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Donnerstag» 16. September 1915.

klbend-Ausgabe.

Nr. 432. - 63. Jahrgang.

pinsk in deutschem Besitz.

weiterer Vordringen an der VSna. — §ort- schreitender Angriff nördlich und nordöstlich Wilna. — Vas Gelände zwischen Pripet und Iasiolda und die Stadt pinsk erobert.

Der Tagesbericht vom 16. September.

W. T.-B. Großes Hauptisuartier, 16. Sept. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz»

Keine wesentlichen Ereignisse.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von ksindenburg.

Auf dem linken Ufer der D ü n a drangen unsere Truppen unter erfolgreichen Kämpfen in Richtung auf Jakob st adt weiter vor. Bei Liewen-Hof wurden die Russen auf dem Ostufer zurückgeworfcn.

Nördlich und nordöstlich von Wilna ist unser Angriff im Fortschreiten. Dem Vordringen nordöstlich von Grodno setzt der Feind noch zähen Widerstand ent­gegen.

Heeresgruppe der Generalfeldmarfchalls

Prinz Leopold von Bayern.

Die Lage ist unverändert.

Heeresgruppe des Generaifeldmarschallr von Mackensen.

Halbwegs Janowo-Pinsk versuchten die Russen er» neut, unsere Verfolgung zum Stehen zu bringen. Die feind- lichen Stellungen wurden durchbrochen. 6 Offiziere. 746 Mann gefangen genommen und 2 Maschinengewehre erbeutet. Das Gelände zwischen Pripet und Iasiolda und die Stadt P i n s k sind in deutschem Besitz.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Wie an de» vorhergehenden Tagen scheiterten russische Angriffe vor den deutschen Linien. Oberste Heeresleitung.

Oie russische Ernüchterung.

Mt dem Wechsel in der Oberleitung der russischen Heere setzte der Bericht des russischen Generalstabes eine Änderung der ganzen Szenerie in geschickter Werse in Bewegung. Ter offiziöse Generalstabsbericht und der hallwffiziöse der Petersburger Telegraphen-Agentur dienten als Sprachrohr für die Verbreitung einer in keiner Weise gerechtfertigten hoffnungsvollen Stim- rnung. Unbedeutende kleinere Teilerfolge wurden zu folgenschweren Siegen gestempelt und wo solche nicht zu verzeichnen' waren, auch noch frei erfundene gemel­det. Der neue kaiserliche Feldherr sollte endlich die so oft und so lange enttäuschten Herzen wieder aufrichten und die verhängnisvolle Maßnahme eines Führer­wechsels in zwölfter Stunde als segenbringende Handlung sichtbar vor Augen führen. Wer nur wenige Tage konnten die Kulissensteller dieses tra­gischen Schauspiels mit Erfolg arbeiten. Den kleinen Erfolgen bei Tarnopol ist nunmehr ein Ziel lgesetzt wor­den. Wenn auch eine Rückeroberung eines wesentlichen Teiles von Galizien von vornherein aussichtlos erschien, so träumten es doch die verantwortlichen Leiter in der > russischen Heeresführung. Sie übersah hierbei, daß seit der Eroberung Przemysls mehr als drei Monate ver­gangen waren, seit der Befreiung Lembergs fast zwei Monate. Seitdem war das von den Russenschreckdn er­löste Land fest in die Hand unseres Verbündeten ge­nommen worden. Schon diese Taffache mutzte die Seifenblasen russischer Trugschlüsse zum Platzen brin­gen. Auch in dieser Hinsicht brachte der gegenwärtige Krieg eine Änderung mit den hergebrachten Anschauun­gen.' Mußte es doch als aussichtslos angesehen werden, daß die dichten Massen russischer Stuvmkolonnen mit der wachsenden Rückenbedrohung von Nor­den, den Trümmern der -beiden südpolnischen Festungen, erfolgreich nach Westen operieren konnten. Schon deswegen ließ sich ihr kurzer Siegeszug nach Raum und Zeit bemessen. Nur die im russffchen Charakter begrün­dete Starrköpfigkeit, dem ein weiterer, etwaige Folgen ermessender Blick mangelt, bietet eine schwer .verständliche Erklärung des gegnerischen Führer-Ent­schlusses. Die mit geschickter äußerer Aufmachung zur Ausführung gebrachte Offensive scheint an den Ufern der Strypa endgültig versandet zu sein. Ans den Zeilen des russischen Generalstabsberichtes leuchtet dies deutlich hervor. Me tönenden Worte: „Die bisherige deuffche Offensive geht an uns über", waren leerer Schall, ebenso sind die auf Vorschuß erteilten Lorbeeren schnell vertrocknet. Der S 4 -eN«r w.e-chfeL ist schnell

eingetreten und vielleicht treten mit derErnüchtevung die mr menschlichen Leben sichtbaren Folgeerscheinungen ein. Aus dem jüngsten feindlichen Heeresbericht spricht gar zu deutlich die erfolgte Abkühlung des schnell zur Hitze gebrachten Kopfes. Die bisherigen Kilometer- Erfolge bei Tarnopol sind aus ihm verschwunden. „Wir -rangen noch ein wenig in der Gegend von Tarnopol vor." Als begreifliche .-Entschuldigung" wird ein „orkangleiches Artilleriefeuer" aufgezÄhIt. Das Erstreben des offensiven russffchen Gedankens er­hält sein Grabgeläut mit der resignierten Bemerkung: „Im allgemeinen suchen die Unternehmungen der Deut­schen und Österreicher offensive Operationen zu machen, was ihnen Verluste einbringt, die mit ihren Er­gebnissen nicht in rechtem Verhältnis stehen." Mit diesen Worten gibt die Heeresleitung des Zaren innver- blümt zu, daß das junge Waffenglück sich wieder in das alte Mißgeschick gewandelt hat und mißt, wie so oft, die Schuld hieran nicht sich selbst, sondern der überlegenen feindlichen Artillerie zu. Das ist eine regelmäßig wie- derkehrend-e Erscheinung in ihren Berichten. Dieselbe schwere Enttäuschung findet sich auf dem nördlichen Kriegsschauplatz. Hier zeigte sich der Minerffchutz von Riga und dom befestigten Hafen von Dünamünde von neuem als unzulänglich. Unsere Flugzeug-Mutter­schiffe konnten genügend weit in diesem Meerbusen Vor­dringen. so daß deuffche Wasserflugzeuge gegen die feind- litten Schutzschiffe, Unterseeboote und Werftanlagen er­folgreich durch Bombenwurf wirkten. Somit ist ihnen auch Riga selbst preis-gegeben. In augenfälliger Weise zeigte unsere junge Luftwaffe ihre Überlegenheit als Hilfsmittel unserer Flotte, wie sie täglich im! Dienste des Heeres sich auf das vortrefflichste bewährt hat. Auch von der Lands eite aus wächst jetzt die Bedrohung der Seestadt Riga. Verbot zwar das westliche Sumpfgebiet die deutsche Annäherung von dieser Seite in Gemeinschaft mit der wasserreichen Niederung an der Düna, so erfolgt sie jetzt von Südosten aus. Die erfolgreiche Erzwingung der Brückenköpfe bei Friedrichstadt und Lennewarden bringt jetzt reiche Früchte. Etwa 40 Kilometer von diesen Über­gangsstellen känrpsen am 13- die Truppen des Generals v. Belcw bereits nördlich der Düna, an ihrem rech­ten Nebenfluß, dem O g er. Mit stolzer Freude lesen wir es aus dem russischen Bericht. Erst kürzlich wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die tak­tische Folge unseres Sieges an den Düna-Brücken ein weiteres Vordringen nach Norden sein werde. Jetzt ist es zur Taffache geworden. Auf einer Breite von 30 Kilometer ist die russische Düna-F-vont g e - sprengt und ihre Verbindung mit Offfse und Düna­burg empfindlich unterbunden. Energisch stemmt sich die russische Gegenwehr gegen den Ansturm gegen den Brückenkopf von I a k o b st a d t. Wie _ lange sie auch noch standhalten möge, die ganze befestigte Fluß­linie wird binnen kurzem geräumt werden müssen. Gegen die Festung Dünaburg zieht sich der deut­sche Einschließungsring von drei Seiten her immer enger zusammen. Die Verbindungsbahn nach Wilna ist an zwei Punkten in deuffcher Hand. Also auch hier ist die Kampffront zerfetzt, der Zusammenhang .mit den beiden nördlichen Städten endgültig verloren. Die Rückzugsbahnen werden von unseren Lufffahrern beherrscht. Man zwingt hierdurch den Gegner in einer anderen Richtung als der gewollten abz-uziehen. Die Näherung mit Lebensmitteln und Munition wird ver­zögert. Der Gegner erlebt hierdurch bittere Enttäuschung. Wenn es auch nicht möglich ist, ihn bis zu einer e wollten Zeit in Front und Flanke zu fesseln, so muß er nun doch mehr Zeit und Menschen opfern als er will- Immer stärker wird der Druck -der Deuffchen von Süden. Die Armee des Prinzen Leopold von Bayern greift mit Erfolg weiter ostwärts an tbte Ufer der S ch a ra, die sowohl von -der Heeresgruppe Hindenburg wie von derjenigen des Prinzen Leopold von Bayern erreicht worden ist. Östlich Grodno pressen die Truppen des Generals v. -Scholz die russischen. Linien gegen den bereits gestörten Bahnknotenpunkt L i d a uud verstärk- ten diesen Druck im Laufe des 16. Ähnlich wie an den beiden nördlichen Brückenköpfen Friedrichstadt und Lennewavden entwickelte sich am Dienstag , ffir die Deutschen ein günstiger Kampf um den, wichtigsten Brückenkopf westlich Dünaburg. Die, Einschließung der Festung rückt demnach näher. Derweil bleiben aauh östlich Brest-Litowsk die Truppen des Generals von Mackensen in der Verfolgung gegen Pinsk.

Diese glänzenden deuffchen Wwffenerfolge müssen -den Russen die schwarze Wirklichkeit vor Augen führen.

Die so schnell und so hochgespannten Hoffnungsträume sind in ein Nichts zusammengesunken. Die Ernüchterung wind eintreten und mit ihr di-e lähmende Erkenntnis, daß auch dieses letzte Kartenhaus falscher Hoffnungen sehr schnell zusammenstürzen muß. M.

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Oer „Rjetsch" über die Panik und Angststimmung in Rutzland.

W. T.-B. Petersburg, 15. Sept. (Nichtamtlich.) . „Rjetsch" führt in einem Leitartikel unter der Überschrift „Quo vadis!'' aus: Zwei Wege sind offen, entweder tatenlos es G ehern lassen, oder Organisierung aller Kräfte. Eine unruhige Stimmung verbreite sich im ganzen Lande. Die Bauernschaft will helfen, weiß aber nicht womit. Sie er», wartet eine Leitung von der Regierung, die sich nicht einigen, kann. Falls nicht Durchgreifendes geschieht, wird RntzlwüH der Panik und Angst verfallen. /

Die Räumung von Kiew bereits in Angriff genommen.

Wegen Papiermangels erscheinen di« Zeitungen in '» Miuiaturformat.

W. T.-B. Kopenhagen, 16. Sept. (Nichtamtlich. Drahd« bericht.) Die „National Tidende" meldet aus Petersburgs Trotz ungeheurer übertriebener Siegesmeldungen, die di«! Russen jetzt über Galizien verbreiten, beginnen die Russen! bereits mit der Räumung von Kiew. Die Bevölkerung Südrußlands ist sehr aufgeregt darüber, daß ihre alte Haupt­stadt auf Anordnung der Regierung geräumt werden soll. MiL der Räumung ist bereits begonnen worden. Die Pro­fessoren der Hochschulen ziehen nach Saratow um. WegeH Paprermangels erscheinen die Zeitungen in MinLatiur-l formal.

Eine Panik in Minsk.

Stockholm, 15. Sept. (Zerrf. Bln.) Ncsh der „NowojS Wremja" haben die Erzählungen der Flüchtlrn-ge aus Dünaburg und Wilna eine Panik in Minsk hervorgerufem Die Bevölkerung rafft ihr Hab und Gut zusammen und ver­läßt massentveffe die Stadt. Sie zieht nach Chorel, BobrnisL und Smorgon. Auch in der Geschäftswelt von Minsk ist eine! Panik entstanden und nur dem energischen Eingreifen der! Verwaltung ist es gelungen, dem Schließen aller Geschäfte vorzubeugen. Der Gouverneur ermahnt die Bevölkerung zuff Ruhe. 700 Waggons Brot wurden für die hungernden! Flüchtlinge aus Riga gekauft.

Riga ernstlich bedroht!

Kopenhagen, 16. Sept. (Zens. Mn.) Der .Korre­spondent der „Times" an der russffchen Front Mf graphiert, daß Riga jetzt ernstlich bedroht fei, da die deuffchen Truppen südlich der Stadt cmg-Äcmgt seien-, es wären ausgezeichnete Vertsidiginugswerke an-' gelegt worden, die imstande sein werden, den Feind längere Zeit au-fzuhalten.

Lin französisches Zeugnis über die russische

vernichtungs-Rückzugstaktik in Polen.

Berlin, 16. Sept. (Zens. Bln.) Eine französische Zeitung bringt einen Bericht ihres Mitarbeiters, welcher dev russischen! Armee bei ihrem Rückzuge durch Polen gefolgt ist. Der fran­zösische Schrifffteller bestätigt, daß die Russen während ihres Rückzuges rücksichtslos und systematisch Leben und. Eigentum der Polen vernichteten. Polen habe viele schreckliche Schick- salsstüvme erlebt. Kriege und Revolutionen seien über das unglückliche Lcmd hrnweggejagt, aber alles das sei nichts im Vergleich dessen, !oas es jetzt erlebe. Beim Rückzüge war vom russischer Seite der Befehl gegeben worden, daß alles vom Erdboden verschwinden solle. Dem Bauern sagttz man: „Zünde dein Saus an!", dem Fabrikbesitzer: „Zerstör« deine FÄ>rik!" Der Bevölkerung der unglücklichen Städte unh Dörfer rief man gut: „Verschüttet die Brunnen, zerstört die Wege, schlagt die Wälder nieder, mäht die noch grünen Felder I"- Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht. Den ab-> ziehenden Bewohnern der Dörfer befahl man: „Reißt eurq

Kirche nieder!" Als sie sich auf die Knie warfen und riefen: „Das lönnen wir nicht!"ch,urden besondere Brandabteilungen! gebildet. Dies« begossen die Kirchen mit Petroleum und zün­deten sie mit Dynamitpatronen an. Polen sei heute «tng Wüste- Mehrere Millionen Menschen seien heimatlos in die Ferne getrieben worden. Mit Kolben­schlägen wurden sie auf den Landstraßen vorwärts gejagt.

Das deutsche Kriegsrecht in Warschau

Auflösung des polnischen Zentrallaudeskomrtees.

lir. Berlin, 16. Sept. «Eig. Drahtbericht. Zerbst Bln.) Der deutsche Generalgouverneur v. Be sei er in Warschau veröffentlicht in der „Deuffchen Warschauer: Zeitung" vom 14. September folgende Bekanntmachung: Von der Absicht geleitet, in den durch den Krieg schwer geschädigten polnischen Landesteilen jede Betätigung g e*. m-einnützig er Wohltätigkeit zu unterstützen, hat die vor meinem Amtsantritt verantwortliche deuhst