. . . ’W'- -
Beilage )um Mesbllüener Taglilatt.
Ko. 315 . Morgen-Ausgabe.
Dc> leb Ich nun hin — die Wclt nennt« zufrieden.
Weil mir, was auf Erde» vouuöte», beschieden;
Doch die Strebezeit,
Mit Kampf und Streit,
War prächtiger als die Zufriedenheit.
Steuer.
>^*»*t»»»*»*f#*»****tw**w*w *
(41. Fortsetzung.)
Goa Leoni.
Roman von Marie Bernhard.
„Das zu wissen, ist nicht schwer, Mademoiselle Leoni! Schon als ich Sie das erstemal sah und Sie für ein Kind hielt, gewahrte ich, daß es etwas anderes noch mit Ihnen fein müsse, als nur die körperliche Schwäche, — die — die-- aber wo kmin ich denn nur Ihren Augen be
gegnet fein V Wissen sie, daß es mich vollkommen beunruhigt, dies nicht zu wissen? — Könnte ich zufällig jemand von Ihren Angehörigen gekannt haben! Leoni -—: — Leoni! Ich kann mich des Namens nicht als eines bekanntm entsinnen! Vielleicht hat Madame die Mite, mir ein wenig auf die Spur zu helfen! Der Vater von Uta demo stelle" ....
Hannah war hinter meinen Lehnstuhl getreten und mußte denr Sprecher ein abmahnendes Zeichen gemacht haben, denn er verstummte plötzlich.
„Sie werden nichts erfahren, Monsieur", sagte ich traurig, „ebenso, wie ich nie etwas erfahren werde! Was ist wohl natürlicher, als daß man eineni Kinde, das danach brennende Sehnsucht trägt, von seinen Eltern berichtet, die es nie gekannt, es vertraut macht mit ihren Schicksalen, ihm die Geliebten, so schmerzlich Entbehrten schildert und wieder schildert, bis es die vertrauten Bilder ' ür ewige Zeiten als unverlierbaren, teuersten Besitz in einer Seele trägt? Das ist mir nie zuteil geworden. Ich weiß nichts von meinen Eltern und ich soll auch nichts von ihnen wissen, — das hat man mir bald mit Güte, bald mit Härte klar gemacht; ich weiß nicht einmal, welcher Lebensstellung, welchem Beruf mein Vater einst angehörte, noch hat man mir jemals gesagt, wo sein Grab KU finden ist!"
Eine bange Stille folgte auf diese Worte; durch die stille Luft kamen ein paar rosige Slpfelblüten, die sich dom Baum losgelöst hatten, herabgeschwebt, sie fielen aus mein Haupt und blieben in meinem Haar liefen; Hannah batte meine rechte Hand genommen und strerchelte sie beschwichtigend, wie man es einem Kinde tut, daS Kummer hat; ich war ja auch ein Kind und hatte Kummer. — Vernon stand halb abgewendet und sah mit einem wunderlich starren Ausdruck an mir vorüber in die blühende, lachende Landschaft hinein. Nach einer Weile murmelte er ein einzelnes Wort vor sich hin, das zärtlich und mitleidig klang.
„Was war das für ein Wort?" fragte ich ihn.
„Ein russisches. Es hieß „Dnschenka" und bedeutet mein Seelchen!"
Ich mußte lächeln. „Sie sprachen ein russisches Wort für sich hin, und dabei wollen Sie ein Franzose sein!"
„Und dabei will ich ein Franzose sein!" wiederholte
er belustigt. „Das hat Ihnen gleich bei unserer ersten Begegnung zu denken gegeben! Was dachten Me nur, als dieser unerhörte Franzose Sie so ohne werteres aus den Arm hob? Waren Sie innerlich sehr empört?
„Gar nicht! Amüsiert hob' ich mich! Außerdem Sie hätten noch gairz andere Dinge mit rmr anstelle:! können, ich wäre nie empört gewesen. Sre haben mich ja gesund gemacht durch Ihr Spiel, und ich danke Zhnen dafür, — von ganzer Seele danke ich Ihnen!"
Dabei haschte ich nach seiner herabh äugenden Hand und hätte sie geküßt, wenn er mir dieselbe mcht rasch entzogen hätte. ,
„So leidenschaftlich also lieben Sie Musik?
„Ja! So leidenschaftlich!" Ich fühlte, daß merne Augen voll Tränen standen und daß meine stimme zitterte. „ pi<! ,
„Die Kleine ist nämlich selbst sehr musrkalrsch bean- lagt", warf Hannah dazwischen, „sie soll hervorragend gut Klavier spielen!" ^ . ,
„O, aber Hannah!" rief ich vorwurfsvoll. „Zetzt wird Herr Bernon denken, er sei verpflichtet, sich von mir etwas Vorspielen zu lassen und mein Talent zu.loben, und es soll doch fiir große Künstler nichts Entsetzlicheres geben als die Aufgabe, Hunderten von .Klavierjünglingen und -Jungfrauen notgedrungen eine große Zukunft zp prophezeien, einfach, um sie los zu werden, und spater die Prophezeiung in sämtlichen musikalischen Blättern m gesperrter Schrift zu lesen und dafür einstehen zu
müssen!" „ , ...
„Sehr treffend charakterisiert, Mademoiselle! Wer Ihnen das erzählt hat, der sprach wahrlich kein Wort zuviel! Wieviel gespreiztes Pharisäertum, welch haarsträubender Dünkel, welch' absolutes Unvermögen oder unerhörtes Aufbauschen eines winzigen Talentfünkchens trifft man auf Stegen und Wegen an nnd wird höflich ersucht, all' diesen: die „künstlerische Sanktion" zu erteilen, weil es für das aufstrebende Genie von höchstem Wert sei, als Relief auf den Namen eines gefeierten Künstlers Hinweisen zu können. Und dann der Undank, die Em pörnng, die geistige Überhebung, wenn nun die ge wünschte Sanktion nicht nach Erwartung ausfallt! Es ist ein Treiben, das mich unsagbar anwidert, ein Treiben, vor dem die edle Kunst schaudernd ihr Antlitz verhüllt, ob des Mißbrauchs, zu dem man ihren heiligen Namen erniedrigt! Zutveilen auch taucht ein wirkliches Talent auf, gepaart mit wahrer Hingebung für den erwählten Beruf . . aber welch' stählerne Körperkraft, welch unverwüstliches Nervensystem und wieviel mutige Energie gehört dazu, die Bahn zu wandeln, die Agenten- und Jmpresariengunst, Konkurrenz und Reklame, Neid- und Scheelsucht nnd nicht zuletzt der derbe, täppische Zufall, repräsentiert durch die Masse des Publikums, mit tausend Torneii bestreiien und die vielleicht einmal unterHunderten zum heißersehnten Ziele führt. Mt welchen Opfern läßt der Ruhm sich erkaufen, — wie namenlos schwer ist es, ihn festzuhalten, heute, in unserem Jahrhundert de? Virtuosentums, das so häufig daS blendende Feuer- merk der brillanten Technik der stetig leuchtenden Sonne der wahren, unsterblichen Kunst vorzieht!"
„Das ist sicher alles richtig," sagte ich nach einer kleinen Pause in nachdenklichem Tone, „allein glauben Sie, daß sich jemand, der sich wirklich für die Kunst be
rufen glaubt? durch solche Aussprüche abschrecken ließe?" Er schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nein, — das glaube ich nicht, wie es denn ubm- haupt init dem Ratfordern eine eigene Sache ist Die großen Worte! „Sie haben über meine Zukunft zu ver- fügen." „Das Lebensschicksal meines Sohnes oder meiner Tochter ruht gänzlich in Ihrer Hand.. — Wehe aber dir wenn du diese Zukunft, dieses Schicksal mcht genau si besiegelst, wie die Betreffenden, die dich alv Orakel an- seheii wollen, es sich wünschen und es dir bequem m den Mund legen! Ratet mir gut, aber ratet mrr nicht ab. Einen treffenderen Ausdruck hat es feiten gegeben.
,,llnb Sie . . . was tun Sie, wenn man ^hre Meinung zu wissen verlangt?"
„Ich sage sie jederzeit ungescheut, ohne mich um die Folgen zu bekümmern, — ich mag und kann n^ln^em Da, wo ich stehe, «icht auch der Schlamm bosimlliger Verleumdung, der viele meiner unglücklichen Kollegen so arg zugerichtet, nicht hinauf; ich darf es mrr ichon erlauben, das zu sagen, was ich denke, wenn ich auch mcht
arrogant genug bin. anzunehmen, daß man meine Vor schlage befolgt. Wissen Sie nicht, Mademoiselle daß em berühmter Manu das Vorrecht hat. grob, ^rz. abweisend, launenhaft zu sein, — daß man ihm alles verzeiht, alles „originell" und „charakteristisch" findet und sich von chm Dinge sageii läßt, die man von anderen als Beleidigung Sfi uni für die man strenge Rechenschaft verlangen
'"""SLnmt man da nicht in Versuchimg. sich schließlich selbst für unfehlbar zu halteir und ferne Macht zu miß-
man sth?juug zur Berühmtheit gelangt, dann vielleicht, . . . später wird man traurig und müde davon, und man zieht hinauf in die Salzburger Alpen, wo man kranke Kinder in den Schlummer spielt!
Boir wem ivar das Schlummerliedchen, das Sre
damals spielten?" rief ich lebhaft. . „
Das habe ich einmal komponiert, als mern sahn
noch"ein kleines Kind war!"
„Und warum —?" ftng ich an, aber ich kam nicht
lreiten^ir darüber nicht sprechen, — ich bitte Sie!"
Damit lüftete Vernon seinen Hut vor Hannah und nur, verneigte sich leicht und ging von uns fort. -mn folgten wenige Tage, die eine ganze Flut von Duft. ,md Licht und Frülrlingsglanz über unser gesegnetes Tirol ansschütteten. Tage, die das wohlige Genefung»gefuhl in mir stündlich mehrten, bis es zur frischen, vertrauenden Kraft geworden war, die mich Meder hoffen und wünschen und Pläne machen ließ. Nicht ^/WErbednrst^ ich der Hülfe meiner guten Hannah beim Ankleiden, ihres stützenden Armes beim Gehen. Wenn ich nach langem, tranmlosem Schlafe erwachte, machte es mir Freude, selbst meine Toilette auszuwählen, soweit dieGarderobewelche ich mitgenommen hatte, dies gestattete, leicht und rasch ime ein Vogel, der ins Freie sttebt, war ich hinaus- gekommen auf den Altan, ließ mir von der wohligen, kühlen Morgenluft Gesicht und Hände streicheln und lnstchte flink wie ein Wiesel, unter den Apfelbäumen hinweg, um noch vor dem ersten Frühstück erneu -spazier- gang zu machen.
(Fortsetzung folgt.)
kl. Petitpierre
Akademisch gebildeter Optiker
mSZSSL. Häfnergasse 5.
Biber-Reste für Herren-Hemden in großer PluSwahl für l Mark.
Lina S4l»*ffer, Wörtllstraße 10.
Weinstube von F. Kaiser,
Faulbrunnenstrasse 9,
empfiehlt selhstgeaogenen fcrau-AlffesiieiüinT
süssen Traubenmost n. Federweissen
(eigene« ~Waeli«<lmm).
Geschäfts-Eröffnung.
Bringe meinen Freunden. Gönnern und einer totrtben Nachbarschaft meine neu eröffnen
Speisewirthschaft
ln empfehlende Erinnerung.
Hochachtungsvoll
Georg Kudolplti, Metzgergasse 27 .
Ia Weisswein Ia
so lau noch Vorrat 30 Liter zu 10,50 Mk. gegen Nachnahme. Fass leihweise und franko
zurück. J. Bayersdörfer,
Rheinpfalr. (F . ä 2115 9 g) F 149
glaf d| enro tinocr ftaul.
Empf. m. selbstgekeltertcu gut bekömmt. Wein d. Fl. olme Glas zu 00 Pf., folme Rotd- weiu d. Fl. zu »0 Pf., achten S. Julien, direct bezogen, zu 1.20 M. Goethest r. 22» P«
Die Meine MniiM-WeldMer
au, der Gräfl. Wilb. von BiSmarck'schen Guter- verwaltiuig empfiehlt Willi. IMederlcl*«e.., Franz SclilotHaoier Knclif., Weitendstraße 12, Ecke Noonstraße. _
Für Pserdebesitzer!
Futterrübe» (Gelberüben), thierärztlich zur jetzigen Jahreszeit crnpfohl. Futter, treffen eunge Waggons ein und emvfieblt dieselben billigst Sedaniir. 3. W. Holmiann, Telefon 384.
U«M-«ktriia
dabei 2 Staats-Medaillen, rein vegetabilisch, ganz unschädlich, um Haaren ein dunlles SI »sieben zu geben, das Glas 70 Pf.. Mk. 1.20. Haarfarbe- Nustöl» ein da« Haar dunkel färbendes feines Haaröl, zugleich vorzüglich zur Stärkung des WachS- tbuniS der Haare ä 70 Pf. AechteS n. unschädliches Haarfärbe-Mittel in Carton mit Anweisung h Mk. 1.20, 2.40, das Beste was existirt. 2603 Apotheker A. Merlin». Drogerie,
Gr. Burgstratze 12._
ff
No. 10 "
Bremer Cigarren, in Fehlfarben 6 Stuck 40 Pf., 100 St. Mk. 6.50. empfiehlt in hochfeiner milder Q ualitä t 2t>„9
A. F. Knefeli,
Langgaffe 45.
Tel. 2217.
Erser-Aepsel,
haltbar bi? zum Sommer, per Centner 15 Mark Kochäpfel per Pid. 12 Psg.^
VU>1, Bülowstrage i. Telefon 139.
Band-, Seiden- und Modewarenhaus
Langgasse,
Ecke Bärenstrasse.
<&. Hirsch Söhne,
Telefon 22G1.
Haltestelle d. elektr. Bahn.
Grosse Auswahl in
Boas, Kragen und @tolas, sowohl in Pelz, als auch in Chiffon. Straussfedern und Maraboats, Schleier, Echarpes, Fichus,
Pompadours, Cicürtel etc. etc.
Zu den bekannten billigen, aber festen Preisen.
28621
50
25
50
Marin
gefütterte Hausschuhe in eleg.
Form, wie oben, mit Absatz, O ;
für Damen.“♦
Leder - Hausschuhe mit Blait,
gefüttert für,.
Tuch-Hausschuhe mit feinem Futter und guter Lederjvhle, Gelegenheitstauf Elegante, warm gefütterte Saffian-HanSschuhe m. niedrigem Absatz, schwarz, roth, 9z braun u. gelb, alle Größen •*+ Kiuderpautoffel aus Tuch IXPs. und Leder, i'ebr wann, für 65 Ps.. 75 Pf.. 1.50 u. 1.95.
Es find dies selten billige Posten in Kinderschuhe».
fett k ffio.’s KiWmmM
Uniou,
33 Langgafle 33, Ecke Goldgasse.
fein gespalten»
Ctr.2.20Mk.»
ä lS,rr. 1.30 Mk.
liefern frei in« Haus 2651
Gcbr. Neu<!;eb;iuer, Dampt-Schreinerei,
Telephon 411. Schwaldacherstr.22. Telephon 411.
Anzimveholz,
Brennholz a Ctr.
