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Uiksbs-kmr Tägli latt.
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Das Kabinett TisM
Aus Bu -dapest, 2. November, schreibt unser
st -Korrespondent: Das Kabinett Tisza ist komplett. Die liberale Partei ist nicht in Brüche gegangen, me Nationalen von dem Couleur Apponyi weilen samt ihrem Führer noch, in -deren Mitte; das neue Programm mtt keinen zahlreichen militärischen Konzessionen und der Ausrechthaltung des bisherigen Verhältnisses der Mawrrtats- rechte ist allenthalben bereits bekannt, und die neueRegie- rung kann sich dem geehrten Hause morgen Dienstag sogar in aller Form schon vorstellen. Wird s nun endlich Landfrieden im Reiche? Wird der „stlxlex -Zustand endlich aushören können und- alles in die alten Bahnen einlenken? Oder wird der Brand weiterglimmen und vielleicht neu wieder auflodern, um das ganze Land zu einem Glutherde zu verwandeln? All diese Fragen snid im Momente leichter zi: konstruieren, als zu bearüworten. Die gouvernementalen Blätter, ^ das sind solche, die allen Regierungen dienen, uiid es gibt hier deren eine ganze Menge, rufen dem noch, vor wenigen Wochen zurück- gewiesenen Grafen Tisza ihr „Hosiannah! zu und sehen in diesem heilte so eine Art Messias, der das Land aus schweren Nötcir befreit hat. Gewiß ist, daß der Graf Stephan Tisza zumindest sich in der kritischen Stunde als ein Mann der Tat und- der Tatkraft erwiesen hat, ein Verdienst, welches zu einer Zeit, da der ganze Boden Un- gcrrns zu schwanken schien, ihm doppelt hoch anzurechnen ist und ja auch bisher schon wie jede Mannhastrgkert ihre guten Früchte gezeitigt hat. Tenn heute stellt sich dre Situation immerhin so dar, daß, zur stunde zumindest, selbst die äußerste Linke zum Pariamentieren geneigt ist. Und wer auch die feineren Schwingungen polikrfcher Bewegungen wahrzunehmen imstande ist, wird auch au,u dieser momentanen Stimmung die Ausrichkigkeit diefes Wunsches heraushören, was wohl niemanden verwundern kann, wenn man bedenkt, daß die Opposition diesen Kamps schon seit mehr als einem Jahre führt und sich derart das ehrliche Recht erworben hat, müde zu werden. Dies gilt namentlich von dein persönlichen Anhänge Franz Kossuths, der Kerntruppe der 48er Partei, weniger schon von deren Tiräilleuren und Freischärlern, die, im Laufe desKampfes zu einer eigenen Organisation erstarkt, im Verein Mit der intransigenten Szederhenye-Gruppe und den sogenannten „Wilden" den Kamps auch jetzt noch mit allen Mitteln weiterzukämpfen droht. Und diese Drohung ist um so weniger ungefährlich, als diese G«,ppe insgesamt etwa 60 Mann zählt und ja .auch die Koputh-Partei ihre
Kapitulatioii, d. h. Abrüstung, nur bedingungsweise aus- prechen will, wenn nämlich Gras Tisza in sein Pro» grcvmm cruch das allgemeine Wahlrecht oder wenrgstens doch die Erweiterung des gegenwärtigen Wahlrechtes aufnehmen will, damit nämlich nach Erledigung -der Staatsnotwendigkeiten — der Indemnität- und der Rekruten- Vorlage — das Haus ausgelöst und die Nation in ihrer wirklichen Zusammensetzung auf^ breitester Grundlage befragt und in Sachen der Militär-Sprachen-Frage ihr Votiun abgeb-en könne. Dies ist auch heute der springend^ Punkt der ganzen Angelegenheit und von der Willfährigkeit der neuen Regierung in diesem Punkte, von welchem sich die Opposition so viel verspricht, hängt auch der itend- frieden ab. Die Opposition glaubt, daß diese Neuwahlen, wobei die Heranziehung breiter Volksschichten, die bisher zum Schweigen verurteilt waren, wieder ihrer Initiative zil danken wäre, ihr nur neue Siege bringen müßte, während andererseits auch die liberale Partei nach den erreichten Konzessionen in den Militärfragen auch, m der Wahl-Schlacht ihre Existenz nicht mehr bedroht wahnt. Die neue Regierung endlich teilt in diesem Bezüge sicherlich die Zuversicht der liberalen Partei und dürfte somit, im Prinzipe zumindest, der Frage der Wahlrechts-Erweiterung nicht feindlich gegenüberstehen. Ist dies wrrt- lich der Fall, dann steht die Gruppe der „Upversohn- lickM" so isoliert da, daß ihre KampfeswUt aller Ob- struktions-Technik zum Trotz über kurz oder lang doch wird erlahmen müssen, es sei denn, daß unvorhergesehene Zwischenfälle, die in Ungarn leider so häufig sind, wieder ihre verhängnisvolle Rolle spielen.
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hd. Wien, 8. November. Die gestern abend hier eingetroffenen Mitglieder des ungarischen Kabinetts leisteten heute dem Monarchen den E i d und kehrten nachmittags nach Budapest zurück.
« «an in injlnnö Met die rnW-fMiWe Wrmestdi dcndi.
Unser Londoner u.-Korrespondent schreibt unterm 3 p TEwörr i
' Tie englisch-japanische Allianz schließt es bekanntlich aus daß Großbritannien deni Verbündeten in einem Kriege Beistand zu leisten hätte, indem er sich im fernen Osten einem einzelnen Gegner gegenüber sähe, und dasselbe gilt für den umgekehrten Fall. Es unterliegt dabei aber nicht dann geringsten Zweifel, daß England bei Ab- chluß des Vertrages in der Hauptsache von dem Gedanken geleitet wurde, dom jungen, aufstrebenden Reiche des Mikados die bestmögliche Chance für einen Sieg bei dem
blutigen Ringen zu sichern, das man als früher oder später unausbleiblich betrachtet. Wenn Japan russischer Aggression in China nicht Halt geböte, so würde das chließlich England zu tun genötigt sein, und daß ihm das nicht erwünscht wäre, hat sich seit dem japanisch- äsinesisckM Kriege bei zahlreichen Gelegenheiten bereits gezeigt. Es bildete von jeher einen Grundsatz der eng- tischen Politik, andere die Kastanien für John Bull ans dem Feuer holen zu lassen, und dieser andere wird im fernen Osten Japan sein. Fast schien es, als hätten die Herren an der Spitze der englischen Staatsgeschäfte den Augenblick dafür unlängst für gekoinineu erachtet, denn die englisch-französische enteilte cordiale wurde doch nur mit ganz unverkennbaren Hintergedanken plötzlich in Szene gesetzt. Man sandte Edward VII. gewrh nicht nach Paris, lediglich daß er der Stätte Valet sage, aus
uime ihn zu -einer geheiligten Persönlichkeit . über deren jede Beiregung bewacht und öffentlich. berichtet wird- Man wußte sehr genau, daß sich Frankreich sofort fürchterlich geehrt und weit weniger geneigt als vordem fühlen würde, den russischen Freund auch nur moralisch bei seinen ostasiatischen Abenteuern zu unterstützen. Aus solche Weise sorgte man also dafür, Japan für alle ^alle den Rückeir frei zu haltm, und danach hätte es eigentlich losgehen können. Zu einer Periode schien es auch,. als ob es das tun wollte, aber inzwischen verzog sich wieder ein Teil der drohenden Gewitterwolken, und nun Hecht es hier auf einmal, Zeit wäre der beste Verbündete Japan« Die meisten leitenden Prcßorgane Rußlands befleißigten sich neuerdings, Frieden zu predigen, und zwar aus innerpolitischen und ökonomischen Gründen. Sofort wurde daraufhin in England die Frage aufgeworfen, ob es nicht gerade in Anbetracht der zahlreichen Ungeheuern Schwierigkeiten, denen sichRußland gegenüber sieht für Japan rötlich wäre, die Entscheidrmg ohne Verzug herbeizufühpen. Sie wurde auch bedingungs- weise bejaht, das heißt, der Schritt davon abhängig ge- macht ob das Mikado-Reich imstande wäre, den Gegner zur See ohne weiteres und aufdem Lande binnen einer entsprechenden Zeit zu überwältigen. In englischen militärischen und seemännischen Kreisen hegt man in dieser Hinsicht indes wohlbegründete- Zweifel. Zur See hätte Japan nach ihrer Meinung noch die beste Aussicht, wenn auch vielleicht nicht auf einen sofortigen entscheiden, den Sieg, aber zu Lande könnte es gegen einen so riesigen Gegner kaum etwas ausrich-ten. Gerade aus letzterem Grunde verweist man es hier nun aus den Beistand jenes wunderbaren Bundesgenossen, den Helfer aller Pro- gressiven, die Zeit. Japan hat es sich seit der B-eendiigung
vie Revolutzer.
Roman von Walther Schulte vom Brühl.
(19. Fortsetzung.)
VIII.
Wie Frau Schrvcrtfeaer nicht inkommodiert wurde und wie der Kaufmann feinen Gast, den Studenten Gottfried Hnlskamp, zu den Fleischtöpfen des „Deutschen Hauses" führte. Welch eigentümliche Unterhaltung die beiden Herren miteinander pilogen, und wie Herr Schwcrtscger später den MM-ni 5Dt«tra in sein Waffenlager führte und ihm eine Doppelpritole auf Abschlag schenkte.
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Schwertfeger führte seinen Gast in das Wohnhaus, ein stattliches, schieserbeschlagenes Gebäude mit Veranda und Balkon, das in vornehmer Abgeschiedenheit von den an der Straße gelegenen Geschäftsräumen weiter im Garten zurücklag. In einem mit üehaglnhem -wxusmiw- «stattet-en W-ohngemach trat ihnen die Gattin des Kaufmanns -entgegen, eine hagere Figur m einem wettm Dassetkleide mit breiten Volants, die lang herabgehende Schnebb-entaille kaum einen rheinischen Fuß Umfang zeigend Ein Spitz-enhäubchen, mit Band und, Blumen veruert deckte den fahlblonden Scheitel. Ein unangenehmes Lächeln begrüßte Gottfried, den der Kaufmann mit der Bemerkung vorstellte, daß der Herr ^-oktor ihnen das Vergnügen machen wollte, einen Deller Suppe mit
^"Da^müßte der Herr Doktor allerdings sehr, sehr vor lieb "nehmen", bemerkte die Dame unangenehm berührt und fuhr dann scharf auf ihren Gatten los: ,,^ch habe es dir doch oft genug gesagt, lieber Ernst, daß, du deiner Frau große Verlegenheit -ersparst und auch keinem Gaste eine Aufmerksamkeit erweist, wenn du ihn so unangemeldet
Mltbrinqst." . „
Nun nun, beruhige dich nur, wir fuhren doch eme ganz leidliche Küche", sagte der Kaufmann ruhig. „Überdies nimmt Herr Hülskamp ganz gerne vorlieb, wenn es hLe httr wal schlecht bestellt sein sollte Nach deinem Schreck zu urteilen, hattest du gewiß die Absicht, heute
^IMdu"wteder ausfällig wirst, lieber Ernst", zischte sie. " »Erst überfällst du mich gleichsam, und- dann wirst
du auch noch ungezogen. — Wie gesagt, der Herr Doktor ist mir willkommen, aber er nniß heute sehr vorlieb
nehmen." „ , , , . ...
„Wenn du das so sehr betonst, daun bangt nur für ihn, und Not soll er mir nicht leiden", erklärte Schwert- seaer, sich zu einem humoristischen Ton zwingend, und Gottfried unter den Arm fassend, bestimmte er: „Nun gut, Madame Schwertfeger, so wollen wir Sie nicht weiter m- koiwnodie-ren. Es ist mir eine besondere Freude, den .Herrn Doktor mit der vortrefflichen Küche, des „Deutschen .Hauses" bekannt zu mackM. Keine Widerrede, Herr Doktor! Also gehen wir."
Beide verbeugten sich und gingen von dannen. _
Draußen im Garten blieb Schwertfeger stehen, „sie haben -eben eine Jllustratton zu einem deutschen Klassiker gesehen", bemerkte er. „Sie war nicht erfreulich, aber man muß auch das mit Gelassenheit zu tragen suchen. Die Worte zu der Jllustratton heißen: Drum prüfe, wer stch ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet, der Wahn ist kurz, die Reu ist lang." .
„Sie leben nicht in glücklicher Ehe?" frug Gottfried
cc^cn.
„Ach, reden wir nicht weiter darüber", sagte der Kaufmann und schlenkerte mit der Hand, als wolle er einen unangenehmen Eindruck fortschleudern. „Aber allen Böse hat auch irgend etwas, das zum Guten ausschla-gen kann. Kinder habe ich nicht, und so kann es kommen, daß ich den Augenblick segne, in dem- ich jede Familienfessel hinter mich werfen kann und- darf. Ach, wie ,oft halt die Rücksicht aus Weib und Kind davon ab, frei, und kühn zu sein und rücksichtslos einem hohen, aber vielleicht ge-
fäh-rlichem Ziele zu folgen." . . ., - .
Bald darauf saßen sie behaglich an erner Taselecke m dem -gemütlichen Gasthof und liefern es sich woh sem. Die ständigen Mittagsgäste hatten meist schon ab-gespeist, und die beiden konnten sich ungestört unterhalten.
Diese Flasche geht aber auf mich', erklärte Gottfried, als "eine zweite Rüdesheimerin in einem Kühler herau- qebracht wurde. Und als der Kaufmann darauf bestand, daß er sich heute vollkommen als sein Gast betrachtwr müsse, fragte der Student, wie er sich denn die große Freundlichkeit gegen ihn erklären solle, die ihn fast um eine Revanche bange machkk
„Das braucht Ihnen keine Kopfschmerzen zu machewft ä>gte der Kaufmann. „Ich könnte, dem Alter^nach, Ihr Vater fein, und da dürfen Sie schon unbesehen ein Mittag- essen von mir annehmen. Zudem ist ein gewisser Egoismus dabei. Sehen Sie, ich denke und tue manches, was über meinen kaufmännischen Beruf hinausgeht. Vielleicht hat mich diese Ehe dazu gebracht, mir eine Ableitung zu suchen. Im Verkehr mit anderen Männern mernes Be- russ finde ich wenig Genüge. Sie sprechen fast von Nichts, als vom Geschäft und von der Kundschaft, oder ino sie auf ihren Geschäftsreisen logierten, ivie sie da logierten und welcher Tingeltangel in Frankfurt oder Bremen der bqte und fidelste sei. Das mag ich nicht, schon deshalb nicht, weil ich da nicht mitreden kann, denn meine Kompagnie, nämlich der Bruder meiner Frau , spielt die reisende Prinzipalität, und ich habe die Fabrikatton, sitze also meist daheim, wenn ich nicht zu meiner Erholung oder Bildung mal ausbreche. Na, und da freue ich mich denn immer, wenn ich dazu kommeu kann, mit Leuten gelehrter oder künstlerischer Berufsarten zu verkehren. Und Ihre Per- sönlichkeit hat mir gleich gefallen, Haben wir doch auch gewissermaßen schon eine starke, g-eineinsame Erinnerung, ich meine die Kalten-berger Affäre, die unS vermutlich auf die Zeugenbank führen wird."
„Wefo?" frug Gottfried, nicht gerade angenehm berührt.
„Nun, einen der Schreier, den Schleifer Josef Kretz- berg haben sie wegen der Majestätsbelei-d-igung verhaftet, die er dort laut genug von Stapel ließ. Hoffentlich kommt bei dem Prozeß nicht alles darum und daran zur Sprache, das wäre sehr mißlich."
„Wie meinen Sie -das? Was zum Beispiel?"
„Nun, Ihre ausgezeichnete Ulkrede beispielsweise. Wenn man gute Patrioten satyrisch aufaßt, kommt man leicht in Verdacht gefährlicher Gesinnung, und „zweifel- hafte Elemente", die sich „lästig machen , so lautet der hübsche Ausdruck, können kier und in wdem anderen unserer deutschen Vaterländer mit einer verdammten Ge- schwin-digkeit des Landes verwiesen werden. Unsere Polizei ist ganz besonders drauf dressiert."
Himmel, wenn ich noch- dran denkt', wie ich in Dkuhl. bach bei meiner Anmeldung anaeschnauzt und aus-g-efragi
