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WitMkner Tsgblck.

»__ «». Jahr-»»-. Lerlaa: Lanaaakle 27. «nzeigen-Prei»,

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> t)22» Verlags-Fernsprecher N». 2953.

übereil-Ausgabe.

Politische Mochrnjchau.

'Am Donnerstag finden die Wahlmänner­wahlen zu in preußischen Abgeordneten­hause statt, welche über die Zusammensetzung deS preußischen Parlaments für das Jahrfünft entscheiden werden. Auf sonderlich große Umwälzungen des bis­herigen Charakters der Vertretung des preußischen Volkes wird kaum irgendwo gerechnet. Bei der Masse der Wähler, welche das Dreiklassenwahlrecht in die dritte, einflußlose Klasse versetzt, ist das Interesse an dem Wahl­kampf, zu dessen Ausgang sie selbst so wenig beitragen können, nur gering. Zwar rechnet man darauf, daß die angekündigte Beteiligung der Sozialdemokratie an dem Wahlkampf auch die Anhänger der bürgerlichen Parteien zu größerer Regsamkeit anspornen wird, aber die lang­jährige Erfahrung läßt nach dieser Richtung hin allzu großen Hoffnungen wenig Raum.

Seitens der Sozialdemokratie scheint mau übrigens dem Ausgang der Wahl auch keine sonderlich großen Hoffnungen entgegenzubringen. In der Tat dürften doch zahlreiche Mitläufer der Sozialdemokratie an den sozialistischen Idealen irre geworden sein, nachdem sie sowohl an dem Dresdener Parteitag als auch au den zahlreichen Nachspielen zu jener Tagung erlebt haben, wie sehr zur theoretischen Brüderlichkeit der Sozial­demokratie die Praxis des Lebens im Widerspruch steht.

Der Streit der Meinungen und auch die Differenzen oer parteipolitischen Anschauungen sind verstummt an der Bahre des großen Toten, dessen Verlust das deutsche Volk zu Beginn dieser Woche zu beklagen hatte, und dessen irdische Überreste am Donnerstag der Erde übergeben worden sind. In der Anerkennung der unvergänglichen Verdienste des großen Historikers TheodorMomm- sen und in der Ehrung des Dahingeschicdenen, der nicht minder groß als Mensch, denn als Historiker war, hat sich das gesamte deutsche Volk und mit ihm ein großer Teil der Kulturwelt vereinigt. Unter den zahllosen Beileids­kundgebungen, welche der Familie des Verstorbenen zu­gingen, nahm das ganz besonders herzlich gehaltene Telegramm des deutschen Kaisers den ersten Rang ein.

In den herzlichsten Fornien und in ungestörtem Ein­vernehmen hat sich auch die Zusamnuenkunst des deutschen Kaisers mit dem Zaren in Wies­baden und in Wolfsgarten abgespielt, der durch die gleichzeitige Anwesenheit des deutschen Reichskanzlers und des russischen Ministers des Äußern in sichtbarer Form der politische Stempel ausgedrückt worden ist. Neue Der-

Samstag» den 7. November.

abredungen sind bei dieser Zusammenkunft kaum erfolgt, aber ihre Bedeutung ist darum nicht minder feststehend. Denn diese Zweikaiserbegegnung -bildet den Ausdruck des ungestörten und guten Einvernehmens zwischen Deutsch­land und Rußland, welches durch die mancherlei Zwischen­fälle, die wir in jüngster Zeit aus dem Gebiet -der inter­nationalen Politik zu verzeichnen hatten, in keiner Weife -berührt worden ist, es sei denn, daß dies Einvernehmen noch eine Verstärkung erfahren hat.

Auf dem Gebiet der hohen Politik geht es unterdes noch immer recht bewegt und lebhaft zu. In O st- a s i e n kriselt -es noch bedenklich, wenn es auch nicht ganz so schlimm ist, wie die Engländer es darstellen. Jeden­falls^ macht es sich Rußland in der Mandschurei immer gemütlicher, und es ist kein Wunder, wenn es den Chinesen und Japanern dabei immer ungemütlicher wird. Unbehaglich ist es auch dem türkischen Sultan zu Mute, dem Rußland und Österreich-Ungarn mit dem m a k e - d o nischen Reformprogramm immer ener­gischer auf den Leib rücken. Und in noch trostloserer Verfassung befindet sich endlich der Kollege Abdul Hamids, der Sultan von Marokko, der nunmehr vor den Aufständischen das Hasenpanier ergriffen hat. Abdul Aziz hat den Feldzug für den Winter eingestellt und sich hinter die Mauern von Fez zurückgezogen, wo er fürs erste Ruhe zu haben hofft.

Sollte sich diese Annahme bestätigen, so könnte Fez demnächst ein beliebter Kuraufenthalt für Minister­präsidenten werden und für solche, die es waren, da bei besagten geplagten Erdenmenschen das Ruhebedürsnis oft sehr stark ist. Zum Beispiel Graf K h u e n -H e d e r - Vary würde sich sicher in Fez besser gefallen als in Agram, wo man ihn mit Demonstrationen erwartet. Aber vielleicht wird auch sein Nachfolger Graf T i s z a meinen, daß die Mauren zum Schluß bessere Menschen sind als die ungarischen Unabhängigkeitspolitiker, die trotz der Zugeständnisse des Kaisers in der Armeesrage von neuem die Obstruktion begonnen haben. Ob es dem neugebackenen italienischen Ministerpräsidenten G i o - litti viel besser ergehen wird, bleibt abzuwarten. Ist doch sogar der -anscheinend so sattelfeste Herr Combes in Frankreich amtsmüde geworden.

Krisen allüberall. Aber die politisch bedeutsamste Krisis ist die in der kolumbischen Provinz Panama ausgebrochene. Die Panama-Leute haben ein bischen Revolution gemacht, um über den Kopf Kolumbiens hinweg das Panamakanal-Geschäft mit der Union zu machen. Wenn der Handel gelingt, dann wer­den freilich den Löwenanteil der fetten Dividenden nicht die schlauen Politiker in Panama, sondern die noch schlaueren Aaukees einstrcichen!

Rcdaktionö.Fcrnjprecher No. 52. 1903»

Deutsches Deich.

* Hof- uvb Personal-Nachrichten. Wie aus Posen ge!

meldet wird, hat sich das Befinden des Erzbischofs Dr. Stad­le w s k i in letzter Zeit verschlechtert, doch ist gegenwärtig noch kein Anlaß zu ernsten Befürchtungen gegeben.

* Zur Mainzer Bischofswahl. Prinz Max von S a ch s e n, der bereits bei der letzten B i s ch o f s w a h l auf der Kandidatenliste stand, aber abgelehnt worden ist, wird, wie bestimmt verlautet, auch diesmal ausgestellt werden. Prinz Max ist -bekanntlich ein ultramontaner Heißsporn. Es würde jedenfalls für den konfessionellen Frieden kein Vorteil sein, wenn er gewählt würde.

* Schulfreiyeit am Tage der Wahl. Ter Kultus­minister hat angeordnet, daß an sämtlichen höheren Lehr­anstalten am Tage der Urwahl, am 12. November, der Unterricht ausfällt.

* Rundschau im Reiche. H. v. G e r I a ch übernimmt vom 1. Januar ab die Ehesredaktion der „Berliner Zeit u n g", die bisher zur Freisinnigen Volkspcrrtei ge­hörte. Mehrere Freuiide werden Mitarbeiter; die täglich erscheinende Rubrik „Soziale Bewegung" kommt in be­währte Hände. Damit wird die „Berl. Ztg." das Organ der Natioualsozialen.

Ausstand in Deulsch-Südwest-Asrilm.

bck. Berlin, 7. November. Wie aus London ge­meldet wird, erhält die „Daily Mail" aus Kapstadt em Telegramm, wonach die deutsche Garnison Usibis um­zingelt und massakriert wurde. Biele deutsche Händler in entfernten Distrikten wurden ermordet. Die Rebellen haben 600 Gewehre und Munition.

M. Berlin, 7. November. Ter „Nat.-Ztg." Zufolge ist bisher an amtlicher Stelle keine Bestätigung der eng­lischen Meldung von einem Aufstande der Eingeborenen in Deutsch-Südwest-Afrikä eingetrosfen. Aus jeden Fall erscheint die Meldung stark übertrieben, da die fraglichen Stämme nicht annähernd die in jenen Nachrichten ange­gebene Stärke haben. — Über die Unruhen wird der Londoner „Daily Mail" aus Kapstadt weiter, hoffent­lich unzuverlässig, gemeldet: Die Bondelzwarts bemach» tigten sich des Ortes Warmbad in Deutsch-Südwestafrika und metzelten die deutsche Garnison nieder.' Die englischen Familien sind Gefangene der Bondelzwarts. Eine aus dem Norden kommende Entsatz-Kolonne sei von den Ein­geborenen in ein schweres Gefecht verwickelt, dessen Aus- gang unbekannt ist. Bei Kingfontaine am Ovanjefluß sei die Fürst von einer starken Abteilung Bondelzwarts besetzt. Me Ursache des Aufstandes sei die Hinrichtung eines Häuplings durch die Deutschen. — Nach einer

Die Revolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(22. Fortsetzung.)

Er erhob sich, holte aus der neben der Flinte in einer Ecke niedergelegten Jagdtasche ein Paket hervor und ließ sich, es von seinerUmschnürung befreiend-, wieder auf seinem Stuhl nieder. Eine große Anzahl mit einem Gedicht bedruckter Blätter lagen aus dem Tisch. „Hör' zu, Mieten," sagt?- er, und indem er mit der Rechten die Hand der jungen Frau fest umschlossen hielt und mit der Linken eins der Blätter faßte, las er den Inhalt halblaut, doch eindringlich!, babei leise mit seiner dunkel gefärbten, wohllautenden Stimme Rhythmus und Melodie deZ französischen Freiheitsliedes anschlagend.

„Das lodert wie Flammen, das ist wie ein Brand!" sagte sie, als er geendet. „Oh, ich weiß es: das muß unter die Leute, das muß sie aufrütteln, das muß sie vor­bereiten." .

„Es muß im ganzen Bergischen Land bekannt werden, muß verboten und heimlich desto mehr gesungen werden."

„Und ich werde es ins Volk bringen!" ries sie und ihre Augen blitzten.

„Ja, Mieken, so hatte ich mir das gedacht. Wer die Sache ist schwieriger, als du denkst. Wenn du als Verteilerin des Liedes erwischt wirst, sitz't du im Hand­umdrehen da, wo dein Mann sitzt, und es geht dir schlecht. Der Sache aber, der du dienen willst, ist damit wenig geholfen. Das muß alles sehr heimlich getrieben werden. Ach, wenn du wüßtest, wie schwer es war, das gedruckt zu kriegen, wie lange es gebraucht hat, bis ich für diese Zwecke einen patriotischen, treuen Mann fand, der es nachts selber heimlich setzte und auf seiner Presse abzog. Nein, die Verteilung ist nicht so leicht, und es ist ein großes Opfer, was die Sache der Freiheit gleich von dir fordert. Sie stellt hohe Anforderungen an deinen Mut und an deine Selbstverleugnung. Wenn andere Leute in ihren w-arm-en Betten liegen und schlafen, und wenn draußen der Sturm heult oder der Schnee fußtief liegt, wenn die Nacht dunkel ist zum Greifen und selbst die Eule ihren Schlupfwinkel nicht verläßt, dann mußt

du stundenweit wandern, mußt alle Furcht und alles Grausen von dir tun, mußt wie ein Gespenst daherhuschen heimlich- und flink auf den einsamen Höfen dies Lied oder andere Flugschriften verteilen, die ich dir noch geben werde. Durch die Tür- und Fensterritzen mußt du das in die Häuser hineinbringen oder, wenn das nicht geht, mußt du's an die Türen befestigen, heute in dieser Gegend, morgen in einer anderen, ganz entgegengesetzten. Und bald wird man auspassen, bald wird die Behörde alles anwenden, daß die geheimnisvolle irnheimliche Persönlich­keit, die das betreibt, erwischt werde. Dann h-eißt's doppelt vorsichtig und klug sein und sie alle zum Narren haben, daß man schließlich glaubt, es wären Dutzende, die dies Werk verrichten. Auffehen muß es machen, unser Werk, wenn es wirken soll."

„Verlaßt Euch auf mich," sagte sie fest. „Ich kenne keine Furcht, keine Mühst kein Grausen, wenn es sein muß. Fa, ich glaub, daß ich noch einen Spaß daran finden werd, so die faul-en Geister aufzurütteln und die Behörden in Aufregung zu bringen. Ihr braucht mir nur zu sagen, wie und wo ich anfangen soll, und es ge­schieht, und wenn es Jahr und Tag geschehen muß."

„Ich Hab mich also nicht in dir getäuscht, Mieken!" rief er freudig. „Na, dann wollen wir alles aufs beste vorbereiten. In deinen Blötschkern (Holzschuh-en) kannst du natürlich deine nächtlichen Spaziergänge nicht ab­machen. Ich werde dir Geld geben. Dann gehst du morgen oder nächster Tage nach Düsseldorf oder Elber­feld, wo dich niemand kennt. Da kaufft du dir feste, hohe Schnürschuhe, denen kein Regen und kein Schn« etwas anhaben kann, und kaufst dir ein besonders dickes und langes Wolltuch, in das du dich ganz einhüllen kannst. Eine kleine, gute Pistole kriegst du auch zur Ausstattung. Ich bring sie dir dieser Tage mit, und eines Sonntags, wenn unten im Kotten keine Schleifer sind und- es hier noch einsamer ist, wie gewöhnlich, daß keiner das Geknalle hört, daun unterweis ich -dich hier, wie du das Ding im Notfall gebrauchen kannst. — Wer wohin verstecken wir nun ganz sicher die Zettel, die ich dir hin und wieder zum Verteilen bringe?"

„Dafür ist schon gesorgt," lachte sie. „Umsonst ist .der Jupp nicht so ein arger Ströpper gewesen."

Sie rückte ohne große Schwierigkeit den kleinen-, blanken Kanonenosen ein wenig zur Seite, schob die Eisenplatte zurück, auf der er ruhte, fuhr mit dem- Stoch- eisen in eine Fußbodenritze und es zeigte sich, daß sich dort -eine Klappe im Boden befand, die sie öffnete. Eine dunkle Höhlung gähnte. Sie griff hinein und holte eine halb- lange Flinte hervor. „Mit diesem Stupp wußte der Jupp gut -umzugehen, und besser noch rnit Liesen Schlingen," sagte sie, ein halbes Dutzend dieser Fang- geräte zu Tage sördernd.

„Kein Wunder, daß hier-die Jagd schlecht ist," sagte er. „Doch dies Versteck soll uns noch gute Dienste tun."

„Es ist ganz trocken und mit Brettern ausgeschlagen. Man kann es unter Umständen noch weiter machen."

Er brachte das Päckchen Liederabdrücke in der Höhlung unter, Mieken legte die Flinte ihres Mannes dazu und verschloß das Versteck wieder.

„Es kommt wirklich keiner daraus," sagte er beifällig, als der Ofen wieder au seinem Platz stand. Er ent­faltete nun auf -dem Tische eine Karte des Kreises, die jedes Haus und jeden Steg verzeichnete, und setzte ihr auseinander, wie sie es mit der Verteilung der Schriften halten solle und welche Höfe und Ortschaften zu bedenken seien. „Zunächst das, was am weitesten vom Eikenhüsken entfernt ist. damit lein Verdacht nach hier gelenkt wird, und dann in buntem Wechsel bald dort, bald hier, schein­bar ganz ohne bestimmten Plan. Tu verstehst dich wohl darauf, die Karte zu gebrauchen?"

„Das hat mir in der Schul' mit am meisten Spaß gemacht. Ich denk' in ein paar Wochen Hab' ich jedes Fleckchen. wo nur ein Wohnhaus oder ein Kotten sicht, abgelaufen."

„Ja, aus die Kotten müssen wir's besonders ab-sehen. An -die kannst du nachts am besten unbemerkt heran und 'ne kapute Fensterscheibe oder ein ordentlicher Spalt in der Tür findet sich da überall. Werf' nur immer ein paar Dutzend der Lieder hinein, dann kommen sie am schnellsten herum. Und dann denk' dran, daß schon in einer der nächsten Nächte." hier deutete er die Gegend auf der Karte mit dem Finger an, „hier in Dykrath, die Zettel verteilt werden. Sieh hier, ein Biertelstündchen davon liegt der Hof Eigersbusch. Den bedenk nur auch