium, stellenweise kostete der Bau von einer englischen Meile eine Million! White Hörst und Dawson im Goldfeldergebiet sind im Sommer durch moderne Dampfer, im Winter durch vierspännige Schlitten verbunden. Dawson hat Wasserleitung, Telephon, Telegraph, Kirchen, Theater, Klubs und gute Schulen. Vor drei Jahren lebten die Einwohner noch von getrocknetem oder Büchsenfleisch und Kartoffeln, heute haben sie alle möglichen kulinarischen Genüsse zu ihrer Verfügung. Der Nukon, an dem Dawson liegt, büdet den Haupthandelsweg nach St. Michaels am Beringsmeer; er ist leicht schiffb!ar. Im Sommer vermitteln ungefähr 40 Dampfer den Verkehr; sobald das Eis so fest ist, daß es ein Hunde- gespann und beladene Schlitten tragen kann., beginnt der Winterverkchr. Ein waghalsiger Reisender spürt dann einen Weg aus, der meist von den anderen später benutzt wird. Übrigens ist Man nie während.der Reise ohne telegraphische Verbindung. Das Land hat auch große Reichtümer in Gestalt seiner Pappel-, Fichten- und Kiefernwälder und.eine unvergleichliche Wasserkraft in seinen Ströinen. Erst kürzlich sind reiche Petroleum- quellen entdeckt worden. In Cotella bei Copper City wurde Petroleum 160 Fuß emporgeworfen: es riß alles fort, was im Wege lag und konnte nur mit Mühe gedämmt werden. Die F i s ch e r e i von Alaska ist eine der reichsten der Erde, die Hälfte der ganzen Lachs- lieferung der Vereinigten Staaten kommt aus Alaska, und der Kabeljauertrag ist größer als der von Newfoundland, obwohl er erst in den ersten Anfängen ist. Alaskas G ö l d m i n e n und Pelzhandel sind schon so häufig beschrieben worden, daß dadurch ein falscher Begriff von den anderen. Hülssquellm des Landes gegeben worden ist. Die Viehzucht hebt sich in Alaska so sehr, daß in wenigen Jahren regelmäßiger Viehexport voranszusehen ist. Die reichen Grasweiden
und die fehlenden Winterstürme machen einige Teile des Landes zu idealen Weideplätzen. Fünf Orte in Alaska haben gegenwärttg eine Bevölkerung, von über 1000 Einwohner und 11 Orte haben über 600 Einwohner.. 30 öffentliche Schulen mit 36 Lehrern und 2000 Schülern wurden im Jahre 1902 in Alaska unterhalten; außerdem gibt es noch andere Schulen, 16 von der Presbyteri» «mischen Kirche, 10 von der Protestantischen Episkopalkirche. Da Alaska größer als England, Frankreichs Deutschland, Portugal und Belgien zusammen ist, stellt es einen bedeutenden Teil der Vereinigten Staaten dar.
Aus dein MauWn Wermsen.
vr. Max Brösicke, kommissarisches Mitglied des Kgl. statistischen Bureaus in Berlin, hat in der neuesten Nummer der Zeitschrift des letzteren unter der Überschrift „Die Bäder und Heilquellen im Preußischen Staate während der Jahre 1896 bis 1900" eine aus 67 Foliodruckseiten bestehende Abhandlung veröffentlicht, die als erste offizielle Arbeit ans diesem Gebiete des Interessanten viel bietet. Eine kurze Blumenlese aus dieser Ab Hand- lung, betreffend die Bäder und Heilquellen in unserem Regierungsbezirk Wiesbaden, wird dies dartun.
In demselben waren danach 10 Mineralbäder und 2 Bersandbrunnen vorhanden. Staatseigentum sind von den 10 Mineralbüdern Ems, Fachingen (verpachtet), Langeuschwalbach, Niederselters (verpachtet), Schlangen, bad, Weilbach (verpachtet). Gemeinöeeigentum sind Hom- bürg v. d. Höhe, Soden a. Taunus und Wiesbaden. Aßmannshausen gehört einer Aktiengesellschaft.
Der Besuch der hierunter befindlichen Mineralbäder in den Jahren 1870 und 1900 war der folgende:
1. Wildbäder:
1870
1900
Schlangenbad ..........
1102
2 000
2. Alkalische Wasser:
Atzmannshausen .........
210
Ems.
7 426
11485
8. Einfache Kochsalzwaffer:
Homburg v. b. H..
10 841
12 189
Soden.
2 010
3121
Wiesbaden.
84100
186 011
4. Sod-, brom- oder lithionhaltige
Kochsalzwasser:
Weilbach .. .
148
118
5. Schwefelwasser:
Weilbach tsiehe 4).
6. Eisenwasser:
Homburg v. d. H. (siehe 3). Langenschwalbach .
2 819
6 808
Fachingen und Niederselters werden als ausschließ, lich zum Versand von Mineralwasser benutzte Gesundbrunnen bezeichnet. In den Ziffern Wiesbadens sind die Durchreisenden mit inbegriffen.
Mit alleiniger Ausnahme von Weilbach war also
Ämemett-Anualrme sür die Abend-Ausgabe bi» 12 Uhr mittags, für die Morgen.Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später cinaereichtcr Anneiacn ,ur nächst-
erscheinenden Ausgabe, nwc für di- Anzeigen-Äusnahm. an besttmmt vorgeschriebenen Tagen wird kein« Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkett Zwg? g-trag.m
521. WerlagS-Fernsprecher No. 2858.
Samstag» den V. Uovemder.
Nebakilons-Fernsprecher No. 52.
1903 .
Feuilleton.
Drei interessante Sucher.
Nicht jedes gute Buch ist interessant. Es gibt sogar einzelne Meisterwerke der Literatur, welche direkt langweilig sind, insonderheit für Menschen, die nicht die Mutze haben, sich unter Halmen die vollen Wetzenkörner herauszusuchen. Bücher, die interessant sind, haben gewöhnlich den Reiz einer starken Originalität, eines pikanten Stils oder aber den Charme des Persönlichen. Wo uns eine Örtlichkeit als erschaut vor Augen geführt wird, od'ör wo uns wirkliche und keine mehr oder weniger erfundenen Menschenschicksale entgegentreten, da fühlen wir uns gleich besonders angeregt, vielleicht deshalb, weil mehr unsere Neugier als unser literarisches Unterhaltungsbedürfnis gereizt wird. Diese rein menschliche Neugier schasst der Brief- und Memoirenliteratur immer rin dankbares Publikum. Einen Extrakt aus derartigen Siteraturerscheinungen einer uns besonders pikant und interessant erscheinenden Zeitperiode legt uns die sein- zeistige, bekannte italienische Schriftstellerin N e e r a vor, in einem Buche, das eben in der vortrefflichen Übersetzung von M. v. Berghof, reizvoll ausgestattet und mit delikaten Miniaturen der historischen Heldinnen geschmückt, bei Karl Meißner in Dresden unter dem Titel „Das galante Jahrhundert" herauskam. Das galante Jahrhundert — welches andere könnte das wohl sein, als das achtzehnte, und wo könnte es wohl galanter gewesen sein, als in Frankreich, diesem Vorbilde graziöser Liederlichkeit für fast alle Staaten Europas. Wir glauben Liebesworte zwischen glattgeschorenen Taxushecken flüstern zu hören, wähnen um Springbrunnen und Ruhesitze Bouchersche Amoretten flattern und auf grünem Rasen Watteausche Schäfer und Schäferinnen tändeln zu sehen, oder aber wir wittern in den Gängen der Prunkschlösser oder auch wohlversteckter, lauschiger Favo- rittnnrnsitze das Parfüm königlicher, in das Staatsgetriebe gefährlich hineintntrigierender Maitreffen. Wir
ahnen Skandal oder Skandälchen. Aber der feine Frauengeist der italienischen Schriftstellerin liebt offenbar den zu stark ausgetragenen Senf nicht. Sie gibt uns nur feingeistige Charalterstudien bekannter französischer Frauen, die bei der geistigen Bewegung jenes Jahrhunderts eine Rolle spielten, meist durch ihre Beziehungen zu geistig bedeutenden Männern, zumal der Encyklopädisten. Wir begegnen dort einer Menge von Verhältnissen, wo der berühmte „Er" oder die geiswolle „Sie" eine fast rührende Treue an den Tag legten für jemanden, .der nicht die Gattin des Er oder der Gatte der Sie war, Umstände, die keineswegs dem galanten Jahrhundert allein eigen sind, die aber heutzutage mit weniger Gutmütigkeit betrachtet wurden, als damals. Doch, wie gesagt, Frau Neera vermeidet es, im Skandal zu wühlen. Sie nimmt ihn als gegeben hin, und sucht meist aus den Briefen psychologische Studienobjekte zu gewinnen. An sieben sehr verschieden gearteten Damen des galanten Jahrhunderts zeigt sie uns die Haupttypen des Frauengeschlechtes überhaupt. Da finden wir die phantasievolle, wild leidenschaftliche Mademoiselle Lespinasse, an die der große d'Alembert vergebens so lange seine treue Liebe hing, finden die fromme und tugendhafte Aiffs, eine geborene Cirkassierin, wie sie sich in treuem, von der Kirche allerdings nicht gesegnetem Bunde zu dem Chevalier d'Aydie findet, von dem sie auch ein Töchterchen hat. Dann lernen wir in der Marquise du Devant eine sich in Eifersucht verzehrende, noch in ihrem Alter vor Liebe ganz närrische und sehr unsympathische, aber geistvolle Frau kennen, und in Madame Geoffrin, der mütterlichen Freundin des Polcnkönigs, eine verehrungswürdige Schützerin von Künstlern und Dichtern und großherzige Wohltäterin. Der harmlos liebenswürdigen Madame d'Epins und der kapriziösen Gräfin d'Houdetüt, zeitweise Beschützerinnen des naiv egoistischen, als Schriftsteller f' bedeutenden Rousseau und der hübschen Gräfin Genlis in der sich die schlimmsten Feinde des weiblichen Gc schlechtes, die Frivolität und der Leichtsinn verkörpern sind die letzten beiden Studien des fesselnden Buches, da: uns einen kulturhistorisch besonders weiten Blick in das
18. Jahrhundert tun läßt, gewidmet. Das Werk verdient warme Empfehlung. Es unterhält und unterrichtet auf die feinste Weise, es gibt uns scharf gezeichnete literarische Miniaturen in goldenen Rähmchen.
Erfreuen wir uns in dem vorbesprochenen Buche an der Schilderung von Personen, so in einem soeben bet Robert Lutz in Stuttgart erschienenen Werke des bestens bekannten Schriftstellers Robert Kohlrausch: „Klassische Dramen und ihre
Stätten in Wort und Bild" an interessanten Örtlichkeiten. Das Interesse am Persönlichen, das man so gerne auch ans Dichtwerken heraussucht, durchweht dieses fesselnde Buch, das den Spuren solcher Erscheinungen folgt, die nicht nur des Dichters Phantasie geboren, sondern die, wenn vielleicht auch unter anderen Bedingungen, als sie der Dichter schilderte, gelebt haben, oder die, wenn sie ausschließlich die Kinder der dichterischen Einbildung sind, doch mit Örtlichkeiten und Bauwerken in Beziehung gebracht werben, die in Wirklichkeit existierten und heute vielleicht noch in ursprünglicher Form erhalten sind. Derartige geweihte Stätten aufznsuchen muß einen Literaturfreund und -Kenner besonders reizen, und fast möchte man Kohlrausch beneiden, daß er beim Aufspüren solcher Orte nach Norden und Süden, nach Osten und Westen gewandert ist, überall forschend und schauend, überall umweht vom Geisterhauche gewaltiger Dichtungen, überall genießend. Sein Fuß hat die Stätten betteten, wo Romeo und Julia zu Jerona geseufzt, wo Goetz von Berlichingen dem kaiser- sichen Herold seine freundliche Einladung zurief; den -puren Tells und Fieskos, Tassos und Fausts, Hamlets >nd des Kaufmanns von Venedig, des Käthchens von Heil- öronn und der Emilia Galotti, der Wiöerspensttgen und ',cs Prinzen von Homburg ist er gefolgt, und an ihren Orten lebt die Dichtung farbenprächtiger und greifbarer für ihn auf. Da wird er denn zum Ausleger und Erklärer, wird er zum Dramaturgen und Literarhistoriker, zu einem begeisterten Cicerone nnö anregenden Lehrer, der nicht mehr ex cathedra spricht, sondern aus Ort und Zeit heraus. Ein dankenswertes, durch und durch an-
