WDer Roman, ij
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Morgen-Verlage der Wiesbadener Tagblatts. Bgra
Nr. 216. Donnerstag, 16. September.
iyIS.
(17. Fortsetzung.)
Roman von Anntz
„Dies Plätzchen habe ich so gern", sagte der Jonk- heer. „meine Mutter hielt hier auf ihren Spaziergängen oft Rast und die Bank ließ sie vor langen Jahren, als sie noch eine junge Frau war, hier aufstellen. Wollen wir auch eine kleine Rast hier halten?" Bitten- schlugen äie letzten Worte an Fried els Ohr.
Sie erschrak, -er Augenblick, Len sie gefürchtet und doch erwartet, war gekommen. Fa, erwartet hatte sie diesen Augenblick, weil er ihr das Mittel geben sollt«, Hans Buckenbach zu zeigen: ich habe dich genau so wenig geliebt wie Lu mich Und nun hatten ein paar Worte der Mutter gestern abend und ein kurzer Traum alles umgeworfen, was sie an Vorsätzen mühsam in sich auf- gebaut. Was wollte sie tun? Sie fühlte ihr Herz bis zum Halse schlagen, doch sie zwang sich zusammen unL ihre Stimme erwiderte freundlich und gleichmäßig „gerne", und eine Sekunde später staub ihr Fuß auf dem Boden. Tie Schleppe des Reitkleidcs mit der Linken raffend, ging sie in rrchiger Haltung zu der Bank.
Der Fonkheer schlug die Zügel der Pferde um zwei Tannenbäume, dann nahm er neben Friedel Platz. Der Ruf eines Hähers schrillte scharf hinein in die tiefe Ruhe der Landschaft, die so plastisch dalag in den leuchtenden, gesättigten Farben, wie sie der Pinsel der Natur Hollands zu malen liebt
Jonkheer van Moelen suchte nach einem Gespräch, das ihm den Übergang zu dam, was er dam jungen Mädchen zu sagen hatte, leichter machen sollte. Er, der Kavalier, fand diesen Übergang nicht, idem schönen Weib gegenüber, das in ihm die Liebe entzündet, und Friedel wartete voll Unruhe; ihr Entschluß, wie sie handeln mußte, war gefaßt.
„Komtesse, ich freue mich so fahr darüber, daß es Ihnen bei uns zu gefallen scheint", begann er endlich. „Sie glauben gar nicht, wie sehr mich das beglückt." Seine guten Augen sahen sie treuherzig an. „Erst einen Tag sind Sie auf Oudeburg, aber Sie brachten Glanz und Schönheit mit, und wenn Sie wieder fort sein werden, sind die alten Mauern Oudeburgs öde und kalt, und davor bangt mir, Komtesse, Oudeburg braucht eine Herrin", — er sprang auf und stand vor Friede!, groß und breit, mit warmem Leuchten im Blick — .werden Sie diese Herrin, Komtesse. ich bitte Sie darum."
Sie wollte sprechen; was sie sagen mußte, wurde ihr schwer, denn erwartungsvoll, hofifend stand der Mann vor ihr. „Ich will Sie hüten gleich einem seltenen Kleinod, Komtesse", schlug es weiter an ihr Ohr, und dann unvermittelt brach es schnell und heiß aus ihm hervor: „Ich habe dich lieb, du Schöne, du Stolze!" Der Große, Starke sank vor ihr nieder, erschüttert von der eigenen Leidenschaft.
Das verwirrte Friedel vollends.
„Herr van Moelen, ich — kann Ihnen so rasch keine Antwort geben", sagte sie stockend, „ich möchte wohl, aber das wäre ein Unrecht gegen Sie — und Sie müssen die Wahrheit wissen, weil ich Sie achte und weil ich Sie sehr gern habe."
OebC. «Nachdruck verboten.»
von PnnhuyS.
Er hörte nur das letzte. „Du hast mich gern", er bedeckte ihre Hände mit Küssen, „dann ist ja alles gut, weiter verlange ich nichts. Pu Kühle, Stolze, weißt überhaupt noch nicht, was Liebe ist, ich will dich lehren, ach du ■— du —".
Er richtete sich auf und wollte sie mit sich empor- ziehen. Plötzlich wich das Strahlende aus seinen Augen. Friedels Gesicht war so ernst und ihre Hände wehrten ihm.
„Herr van Moelen, Sie machen es mir entsetzlich schwer, Ihnen ein Geständnis äbzulogen."
„Ein Geständnis?" Er empfand mit einem- Male Angst. War denn sein Glück noch nicht sicher und verbürgt, wie er eben geglaubt, hatte sie nicht gesagt: „Ich habe Sie sehr gern"? Das genügte doch — daraus würde schon Liebe werden. Odrr nicht? Seine Bestürzung über die Fragen, die ihn bedrängten, spiegelte sich deutlich in seinen Zügen-
„Setzen Sie sich wieder neben mich, Herr van Moelen, ich will Ihnen eine kurze Geschichte erzählen. Wenn ich zu Ende bin, können Sie Ihre Frage, ob ich Oudebuvgs Herrin werden will, wiederholen — wenn Sie dann noch Lust dazu verspüren." Friedel hotte ihr« Sicherheit zurückgewonnen.
Er folgte der Aufforderung: sein frisches Gesicht war blaß geworden. Leise und deutlich fiiig die Mädchenstimme an zn reden. „Es war einmal eine Komtesse, die hotte einen Vetter, der war Ofsizier; den kannte sie seit ihren Kindertagen, und die beiden ritten oft zusammen aus, und als sie einmal übermütig voransprengt, holte er sie ein und küßte sie. Da kam der Mater der Komtesse hinzu, der erklärte, nun seien die beiden verlobt. Das junge Mädchen war ftoh darüber, es liebte den Offizier." Jonkheer van Moelen saß ganz starr. „Wer er liebte sie nicht und sandte einer anderen Frau Rosen. Das erfrchr die Komtesse und gab dom Verlobten seinen Ring zurück. Und Liesen Ring brachte er derselben Frau, der er die Rosen sandte, ai-nd bald wird sie seine Gattin; aber die Komtesse kann den Offizier nicht vergessen trotz allem, was er ihr angetan. — So, Herrwan Moelen", schloß Friedel, „nun wissen Sie, weshalb ich Ihnen nicht sofort die Antwort geben konnte, die Sie' erwarten dursten."
Der Fonllheer seufzte wie befteit aus. „Ach, Komtesse, ich hatte Schlimmeres zu vernehmen erwartet. Wenn der Offizier, von dem Sie sprachen, eine andere liebt und heiratet, dann werden Sie ihn vergessen. Sie sagten vorhin, Sie hätten mich gern." Forschend und eindringlich sagte er es.
Sie nickte: „Sehr gern! Und wenn —"
„Wenn der junge Ofsizier nicht wäre, würden Sie mich lieb gewinnen?" vollendete er ftagend.
Sie nickte abermals nnd ihr Gesicht rötete sich.
„Wer er darf doch nicht mehr existieren für Sie, nach dem, was er tat das ist doch sicher." Er legte seine Hand an die Stirn. „Ist eS überhaupt möglich, daß e» einen Menschen gibt, der Sie nicht liebt! So ein Narr;
