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Verlag Lmrggaffe 81

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Donnerstag. 16. September 1915.

Morgen * Ausgabe.

Nr. 431. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Mißglückter russischer Gegenangriff nordöstlich Dubno. — Zahlreiche feindliche Reiterab­teilungen amStqr undpripiatj zurückgeworfen. — Erfolgreicher österreichisch-ungarischer Angriff im Tiroler Grenzgebiete. — Zusammenge­brochene italienische Angriffe auf den Iavorcek und im Vrsic-Gebiet.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 15. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 15. September, mittags:

Russischer Rriegsschaupla»:

Au der b e s s a r a b i s ch e n Grenze wiesen unsere Truppen einen russischen Angriff ab. Am D n i c st r und vor unseren Stellungen östlich von B u c z a c z herrschte Ruhe. Au allen anderen Teilen unserer g a l i z i s ch e n und wolhynischen Front kam es abermals zu schweren, sür de» Feind c r f o lg l os e n Kämpfen. Nordöstlich von Dubno ließ der Feind bei einem mißglückte» Gegenangriff nebst zahl­reichen ^oten 6 Offiziere und 868 Mann an Gefangenen und 3 Maschinengewehre als Beute zurück. Ungarische Heeres- und Landwehrbataillone und das Ötokaner In­fanterieregiment 79 hat hier unter Führung entschlossener, selbsttätiger Kommandanten neuerlich Proben kriegeri­scher Tüchtigkeit abgelegt. Im Wald und Sumpfgebiet des Sthr und des Pripiatj warf unsere Kavallerie in den letzten Tagen zahlreiche feindliche Reiterabteilungen zurück. Die in Litauen kämpfenden k. und k. Streitkräftc erreichten im Verein mit unseren Verbündeten die S z c z a r a.

> Italienischer Rriegsschauplatzi

Im Tiroler Grenzgebiet hielten die gewöhnlichen Geschützkämpfe auch gestern an. Östlich des Lodinut- f l u s s es schritten unsere Truppen zum Angriff und eroberten die feindlichen Stellungen auf dem Findenig-Äofel und auf>dem Kamme südöstlich dieses Grenzberges. An der kü st e n län d i sch e n Front feuerte die italienische Artillerie mit erhöhter Hef­tigkeit gegen unsere Stellungen von Javorcck bis zum Tolmciner Brückenkopf. Feindliche Angriffe auf den Javorcel und im V r s i c - Gebiet brachen zusammen. Ebenso wurden dir üblichen -Annäherungsversuche des Gegners im Abschnitt von Doberdo vereitelt.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Die hinausgeschobene russische Hochflut.

W. T.-B. London, 15. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Mor- uing Post" meldet aus Petersburg: Die Rückkehr der russischen Hochflut scheint wieder durch eine energi­schere Tätigkeit des Feindes hinausgeschoben zu sein, der auf der ganzen Front von Jakobstadt bis zu den Pinsker Sümpfen furchtbare Angriffe unternimmt.

ver „kour Iv märite“ für General von Scholz.

W. T.-B. Berlin, 15. Sept. (Nichtamtlich.) Der „Reichs­anzeiger" meldet die Verleihung des Ordens Bour 1e roerite an General der Artillerie v. Scholz.

Der Fall von Warschau von den Spaniern enthusiastisch begrüßt.

Bon befreundeter Seite erhalten wir einen Brief aus Spanien zur Verfügung gestellt, der sich über die Auf­nahme der Nachricht vom Fall von Warschau in einem Seebad nahe Sevilla wie folgt äußert:

„Warschaus Einnahme durch die Deutschen wurde hier, wo sehr viel altspanischer Adel weilt, mit großer Begeisterung ausgenommen. • Wir als die einzigen Deutschen wurden ungemein gefeiert. Eine Familie sandte uns einen Korb Champagner, andere Blumen ufw. Alles trank und jubelte uns zu. Wir bekamen von Sevillianer Freunden eine große Anzahl Telegramme. Alle Spanier sind sehr, sehr deutschfreund­lich. Es wohnen auch viele Engländer und Fran­zosen hier im Hotel; das dämpfte aber keineswegs den Jubel der Spanier über den Fall von Warschau."

Telegrammwechsel zwischen dem Zaren und Rönig Georg.

Nr. Rotterdam, 15. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Zar drahtete an den Königvon England: In die­ser ernsten Zeit, welche mein Land durchmachi, entschloß ich mich, den Oberbefehl zu übernehmen. Indem ich Dir das mit­teile, spreche ich Dir meine Überzeugung aus, daß mit

Gottes Hilfe und mit vereinten Kräften die Bundesgenoffen i'om Sieg gekrönt sein werden. — König Georg antwor­tete, daß er den Entschluß des Zaren mit Genugtuung er­fahren habe. Er sei ebenso überzeugt, daß die tapferen Truppen mit Gottes Hilfe den ehrenvollen Frieden sichern werden. Meine Gedanken, so schließt der König der Briten, sind mehr denn jemals in dieser kritischen Zeit bei Dir.

Ernste warnungeu an die Radikral-polen.

Posen, 14. Sept. (Zens. Bln.) Der Ortskommandant von Lodz hat folgende Bekanntmachung erlassen: Fortgesetzt wer­den in der Stadt zur Revolution auffordernde polnische Flugblätter verbreitet. Auch gehen der Kaiserlich deutschen Ortskommandantur fortgesetzt Meldungen dahin zu, daß die radikal-polnische Partei Umzüge und sonstige nach außenhin wirkende revolutionäre Schritte beabsichtigt. Trotz der g ä n z- lichen Aussichtslosigkeit solcher Pläne gegenüber den Machtmitteln der Kaiserlich deutschen Regierung mag es tatsächlich Verführer und Verführte geben, welche an die Mög­lichkeit eines Erfolges ihrer Bestrebungen glauben. Diesen sei warnend mitgeteilt, daß die Kaiserlich deutsche Negierung im gegebenen Fall, gegen alle Störer der Ruhe und Ordnung in der Stadt mit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln und mit unnachsichtiger Strenge einschreiten wird.

Oie Geschicklichkeit der Deutschen im Straßenbau.

Russische Anerkennung.

W. T.-B. Petersburg, 15. Sept. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die „Rjetsch" bewundert die Energie der Deut­schen bei der Instandsetzung von Wegen durch knwirtsame Sümpfe. Alle Straßen würden durch Holzblöcke fahrbar gemacht und die ganze Bevölkerung her­angezogen, um unter der Leitung von Zivilingenieuren neue Straßen zu bauen. Die Arbeit gehe so flott, daß mit jedem Tag Dutzende von Wersts fertig werden. In maßgeben­den militärischen Kreisen glaubt man, daß die Verteidigungs­linie noch weiter zurückgelegt werden müsse.

Warum Rußland die Juden von jetzt an besser behandeln will.

London, 15. Sept. (Zens. Bln.) Infolge der ablehnen­den Haltung, die das einflußreiche Bankhaus Rothschild und Söhne auch noch während des Krieges gegenüber allen Vorschlägen der russischen Regierung zu sinanziellen Trans­aktionen eingenommen hat, haben die russischen amtlichen Unterhändler, die die Unterstützung Rothschilds zu ihrer nächsten großen Ausländsanleihe unbedingt brauchen, sich ver­anlaßt gesehen, den Chef des Bankhauses durch ein direktes Telegramm von der Kursänderung der russischen Politik zu­gunsten der Juden zu benachrichtigen. Der Präsident der Internationalen Kommerzbank in Petersburg, Direktor Wischnegradski, drahtete im Auftrag der russischen Regierung an Rothschild, daß die Hauptforderungen der russischen Inden angenommen seien. Die Juden erhalten das Recht der Frei­zügigkeit, das Erwerbsrecht von Grundbesitz überall, mit Aus­nahme kaiserlicher Residenz- und Hauptstädte, sowie eine er­weiterte Erlaubnis zum Schulbesuch für ihre Kinder. Wischne­gradski erklärte weiterhin, daß seiner Auffassung noch die russische Regierung durchaus nicht abgeneigt ist, nach dem Kriege der jüdischen Bevölkerung auch noch weiteres Entgegen- kommen zu beweisen.

Die Besichtigung der deutschen und russischen

Gefangenenlager durch Rote Kreuz-Schwestern.

W. T.-B. Berlin, 15. Sept. (Nichtamtlich.) Zwischen dem deutschen und dem russischen Roten Kreuz ist vor einiger Zeit, wie erinnerlich sein dürste, unter Zustimmung der beteiligten Regierungen vereinbart worden, daß drei deutsche Rote-Kreuz-Schwestern Rußland und drei russische Rote-Kreuz-Schwestern Deutschland bereisen, um mit Dele­gierten des dänischen Roten Kreuzes die Kriegsgefangenen- und Zivilgefangenenlager zu besichtigen. Die deutschen Rote- Kreuz-Schwestern sind in Rußland eingetroffen und an der russischen Grenze von einer Abordnung des russischen Roten Kreuzes empfangen worden. Die russischen Rote-Kreuz- Schwestern können mit Rücksicht auf den menschenfreundlichen Zweck ihrer Reise während ihres Aufenthaltes in Deutschland gleichfalls auf vollstes Entgegenkommen aller beteiligten Stellen rechnen.

Hindenburg an die Stadt Berlin.

Aus Anlaß der Einweihung der neuen Brücke im Zuge der Bornholmer Straße war vom Oberbürgermeister Wermuth namens des Magistrats an den Generalfeldmarschall v. Hindenburg ein Telegramm gerichtet worden, auf das jetzt seitens des Generalfeldmarschalls folgende telegraphische Ant­wort eingegangen ist: „Ter Reichshaupfftadt danke ich herz- lichst für die mir durch Ew. Exzellenz gütigst übermittelten Grüße. Gern gebe ich meine Zustimmung zur Einholung der Genehmigung Seiner Majestät zur Benennung der neuen Brücke nach meinem Namen. Ich erblicke hierin nicht nur eine Ehrung meiner Person, sondern vor allem der Truppen, die in schweren Kämpfen meiner Führung anvertraut waren, und zu denen auch viele Söhne der Reichshaupfftadt gehören. 'Wir werden weiter unsere Schuldigkeit tun und mit Gottes Beistand den Feind endgültig niöderwerfen.

Feldmarschall v. Hin denbur g."

ver Krieg gegen England.

Der letzte Zeppelinangriff auf England; ~

Drei weitere Personen verletzt.

W. T.-B. London, 15. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das Pressebureau meldet: Ein Zeppelin suchte in der Nacht vom 13. zum 14. d. M. die O st k ü st e heim und warf Bomben ab. So weit festgestellt ist, wurde niemand verletzt und kein Schaden angerichtet. Feste und bewegliche Abwehrkanonen feuerten auf das Luftschiff.

Es handelt sich wohl um den bereits gemeldeten Angriff.

W. T.-B. London, 15. Sept. (Nichtamtlich. Reuter.) Drei wertere Fälle von Verwundungen, die durch ein Flugzeug an der Küste von K e n t verursacht wurden, find gestern gemeldet worden. Sonach wurden im ganzen sechs Frauen und ein Mann verletzt, davon zwei Frauen schwer.

Die englischen Verluste.

London, 15. Sept. (Zenf. Bln.) In der gestrigen Par­lamentssitzung wurde von der Regierung bekauntgegeben, daß die englischen Verluste seit Beginn des Krieges bis 31. August auf allen Schauplätzen betrugen: Tot 4905 Offiziere und 70 992 Mann, verwundet 9973 Offiziere und 241 086 Mann, vermißt 1501 Offiziere und 53 466 Mann. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, L. Harrourt, erklärte: „Ich gehöre nicht zu denen, die erwartet hatten, daß der Krieg von ftirzer Dauer sein würde. Ich habe stets angenommen, daß er wenigstens zwei Jahre dauern würde. Lord Kitchener meinte drei Jahre. Diejenigen, die einen langen Krieg erwartet haben, erleben keine Enttäuschung in der Lage der Verbündeten im gegenwärtigen Augenblick nach dreizehn Monaten Kriegsführung."

Oie Bewegung unter den englischen Eisenbahnern.

W. T.-B. London, 15. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)' Der geschästsführende Ausschuß des E i fen b ahn er Ver­bandes begann die Beratungen der LohnfoaÄevungen und beschloß, nicht die einzelnen Forderungen der verschiedenen Gruppen des Berbandes zu behandeln, sondern die Forde­rungen für die Gesamtheit der Eisenbahner Großbritanniens aufzustellen. Der Ausschuß ist bereit, entweder mit den Bahngesellschaften direkt zu verhandeln oder das Schieds­gericht des Handelsamtes anzurufen. Es wird betont, daß' die bisher bewilligte Kriegszulage infolge der Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse völlig unzulänglich sei.

Der Kampf um die Wehrpflicht-

W. T.-B. Manchester, 15. Sept. (Nichtamtlich. Dvahkbe- richt.) Der „Manchester Guardian" sagt in einem Leitartikel: Das englische Volk wird die Wehrpflicht nur annehme», wenn ihm bewiesen wird, daß es ein. uneutbchrlichks Mittel des Sieges sei, aber die Beweisführung hat wicht einmal begonnen.

Kein Geld für die Friedcnsbestrcbungen der inter­nationalen Kommission der Sozialistenpartei. J

W. T.-B. London, 15. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: Die Zentralabteilung der englischen sozialistischen Partei hat in einer Versammlung am 13. September folgende Entschließung angenommen: Ange­sichts des Beschlusses der englischen Sektion des internatio­nalen sozialistischen Bureaus sowie der französischen und bel­gischen sozialistffchen Partei, keine Verhandlnngen mit sozia­listischen Abgeordneten feindlicher Länder anzuknüpfen und angesichts der unbefriedigenden zweideutigen Stellung des sozialistischen Bureaus im Haag, ferner um den Abscheu über las illoyale Betragen verantwortlicher Mitglieder der sozia­listischen Partei auszudrücken, die versucht haben, den Beschluß der englischen Sektion des internaffonalen sozialistffchen Bureaus zu umgehen, indem sie einen Abgeordneten nach Bern entsenden wollte, weigert sich die Abteilung in Beant­wortung des Ersuchens der internaffonalen Kommission der englischen sozialistischen Partei, für diesen Zweck irgend welche Geldbeiträge zu leisten.

Zur letzten englischen Kriegsanleihe.

W. T.-B. London, 15. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Unterhaus teilte Mac Kcnna mit, daß der Verkauf der Bonds über die Kriegsanleihen im Betrage von 6 und 10 Schilling und 1 Pfund sowie von Bescheinigungen über 5 Pfund bis zmn 4. September 2 473 000 Pfund Sterling be­tragen hat. Nicht inbegriffen hierin sind die Zeichnungen auf Anleihebefcheinigungen durch Vermittlungen der Postämter und Banken, die bis zum 4. September 30614 000 Pfund Sterling betrugen.

Oie 4-Milliardenanleihe des Vierverbandes in Amerika.

Die Negierung duldet die Finanzoperation.

W. T.-B. Washington, 15. Sept. (Nichtamtlich. Draht- bcricht.) Reuter erfährt an hochoffiziöser Stelle, daß die Re­gierung der Vereinigten Staaten die Verhand­lungen mit Vertretern der Alliierten wegen einer Anleihe von 4000 Millionen Mark weder billigt noch vritzbilligen wird. Man nimmt den Standpunkt ein, daß die Bankiers der Regie­rung keine Mitteilung gemacht haben und deshalb ftei seien und nach Belieben eben handeln könnten, so lange sie kein Ge­setz verletzen. Trotz des enormen Betrags sehen die Behörden die Anleihen als einen Nothand elskredit.Au,

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