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jstifflttnt in zwei Ausgabe«. — BeruaA-PrefD:

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Die Alastm-Grenzsrage.

Unser Londoner n.-Korrespondent schreibt unterm 24. cr.:

Die Entscheidung der Alaska-Grenzfrage zugunsten der Verermgren Staaten rief in England Verstimmung und m Kanada die größte Erregung hervor. Nach den neuesten telegraphischen Mitteilungen von da, namentlich aber nach den gestrigen Erörterungen im kanadischen n. ^g?Ent zu urteilen, ist man aber in erster Linie über me Rolle empört, die das Mutterland bei der Angelegew hert gefprelt. Don vornherein erklärten die Vereinigten Staaten, unter keinen Umständen nachgugeben, so daß es eigentlich wenig oder gar keinen Zweck hatte, die Grenz­frage einem Schiedsgerichte zur Entscheidung zu über- tversen. England beging den Fehler, die Sache auf die lange Bank zu schieben, und würde die Iankees ehedem jedenfalls viel nachgiebiger gefunden haben. Seit der Entdeckung von Gold in Klondyke aber erlangte das einst fast wertlos betrachtete streitige Gebiet in den Augen der beiden Parteien eine hohe Bedeutung. Hätte man es mit einer kleinen Bauernrepublik anstatt mit einer Grotz- gehabt, so wäre Mr. Chamberlain wahr­scheinlich sofort mit einem Kriege zur Hand gewesen. Unter den obwaltenden Umständen war die englische Regierung jedoch lediglich auf den einzigen, der Moral und dem hohen Knitu rgra de der beiden Beteiligten ent­sprechenden Ausweg aus derartigen Schwierigkeiten an­gewiesen, nämlich auf die Einsetzung eines Schiedsge- richtes, wie es alberner Weise die Kommission nannte, der allein die Vereiiiigten Staaten die Entscheidung über­tragen mochten. Diese setzte sich aus sechs Mitgliedern Mammen, und der Beschluß der Mehrheit sollte ent­scheidend sein. Drei der Herren waren Repräsentanten bbr Bereinigten Staaten, Ztvei Kana-dier und einer der Lord -Oberrichter von England. Die beiden Kanadier lehnten es ab, dom Beschluß der Nankee-Kommisionsniit- glieder zuzustimmen, Lord Alvestone tat es, und so war die nötige Majorität geschaffen. England hat bei der Geschichte wieder einmal bewiesen, daß es die Freund­schaft der Nordamerikanischen Union um keinen Preis ver­scherzen möchte. Es wäre natürlich schon aus Gründen der Selbstachtimg unbedingt seine Pflicht gewesen, auf Entscheidung durch ein Schiedsgericht mit eineni un­parteiischen Oberrichter zu bestehen. Daß es das nicht getan, wird Kanada zeigen, welches doppeltes Spiel die Politiker des Mutterlandes treiben, und es höchst wahr­scheinlich weniger denn je geneigt machen, die Schutz- Sollpläne Dir. Ehamberlains zu fördern. Die Ver­stimmung der Kanadier über die Art und Weise wie der Grenzstreit „beigelegt" wurde, ist leicht verständlich weim man auf Grund einer alten Vertragsbestimmnnq die Karte von Alaska süidiert. Die Ijankees sind nämlich m -der Hauptsache zu einem, zehn englische Meilen breiten Landstreifen zwischen dem St. Elias-Berge und dem so- geiiannten Portland-Kanal berechtigt, und die Frage war nun die, in welcher Weise die Vermessung stattzufinden hatte. Die Kanadier wünschten, eine der Küste folgende Hauptlinie ohne Berücksichtigung der ausnehmend zahl­

reichen tiefen Einschnitte in der ungemein zerrissenen Küste als Basis anzunehmen. Den Vereinigten Staaten paßte dies aber ganz und gar nicht, und sie bestanden darauf, vonr Ende einer jeden, die Mündung der Flüsse bildenden Bucht aus zu messen, wodurch der zehn Meilen breite Landstreifen zu einein von dreißig Mellen wurde und Kanada rinter anderm die ungemein wichtige und inohr als hundert Meilen in das Land hineinreichende,

Der Atzungssaal des preuß. MMlieteniMses.

Zu den bevorstehenden Neuwahlen des Abgeordneten. Hauses vom preußischen Landtag hat nunmehr die Agi- tation der verschiedenen Parteien eingesetzt, und allmt- halben in der Monarchie iverden Wahlversammlungen -abgehalten, in denen die -bevorstehende zwanzigste Legis- laturperiode und die in derselben zu verhandelnden Vor-

Tribüne der Abgeordneten.

Frcis.Yolksparlci Fr eis. Vercinigtin/) A T ationalli&erale

Lynn-Kanal genannte Bucht und Flußmündung ent- risfen wurde. „Wir wollen nur hoffen", schrieb darüber eine hiesige Zeitung, „daß sich die Vereinigten Staaten bewegen lassen werden, wenigstens in Bezug auf den Lynn-Kanal einige kommerzielleZugeständnisse zu machen, damit Kanada den Schlag ctlvas weniger schwer empfinde ^a es wäre sogar wünschenswert, daß unsere Regierung ihnen anderwärts eine oder die andere Konzession dafür anbote, daß sie Kanada seinen Verlust etwas erträglicher machen!

Moden in der Krmee.

(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.»

Ein jeder will gern sein Licht leuchten lassen, und keiner mag häßlicher aussehen, wie cr ist, dies liegt in der Natur des Menschen begründet und trifft ebensowohl beim Australneger wie bei dem blasiertesten Großstädter zu. Ersterer bemalt sich mit den grellsten Farben und sucht den Schönheitsstrichen Schwung zu geben, er beutelt fein Haar in die Höhe, um größer auszusehen, und gibt sich in Gegenwart der edlen schwarzen Weiblichkeit Mühe, möglichst elegant (nach polynesischen Begriffen) zu er­scheinen. Der Kulturmensch zeigt fast genau dieselben Bestrebungen, nur durch höhere Bildung gemildert.

WaS wir Kulturmenschen aber den Antipoden voraus haben, ist die Kleidung, und wahrhaft schwelgen in neuen Mustern kann die Schneiderphantasie selbst derer, die ihren Beruf verfehlt haben und nicht „Marchand tailleur" geworden sind.

Man betrachte unsere Uniform, wiesieseinsoll, und wie sie in Wirklichkeit ist! Unwillkürlich kommt dem selbst Harmlosen die Überzeugung, daß mancher Offiziersrock ein wahrhaftes Genie der Nadel birgt!

Ob der vorschriftsmäßige Anzug gerade ein Ideal von Schönheit, wage ich nicht zu behaupteu, daß er aber kleidsamer wie die durch Modetorheiten verunstaltete gegenwärtige Offizieröuniforni ist, wird ein jeder zu- geben, der sich frei von dem Wiener Import — dem Gigerltum — gehalten hat!

Man sehe sich so eine tadellos „moderne" Offizicrs- gestalt an! Auf dem Kopf sitzt eine Mütze, die etwas zu E/, damit sie bis zu den Ohren herunter-

E>ast- Möglichst schmaler farbiger Streifen, unverhält­nismäßig großer Deckel, etwas schief aufgesetzt st la Ulan, gilt als allein faire! Ebenso ist das Gesicht der Beherrscherin Mode unterworfen, und man glaube ja nicht, daß der Leutnant von Distinktion seine Physivg- nomie trüge wie ein gewöhnlicher Sterblicher! In das linke oder rechte Auge gehört ein Monokel, das so fest sitzen muß, als sei es mit der Epidermis verwachsen. Der Träger markiert damit den Sportsmann, der nur so" sicher Hinderniffe nehmen kann. Ist Bart vorhanden, bleibt auf den Wangen ein fingerlanger Streifen st la englischer Kutscher stehen, während der Schnurrbart, und sei er noch so jämmerlich, mittels Habys „es ist erreicht" seiikrccht m die Höhe gebracht wird. Je kümmerlicher die Maniieszierde unter der Nase, desto länger läuft ihr Be­sitzer, besonders im Biwak und wo er sonst recht gesehen wird, mit der Bartbinde umher.

Den Mund ganz zu schließen oder zu lächeln oder fla . r * u ..l acfj ? n ' 6rlt nicht für vornehm, es verdirbt den geistig überlegenen Gesichtsausdruck!

Der geschilderte klassische Kopf entspringt einem far- blncn Kummet, welches nie breit genug sein kann. Leider setzen Schultern und Kinnlade der Höhe des Kragens ein Ziel, sonst würde er sicher 50 bis 60 Zentimeter "hoch ge­tragen werdcit. Je mehr Haken zum Schließen dieses WurgebandeS notig sind, um so mehr nähert sich der alürk- liche Besitzer der Vollkommenheit. ™ 0

Der Waffenrock ist dem feinen Manne ein Greuel, man steht so mannschaftsmäßig darin aus, und cs ist dem hellsten Kopf noch nicht gelungen, denselben dem Kleide der Zivil tragenden Menschheit ähnlich zu machen. Daß

Centrom

Freikonsenrative

Konservative

Witde

lagen erörtert werden. Auch das Wahlgesetz für den preußischen Landtag wird vielfach besprochen, und daher von den links stehend-eu Parteien eine Abänderung des- selben gefordert. Blau wird in -der Annahme nicht fehl gehen, daß im Abgeordnetenhause die Parteien für 'die neue Legislaturperiode mit geringenStärkeverschiebungen in der alten Zusammensetzung wieder einziehen. über letztere bringen ivir nebenstehend unseren Lesern eine anschauliche Darstellung, und zwar eine schematische Darstellung des Sitzungssaales des Hauses der A-bge-

der Rock nicht der Vorschrift entsprechen darf, versteht sich von selbst, doch leider sind die möglichen Entstellungen so wenig in die Augen springend, daß das Bestreben, an. genehm aufzufallen, nicht gelingt. Aber das nur irgend Denkbare geschieht, der Vorschrift ein Schnippchen zu schlagen. Der allein schicke Kragen ist schon erwähnt, dazu kommen »e nach Geschmack zu breite oder zu schmale Auf­schläge und Patten, enger oder weiter gearbeiteter Schoß und selbst kürzere oder längere Ärmel, je nachdem die ötegierungsasscssoren mehr oder weniger Manschetten Fhen lassen. Ganz anders verhält sich der Uberrock zur Modefrage, er steht und füllt mit dem Gehrock der aller, feinsten Menschheit, zu denen sich in erster Linie Attaches. Kammerherren und Börsengrößen zählen! Dieses seiner Einfachheit wegen kleidsame Uniformstück schwankt in der Schoßlängc vom Kaftan bis fast zum Attila.

Neuerdings in Farbe dem Waffenrocktuche gleich, er. füllt es die Sehnsucht der meisten Infanterie-Leutnants, welche schon längst nach dieser Couleur schmachteten. Ist es doch jetzt möglich, für einen Ulanen gehalten zu wer­den! Bei der Artillerie trugen früher nur die reitenden Abteilungen den blauen Uberrock und durften die zu und von dieser bevorzugten Waffe versetzten Offiziere die bisher besessenen Uberröcke auftrageu. Ich sah nie einen reitenden Artilleristen mit schivarzem Rock, wogegen bei den fahrenden Batterien stets das blaue Kleid erschien, selbst wenn dessen Träger schon vor 20 Jahren von der reitenden Elite zur gemeinen Knalldroschke zurückgeschleu. dert wurde.

Köstlich sind die Metamorphosen, welche das Bein, kleid erlebte. So lief das gesamte preußische Offizier- kvrpö in den 60er Jahren auf X-Beinen umher, welche durch die st La Sanduhr geschnittenen Hosen erzeugt wur­den. Je größer der Stiefel, desto weiter war die untere